Parma

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Parma in Italien. Für weitere Bedeutungen siehe Parma (Begriffsklärung).
Parma
Wappen
Parma (Italien)
Parma
Staat: Italien
Region: Emilia-Romagna
Provinz: Parma (PR)
Lokale Bezeichnung: Pärma
Koordinaten: 44° 48′ N, 10° 20′ O44.810.33333333333355Koordinaten: 44° 48′ 0″ N, 10° 20′ 0″ O
Höhe: 55 m s.l.m.
Fläche: 260 km²
Einwohner: 177.714 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 684 Einw./km²
Postleitzahl: 43100
Vorwahl: 0521
ISTAT-Nummer: 034027
Volksbezeichnung: Parmigiani
Schutzpatron: Hilarius von Poitiers
Website: www.comune.parma.it

Parma ist eine oberitalienische Großstadt mit 177.714 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012, Großraum: 425.000 Einwohner) in der südwestlichen Poebene.

Das in der Region Emilia-Romagna gelegene Parma ist neben Mailand, Turin, Genua, Bologna und Venedig ein führendes Wirtschaftszentrum Norditaliens mit Schwerpunkt in der Nahrungsmittelindustrie.

Parma verfügt über eine altehrwürdige, nach einer mittelalterlichen italienischen Tradition den sogenannten Universitates Citramontanorum zugehörende Universität und den internationalen Flughafen Aeroporto di Parma Giuseppe Verdi. Es ist an einer der Hauptautobahnen Italiens, der A1, die sich von Mailand über Rom bis Kalabrien erstreckt, ausgesprochen verkehrsgünstig gelegen.

Geographie[Bearbeiten]

Der Fluss Parma, ein Nebenfluss des Pos, teilt das Zentrum in das sogenannte Neue und Alte Parma (quartiere Oltretorrente).

Geschichte[Bearbeiten]

Piazza della Pace mit dem Palazzo della Pilotta der Familie Farnese
Klimadiagramm von Parma

Die Geschichte der Stadt geht bis auf die Etrusker zurück. Der römische Konsul Marcus Aemilius Lepidus gründete im Jahre 184 v. Chr. am rechten Ufer des Flusses Parma die heute gleichnamige Stadt. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches wurde es von verschiedenen Mächten beherrscht: den Langobarden, fränkischen Pfalzgrafen, dem Kirchenstaat, Mailand, den Herzögen Farnese, den Bourbonen, Habsburgern, wieder Bourbonen, Napoleon bis zu Marie-Louise von Österreich.

Das frühneuzeitliche Herzogtum (Ducato) Parma wurde 1545/47 von Papst Paul III. (1534–1549) nach Abtrennung von Mailand für den illegitimen Sohn Pier Luigi Farnese (1503–1547) geschaffen, dessen Nachfolger Ottavio Farnese (1524–1586) es gelang, die Herrschaft der Farnese in Parma zu stabilisieren und 1556 auf das zweite, seither mit Parma verbundene Herzogtum Piacenza auszudehnen, das bereits Pier Luigi vor der Ermordung kurzzeitig mitbeherrscht hatte. Der dritte Herzog Alessandro Farnese (1586–1592) war ein unter dem Namen „il Gran Capitano“ berühmter Feldherr des habsburgischen Kaiserhauses.

Im 17. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Herzogshauses ab, das 1731 in männlicher Linie ausstarb. Eine Prinzessin von Parma, Elisabetta Farnese, war jedoch als Gemahlin Philipps V. von Spanien die Stammmutter der spanischen Bourbonen-Könige († 1766). Sie nutzte die Machtmittel ihres Reiches und des verbündeten Frankreichs, um in Italien – dessen dortige spanisch-habsburgische Besitzungen nach dem Spanischen Erbfolgekrieg 1714 der spanischen Krone völlig verlorengegangen waren – die Herrschaft ihrer Dynastie zu errichten. Dabei zielte sie auch auf ihre Heimat Parma und Piacenza, die sie 1731 durch internationale Verträge ihrem ältesten Sohne Karl I. (dem späteren Karl III. von Spanien) zu sichern wusste.

Ein weiterer französisch-spanischer Erfolg im Polnischen Erbfolgekrieg 1735 zwang Österreich dazu, das bisher habsburgische Doppelkönigreich Neapel und Sizilien an Karl abzutreten, wofür jedoch Parma an den Habsburger-Kaiser Karl VI. (1711–1740) und an dessen Tochter Maria Theresia (1740–1780) fiel. Der um ihr Erbe geführte Österreichische Erbfolgekrieg endete 1748 für Parma jedoch mit einem weiteren Verzicht der Habsburger zugunsten der spanischen Bourbonen: Der zweite Sohn der Königin Elisabeth, Philipp (1748–1765), begründete damals die herzogliche Linie dieser Dynastie, deren Mitglieder aufgrund ihrer königlich-spanischen Abkunft jedoch auch den Titel eines Infanten von Spanien mit der Anrede „Königliche Hoheit“ führten. Die 1769 geschlossene Ehe zwischen Philipps Sohn Herzog Ferdinand (1751–1802) und Maria Theresias Tochter Erzherzogin Maria Amalia (1746–1804) führte auch in Parma-Piacenza zu einem bourbonisch-habsburgischen Ehebündnis – ebenso wie in Frankreich und auch in Neapel-Sizilien 1770 zwischen Ludwig XVI. und Maria Amalias Schwester Marie Antoinette.

In den französischen Revolutionskriegen wurde das Doppelherzogtum Ende der 1790er-Jahre von den Franzosen besetzt. Napoleon vereinbarte 1801 mit Spanien und dem Hause Bourbon-Parma, dass das Doppelherzogtum nach dem Tode Herzog Ferdinands an Frankreich fallen sollte, während dessen Herrscherhaus in der Toskana entschädigt werden sollte, wo dafür ein neues Königreich Etrurien geschaffen wurde. Parma-Piacenza fiel 1802 an Frankreich (wo Napoleon später zwei seiner Günstlinge zu nominellen Herzögen einsetzte), Etrurien wurde den parmesischen Bourbonen 1807 ebenfalls abgenommen.

Doch auch nach dem Ende der Herrschaft Napoleons 1814 konnte der Erbe der bourbonischen Ansprüche, Karl II. von Bourbon-Parma (* 1799; † 1883), nicht zurückkehren, da das Doppelherzogtum auf dem Wiener Kongress von den Großmächten für die österreichische Kaisertochter und bisherige französische Kaiserin Marie Louise (* 1791; † 1847) auf Lebenszeit reserviert worden war. Erst nach ihrem Tode sollten Parma und Piacenza an das Haus Bourbon-Parma zurückfallen, für die Zwischenzeit wurden die bourbonische Herzoginwitwe Maria Luisa (1817–1824) und Karl II. (1824–1847) nach anfänglichem Sträuben mit dem kleinen, eigens neu geschaffenen Herzogtum Lucca abgefunden. Dort verzichtete Karl II. jedoch schon vor dem vereinbarten Wechsel in sein Stammland aus Furcht vor revolutionären Entwicklungen im Oktober 1847 auf den Thron, Lucca fiel vertragsgemäß an das habsburgische Großherzogtum Toskana.

Nach dem Tode der Kaiserin Marie Luise im Dezember 1847 trat dann der kurzfristig landlose Bourbone Karl II. seine angestammte Herrschaft in Parma und Piacenza an, wo er jedoch bereits im Folgejahr 1848 – wie alle Regierungen Italiens – erneut mit der Revolution und dem Bestreben nach nationaler Einheit konfrontiert wurde. Zweimal – im April 1848 und (nach seiner Rückkehr im August 1848) im März 1849 – flüchtete der Herzog aus dem Land, in das er danach nie mehr zurückkehrte, da er entnervt zugunsten seines Sohnes Karl III. (1849–1854) abdankte.

Der junge Herzog Karl III. kehrte im August 1849 unter dem Schutz österreichischer Truppen nach Parma zurück und errichtete ein reaktionäres Willkürregime, das ihn derart verhasst machte, dass er – von kaum jemand betrauert – im März 1854 in Parma auf offener Straße von einem Unbekannten erdolcht wurde. Für den noch unmündigen Thronerben Herzog Robert (1854–1859/60) übernahm dessen Mutter, die gebürtige französische Bourbonen-Prinzessin Louise Marie von Bourbon (* 1819, † 1864), die Regentschaft. Ihre kluge Regierung verschaffte ihr persönlich hohes Ansehen, konnte jedoch den Sturz der Dynastie nach der militärischen Niederlage der Schutzmacht Österreich gegen das Frankreich Napoléons III. und gegen Sardinien im Jahre 1859 nicht verhindern. Im Juni 1859 flüchtete die Herzogin-Regentin mit ihren Kindern in die Schweiz und später nach Österreich. Im März 1860 schlossen sich die revolutionären Doppelherzogtümer Parma und Piacenza dem Königreich Sardinien an und gingen 1861 im neuen Einheitsstaat Italien auf.

Eine Tochter des letzten Herzogs Robert von Bourbon-Parma (* 1848; † 1907) war Prinzessin Zita (* 1892; † 1989), die als Gemahlin des Habsburgers Karl I. zwischen 1916 und 1918 Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn war. Zitas Bruder Prinz Sixtus (Sizzo) von Bourbon-Parma war der Namensgeber der diplomatischen Sixtus-Affäre im Ersten Weltkrieg. Beider Neffe Prinz Carlos Hugo von Bourbon-Parma (* 1930; † 2010) erbte die Thronansprüche der karlistischen Gegenkönige der spanischen Bourbonen (siehe auch Karlistenkriege), verzichtete jedoch nach der effektiven Wiedererrichtung der spanischen Monarchie nach 1975 zugunsten des regierenden Königs Juan Carlos I. aus der bourbonischen Linie der Königin Isabella II..

siehe auch: Liste der Herrscher von Parma

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen und Klöster[Bearbeiten]

  • Der romanische Dom Santa Maria Assunta mit Veränderungen im Inneren aus der Renaissance und gotischen Fresken in den Seitenkapellen und einem perspektivisch interessanten Fresko von Correggio in der Kuppel (Mariä Aufnahme in den Himmel)
  • Das achteckige Baptisterium aus dem 13. Jahrhundert mit einer Fassade aus rosa Veroneser Marmor
  • Das Benediktinerkloster San Giovanni Evangelista, mit der nach einem Brand im 15. Jahrhundert neuerbauten Abteikirche mit manieristischer Fassade und einem Kuppelfresko von Correggio
  • Die Basilica di Santa Maria della Steccata (= an der Umzäunung) mit dem Grab von Maria Luise und Neippberg
  • Die Camera della Badessa oder Camera di San Paolo im ehemaligen Kloster San Paolo mit Fresken von Correggio
  • Das ehemalige Kloster San Martino di Bocci, fälschlich als Certosa di Parma bekannt
  • Die Benediktiner-Abtei San Giovanni Evangelista

Profanbauten[Bearbeiten]

  • Der Palazzo della Pilotta aus dem 16. Jahrhundert mit dem Teatro Farnese aus dem 17. Jahrhundert.
  • Das Teatro Regio di Parma, 1829 von Maria Luise eingeweiht.
  • Die Zitadelle ließ Herzog Alessandro Farnese am Ende des 16. Jahrhunderts als Machtdemonstration und als Beschäftigungsmaßnahme für die Bevölkerung errichten. In der fünfeckigen Anlage am Rande der historischen Stadt findet sich heute eine öffentliche Grünanlage mit Sportgeräten und Kinderspielplätzen.

Galerie[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Parmigiana di melanzane

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen Parma liegt in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum und wird hauptsächlich von Ryanair und Air Alps im Linienverkehr angeflogen.

Lebensmittel[Bearbeiten]

Parma ist durch den Parmesankäse Parmigiano Reggiano, den Parmaschinken Prosciutto di Parma und nicht zuletzt als Sitz des Teigwarenerzeugers Barilla oder der 11 km südwestlich gelegenen (insolvenzgebeutelten) Großmolkerei Parmalat bekannt.

Das eigentlich neapolitanische Gericht „Parmigiana di Melanzane“ ist wegen der Zubereitung mit Parmigiano Reggiano (indirekt) nach der Stadt benannt.

Politik[Bearbeiten]

Federico Pizzarotti (MoVimento 5 Stelle) wurde bei der Stichwahl am 20./21. Mai 2012 zum Bürgermeister gewählt. Er besiegte den Präsidenten der Provinz Parma, Vincenzo Bernazzoli (PD) mit 60,2 %. Die Fünf-Sterne-Bewegung hat mit 20 von 32 Sitzen die absolute Mehrheit im Gemeinderat und stellt den ersten Bürgermeister einer italienischen Großstadt. Der bisher regierende (PdL) konnte nach einem Korruptionsskandal mit 4,7 % nicht in den Gemeinderat einziehen.[2]

Bürgermeister von Parma:[3]

  • 1989–1992: Mara Colla, (PSI)
  • 1992–1998: Stefano Lavagetto, (DS)
  • 1998–2007: Elvio Ubaldi, (UdC)
  • 2007–2011: Pietro Vignali, (PdL)
  • seit 2012: Federico Pizzarotti, (MoVimento 5 Stelle)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der Fußballklub AC Parma hat einiges zum Bekanntheitsgrad der Stadt beigetragen. Er war Europapokalsieger der Pokalsieger 1993, errang als UEFA-Pokal-Sieger den UEFA-Pokal 1994/95 und den UEFA-Pokal 1998/99.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Parma aufgeführt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der deutsche Frühromantiker Ludwig Tieck (1773–1853), u. a. als Verfasser der Komödie Der gestiefelte Kater bekannt, soll nach seinem Italienaufenthalt 1804/05 folgendes Bonmot geprägt haben: „Niemand sage, er habe Italien gesehen, wenn er nicht dich besucht hat, Parma, und deinen Dom.“

Seit Juli 2005 ist Parma der Sitz der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Parma – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Parma – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Information des Innenministeriums, abgerufen am 25. Mai 2012
  3. www.ilborgodiparma.it abgerufen am 25. Mai 2012