Fehlfarben

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Dieser Artikel behandelt die Rockgruppe „Fehlfarben“, für andere Bedeutungen siehe Fehlfarbe!
Fehlfarben
Fehlfarben 2006
Fehlfarben 2006
Allgemeine Informationen
Genre(s) Post-Punk, New Wave, Punk, Neue Deutsche Welle
Gründung 1979
Auflösung 1984
Neugründung 1989
Website www.fehlfarben.com
Aktuelle Besetzung
Gesang
Peter Hein (bis 1981, seit 1989)
Gitarre
Uwe Jahnke (ab 1981)
Bass
Michael Kemner (bis 1981, seit 1989)
Keyboard, Saxophon, Percussion
Frank Fenstermacher
Keyboard, Synthesizer
Kurt Dahlke
Schlagzeug
Saskia von Klitzing (seit 2000)
Ehemalige Mitglieder
Gitarre, Gesang
Thomas Schwebel (bis 2008)
Schlagzeug
Uwe Bauer (bis 1991)
Bass
Hans Maahn (1982–1983)
Bass
Hellmut Hattler (1984)
Schlagzeug
Martin Schwebel (1984)
Schlagzeug
Markus Oehlen (1979)

Fehlfarben ist eine deutschsprachige Rockband aus Düsseldorf und Wuppertal, die 1979 während eines Auftritts von The Teardrop Explodes in London gegründet wurde.

Gründungsmitglieder waren Peter Hein (ehemals Mittagspause), Thomas Schwebel (ehemals Mittagspause, S.Y.P.H.), Michael Kemner (ehemals Y.O.U., DAF, später Mau Mau, 20 Colours), Frank Fenstermacher (später Der Plan), Uwe Bauer (ehemals Materialschlacht) und Markus Oehlen (ehemals Mittagspause).

In der aktuellen Besetzung spielen neben Hein, Kemner und Fenstermacher noch Uwe Jahnke (ehemals S.Y.P.H.), Saskia von Klitzing (ehemals Bones sowie Gry, später Karpatenhund) und Kurt „Pyrolator“ Dahlke (ehemals DAF, Der Plan) mit.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

F. Fenstermacher und U. Jahnke, 2006

Fehlfarben ist die Nachfolgeband der Punk-Band Mittagspause, die wiederum Nachfolger der Ur-Punk-Band Charley’s Girls war. Beide Gruppen spielten experimentelle Musik, bevor man sich entschloss, die Kräfte der Szene um den Ratinger Hof in Düsseldorf für ein professionelleres Musikprojekt neu zu bündeln.

Die Bandidee und der Name Fehlfarben entstanden während eines Englandurlaubs, bei dem sich einige Mitglieder vom dortigen Ska-Fieber anstecken ließen. So war auch die erste Single Abenteuer & Freiheit noch sehr stark skalastig. Allerdings gab die Gruppe den Ska-Sound schon bald auf, und mit dem Abschluss eines Plattenvertrags bei der Großfirma EMI lösten sich die Fehlfarben aus dem Status einer Underground-Band. Die aus der Punk-Szene stammenden Mitglieder, die teilweise zur allerersten Generation gehören, wurden von da an als „Punk-Verräter“ bezeichnet, weshalb es auch zu einem Publikumswechsel kam. Auch wurde die Band aus der Szene deutlich kritisiert und von anderen Gruppen geschmäht: z. B. von der Gruppe Rotzkotz mit dem (auch auf eigenen schlechten Erfahrungen beruhenden) Lied Tante EMI, in dem von „Fehl-Musik“ die Rede ist und „Weltrekord“ (das EMI-Label der Fehlfarben) gleichgesetzt wird mit „Geld-Rekord“.

Fehlfarben beim Würzburger Hafensommer am 7. August 2010

1980 erschien das Debütalbum Monarchie und Alltag, das in der damaligen deutschsprachigen Rockszene einen immensen Stellenwert erreichte und auch heute noch als eines der besten deutschsprachigen Rockalben gilt. Viele Stücke des Albums waren allerdings noch klar punklastig, dabei schneller als die Lieder aus der Mittagspause-Zeit. 20 Jahre nach Veröffentlichung erreichte das Album im Jahr 2000 die notwendigen Verkaufszahlen für eine Goldene Schallplatte. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums erschien eine Edition 2000, die auch die frühere Single und Livetracks enthielt. Über die personelle Verbindung zur Gruppe DAF (über Bassist Michael Kemner und Kurt Dahlke alias „Pyrolator“) kam es auch zur beiderseitigen Veröffentlichung des Songs Kebab-Träume auf dem Album, der ebenfalls Kultstatus erreichte.

Der einzige große Hit der Fehlfarben (Top 30 in Deutschland) war das vom Funk-Stil beeinflusste Lied Ein Jahr (Es geht voran). Zu ihrem Leidwesen wird das für die Band untypische, von einem adaptierten Chic-Riff angetriebene Lied von der Öffentlichkeit als ihr wichtigstes Werk wahrgenommen. Es wurde 1982 gegen den Willen der Band als Single auf den Markt gebracht, als die Neue Deutsche Welle (NDW) kommerziell auf ihrem Höhepunkt war – zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung auf dem Album Monarchie & Alltag. Die Hausbesetzerszene identifizierte sich mit diesem Stück, so dass es häufig als „Hausbesetzerhymne“ bezeichnet wird, was von der Band so nicht gewollt war. Peter Hein selbst sprach sich in mehreren Gesprächen gegen die Vereinnahmung als „Hausbesetzerband“ und Ton-Steine-Scherben-Nachfolger aus, wohl, weil die Haltung der Fehlfarben zwar zum Teil sozialkritisch war und ist, die Intention in Ein Jahr (Es geht voran) aber eine ganz andere war.

Peter Hein und Schlagzeugerin Saskia von Klitzing

Kurz nach Veröffentlichung des Debüts trat Peter Hein aus der Band aus, weil er sich zwischen Band und Beruf entscheiden musste. Bis 2003 hatte er eine Anstellung bei Xerox. Die Band veröffentlichte in den achtziger Jahren ohne Hein noch zwei weitere Alben (33 Tage in Ketten, Glut und Asche), auf denen Gitarrist Thomas Schwebel den Gesangspart übernahm. Beide Alben konnten in die Charts einsteigen. Nach Querelen mit dem Label löst sich die Band allerdings Ende 1984 auf.

Eine erste Wiederbelebung in Originalbesetzung (inklusive Peter Hein) gab es Anfang der 90er, es erschienen zwei zwiespältig aufgenommene Alben (Die Platte des himmlischen Friedens, Live) und zudem das zuvor unveröffentlichte, bereits 1984 ohne P. Hein aufgenommene Album Popmusik und Hundezucht (1995).

Erst im Jahr 2002 erschien mit Knietief im Dispo ein neues Lebenszeichen der Fehlfarben, welches mit einem kleinen NDW-Revival zusammenfiel, das durch den erfolgreichen Dokuroman Verschwende Deine Jugend ausgelöst wurde. Dadurch wurde das Interesse für die ehemaligen deutschsprachigen Punk- und New-Wave-Anfänge wieder größer, die Verkaufszahlen blieben aber laut Hein für die damalige Plattenfirma trotzdem hinter den Erwartungen zurück.

2006 wurde das Jubiläums-Album 26½ veröffentlicht, auf dem Prominente und Freunde z. T. von der Gruppe instrumental eingespielte Stücke der Fehlfarben coverten. Beteiligt waren u. a. Campino, Herbert Grönemeyer, Helge Schneider, Jochen Distelmeyer, Dirk von Lowtzow, Peter Lohmeyer, Bernd Begemann und Sven Regener.

Am 20. April 2007 erschien das Album Handbuch für die Welt, das von der Presse mit guten Kritiken und ausführlichen Berichten bedacht wurde, die Verkaufserwartungen jedoch nicht erfüllen konnte.

Anfang 2008 verließ Thomas Schwebel die Band. Am 12. Februar 2010 erschien das Album Glücksmaschinen.

Am 26. Mai 2012 erschien das Album Xenophonie. Im September 2012 folgt eine Tournee durch Deutschland und Österreich.

Diskografie[Bearbeiten]

Pyrolator und M. Kemner, 2006
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1][2]
Monarchie und Alltag
  DE 37 17.08.1981 (21 Wo.)
33 Tage in Ketten
  DE 36 30.11.1981 (22 Wo.)
Glut und Asche
  DE 42 21.03.1983 (6 Wo.)
Knietief im Dispo
  DE 63 11.11.2002 (2 Wo.)
26½
  DE 72 10.03.2006 (4 Wo.)
Handbuch für die Welt
  DE 88 04.05.2007 (1 Wo.)
Glücksmaschinen
  DE 84 26.02.2010 (1 Wo.)
Xenophonie
  DE 74 01.06.2012 (… Wo.)
Singles[1]
Ein Jahr (Es geht voran)
  DE 22 26.04.1982 (17 Wo.)

Alben[Bearbeiten]

Singles[Bearbeiten]

  • 1979: Abenteuer & Freiheit / Große Liebe
  • 1981: Das Wort ist draußen / Wie bitte was?!
  • 1982: Ein Jahr (Es geht voran)
  • 1982: 14 Tage / Feuer an Bord
  • 1983: Tag und Nacht
  • 1983: Agenten in Raucherkinos
  • 1985: Keine ruhige Minute / Der Himmel weint
  • 1991: In Zeiten wie diesen
  • 2002: Club der schönen Mütter
  • 2003: Alkoholen
  • 2010: Wir warten (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit)
  • 2012: Platz da !

Beiträge zu Kompilationen[Bearbeiten]

  • 2003: Nicht nochmal auf Rio Reiser – Familienalbum – eine Hommage
  • 2006: We do wie du, play loud! auf Silver Monk Time - A Tribute to the Monks
  • 2009: Mehr Geben auf Die Fantastischen Vier - A Tribute To

Videografie[Bearbeiten]

  • 2002: Club der schönen Mütter (Düsseldorf, mit Charlotte Roche)
  • 2003: Alkoholen (Düsseldorf)
  • 2006: Chirurgie 2010 (ausgezeichnet mit dem MuVi Online Publikumspreis 2006)
  • 2007: Politdisko
  • 2009: WWW (live aus der Sackfabrik, Magdeburg)
  • 2009: Handbuch für die Welt (live aus der Sackfabrik, Magdeburg)
  • 2010: Glücksmaschinen
  • 2012: Platz da !

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fehlfarben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Chartverfolgung Deutschland
  2. Hitbilanz Deutsche Chart LP’s 1962–1986, Günter Ehnert (Hrsg.), Taurus Press, ISBN 3-922542-29-8