Erklärung von Bern

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Erklärung von Bern
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Gründung 1968
Sitz Zürich und Lausanne
Personen

Pierrette Rohrbach (Vorstandspräsidentin)

Schwerpunkt Entwicklungspolitische Organisation
Mitglieder 23'000
Website www.evb.ch

Die Erklärung von Bern (EvB) ist eine schweizerische nichtstaatliche Organisation (NGO). Sie ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Erklärung von Bern (kurz EvB) ist eine unabhängige Schweizer Organisation, die sich für eine gerechtere Globalisierung einsetzt. Neben der Lobbyarbeit arbeitet die Organisation mit regelmässigen Kampagnen, um Einfluss auf entwicklungspolitische Fragen zu nehmen.

Dies tut sie in der Schweiz, aber sie interveniert auch zusammen mit Partnerorganisationen auf der ganzen Welt bei internationalen Institutionen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, der FAO oder der OECD. Die EvB engagiert sich schwerpunktmässig in folgenden Bereichen:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Erklärung von Bern wurde im 1968 von einer Gruppe vorwiegend reformierter Theologen, zu denen u. a. Kurt Marti gehörte, in Form eines Manifestes über „die Schweiz und die Entwicklungsländer“ formuliert. 1000 Personen unterzeichneten dieses Manifest und verpflichteten sich, 3 % ihres Einkommens für die Entwicklungszusammenarbeit zu spenden. 1971 wurde die Erklärung von Bern als Verein konstituiert. Unterdessen hat der Verein mehr als 23'000 Mitglieder. Er wird von Mitgliederbeiträgen, Spenden und dem Verkauf eigener Publikationen getragen.

Aktionen und Kampagnen[Bearbeiten]

Konsum[Bearbeiten]

Konsumenten können mit ihrem Verhalten die Produzenten und damit das gesamte Wirtschaftsgefüge beeinflussen. Um diesen Einfluss zu nutzen, fördert die EvB seit ihren Anfängen den fairen Handel. Bewusster Konsum und gemeinsame Aktionen in der Öffentlichkeit können das Verhalten grosser Konzerne beeinflussen. 1974 ebnete die EvB durch die Lancierung von Fairtrade-Kaffee aus Tansania den Weg für Drittweltläden. Bei der Kampagne „Jute statt Plastik“ wurden 250'000 fair gehandelte Jutetaschen aus Bangladesch verkauft. Ein Jahr später wurde die Gründung der Importgenossenschaft OS3 initiiert, 1977 wurde diese von verschiedenen Hilfswerken gegründet. 1997 ging aus der Importgenossenschaft OS3 die claro fair trade AG hervor. 1997 lancierte die EvB gemeinsam mit terre des hommes schweiz die Kampagne „Let’s go fair“ – für gerecht produzierte Sportschuhe.

Im Frühjahr 2009 startete die Schoggi-Kampagne. Die EvB forderte Transparenz und eine faire Preispolitik, damit Kinderarbeit nicht die Regel in der Kakaoproduktion ist. Fast 18'000 Menschen von etwa sechs Millionen Schweizern unterstützten die Kampagne.[1]

Clean-Clothes-Kampagne[Bearbeiten]

Zusammen mit Brot für alle und Fastenopfer startete die EvB in der Schweiz die Kampagne für Saubere Kleidung[2], die sich für die Rechte der Arbeiter und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie einsetzt. 2001 wurde eine Kampagne gegen den Wäschehersteller Triumph durchgeführt, der in Burma produziert. Im Olympiajahr 2004 wurde mit Prêt-à-partager eine kritische Beurteilung von 29 Bekleidungsfirmen veröffentlicht. Im Jahr 2010 mobilisiert die Kampagne «10 Rappen»[3] in neun Wochen 31'425 Protestnoten von Konsumierenden, die von Kleiderfirmen die Bezahlung von existenzsichernden Löhnen fordern. Die Clean Clothes Campaign unterstützt mit dieser Kampagne die Asian-Floor-Wage-Allianz.

Banken und Finanzplatz Schweiz[Bearbeiten]

Die EvB lancierte 1978 eine eigene Kampagne für die Bankeninitiative und gründet mit befreundeten Organisationen die Fachstelle Aktion Finanzplatz Schweiz – Dritte Welt (AFP), um die Beziehungen der Entwicklungsländer gegenüber dem Finanzplatz Schweiz und den Schweizer Banken zu thematisieren. Zusammen mit der Fachstelle führte die EvB 1991 die Kampagne „für eine Schweiz ohne Fluchtgelder“ durch, welche von 153 Organisationen unterstützt wurde und dazu führte, dass der Schweizer Bundesrat das Rechtshilfegesetz überarbeitet.

Eine Umfrage der EvB im 1982 zeigte, dass in der Schweiz ein grosses Interesse an einer Bank mit sozialen und ökologischen Zielsetzungen besteht. Eine 1988 gegründete Arbeitsgruppe für eine alternative Bank in der Schweiz führte schliesslich 1990 zur Gründung der Alternativen Bank Schweiz.

2003 wurde das Tax Justice Network gegründet.

2004 wurde eine Kampagne gegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung lanciert, 2009 forderte die EvB zusammen mit Attac und Denknetz die Aufhebung der Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug, sowie den automatischen Informationsaustausch mit ausländischen Steuerbehörden.

Landwirtschaft / Biodiversität / Patente[Bearbeiten]

Die Erklärung von Bern analysierte die Auswirkungen der Firmenpolitik des Schweizer Konzerns Syngenta in ärmeren Ländern. Im Zentrum der Kritik stand unter anderem das Herbizid Paraquat. 2001 lancierte die EvB eine weltweite Kampagne gegen Paraquat. Ein weiteres Beispiel für Kampagnen im Bereich Pestizide ist die Aktion „Vorsicht Blumen“, die 1989 zum Valentinstag stattfand. Sie zeigt die Problematik des zunehmenden Blumen-Imports aus Drittweltländern und der Pestizide auf, mit denen die Blumen gespritzt werden.

Die EvB setzt sich ebenfalls gegen die Patentansprüche Syngentas auf wichtige Gensequenzen von Nutzpflanzen ein.

Die Erklärung von Bern engagiert sich ebenfalls für einen einfachen Zugang zu Medikamenten und das Menschenrecht auf Gesundheit.

Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung[Bearbeiten]

Public Eye[Bearbeiten]

Seit 2000 organisiert die EvB während des Weltwirtschaftsforums (WEF) als Gegenkonferenz das Public Eye on Davos. Seit 2005 vergibt die Erklärung von Bern in Davos die Public Eye Awards, Schmähpreise, die an die Unternehmen vergeben werden, die die Initiatoren für besonders schmähenswert halten. Seit 2009 werden die Awards mit Greenpeace veranstaltet.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Rohstoff - Das gefährlichste Geschäft der Schweiz. Salis, Zürich 2011, ISBN 978-3-905801-50-7.
  • Andreas Missbach: Saubere Rendite – Ökologisch und sozial verantwortungsvoll investieren. Ott Verlag, Bern 2007, ISBN 978-3-7225-0084-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anne-Marie Hollenstein, Regula Renschler, Rudolf Strahm: Entwicklung heisst Befreiung. Erinnerungen an die Pionierzeit der Erklärung von Bern (1968–1985). Chronos, Zürich 2008, ISBN 978-3-0340-0917-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Schoggi-Kampagne hat Reaktionen ausgelöst abgerufen am 20. Juli 2012
  2. Clean Clothes Campaign (CCC) abgerufen am 20. Juli 2012
  3. 10 Rappen für ein würdiges Leben - Die wahren Fashion Victims abgerufen am 20. Juli 2012