Dreingau

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Der Dreingau (ältere Form das Dreingau vergl. Gau) war ein Gebiet im Stammesherzogtum Sachsen.[1] Historisch erscheint der Name erstmals lateinisch als in pago Dreini[2], Dragini oder Draigni[3] in den Beschreibungen der Sachsenkriege, ausgetragen von den Franken gegen die zum Stamm der Sachsen gehörigen Westfalen im 8. Jahrhundert.[2][3] Die Bezeichnung Dreini hielt sich in karolingischer Zeit.[1] Weitere historische Namensformen sind Dragani, Dreni, Dreen oder Reinidi.[4]

Deutungen der Gebietsbezeichnung[Bearbeiten]

Dreingau bedeutet so viel wie ertragreiches Land.[5] Nach anderer Quelle heißt „drein“ so viel wie „trocken“ (vergleiche Englisch „dry“) und könnte von der Lage auf dem Münsterländer Kiessandzug herrühren.[4]

Geographie[Bearbeiten]

Seine Südgrenze wurde durch die Lippe zwischen Lippstadt und Lünen gebildet. Bis zur nördlich gelegenen Stadt Greven bildet der Dreingau eine dreieckige Form.[4] Südlich der Lippe schloss der Brukterergau an.[1] Im Westen grenzte der Dreingau an die Gaue Bursibant um Rheine, den Skopingau um Schöppingen und den Stevergau längs der Stever um Coesfeld.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 784 fand im Rahmen der Sachsenkriege im Dreingau ein Reitergefecht statt, an dem auch Karl der Jüngere, Sohn Karls des Großen teilnahm.[3][6] Von ca. 800 bis 1122 waren die Grafen von Cappenberg Gaugrafen des Dreingaus.[4] Zum Dreingau gehörte auch der Herrenhof in Seliheim, dem heutigen Selm.[1][7]

Als Gottfried von Cappenberg 1122 den gesamten Cappenberger Besitz dem Prämonstratenserorden schenkte, kam das Dreingau unter die Verwaltung der Bischöfe von Münster. Damalige Pfarreien waren Münster, Warendorf, Beckum, Ahlen und Werne.[4]

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts brandschatzten Truppen unter der Führung von Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel während des Dreißigjährigen Krieges die Dreingauer Umgebung.[4]

Heutiger Namensgebrauch[Bearbeiten]

Heute findet der Name kaum noch Verwendung. Lediglich in Drensteinfurt finden sich Bezüge zu der alten Bezeichnung z. B. im Namen der Dreingau Zeitung aus dem Medienhaus Lensing.[8] Außerdem trägt in der Stadt eine Turnhalle die Bezeichnung Dreingau-Halle.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Johann Gottlieb Heineccius: Opuscula postuma: in quibus historia edictorum edictique perpetui, ipiusque edicti perpetui, ordini et integritati suae restituti partes II, vita Ludouici Germanici Imp. aliaque continentur, Orphanotropheum, Halae 1744, S. 913 (Google eBook)
  2. a b „contra Westfalos in pago, qui dicitur Dreini“ (Martina Giese (Hrsg.): MGH SS rer. germ. sep. ed. 72: Die Annales Quedlinburgenses. Hahn, Hannover 2004, S. 431 ISBN 3-7752-5472-2)
  3. a b c Einhardus; Georg Heinrich Pertz (Hrsg.); Friedrich Kurze: Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum ex monumentis Germaniae historicis separatim editi: Annales regni Francorum inde ab a. 741 usque ad a. 829 qui dicuntur Annales/Laurissenses maiores et Einhardi. Hahn, Hannover 1895, S. 68-69
  4. a b c d e f g Belege fehlen
  5. Leopold Karl Wilhelm August von Ledebur: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preussischen Staates. Band 7
  6.  Rudolf Schieffer: Die Karolinger. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-019099-7, S. 80.
  7. Organisationsteam "1150-Jahre Selm" (Hrsg.): Festschrift zur 1150-Jahr-Feier der Stadt, Selm 2008 (Bestand der Bibliothek im FoKuS Selm)
  8. Homepage der Dreingau Zeitung, abgerufen am 25. April 2012 (online)
  9. Homepage der Stadt Drensteinfurt, abgerufen am 25. April 2012 (online)

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Sökeland: Über die Straßen der Römer und Franken zwischen der Ems und Lippe. Münster 1825, S. 55ff. (Google bücher).
  • Leopold Karl Wilhelm August von Ledebur: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preussischen Staates. Band 7. Berlin, Posen und Bromberg 1832, S. 207ff. (Google bücher).
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder: die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 1988, S. 148. (Google bücher).