Einzelkämpferlehrgang

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sonderabzeichen EKL2 Führer eines Jagdkommandos/einer unterstellten Teileinheit

Der Einzelkämpferlehrgang ist die lehrgangsgebundene Ausbildung der Bundeswehr für Überleben und Durchschlagen und für den Jagdkampf. Der erste Lehrgang wurde 1957 an der Luftlande- und Luftransportschule durchgeführt.[1] Der Lehrgang hat das Ziel, die Teilnehmer an ihre psychischen und körperlichen Leistungsgrenzen zu führen. Durchhaltewille, Belastbarkeit, Entscheidungsfähigkeit unter schwierigen Situationen und nach körperlicher Belastung sowie Führungswille sind geforderte psychische Leistungselemente.

Der Lehrgang besteht heute - im Gegensatz zu seiner Einführung Anfang der 1980er - aus zwei Ausbildungsabschnitten: dem vierwöchigen Einzelkämpferlehrgang 1 (EKL 1) Führer einer auf sich gestellten Gruppe (Grundlehrgang) und dem aufbauenden Lehrgang EKL 2 Führer eines Jagdkommandos/einer unterstellten Teileinheit (Leistungslehrgang). Ab August 2013 wird die Einzelkämpferausbildung wieder ausschließlich an der IX. Inspektion Infanterieschule durchgeführt. Die Ausbildungskapazität soll bei 600 bis 700 Soldaten jährlich für die Ausbildung Einzelkämpferlehrgang 1 liegen.

Der EKL1 war bis vor wenigen Jahren bei der Ausbildung zum Offizier des Heeres Pflicht. Heute ist die Teilnahme, wie bei den Unteroffizieren fakultativ. Für Offiziere der Kampftruppen bleibt die Teilnahme an diesem Lehrgang jedoch vorgesehen. Für die Offizieranwärter (OA) und Offiziere anderer Truppengattungen wurde ersatzweise ein Lehrgang Überleben im Einsatz (drei Wochen) eingeführt.[2][3][4][5][6]

Die Inspektion führt mit dem Einzelkämpferlehrgang II auch den Jagdkommandolehrgang sowie den Lehrgang Militärischer Nahkampf durch. In fünf Wochen werden ausgewählte Soldaten beim Jagdkommandolehrgang auf Einsatzverfahren in fremden Gelände samt Spreng- und Lufttransportübungen vorbereitet. Der Lehrgangsinhalt Ausbilder waffenloser Nahkampf ist seit 2010 in den separaten Lehrgang Ausbildungsleiter militärischer Nahkampf aller Truppen ausgegliedert. Dessen Lehrgangsinhalte orientieren sich an der israelischen Krav Maga-Selbstverteidigung.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Einzelkämpferlehrgang wurde seit 2007 an der Infanterieschule in Hammelburg nicht mehr durchgeführt. In Hammelburg fand 1958 der erste Versuchslehrgang statt. Bis 1968 diente das Hofgut Sodenberg als Ausbildungs- und Unterkunftsstätte. Von 1968 bis zu ersten Auflösung der Einzelkämpferinspektion 1979 fand die Ausbildung zeitweise in zwei Inspektionen statt. Davon bis 1974 im Schloss Seewiese (Gräfendorf). Dual wurden die Lehrgänge durch die V. Inspektion (5. Inspektion) an der Luftlande- und Lufttransportschule Ausbildungsstätte Sauwaldhof durchgeführt. siehe dazu [8] [9]

Ziele der Lehrgänge[Bearbeiten]

Der Lehrgangsteil 1 bildet Führer und Ausbilder für auf sich gestellte Soldaten aus, um diese in die Lage zu versetzen, nach Abkommen von der eigenen Truppe im Feindgebiet zu überleben und sich wieder zur eigenen Truppe durchzuschlagen. Unter körperlicher Anstrengung und physischem Druck müssen die Teilnehmer später in der Lage sein, eine auf sich gestellte Gruppe zu führen. Die benötigen Fertigkeiten sind u.a. Orientierungsübungen, Abseilen, Überqueren von Gewässern, Handstreich- und Hinterhaltausbildung. Höhepunkt ist eine 48-Stunden-Übung, bei der die Soldaten mit ihrer Gefechtsausrüstung fast ohne Proviant ausgesetzt werden. Lehrgangsinhalt sind praktische Dauerstressaufgaben zur Ermittlung von negativen Aggressionspotentialen und der Durchhaltefähigkeit des Soldaten als Führer und Ausbilder. Durch Lagen und Schlafmangel werden die Soldaten an ihre Grenzen geführt.

Einzelkämpferlehrgang (EKL1)

Am Schlachttag während der Hungerwoche erlernen die Lehrgangsteilnehmer die Zubereitung von Rohverpflegung auch durch Schlachten von Fisch.

Jagdkampflehrgang (EKL2)

  • Ausbilder in der Einzelkämpferausbildung aller Truppen
  • Führer eines Jagdkommandos oder einer Teileinheit im Jagdkommando auch im erweiterten Aufgabenspektrum
  • Führer eines Jagdkommandos oder einer Teileinheit im Jagdkommando bei speziellen Operationen, besonders im Kampf gegen irreguläre Kräfte.

Siehe auch: Jagdkampf

Beispiel eines Dienstplanes Führer einer auf sich gestellten Gruppe EKL1[Bearbeiten]

Sonderabzeichen EKL1 Führer einer auf sich gestellten Gruppe
  • 1. Woche
    • Montag: Anreise
    • Dienstag: Eingangstest (3000-m-Lauf und Hindernisbahn), Unterricht, Waffenempfang, Einweisungen
    • Mittwoch: Verlegen ins Übungsgelände, Eilmarsch, Versteckausbildung, Feuerausbildung, Feuerprüfung, Eilmarsch zurück mit Verwundetentransport.
    • Donnerstag: Orientierungsmarsch bei Tag und Zeltbahnpaketausbildung
    • Freitag: Knotenausbildung
  • 2. Woche
    • Montag: Verlegen in Sauwald, Hindernisbahn im Gruppenrahmen, Ausbildung Handstreich/Hinterhalt, Nahkampf (seit Anfang 2008 Krav Maga der IKMF) [10]
    • Dienstag: Eilmarsch zur Lechstaustufe, Ausbildung Abseilen, Schlauchboot, Zeltbahnpaket Überquerung der Lechstaustufe, Eilmarsch zum Sauwaldhof, bis 3:00 Uhr Prüfung in Handstreich/Hinterhalt
    • Mittwoch: Nahkampf, Unterricht, Seilgarten im Sauwald
    • Donnerstag: Eilmarsch zur Abseilstelle, Abseilen, Überqueren von Gewässern, Eilmarsch zum Sauwaldhof, Nahkampf
    • Freitag: Nahkampf, Hindernisbahn, Fallenausbildung, Rückverlegung nach Altenstadt
  • 3. Woche (Hungerwoche, maximal eine Packung Überlebensnahrung)
    • Montag: Verlegen in Sauwald, Nahkampf, Hindernisbahn im Gruppenrahmen, Nacht-Orientierungsmarsch
    • Dienstag: Unterricht Sickern, Gruppengefechtsbahn, seit 2010: 12-Stunden Überlebensnacht (allein und ohne Gepäck, mit anschließendem SERE-Aufnahmeverfahren)
    • Mittwoch: 24-Stunden-Kurzübung, Eilmarsch mit Verwundetentransport
    • Donnerstag: zurück zum Sauwaldhof, Schlachten
    • Freitag: Nahkampfprüfung, Rückverlegung nach Altenstadt
  • 4. Woche (während der gesamten Abschlussübung keine Verpflegung)
    • Montag bis Mittwoch: Abschlussübung mit allen Themen, Marschleistung ca. 70 km
    • Donnerstag: Nachbereitung, Abzeichenverleihung durch Kommandeur
    • Freitag: Abreise

Beispiel eines Dienstplanes Führer eines Jagdkommandos/einer unterstellten Teileinheit EKL 2[Bearbeiten]

  • 1. Woche
    • Montag: Anreise
    • Dienstag: Einweisung in den Lehrgang, Eingangstest (Hindernisbahn unter 1:50 min, 7000-m-Lauf mit 20 kg Gepäck unter 52 min)
    • Mittwoch: Grundlagen Waffen- und Geräteausbildung, Unterrichte (Seilunterricht, Fernmelde, Funkgeräte, Handwaffen...)
    • Donnerstag: Nahkampfausbildung, Orientierungslauf (ohne Bewertung ), Luftverladeübung (CH 53)
    • Freitag: Nahkampfausbildung
  • 2. Woche
    • Montag: Verlegen Sauwald, Sprengausbildung, Unterrichte (Handstreich, Hinterhalt), Kartenfalttechnik
    • Dienstag: Praktische Seilausbildung in Füssen (Steinbruch), Unterricht Grundsätze des Jagdkommandos
    • Mittwoch: Praktische Ausbildung Handstreich/Hinterhalt im Rahmen des Jagdkommandos,
    • Donnerstag: Schulmäßiges Durchführen eines Jagdkommandoeinsatzes in allen Phasen an einem Objekt
    • Freitag: Nahkampfausbildung
  • 3. Woche
    • Montag: Praktische Prüfung in der Seilausbildung in Füssen (Steinbruch), Isolationsphase
    • Dienstag: Planungsphase, Verbringung in den Einsatzraum, Infiltration
    • Mittwoch: Infiltration, Leben im Versteck, Aufklärung des Objekts, Aufklärung im Nahbereich, Durchführen der Aktion (Handstreich)
    • Donnerstag: Ausweichen ins Nahversteck, Exfiltration, Beziehen des Verstecks, Aufnahme, Rückführung, Einsatznachbesprechung
    • Freitag: Schriftlicher Test Seilausbildung, Prüfung Ausbilder in der Nahkampfausbildung
  • 4. Woche:
    • Montag: Schriftlicher Test Jagdkommando, Beginn der Praktischen Prüfung Jagdkampf, Isolationsphase, Planungsphase, Verbringung
    • Dienstag: Infiltration, Leben im Versteck, Nahaufklärung, Objektaufklärung, Durchführen der Aktion (Handstreich)
    • Mittwoch: Ausweichen ins Nahversteck, beziehen Ausweichversteck, Folgeauftrag, Planung, Aufklärung, Durchführung eines Hinterhalts
    • Donnerstag: Exfiltration, Aufnahme, Rückführung, Einsatznachbesprechung
    • Freitag: Nahkampfprüfung Nahkampfbahn, Urbanes Gelände
  • 5. Woche
    • Montag: Isolationsphase, Planungsphase, Verbringung, Infiltration
    • Dienstag: Leben im Versteck, Objekt- und Nahaufklärung, Durchführen eines Handstreichs, Verwundetentransporte ins Nahversteck
    • Mittwoch: Exfiltration, Aufnahme, Verbringung, Einsatznachbereitung, Nachbesprechung
    • Donnerstag: Lehrgangsnachbereitung, Abgabe von Material
    • Freitag: Abzeichenverleihung, Lehrgangsende, Abreise

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Raupen, Puppen, Erbspüree. In: Der Spiegel, Ausgabe 44/1969, 27. Oktober 1969, S. 101–102 (PDF).
  • Für die ganz Harten. In: Y – Das Magazin der Bundeswehr, Ausgabe 08/2011, 11. August 2011 (online).
  • Heinz Volz: Überleben in Natur und Umwelt. mit einfachen Mitteln Gefahren meistern. Mit Übungs- und Ausbildungsplan sowie ABC-Teil. 15. aktualisierte Auflage, Walhalla, Regensburg 2012, ISBN 978-3-8029-6437-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.deutschesheer.de/portal/a/ha/!ut/p/c4/DccxDoAgDADAt_iBdnfzF-piCjTQ2FQCRb8vuenwxMnolUwuj5HijkeUNXxQmNtVCJKwde_OqqBKlrzVHsuAEbgNyDwjWO9t-QFmqCfk/ www.deutschebundeswehr.de LL/LTS Geschichte 1957 Durchführung des ersten Einzelkämpferlehrgangs
  2. http://www.youtube.com/user/Bundeswehr?v=Ji3IpPoyXPo&feature=pyv&ad=10490953557&kw=bundeswehr#p/c/B18E09526AB898D2/44/qztBMDhacJ4
  3. http://www.youtube.com/watch?v=gZog-PlKwBs
  4. http://www.youtube.com/watch?v=Zbs457sxZYM&feature=related
  5. http://www.youtube.com/watch?v=xZ_lk5cFBhU&feature=related
  6. http://www.youtube.com/watch?v=pRfdL0I4ZpQ&feature=relmfu
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWolfgang Dünnebier: Einzelkämpfer sind wieder daheim. In: Mainpost. 12. Dezember 2012, abgerufen am 3. Dezember 2013.
  8. [1] IS Lehrgruppe B IV. In HS 13 - 16
  9. [2] LL/LTS Lehrgruppe B V. In
  10. Das tut richtig weh (PDF; 952 kB) Y - Das Magazin der Bundeswehr (siehe zweite Hälfte des Artikels)