Flüchtlingslager Oksbøl

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Das Flüchtlingslager Oksbøl war nach dem Zweiten Weltkrieg ein dänisches Lager für Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches. Es lag an der Westküste Jütlands auf dem Truppenübungsplatz bei Oksbøl (Varde Kommune) und bestand bis 1949.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Unternehmen Hannibal (1945) kamen etwa zweieinhalb Millionen Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen nach Nordwestdeutschland. Bereits am 4. Februar 1945 hatte Adolf Hitler angeordnet, Flüchtlinge auch im besetzten Dänemark aufzufangen.[1] Mit der Teilkapitulation der Wehrmacht übernahm der dänische Staat am 5. Mai 1945 das Lager. Von zeitweise 250.000 deutschen Flüchtlingen im Land lebten 30.000 bis 40.000 Menschen in dem stacheldrahtbewehrten Barackenlager Oksbøl. Es verfügte über eine eigene Verwaltung mit Bürgermeister, Lagerpolizei, Schulen und einem kleinen Theater.[1] Unter ihnen waren die ostpreußischen Schriftsteller Agnes Miegel[2] und Walter Scheffler, der dort die »Gesänge hinterm Stacheldraht« schrieb.

Trotz der großen, zum Teil umstrittenen Anstrengungen der Dänen, die Flüchtlinge bedarfsgerecht zu versorgen, starben im Lager Oksbøl 6.500 Menschen an Erschöpfung und Hunger, davon 4.132 Kinder.[3] Das wieder souveräne Dänemark wollte die Flüchtlinge nach Deutschland abschieben, stieß damit aber auf massiven Widerstand der Alliierten. Erst 1949 verabschiedete der Koldinger Bürgermeister die letzten Heimatvertriebenen auf dem dortigen Bahnhof.[3]

Die damaligen Krankenhausbaracken beherbergen heute die Jugendherberge Oksbøl; die Straßenzüge des Lagers sind als Geh- und Wanderwege erhalten.[4]

Heute befinden sich auf dem Friedhof in Oksbøl die Gräber von 121 Soldaten und 1.675 Flüchtlingen, die im Lager starben. Sie werden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Das Lagerleben in Dänemark
  2. Agnes Miegel: O Erde Dänemarks. Gedichte und Briefe aus Oksböl. Mit einer Einführung von Marianne Kopp, Bad Nenndorf 1997
  3. a b Flensburger Jäger
  4. Die Dünen bei Blåvands Huk. Mit Wanderhinweisen, hg. v. Generaldirektorat für Forst und Natur, Kopenhagen 1994, S. 28 f.
  5. Oksbøl (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Georg Mix: Deutsche Flüchtlinge in Dänemark 1945-1949. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08690-0, GoogleBooks
  • Uwe Carstens: Das Problem der deutschen Flüchtlinge in Dänemark am Beispiel des Lagers Oksbøl. In: Jahrbuch für Ostdeutsche Volkskunde. N. G. Elwert, Marburg 1995, ISBN 3-7708-1046-5.

Weblinks[Bearbeiten]