Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen (FUEV, engl.: Federal Union of European Nationalities, FUEN) ist eine offiziell unabhängige Dachvereinigung von Organisationen nationaler Minderheiten Europas mit derzeit zusammengeschlossenen 81 Mitgliedsorganisationen[1] aus 32 europäischen Staaten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die FUEV wurde am 19.-20. November 1949 in Versailles (Frankreich) gegründet. Sie versteht sich als Nachfolgeorganisation des von 1925 bis 1938 bestehenden Europäischen Nationalitätenkongresses. Erster Präsident war der Belgier Charles Plisnier. Seit 1989 hat die FUEV den Teilnehmenden Status beim Europarat und seit 1995 den Konsultativen Status bei den Vereinten Nationen.

Organisation[Bearbeiten]

Das Präsidium der FUEV besteht derzeit aus Repräsentanten von Minderheiten aus sechs verschiedenen Staaten - dazu gehören je ein Vertreter der Rätoromanen in der Schweiz der Südtiroler in Italien, der Kroaten in Österreich, der Deutschen in Dänemark (der Präsident Hans Heinrich Hansen), der Cornwaliser in Großbritannien, der Sorben und der Dänen in Deutschland. Das Präsidium wird demokratisch gewählt.

Das Generalsekretariat der FUEV hat seinen Sitz in Flensburg. Seit 2008 ist der Deutsche aus Dänemark, Jan Diedrichsen, Direktor der FUEV.

Ziele und Aktivitäten[Bearbeiten]

Die FUEV verfolgt das Ziel der Erhaltung und Förderung der nationalen Identität, der Sprache, der Kultur und der Geschichte von nationalen Minderheiten. Sie tritt für ein gutnachbarschaftliches, friedliches Zusammenleben von Mehrheitsbevölkerung und Minderheit eines Staates oder einer Region ein und lehnt Separatismus und jegliche gewaltsame Grenzverschiebungsvorhaben ab.

Sie vertritt die Ansicht, dass zu einer friedlichen Entwicklung Europas die Rücksicht auf die berechtigten Interessen der nationalen Minderheiten und ethnischen Volksgruppen auf Wahrung ihrer angestammten Identität und die Hilfe bei der Bewahrung ihrer traditionellen Kultur gehört und zielt diesbezüglich insbesondere auf die europäischen Parlamente, Regierungen sowie Institutionen als Gesprächspartner ab.

1967 legte die FUEV Grundsätze für ein europäisches Volksgruppenrecht vor, die sie im Laufe der Jahre überarbeitete und ergänzte. Diese Grundsätze entwickelte sie zu einem Konventionsentwurf für die Grundrechte der Volksgruppen Europas weiter und brachte sie ab 1991 bei der OSZE, den Vereinten Nationen, dem Europarat und dem Europäischen Parlament ein.

Die FUEV unterstützt die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen und die Konvention zum Schutze der nationalen Minderheiten und erhofft sich deren baldige Ratifizierung und Umsetzung durch alle Mitgliedstaaten des Europarates.

Zu den Aktivitäten der FUEV zählen darüber hinaus u.a. die Organisation eines Jahreskongresses mit Vertretern europäischer Minderheiten und weiterer Treffen, Symposien und Veranstaltungen, die Verabschiedung von Stellungnahmen und Resolutionen[2], Veröffentlichung von Pressemitteilungen, Fact-Finding-Missions (Besuche von nationalen Minderheiten zur Erkundung ihrer Lage). Ferner ist sie Herausgeberin der Zeitschrift Europa Ethnica.

Unter Verweis darauf, dass es in der Politik und in der Wissenschaft immer noch keinen Konsens über eine verbindliche Definition einer Nationalen Minderheit gibt, hat die FUEV 2006 ihre Definitionen, Prinzipien, Forderungen und Empfehlungen in Form einer Charta, der Charta der autochthonen, nationalen Minderheiten in Europa, [3] zusammen mit der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV), unterzeichnet und veröffentlicht.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die FUEV finanziert sich durch Beiträge ihrer Mitglieder und staatlicher Einrichtungen wie Österreich, Bundesland Kärnten, die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien, die Schweiz, Kanton Graubünden, Dänemark, Bundesland Schleswig-Holstein[4], das Bundesland Brandenburg, Freistaat Sachsen, die Autonome Region Trentino-Südtirol, Autonome Provinz Südtirol, die Niederlande, Provinz Fryslân und die Bundesrepublik Deutschland. Zudem erhält sie Fördermittel der Hermann-Niermann-Stiftung

Quellen[Bearbeiten]

  1. Mitgliedsorganisationen der FUEV
  2. Publizierte Dokumente und Resolutionen der FUEV
  3. CHARTA der autochthonen, nationalen Minderheiten in Europa
  4. Minderheitenbericht 2002 der Landesregierung Schleswig-Holstein

Weblinks[Bearbeiten]