Fes (Kopfbedeckung)

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Ein Fes

Der Fes (auch Fez oder Tarbusch) ist eine früher im Orient und auf dem Balkan weit verbreitete Kopfbedeckung in der Form eines Kegelstumpfes aus rotem Filz mit flachem Deckel und mit meist schwarzer, blauer oder goldener Quaste, benannt nach der Stadt Fès in Marokko.

Geschichte[Bearbeiten]

Sultan Mahmud II. mit einem Fes nach seiner Kleiderreform

Der genaue Ursprung des Fes ist unbekannt. Er war vor seiner Etablierung im Osmanischen Reich an der gesamten nordafrikanischen Küste verbreitet, namensgebend für die Kopfbedeckung war die Färbemittelherstellung im marokkanischen Fès. Der Fes in dieser ursprünglichen Form wird heute noch in Tunesien und Marokko getragen und ist etwa doppelt so hoch sowie mit längeren Quasten bestückt als der sonst bekannte Fes. 1453 (nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen) kam diese Kopfbedeckung über Venedig als Dienertracht sowohl bei Männern als auch bei Frauen in Mode. Eine andere, eher historische These besagt, dass der Fes griechischen Ursprungs ist.[1]

Der osmanische Sultan Mahmud II. hatte das Ziel, im Sinne einer stärkeren Westorientierung die offizielle Traditionskleidung der Reichsbediensteten zu reformieren. Zunächst hatte er dabei den europäischen Dreispitz im Blick, doch seine Berater wiesen ihn auf den Zusammenhang zur christlichen Vorstellung der Dreieinigkeit hin. Da soeben eine Schiffsladung Fes aus Tunesien angekommen war, wurden diese stattdessen als neue Kopfbedeckung gewählt. Die Einführung des Fes erfolgte in zwei Schritten. 1826 erfolgte die Einführung des Fes für die Armee, 1829 obligatorisch für die zivile und religiöse Dienerschaft im Zuge einer Kleidungsreform. Das Tragen der bis dahin üblichen orientalischen, sogenannten alttürkischen Tracht, zu der neben Pluderhosen auch der Turban gehörte, wurde untersagt. Die Einführung des Fes führte zu Protesten unter den religiösen Gruppen, die nur den Turban als den islamischen Riten gerecht akzeptierten. Einige von ihnen trugen als Protest den Fes auf dem Turban[2] und auch einige Europäer kritisierten den Mangel an orientalischer Ästhetik. Mit einer Fatwa des Scheichülislam, die den Fes religiös sanktionierte,[3] erlosch der Widerstand und wurde mit der Zeit zu einem starken patriotischen Symbol. Bei den Staatsbediensteten nahm sie Bedeutung eines politischen Dienstabzeichens an, die Farbe der Quaste bestimmte dabei den Rang des Trägers. Jeder – auch nichtmuslimische – Bürger hatte ihn zu tragen, was im Sinne der Westannäherung des Sultans zu einer optischen Vereinheitlichung der verschiedenen Bürger des Osmanischen Reiches führte. Auch einige Frauen trugen den Fes, allerdings in einer kleineren Version, die keine Quaste hatte.

Mahmut II. begründete zur Umsetzung der Kleiderreform eine Fes-Fabrik in Istanbul, die Feshane, welche mit tunesischen Handwerkern bestückt die Produktion aufnahm. Die Stadt Fès hatte zunächst ein Monopol auf die Herstellung des Fes, da sie die Verbreitung der Kermes-Schildlaus, die zur charakteristischen Färbung der karminroten Hüte diente, kontrollierte. Nach der Entdeckung der synthetischen Anilinfarben im 19. Jahrhundert wurde dann der Weg frei für die Fertigung der Hüte in Frankreich, Deutschland und Österreich.[4] Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden so Strakonitz in Südböhmen und Guben in der Niederlausitz zu Zentren der Fes-Produktion, die den osmanischen Markt zunehmend beherrschten. Die türkische Fesproduktion beschränkte sich zunehmend auf die reichere Oberschicht als Zielgruppe. Besonders die österreichischen Exporte machten einen so beachtlichen Anteil aus, dass sogar das osmanische Kriegsministerium auf die billigeren österreichischen Produkte zurückgriff. Das österreichische Monopol verlor seine Stellung im Jahre 1916 mit einem Schutzzoll und der technischen Aufrüstung der inländischen Produktion durch europäische Fachleute.[5]

In großen Teilen der jungtürkischen Bewegung wurde der Fes mit dem Einmarsch österreichisch-ungarischer Truppen 1908 in das osmanische Bosnien zunehmend unbeliebt, sodass man zum mehrmonatigen Boykott aufrief und der zentralasiatische Kalpak unter den Offizieren einzog. In der Armee verlor der Fes seine Bedeutung, weil die schirmlose Gestalt den Soldaten bei Sonneneinstrahlung Schwierigkeiten bereitete, sodass sich Anfang des 20. Jahrhunderts in der Armee zunehmend ein von Enver Pascha initiierter Helm, der Enveriye, durchsetzte.

Das Tragen eines Fes war im Biedermeier als ein Zeichen der Gemütlichkeit in Teilen Europas verbreitet. Ebenso war der Fes oft fester Bestandteil der Uniformen verschiedener Milizen im faschistischen Italien. Mit großer Quaste und in einer nahezu beutelartigen Form ist der Fes auch Bestandteil der griechischen Nationaltracht.[6]

Verbot[Bearbeiten]

Kemal Atatürk hielt den Fes für ein Zeichen der Rückständigkeit und Symbol des niedergegangenen Osmanischen Reiches. Um die Kleidung auf „internationalen und zivilisierten“ Stand zu bringen, wurde daher am 30. August 1925 per Hutgesetz das Tragen des Fes (sowie aller anderen orientalischen Kopfbedeckungen) verboten. Etwa 1930 war der Fes fast vollständig aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Nach seinem Verbot in der Türkei ist das Tragen des Fes seit 1953 auch in Ägypten unter Nasser als „Zeichen anachronistischer Rückständigkeit“ bei Strafe verboten.

In Bulgarien wurde auf staatlicher Ebene der Fes „als Zeichen der osmanischen Herrschaft über Bulgarien“ aus der Öffentlichkeit verbannt. [7]

Literarisches Echo[Bearbeiten]

In dem Roman Le Tarbouche (1992) von Robert Solé wird unter anderem ausführlich die Herstellung, der Vertrieb, die Trageweise und die symbolische Bedeutung des Tarbuschs, der ägyptischen Variante des Fes, beschrieben. Das Buch handelt vom Aufstieg des Geschäftsmanns und Händlers Georges Batrakani zum führenden Tarbusch-Fabrikanten in Ägypten bis zum Ende des Tarbuschs in den 1950er Jahren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Purkhart: Die österreichische Fezindustrie. Dissertation, Universität Wien 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hilda Amphlett: Hats: A History of Fashion in Headwear, 2003, Dover Publications, S. 212
  2. Mary Neuburger: The Orient Within: Muslim Minorities and the Negotiation of Nationhood in Modern Bulgaria, 2004, Cornell University Press, S. 90.
  3. Marcel Maussen, Veit-Michael Bader, Annelies Moors (Autor): Colonial and Post-colonial Governance of Islam: Continuities and Ruptures, 2011, IMISCOE Research, Amsterdam University Press, S. 135–137.
  4. Fes in Meyers Konversations-Lexikon, vierte Auflage, 1885-1892
  5. Rudolf Agstner&Elmar Samsinger(Hg), Markus Purkhart (Autor): Österreich in Istanbul: K. (u.) K. Präsenz im Osmanischen Reich, LIT Verlag, Wien, S. 259-266.
  6. dtv-Lexikon, Band 6, 1976, Seite 131
  7. Mary Neuburger: The Orient Within: Muslim Minorities and the Negotiation of Nationhood in Modern Bulgaria, 2004, Cornell University Press, S. 93