Erdbeben von Verona 1117

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Das Erdbeben von Verona 1117 traf Norditalien am Abend des 3. Januar 1117. Das Epizentrum des Erdbebens lag wahrscheinlich nördlich von Verona, von wo die größten Zerstörungen gemeldet wurden. Die anhand der Schäden angenommene Intensität des Erdbebens wird verschieden eingestuft, es werden Werte von Stufe VII[1] über IX[2] bis XI[3] der Mercalliskala angegeben. Die Magnitude wird auf MW 7,0 geschätzt.[4]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Die äußere Mauer der Arena von Verona stürzte teilweise ein, der stehen gebliebene Rest wurde bei einem Erdbeben im Jahr 1183 weiter zerstört. Viele Kirchen, Klöster und Denkmale wurden zerstört oder schwer beschädigt, so dass ein großer Teil der frühmittelalterlichen Architektur Veronas verschwand. Die Zerstörung schuf den Raum für einen umfassenden romanischen Wiederaufbau.[5]

Außerhalb von Verona waren nach zeitgenössischen Berichten ein Gebiet von Cividale bis Pavia, nach Süden bis Pisa und nach Norden bis in die Schweiz betroffen.[6] Genannt werden vor allem Mailand, Bergamo, Brescia, Venedig, Treviso, Modena, Parma, Fénis und Cremona. Nach anderen Quellen kamen Nachrichten vom Erdbeben aus einem Gebiet zwischen Montecassino und Reims,[7] weitere Quellen nennen Lüttich und Böhmen als Endpunkte.[8] Das Ereignis wird in den nationalen Erdbebenkatalogen von mindestens fünf Ländern geführt (Italien, Frankreich, Belgien, Schweiz und Spanien).[2] In Deutschland wurden Schäden an der Michaelskirche in Bamberg, der Abtei Brauweiler und Gebäuden in Konstanz und Meersburg ebenfalls diesem Erdbeben zugeschrieben. Möglicherweise könnte das Erdbeben auch eine Rolle bei dem Niedergang später verlassenen Orts Sülchen gespielt haben [4]

Der Zusammenhang aller diesem Jahr zugeschriebenen Schadensberichte mit dem italienischen Erdbeben vom 3. Januar wird heute bezweifelt.[7] Nach den Ergebnissen einer vergleichenden Studie der mehrheitlich aus Klosterannalen stammenden Quellen handelte es sich bei dem Erdbeben am 3. Januar um mindestens drei verschiedene Ereignisse: das erste Erdbeben (Intensität VII–VIII MCS, MW 6,4) ereignete sich in Süddeutschland und fand etwa zwölf Stunden vor dem Veroneser Erdbeben statt. Ein drittes Ereignis (Intensität VII-VIII MCS) soll in der nordwestlichen Toskana stattgefunden haben.[2] Andere dem Veroneser Erdbeben zugeschriebenen Schäden stehen wahrscheinlich nicht in Zusammenhang mit diesem, sondern gehen auf lokale Ereignisse zurück.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Istituto Conservazione e Valorizzazione Beni Culturali, Consiglio Nazionale delle Ricerche: Danni sismici in località elencate nella Banca Ipermediale delle Vetrate Italiane (BIVI) Lombardia. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  2. a b c  Emanuela Guidoboni, Alberto Comastri, Enzo Boschi: The “exceptional” earthquake of 3 January 1117 in the Verona area (northern Italy): A critical time review and detection of two lost earthquakes (lower Germany and Tuscany). In: Journal of Geophysical Research. vol. 110, B12309, 2005 (Online-Kurzfassung).
  3. National Geophysical Data Center (NGDC), NOAA: Comments for the Significant Earthquake: Italy, N. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  4. a b  Thomas Glade, Malcolm Anderson, Michael J. Crozier: Landslide Hazard and Risk. John Wiley and Sons, 2005, ISBN 0471486639, S. 261 (Seite 261 in der Google-Buchsuche).
  5.  G. Solinas: Storia di Verona. Centro Rinascita, Verona 1981.
  6. Istituto Tecnico Industriale Statale Guglielmo Marconi, Verona: Ricerca Storico-Scientifica Sulla Sismicita' Nel Veronese: La Sismicita. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  7. a b c Paolo Galli, Fabrizio Galadini, Lynn Passi Pitcher: The earthquakes of January 1117 in northern Italy. Hypothesis for an epicentre in the southern Po Plain. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  8.  Karl Ernst Adolf von Hoff: Chronik der Erdbeben und Vulcan-Ausbrüche. Gotha 1840, S. 213 (Seite 213 in der Google-Buchsuche).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Galadini, F., P. Galli, D. Molin, G.Ciurletti: Searching for the source of the 1117 earthquake in northern Italy: A multidisciplinary approach. In: T. Glade, P. Albini, F. Frances (Hrsg.): The Use of Historical Data in Natural Hazard Assessments. vol. 17, 2001, S. 3–27.

45.511Koordinaten: 45° 30′ 0″ N, 11° 0′ 0″ O