St. Niklaus VS

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VS ist das Kürzel für den Kanton Wallis in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens St. Niklaus zu vermeiden.
St. Niklaus
Wappen von St. Niklaus
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Visp
BFS-Nr.: 6292i1f3f4
Postleitzahl: 3924
Koordinaten: 627902 / 11471646.183337.7999991120Koordinaten: 46° 11′ 0″ N, 7° 48′ 0″ O; CH1903: 627902 / 114716
Höhe: 1'120 m ü. M.
Fläche: 89.37 km²
Einwohner: 2325 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 26 Einw. pro km²
Website: www.st-niklaus.ch
Jungen

Jungen

Karte
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St. Niklaus (walliserdeutsch Zaniglas, französisch Saint-Nicolas) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Visp des Kantons Wallis in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

St. Niklaus liegt im Nikolaital, umrahmt von Viertausendern auf etwa 1'120 m ü. M. Die Gemeinde ist eine Streusiedlung, sie besteht aus drei Dorfsiedlungen

und gilt mit einer Längenausdehnung von 7,5 km als längstes Dorf im Oberwallis.

Kirche von St. Niklaus
Bahnhof St. Niklaus der Matterhorn-Gotthard-Bahn
Blick von Jungen auf St. Niklaus und das Mattertal. Im Hintergrund das Klein Matterhorn und Breithorn

Von den rund 9000 ha Gemeindefläche sind gerade nur 4000 ha produktive Fläche.

Geschichte[Bearbeiten]

Hervorgegangen ist dieses Dorf aus einem Treffpunkt eines römischen Handelsweges, später wurde St. Niklaus zu einem Zentrum des Handels. Im weiteren Verlauf fand dieser Handelsweg Zulauf durch Kranke und Gebrechliche, die an der nahe gelegenen Heilquelle, der Augstbordquelle, ihre Leiden zu lindern suchten.

Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Aufteilung der Kommune in vier Verwaltungseinheiten, deren Wurzeln sich im heutigen Gemeindewappen widerspiegeln.

Im Jahre 1866 vereinigten sich die zwei bis zu diesem Zeitpunkt noch selbständigen Gemeinden St. Niklaus Matt und St. Niklaus Dorf zur neuen Gemeinde St. Niklaus. 1870 wurde die Gemeinde Gasenried mit St. Niklaus fusioniert. Seit dem 26. August 1890 führt die Matterhorn-Gotthard-Bahn an St. Niklaus vorbei.

Die Bergführerdynastie von St. Niklaus (Zaniglas)[Bearbeiten]

Die Pioniere des Alpinismus[Bearbeiten]

In der alpinen Literatur lesend, treffen wir immer wieder auf einen Namen: St. Niklaus. Der Lorbeerkranz für grosse und aussergewöhnliche Bergführer muss zweifellos dieser Oberwalliser Gemeinde im Nikolaital zuerkannt werden. St. Niklaus entwickelte sich dank

zum Zentrum der Bergsteigerschule in der Schweiz und zum Ausgangszentrum für anspruchsvolle Touren.

Josef Marie Lochmatter und Peter Knubel waren die ersten kundigen Matterhornführer und somit die Wegbereiter der heutigen touristischen Entwicklung im Nikolaital und insbesondere in Zermatt. Die beiden Freunde aus St. Niklaus wiederholten die Besteigungen auf das Matterhorn so oft, dass sie fast ausschliesslich ein Monopol für Matterhornbesteigungen innehatten. Peter Knubel hatte zudem als erster Schweizer Führer im Jahre 1874 einen Berg ausserhalb der Alpen bestiegen: im Kaukasus die Erstbesteigung des höchstens Gipfels Europas, des Elbrus (5 642 m). Alois Pollinger war der Erfinder des Abseilens mit doppeltem Seil, denn er war der erste, der auf diese Art und Weise den ersten Abstieg über den Ferpèclegrat der Dent Blanche bewerkstelligte. Josef Imboden hatte als erster Schweizer im Jahre 1883 im Himalaja, dem höchsten und mächtigsten Gebirge der Erde, einen Berg erklommen, wobei er die Erstbesteigung des damals unbenannten Khanla Kang (6 058 m) vollbrachte.[2]

Die Initiatoren der neuen Schule (ihre Söhne)[Bearbeiten]

Früh schon nahmen die Väter die Söhne auf ihre Touren mit. Aus deren Reihen kamen abermals die Bahnbrecher einer neuen Schule, die wieder einen Aufschwung des Bergsteigens zustande brachte, der bis in die dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts unerreicht blieb. Sie begnügten sich nicht mehr damit, einen hohen Gipfel zu besteigen, sondern wählten dazu immer schwierigere Routen. Die Zaniglaser Seilschaften

hatten in den Alpen praktisch alles bezwungen, was es damals zu besteigen gab. Die zweite Generation der Zaniglaser Bergführer stellten die ersten Skiführer und waren auch in Übersee die Pioniere.

Das Alpine Zentrum mit über 300 Erstbesteigungen[Bearbeiten]

Über 300 Erstbesteigungen gehen auf das Konto der Zaniglaser Bergführer, sowohl in der Schweiz als auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Routen und Berge in der Schweiz, in Frankreich, in Norwegen und in Kanada sind von ihnen benannt worden oder tragen ihre Namen. Zu denken ist da u.a.

  • an den Viereselsgrat der Dent Blanche in den Walliser Alpen (Zinalgrat der Dent Blanche, so benannt nach einem Ausspruch von Alois Pollinger, nach der Erstbesteigung im Jahre 1882),
  • an das Lochmatter-Kamin der Aiguille du Grépon in den französischen Alpen (Erstroute eröffnet durch Josef Lochmatter im Jahre 1913),
  • an das Knubel-Kamin der Aiguille du Grépon in den französischen Alpen (Erstroute eröffnet durch Josef Knubel im Jahre 1911),
  • an den Imbodentind in Norwegen (Erstbesteigung durch Josef Imboden im Jahre 1899),
  • an den Mount Pollinger und Mount Sarbach in Kanada.

In gleicher Weise sei den Ehefrauen ein Kränzlein gewunden, die mit ihrer Kooperation und Ausdauer den Grundstein für das Alpine Zentrum gelegt hatten. Bis heute starben 21 Zaniglaser Bergführer eines gewaltsamen Todes. Für ihre Frauen und Kinder bedeuteten diese Berufsunfälle folgenschwere Schicksalsschläge.

Das Bergführer-Denkmal und das erste Bergführer-Museum[Bearbeiten]

In neueren Schriften aber wird dieses wichtige Kapitel Alpinismus immer mehr übergangen. Viele wertvolle Zeugnisse aus dieser Zeit sind verloren gegangen oder wurden zerstört. Folglich wurde am Pfingstsonntag, dem 4. Juli 1995, ein Denkmal für alle Bergführer von St. Niklaus eingeweiht. Dieses steinerne Monument nimmt auch Bezug auf die oben beschriebenen geschichtlichen Tatsachen. In 2000 wird zudem in St. Niklaus Dorf im historischen Meierturm ein Bergführer-Museum[3] eröffnet, das weltweit das erste seiner Art ist.

Politik[Bearbeiten]

Die Exekutive, der Gemeinderat besteht aus sieben Mitgliedern. Gemeindepräsidentin ist Gaby Fux-Brantschen (CVP, Stand 2. Juni 2011).

Wirtschaft[Bearbeiten]

St. Niklaus hat grosse Bedeutung für den Tourismus und ist Ausgangspunkt zu den Orten Grächen und Zermatt. Ausserdem ist das Netz der Wanderwege rund um die Gemeinde erwähnenswert, das ständig ausgebaut wird. St. Niklaus beheimatet den Industriebetrieb Scintilla AG, eine Zweigniederlassung der Robert Bosch GmbH. In diesem Betrieb werden Elektrogeräte und Stichsägeblätter hergestellt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrei St. Niklaus
  • Meierturm
  • Gemeindehaus
  • Bergführer-Museum

Legende[Bearbeiten]

Wie jedes Dorf hat auch St. Niklaus seine Geschichten und Legenden. Die wohl berühmteste ist jene des Heiligen Nikolaus, als er das Dorf vor der Verschüttung rettete.

Es ist auffallend, dass die Vorfahren von St. Niklaus ihre Kirche und das Dorf unter einem so steilen und zerklüfteten Berg, dem Dorftossen (im Dialekt «Dorftossu») und im Bereich eines gefährlichen Lawinenzuges bauten. Als man einst eine neue Kirche, die alte wurde verschüttet, im Feld, wo keine Gefahren drohten, bauen wollte, verschwanden jede Nacht auf geheimnisvolle Weise das Baumaterial und die Bauinstrumente. Man fand sie unter dem Dorftossen und dem gefährlichen Sparrenzug wieder. Eines Abends erzählten zwei Hirtenknaben, sie hätten im Dorftossen zwei Kobolde gesehen und gehört, wie sie miteinander den Anschlag machten, den Dorftossen herunterzuwerfen, um das Tal zu verschütten. Der eine sollte unten die Stützen des Berges losgraben, der andere oben den Berg hinabstossen. Beide machten sich sogleich ans Werk. Doch es klappte nicht. Der Berg bewegte sich keinen Zentimeter. Der untere Kobold, darüber wütend, feuerte den Gehilfen an: «Choluremi zich!» («Zieh fest!»). Dieser heulte laut: «Ds Glasi laht nit!» («Der Heilige Nikolaus lässt es nicht zu!»). Weil der Heilige Nikolaus den Berg nicht herunterstürzen liess, bauten die Zaniglaser ihm zu Ehren eine Kirche wieder an der gleichen Stelle, wo die alte stand.

Zweifellos wurde ihr Name von jenem des heiligen Nikolaus von Myra abgeleitet, der um 350 nach Christi Geburt starb. Sein Kirchenfest wird alljährlich am 6. Dezember gefeiert. Der Name St. Niklaus wurde zuerst nur für die Pfarrei verwendet und erst im 19. Jahrhundert von Amtes wegen auf Dorf und Gemeinde übertragen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Niklaus VS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Christian Imboden: Berge: Beruf, Berufung, Schicksal. Die St. Niklauser Bergführer als Wegbereiter des internationalen Alpinismus, Rotten Verlag, Visp, 2013, ISBN 3-907624-48-3, S. 68-69
  3. http://www.bergfuehrermuseum.ch/indexDE.html