Edom

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Der Name Edom (hebr.אדום‎) bezeichnet sowohl einen Stammesverband, der seit der späten Eisenzeit östlich der Jordansenke siedelte, als auch das von diesem bewohnte Land selbst (vgl. Idumäa). Zusammen mit den Aramäern, Midianitern, Israeliten und Joktanitern werden die in der Bibel erwähnten Edomiter zu den Hebräern gerechnet.

Name[Bearbeiten]

Edom in Hieroglyphen
M17 A2 D46 Z7 G17
D36
T14 N25

Jdm
Edom [1]

Edom bedeutet „rot“ [2] und leitet sich möglicherweise von der Farbe des Sandsteingebirges östlich der Araba-Senke ab. Er wird erstmals in einem ägyptischen Text gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt. Die Farbe Rot bzw. Rottöne werden im AT symbolisch häufig zur Darstellung des Blutes/Lebens und der Aktivität/Lebendigkeit, der Macht und Stärke (Jesaja 63, 2-3 EU), aber auch mit negativen Vorzeichen im Kontext der Sünde (Buch der Weisheit 13, 14 EU) und der dazugehörigen Reue (4. Mose, 19, 1 ff EU) verwandt.

Berichte der ägyptischen Pharaonen aus der 18. Dynastie nennen ein Land Edom, welches an Ägypten Tributzahlungen erbringen musste. Es lag westlich des Orontes, unterhalb von Aleppo am Orontesknick. In der ägyptischen Sprache wurde es Schamasch-Edom genannt. Ob eine Verbindung zum biblischen Edom bestand, kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden.

Die Geschichte und das Gebiet Edoms wird zur Zeit vor allem von französischen Archäologen und Historikern und von der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg erforscht. Pierre Bordreuil vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) vertritt die Meinung, dass eine Besonderheit paläographischer Art, nämlich die große Ähnlichkeit der hebräischen Konsonanten Daleth und Resch, wiederholt zu einer Verwechslung der Namen Aram und Edom geführt hat. Er meint, dass im 2. Buch Samuel 8,13 EU statt „Aramäer“ eigentlich „Edomiter“ und im 1. Buch der Könige 11,14 EU eigentlich „Aramäer“ und „Aram“ anstelle von „Edomiter“ und „Edom“ zu lesen sei. A. Lemaire vertritt die Ansicht, dass die edomitische Königsliste im Buch Genesis 36,31-39 EU ursprünglich eine aramäische Königsliste war.

Geografie[Bearbeiten]

Das Königreich Edom bei seiner größten Ausdehnung (rot) und die ungefähre Ausdehnung Idumäas in der klassischen Zeit (dunkel)

Das Gebiet lag östlich des südlichen Teils der Jordansenke, dem Wadi Araba zwischen dem nördlich gelegenen Moab (Grenze Wadi Hesa) und dem südlich gelegenen Seir (Seirgebirge) und gehört heute zu Jordanien.

Laut mehreren Bibelstellen (Gen 32,4 EU, Jos 11,17 EU) stammen die Edomiter aus dem südwestlich des Toten Meeres gelegenen Gebirge Seir.

Das Siedlungsgebiet der Edomiter überschneidet sich mit den ab 600 bis 400 v. Chr. von Idumäern und Nabatäern besiedelten Gebieten. Die genaue Beziehung zwischen diesen Ethnien ist unklar.

Insbesondere ist ungeklärt,

  • ob die Idumäer mit den Edomitern identisch waren oder eine abgespaltene besondere Volksgruppe waren,
  • ob die Nabatäer Nachkommen der Edomiter waren oder ob sie diese verdrängten oder überlagerten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Edomiter waren zunächst ein späteisenzeitlicher Stammesverbund von Ackerbauern (vor allem auf dem Kreidekalkplateau) und Viehzüchtern (vor allem im Sandsteingebirge), wurden aber nach der Unterwerfung durch den israelitischen König David zu einem Staat mit zentraler Verwaltung umorganisiert (2 Sam 14,22 EU). Die Israeliten, deren Bibel das (parteiische) Hauptzeugnis über die Edomiter darstellt, hielten die Edomiter für Nachkommen des Esau und damit für Stammesverwandte (vgl. Gen 36,10–19 EU; Dtn 2,4–8 EU).

Edom war unter anderem

  • Teil von König Davids Reich
  • selbständiger Staat (850 v. Chr. Abfall von Juda und Einsetzung eines eigenen Königs)
  • assyrischer Tributstaat (Regierungszeiten der assyrischen Könige Adadniranris III. bis Assurbanipals)
  • neubabylonischer Provinzteil (Mitte des 6. Jahrhunderts, wahrscheinlich ab 552 v. Chr., unter König Nabonid Bestandteil der Provinz Arabia)
  • persische Provinz (Eroberung 539 v. Chr., selbständige politische Einheit bis um 400 v. Chr.)

Die unter römischer Oberherrschaft in Israel und Juda herrschende Dynastie des Herodes war edomitischer Herkunft, es handelte sich allerdings um eine judaisierte Familie.

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Nach archäologischen Befunden wurden ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. verschiedene Verteidigungsanlagen durch die Edomiter erbaut. So z. B. in Buseira (Bosra, Buseirah), 45 km nördlich von Petra, eine Metropole und wichtiges Verwaltungszentrum des Landes.

Reste einer weiteren Stadt, dem von Asarja, König von Juda, ausgebauten Eilat, wurde bei Grabungen am Tell el-Cheleifeh (nördlich Aqaba) entdeckt. Entscheidend für die archäologischen Fortschritte war in den 1960er Jahren die Ausgrabung der schon 1929 von G. Horsfield entdeckten edomitischen Siedlung von Umm-el-Bijara durch C.-M. Bennet und die Identifizierung der typischen edomitischen Keramik durch N. Glueck. Diese ermöglichte es, edomitische Siedlungen wie z. B. Elat im Tell el-Cheleifeh, Buseira, es-Sela und Tawilan sicher zuzuordnen.

Edom als Synonym[Bearbeiten]

In der späteren jüdischen Geschichtsschreibung wurden „Edom“ und „Esau“, aufgrund der häufigen Verwendung der Farbe Rot in den Bannern und Standarten der Römer, zur Beschreibung des römischen Imperiums genutzt, möglicherweise auch aufgrund des blutigen Regimes der Römer in Judäa. In mittelalterlichen rabbinischen Texten wird Edom häufig als Synonym für das byzantinische Reich (das sich selbst als fortbestehendes Römisches Reich betrachtete) oder das Christentum verwendet.

Edom in der Literatur[Bearbeiten]

Diese synonyme Verwendung des Wortes Edom findet sich häufig in den historischen Romanen von Lion Feuchtwanger. So z. B. in Die Jüdin von Toledo, wenn Jehuda negativ von den Söhnen Edoms spricht. Oder auch in Jud Süß: „Die Bosheit der Frevler ist groß, die Tücke Edoms hebt sich mächtig auf gegen Israel.“[3]

In seinem Gedichtband Was noch blieb von Edom benutzt der rumäniendeutsche Dichter Horst Samson den Begriff Edom im Sinne von Staat, Vater-Land, Land der Väter, in dem die Diktatur wütet, alles zerstört und die Menschen zur Flucht treibt, was zur feinsinnigen poetischen und metaphorischen Überhöhung Edoms als „innere Heimat“ führt, die Emigranten und Flüchtlinge als wichtiges virtuelles Gepäck für ewig mit sich schleppen.[4]

Religion[Bearbeiten]

Hauptgott der Edomiter war Qaus. Sein Name bedeutet „Bogen“, vermutlich ist Regenbogen gemeint (vgl. auch Gen 9,13 EU). Qaus war demnach ein Wettergott, der später auch kriegerischen Charakter annimmt.

Ab der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. erscheint der Gottesname zunächst als Namensbestandteil für edomitische Könige: Qaus-Malak (Qaus ist König) oder z. B. ca. 677-667 v. Chr. König Qaus-Gabar (Qaus ist stark). Ein Verwaltungstext aus den 6. Jahrhundert v. Chr. beginnt mit den Worten: „Ich segne dich im Namen des Qaus.“ Jahrzehnte später häufen sich in Edom Eigennamen, die „Qaus“ als Namensbestandteil enthalten.

Auch nach dem Verlust der nationalen Selbständigkeit nach der Hellenisierung wurde Qaus von den Edomitern verehrt, wie zahlreiche ins Griechische übertragene Namen belegen. Noch Flavius Josephus kennt ihn in der Form „Koze“.

Die überragende Stellung von Qaus führte wohl dazu, dass die Bibel die Edomiter an mehreren Stellen zu den Anhängern Jahwes rechnet. Nach dem Deborahlied gehören Edom und Seir zu den Ländern, in denen sich Jahwe gezeigt hat (vgl. Ri 5,4 EU).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Bordreuil: Eine lange gemeinsame Geschichte mit Israel. In: Welt und Umwelt der Bibel, Heft 7, 1. Quartal 1978, S. 22
  • Manfred Lindner: Die Edomiter in Südjordanien. In: Welt und Umwelt der Bibel, Heft 7, 1. Quartal 1978, S. 57–58
  • Mary L. T. Witter: Edom und die Edomiter. Bohmeier Verlag 2005, ISBN 3-89094-451-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rainer Hannig: Großes Handwörterbuch Ägyptisch-Deutsch : (2800 - 950 v. Chr.). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-1771-9, S. 1122.
  2. Anm.: Das Adjektiv ist אָדוֹם - ’ādôm. Das entsprechende Verb lautet אדם - ’dm in Bdt. v. rot werden bzw. rot sein.
  3. Lion Feuchtwanger: Jud Süß. Aufbau, Berlin 2002, S. 258.
  4. Nosmas Verlag, 1994