Kernkraftwerk Hinkley Point

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Kernkraftwerk Hinkley Point
Links die beiden Reaktoren von Hinkley Point A, rechts Hinkley Point B
Links die beiden Reaktoren von Hinkley Point A,
rechts Hinkley Point B
Lage
Kernkraftwerk Hinkley Point (England)
Kernkraftwerk Hinkley Point
Koordinaten 51° 12′ 28,7″ N, 3° 7′ 48″ W51.207958858308-3.1299877166748Koordinaten: 51° 12′ 28,7″ N, 3° 7′ 48″ W
Land: Großbritannien
Daten
Eigentümer: Hinkley Point A: Nuclear Decommissioning Authority
Hinkley Point B: British Energy
Betreiber: Hinkley Point A: Magnox Electric Limited
Hinkley Point B: British Energy
Kommerzieller Betrieb: 30. März 1965

Aktive Reaktoren (Brutto):

2  (1310 MW)

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

2  (534 MW)
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 301.925 GWh
Website: Hinkley Point B auf der Seite des Betreibers (englisch)
Stand: 1. August 2008
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Hinkley Point liegt nahe Bridgwater, Somerset, an der Südwestküste von England. Es besteht aus den beiden Anlagenteilen Hinkley Point A und Hinkley Point B. Zwei weitere Reaktoren sind unter dem Namen Hinkley Point C geplant.

Es hat zwei in Betrieb befindliche Reaktoren (Hinkley Point B1 und B2) und zwei bereits stillgelegte Reaktoren (Hinkley Point A1 und A2). Die beiden in Betrieb befindlichen Reaktoren haben eine elektrische Nettoleistung von zusammen 840 MW und liefern Strom für über eine Million Haushalte.[1] Im März 2013 wurde die Erweiterung von Hinkley Point um zwei weitere Reaktoren (Hinkley Point C1 und C2) mit zusammen 3260 MW genehmigt. Endgültig soll 2014 über den Bau des mindestens 24,5 Mrd. Pfund (31,2 Mrd. Euro)[2] teuren Projektes entschieden werden.

Hinkley Point A[Bearbeiten]

Kernkraftwerk Hinkley Point
Hinkley Point A, gesehen vom Eingang zu Hinkley Point B

Bei den beiden Reaktoren der Anlage Hinkley Point A handelt es sich um Magnox-Reaktoren. Sie haben eine Nettoleistung von je 235 MWe und eine Bruttoleistung von je 267 MWe.

Der Baubeginn für beide Blöcke war am 1. November 1957. Am 16. Februar 1965 wurde Hinkley Point-A1 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert, am 19. März 1965 folgte Hinkley Point-A2. Am 30. März 1965 nahm Block A1 erstmals den kommerziellen Leistungsbetrieb auf, am 5. Mai 1965 war die Inbetriebnahme von Block A2.

Während der Bauphase im Jahr 1961 urinierte ein Bauarbeiter gegen eine der Rohrleitungen. Dies hatte zur Folge, dass die entsprechenden Leitungen, durch welche während der Betriebsphase die radioaktiven Abwässer flossen, zu rosten begannen und deswegen 1986 die Anlage für zehn Tage stillgelegt werden musste, um die Leitungen für umgerechnet damals rund 4,5 Millionen DM zu erneuern.[3]

Am 23. Mai 2000 wurde die gesamte Anlage Hinkley Point A stillgelegt.[4] Während der Betriebszeit waren in der Anlage mehr als 103 TWh Strom produziert worden.[5]

Die Anlage steht auf einem 19,4 Hektar großen Gelände.[6] Von 1965 bis 1989 gehörte die Anlage der Central Electricity Generating Board (CEGB). Von 1989 bis 1994 war sie im Besitz der Nuclear Electric plc. Von 1994 bis 1998 gehörten die Reaktoren der Magnox Electric plc, von 1998 bis 2004 der British Nuclear Fuels plc. Seit 2004 gehört die Anlage im Zuge der Stilllegung der Nuclear Decommissioning Authority.[7]

Die Reaktordruckbehälter waren die größten aller britischen Magnox-Reaktoren. Nach der Abschaltung mussten 71.828 Brennelemente nach Sellafield gebracht werden.[8]

Hinkley Point B[Bearbeiten]

Hinkley Point B

Die beiden Reaktoren der Anlage Hinkley Point B sind AGR. Beide haben eine Bruttoleistung von 655 MWe. Block B1 besitzt eine Nettoleistung von 410 MW, Block B2 eine Nettoleistung von 430 MW.

Der Baubeginn für beide Blöcke war am 1. September 1967. Am 5. Februar 1976 wurde Hinkley Point-B2 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert, am 30. Oktober 1976 folgte Block B1. Am 27. September 1976 ging Block B2 in den kommerziellen Leistungsbetrieb, am 2. Oktober folgte Block B1.[4] Die beiden Reaktoren benötigen 40 bis 45 Kubikmeter Wasser pro Stunde.[9] Die Abschaltung der beiden Blöcke ist laut Betreiber für 2016 vorgesehen, laut einem Bericht der BBC ist die Stilllegung jedoch erst für 2023 vorgesehen[1][10]

2003 fiel ein Arbeiter von 25 Meter hohen Gerüsten in der Turbinenhalle, sein Becken splitterte. Er musste 20 Minuten warten, bis er nach Taunton ins Krankenhaus gebracht wurde. Daraufhin traten 350 Arbeiter aus dem vorübergehend geschlossenen Reaktor in Streik, blockierten die Einfahrt zum Kraftwerk und forderten bessere Ambulanzdienste in der Anlage.[11]

Im Oktober 2006 wurden die Reaktoren Hinkley Point-B1 und B2 sowie die Reaktoren Hunterston-B1 und B2 vorläufig heruntergefahren, um die Rissbildung innerhalb der Reaktoren zu überprüfen. So konnte die bis dahin für 2011 vorgesehene Abschaltung auf 2017 verschoben werden. Im Mai 2007 fuhren die Reaktoren wieder an.[12][13] British Energy ging davon aus, für die Laufzeitverlängerung 90 Millionen Pfund ausgeben zu müssen. Es ist auch im Gespräch, die Laufzeit bis nach 2017 zu verlängern. Die ungeplanten Ausfälle in Hinkley Point B und Hunterston B führten zu einem Verlust von 9,4 Mrd. kWh und waren der Hauptgrund für eine niedrigere nukleare Stromproduktion für das Geschäftsjahr 2006-2007.[14]

Hinkley Point C[Bearbeiten]

In Planung sind derzeit zwei weitere Reaktoren vom Typ Areva EPR. Im März 2013 wurde der Électricité de France (EDF) die Genehmigung für den Bau eines neuen Kraftwerks erteilt. Da der Bau aufgrund der hohen Investitionskosten wirtschaftlich nicht rentabel ist, hatte EdF als Bedingung für einen Bau staatliche Subventionen in Form eines garantierten Stromabnahmepreises verlangt, über den bis Oktober 2013 mit der Regierung verhandelt wurde. Laut BBC würde ein garantierter Mindestpreis unterhalb von 90 Pfund/MWh dazu führen, dass das Kernkraftwerk Verluste schreibt.[10][15][16][17]

Am 21. Oktober 2013 gab EdF bekannt, sein französisch-chinesisches Konsortium habe mit der britischen Regierung in einer „accord de principe“ (etwa: Grundsatzvereinbarung)[18] vertraglich vereinbart, für 16 Milliarden Pfund Sterling (GBP; zu dieser Zeit ca. 19 Milliarden Euro) zwei Druckwasserreaktoren mit einer gemeinsamen Bruttoleistung von 3260 MW (Nettoleistung 3200 MW) errichten zu lassen.[19] Der letzte Kernreaktor in Großbritannien wurde 1995 in Betrieb genommen. Dem Konsortium gehören neben der französischen EdF mit 40 bis 50 % und dem Kraftwerksbauer Areva mit 10 %, die chinesischen Unternehmen CGN (Guangdong Nuclear Power Corporation Holding) und CNNC (China National Nuclear Corporation ) mit einem Anteil von zusammen 30–40 % an[20], eine Beteiligung von Staatsfonds aus Kuwait bw. Katar wurde diskutiert.[21]

Um das Projekt für das Konsortium rentabel zu machen, sagte die britische Regierung ihm für 35 Jahre ab Inbetriebnahme eine garantierte Einspeisevergütung in Höhe von 92,5 Pfund/MWh plus einem jährlichen Inflationsausgleich auf Preisbasis 2012 zu (derzeit 118 Euro/MWh[22]). Dies ist vor Indexierung das Doppelte des durchschnittlichen englischen Strompreises 2013[23] und liegt deutlich oberhalb der 2013 gültigen EEG-Einspeisevergütung für große Photovoltaik- oder Onshore-Windkraftanlagen in Deutschland, die jedoch nur 20 Jahre und ohne Inflationsausgleich gezahlt wird. Zusätzlich wurde eine staatliche Kreditgarantie in Höhe von 10 Mrd. Pfund (11,8 Mrd. Euro) gewährt, um die Finanzierungskosten zu senken. Die Kernreaktoren sollen 2023 ans Netz gehen und voraussichtlich 60 Jahre laufen.[24][25] Sollten die Kraftwerke aufgrund der Marktumstände gedrosselt oder gar abgeschaltet werden müssen, werden die Betreiber für den entgangenen Ertragsausfall durch die Regierung finanziell entschädigt.[26] Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger bezeichnete die Vergütungszusagen als „sowjetisch“.[27]

Da die Regierung eine Förderung in Form einer garantierten Einspeisevergütung von umgerechnet ca. 109 Euro/MWh plus Inflationsausgleich garantiert, musste diese Subvention durch die Europäische Union genehmigt werden.[28] Im Dezember 2013 wurde durch EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia eine Untersuchung diesbezüglich eingeleitet. Neben der generellen Überprüfung, ob es sich bei der ausgehandelten Förderung um eine unzulässige Subvention handelt, soll überprüft werden, ob die Förderungsbedingungen verhältnismäßig und alternativlos waren.[29]

Im Oktober 2014 genehmigte die EU-Kommission den Bau. Zugleich wurde bekannt, dass die Kosten deutlich höher lagen als ursprünglich kommuniziert. Statt der ursprünglich angegebenen 16 Mrd. Pfund sollen die Baukosten nun mindestens 24,5 Mrd. Pfund (31,2 Mrd. Euro) betragen, die durch die EU-Kommission genehmigte Höchstsumme liegt bei 34 Mrd. Pfund (43,3 Mrd. Euro).[2] Das entspricht dem von der EU-Kommission erwarteten Kapitalbedarf.[30] Ursprünglich (2005) sollte ein neuer EPR dieser Leistungsklasse schlüsselfertig 3 Mrd. Euro kosten.[31] Das Projekt in Hinkley liegt damit um den Faktor 7 über den Kosten-Planungen aus dem Jahre 2005 zu den Kosten eines EPR mit 1600 MWe.

Bilder[Bearbeiten]

Die folgenden Bilder zeigen einen Transport von radioaktivem Abfall vom Kernkraftwerk Hinkley Point nach Sellafield.

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Hinkley Point hat insgesamt vier Blöcke:

Reaktorblock[4] Reaktortyp Nettoleistung Bruttoleistung Baubeginn Netzsynchronisation Kommerzieller Betrieb Abschaltung
Hinkley Point-A1 Magnox-Reaktor 235 MW 267 MW 01.11.1957 16.02.1965 30.03.1965 23.05.2000
Hinkley Point-A2 Magnox-Reaktor 235 MW 267 MW 01.11.1957 19.03.1965 05.05.1965 23.05.2000
Hinkley Point-B1 AGR 410 MW 655 MW 01.09.1967 30.10.1976 02.10.1978 (2023Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren geplant)
Hinkley Point-B2 AGR 430 MW 655 MW 01.09.1967 05.02.1976 27.09.1976 (2023Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren geplant)
Hinkley Point-C1 Areva EPR 1600 MW 1630 MW 2014?  ? 2023 geplant (2083?Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren)
Hinkley Point-C2 Areva EPR 1600 MW 1630 MW 2014?  ? 2023 geplant (2083?Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Hinkley Point – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b British Energy - Power Stations - Hinkley Point B
  2. a b Hinkley Point nuclear plant to cost £24.5bn. In: The Telegraph, 8. Oktober 2014. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  3. Teures Geschäft Hamburger Abendblatt, 20. November 1986
  4. a b c Power Reactor Information System der IAEA: „United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  5. Hinkley Point A Site: Making progress
  6. Hinkley Point A Site: About us
  7. Hinkley Point A Site: Site history
  8. Hinkley Point A Site: Site operations
  9. Hinkley Point B Nuclear Power Station Water Treatment Plant, Bridgwater, United Kingdom
  10. a b New nuclear power plant at Hinkley Point C is approved. BBC News, 19. März 2013
  11. UK Indymedia - 350 strike at Hinkley Point Nuclear Power Station
  12. BBC News - Nuclear plant gets nod to restart
  13. BBC News - Safety approved at nuclear plants
  14. BE Announces Life Extensions For Hinkley Point B And Hunterston B
  15. Britische Regierung genehmigt Kernkraftwerk – Bau aber ungewiss. IWR. Abgerufen am 20. März 2013.
  16. Hinkley Point C: deal or no deal for UK nuclear?. In: The Telegraph, 19. März 2013. Abgerufen am 20. März 2013.
  17. What price nuclear power? The final hurdle for Hinkley. In: BBC, 20. März 2013. Abgerufen am 20. März 2013.
  18. Accord de principe sur les termes commerciaux des contrats relatifs au projet de centrale nucléaire Hinkley Point C mit Link zur Pressekonferenz
  19. Wechselkurs am 21. Oktober 2013: 1,181 Euro für 1 GBP. Die Zahl 16 Mrd. Euro wird auf Seite 3 der Presseerklärung genannt; kurz zuvor hatte The Guardian noch die veraltete Zahl 14 Mrd. GBP genannt. (pdf)
  20. "Frankreich und China bauen Atomkraftwerk in Großbritannien" In: Süddeutsche Zeitung, 21. Oktober 2013
  21. [1] Guardian: Qatar and Kuwait 'in talks with EDF over Hinkley Point nuclear stake'
  22. Wechselkurs vom .
  23. Britain, EDF strike deal on nuclear project. In: Global Post, 17. Oktober 2013. Abgerufen am 18. Oktober 2013.
  24. The Guardian: David Cameron hails nuclear power plant deal as big day for Britain
  25. Englands neuer Atomstrom ist teuer als Solarenergie. In: Wirtschaftswoche, 21. Oktober 2013. Abgerufen am 22. Oktober 2013.
  26. Thatcherismus in Berlin? . In: Energie & Management, 4. November 2013. Abgerufen am 6. November 2013.
  27. Marlies Uken: Atomkraft, um jeden Preis. In: Zeit Online. 8. Oktober 2014, abgerufen am 8. Oktober 2014: „Kaum überraschend, dass im Frühjahr Noch-EU-Energiekommissar Günther Oettinger nur ein Wort zu diesem Garantievertrag für EDF einfiel: sowjetisch. […] Seit Monaten verhandelt die EU-Kommission mit der britischen Regierung über den Deal, hat zu Anhörungen geladen und sich den britischen Strommarkt analysiert. Offenbar hat London sich auf Änderungsvorschläge Almunias eingelassen und Zugeständnisse gemacht. Wenn am Mittwoch die EU-Kommissare zu ihrer wöchentlichen Sitzung zusammenkommen, könnten sie die britischen Hinkley-Pläne durchwinken.“
  28. Kooperation mit China: Großbritannien baut erstes Atomkraftwerk seit Jahrzehnten. In: Spiegel Online, 21. Oktober 2013. Abgerufen am 21. Oktober 2013.
  29. European commission inquiry into Hinkley Point deal could delay project. In: The Guardian, 2. Dezember 2013. Abgerufen am 4. Dezember 2013.
  30. "Kommission genehmigt Beihilfen für Kernkraftwerk Hinkley Point in Großbritannien". In: "Europäische Kommission", 8. Oktober 2014. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  31. "OL3 Project". "Teollisuuden Voima Oyj" (Finnish: Industrial Power Corporation), 2005. Abgerufen am 15. Oktober 2014 über web.archive.org.