Edward Whymper

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Edward Whymper (Oktober 1910)

Edward Whymper (* 27. April 1840 in London; † 16. September 1911 in Chamonix, Frankreich) war ein britischer Bergsteiger. Bekanntheit erlangte er insbesondere durch die Erstbesteigung des Matterhorns.

Leben[Bearbeiten]

Whymper wurde in ärmlichen Verhältnissen geboren und erlebte eine Jugend ohne große Zukunftsperspektiven. Der Verleger Thomas Longman aus London entdeckte dessen zeichnerische Begabung und schickte ihn als Illustrator in die Alpen. Hier begann Whymper sich für das Bergsteigen zu interessieren. Bereits 1864 machte er Furore mit der Erstbesteigung der Barre des Écrins, der Aiguille d'Argentière und des Mont Dolent sowie 1865 mit der Erstbesteigung der Aiguille Verte, und der Grandes Jorasses (Pointe Whymper) im Frühsommer 1865. Seinen Platz in der Geschichte der Bergsteiger fand er endgültig mit der anschließenden Erstbesteigung des Matterhorns.

Die erste Besteigung dieses 4'478 m hohen Berges gelang ihm am 14. Juli 1865. Die von ihm gewählte Route führte von Zermatt aus über den Hörnligrat zum Gipfel und ist mit dem heutigen Normalweg weitgehend deckungsgleich. Neben Whymper gehörten der erfolgreichen Seilschaft auch seine Landsleute Lord Francis Douglas, Reverend Charles Hudson und Robert Hadow sowie die Bergführer Michel Croz aus Chamonix, Peter Taugwalder und dessen gleichnamigen Sohn aus Zermatt an. Sie setzten sich dabei in einem Zweikampf gegen Jean-Antoine Carrel durch, der zur selben Zeit den Anstieg über den Lion-Grat vom italienischen Breuil versuchte.

Beim Abstieg der Seilschaft stürzten vier Männer über die Nordwand zu Tode. Der im Hochgebirge noch relativ unerfahrene Hadow rutschte aus, stürzte auf Michel Croz und zog Charles Hudson und Lord Francis Douglas mit sich. Beim Versuch Taugwalders, die Stürzenden zu halten, riss das Seil. Edward Whymper, Vater und Sohn Taugwalder kehrten heil nach Zermatt zurück. Staatsrat Joseph Anton Clemenz führte die nachfolgende strafrechtliche Untersuchung durch. Der Vorwurf, Whymper habe das Seil durchschnitten, konnte jedoch nicht bestätigt werden.[1]

Whymper verfolgten die Erinnerungen an den Unfall:

„Every night, do you understand, I see my comrades of the Matterhorn slipping on their backs, their arms outstretched, one after the other, in perfect order at equal distances—Croz the guide, first, then Hadow, then Hudson, and lastly Douglas. Yes, I shall always see them…“

„In jeder Nacht, verstehst du, sehe ich meine Kameraden vom Matterhorn auf ihren Rücken rutschend, ihre Arme ausgestreckt, einer nach dem anderen, in perfekter Anordnung mit gleichen Abständen - Croz der Führer zuerst, dann Hadow, dann Hudson und zuletzt Douglas. Ja, ich werde sie immer sehen…“

Mit der Besteigung des Matterhorns endet die Zeit der großen Erstbesteigungen und die sogenannten „Goldenen Jahre“ des Alpinismus.

1880 bestieg Edward Whymper den 6310 Meter hohen Anden-Vulkan Chimborazo in Ecuador als erster. Von der nach ihm benannten 5000 Meter hoch gelegenen Schutzhütte führen noch heute mehrere, unterschiedlich schwierige Routen zum Ecuador- bzw. Whymper-Hauptgipfel.

Danach widmete er sich der Schriftstellerei, befasste sich mit Höhenphysiologie und betrieb in den Rocky Mountains mit einer Schautruppe Schweizer Bergführer Werbung für die Canadian Pacific Railway. 1904 initiierte er die Erstbesteigung des Crowsnest Mountain in den "Rockies". Als Außenseiter gemieden, starb Whymper 1911 in Chamonix.

Seinen Namen tragen noch heute der zweithöchste Gipfel der Grandes Jorasses (Pointe Whymper) und das Whymper-Couloir an der Aiguille Verte.

Der Zweikampf um die Erstbesteigung des Matterhorns wurde auch verfilmt. Unter der Regie von Nunzio Malasomma entstand 1928 nach dem im selben Jahr erschienenen Tatsachenroman Der Kampf ums Matterhorn von Carl Haensel ein Stummfilm gleichen Namens, Luis Trenker drehte 1938 den Film Der Berg ruft.

James Ramsey Ullman verarbeitete die Ereignisse um die Erstbesteigung in seinem 1954 veröffentlichten Roman Rudi der Bergführer (Banner in the Sky). Darin nahm er sich gegenüber dem tatsächlichen Ablauf allerdings einige dichterische Freiheiten heraus und änderte auch die Namen der Beteiligten. Das Buch wurde 1959 von Ken Annakin unter dem Titel Der dritte Mann im Berg (Third Man on the Mountain) verfilmt. Die Hauptrollen in dieser Walt-Disney-Produktion spielten Michael Rennie, James MacArthur, Janet Munro, James Donald und Herbert Lom.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

als Schriftsteller

Als Illustrator

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Smythe: Edward Whymper. Ein Bergsteiger- und Forscherleben. Hallwag, Bern 1940.
  • Walter Unsworth: Matterhorn Man. The life and adventures of Edward Whymper. Gollancz, London 1965.
  • Ian Smith: Shadow of the Matterhorn. The life of Edward Whymper. Carreg, Ross-on-Wye 2011, ISBN 978-0-9563163-1-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edward Whymper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Emil Henry: Triumph and Tragedy: The Life of Edward Whymper. Matador, Leicester 2011, ISBN 978-1848765-788, Kapitel 14.