Fleckvieh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Simmentaler Fleckvieh
Kalb

Das Fleckvieh, auch Simmentaler oder Simmentaler Fleckvieh genannt, ist eine Rasse des Hausrindes. Die Benennung ist jedoch in der Schweiz unterschiedlich zu der in Deutschland und Österreich. In Deutschland und Österreich werden Fleckvieh und Simmentaler bzw. Simmentaler Fleckvieh synonym verwendet. In der Schweiz bezeichnet man als Simmentaler Tiere, die weniger als 12,5 % Red Holstein Vorfahren besitzen, während der Begriff Swiss Fleckvieh bis 1. Juli 2008 Tiere bezeichnet, die zwischen 12,5 und 75 % Red Holstein Vorfahren haben. Ab 1. Juli 2008 wurde die sogenannte Blutgrenze zur Abgrenzung gegenüber Red Holstein auf 87 % erhöht. Zudem soll Swiss Fleckvieh zu einer eigenständigen Rasse werden[1]. Allerdings führt auch das Fleckvieh in Deutschland und in Österreich einen gewissen Anteil an Red Holstein-Blut.

Fleckvieh ist eine sogenannte Zweinutzungsrasse, bei der die Milch- und die Fleischleistung gleichermaßen eine Rolle spielen. Die Rasse geht auf Hausrinder im Simmental im Berner Oberland zurück, das bereits im Mittelalter für seine großwüchsigen und gescheckten Rinder bekannt war.

Rassekennzeichen[Bearbeiten]

Gemeinsam ist allen Tieren dieser Rasse der weiße Kopf, mit gelegentlichen Augen- oder Backenflecken und die weißen Beine. Ferner sind auch der Unterbauch und die Schwanzquaste immer weiß. Die Erbanlagen für diese Merkmale werden dominant vererbt. Das restliche Fell kann in Farbabstufungen von Hellgelb bis dunklem Rotbraun auftreten, ebenso ist der Anteil von weißen Flecken sehr variabel.

Ebenso rassetypisch ist das breite, unpigmentierte Flotzmaul und die breite Stirn der Rinder. Die Rasse weist an der Halsunterseite eine ausgeprägte Wamme auf. Die Hörner sind hell, mit leicht nach außen und oben gebogenen gelblichen Spitzen.

Die Tiere sind mittelgroß bis groß. Die Widerristhöhe liegt bei Stieren bei 150 bis 158 und die für Kühe bei 138 bis 142 Zentimeter. Die Kühe wiegen ca. 600-800 kg, Stiere ca. 1100-1300 kg. Die Tageszunahmen bei den Bullen liegen zwischen 1200 und 1500 Gramm.

Zuchtrichtungen[Bearbeiten]

Simmentaler Kühe auf der Weide

Fleckvieh in der Doppelnutzung[Bearbeiten]

Als eine der wichtigsten Rinderrassen in Deutschland wird das Fleckvieh als Zweinutzungsrind gehalten. Die Zuchttiere werden nach Milch und Fleischleistung selektiert. Beides befindet sich auf sehr hohem Niveau, die Fleischleistung ist wesentlich besser als beim Holstein-Rind. Zur Verbesserung der Milchleistung wird aber teilweise Red Holstein eingekreuzt.

Milchleistungsprüfung Deutschland 2008:
im Schnitt 6.806 kg Milch, 4,14% Fett, 3,48% Eiweiß
Zuchtziel: 7.000 bis 8.000 kg Milch; 4,00% Fett; 3,70% Eiweiß

1993 wurde nach einer umfassenden Analyse der Neugestaltung der EG-Agrarpolitik mit Preissenkungsbeschlüssen für Milch und Rindfleisch ein Zuchtziel festgelegt, das ein Zweinutzungsrind mit durchschnittlich 7000 kg Milch bei 3,9 % Fett und 3,7 % Eiweiß sowie Tageszunahmen bei Jungbullen von über 1300 g und 60 % Schlachtausbeute vorsah. Ausgewachsene Kühe sollten 138-142 cm Widerristhöhe haben und 750 kg wiegen. Es wurde empfohlen, die absehbare Größenentwicklung zu bremsen. Es wurde Gewicht auf Körperbau und Eutermerkmale gelegt, doch Zuchtleistung, Gesundheit und Futteraufnahme wurden noch als zweitrangig eingestuft.[2]

Ende 2006 wurde das Zuchtziel erneut angepasst. Es wurde die Zielvorstellung von Prof. Fewson (1993) zugrundegelegt: Züchtung von vitalen Tieren, die unter künftigen Produktionsbedingungen einen höchstmöglichen Gewinn garantieren. Damit wurde mehr Gewicht auf die Zucht gesunder Tiere und die Einkommenssicherung der Tierhalter gelegt. Milch : Fleisch : Fitness werden mit 38 : 17: 45 gewichtet und das Exterieurs einzeln betrachtet.[2]

Schon jetzt erreichen einzelne Fleckviehkühe Leistungen in 305 Tagen von 10.000 kg und mehr. Einzelne Betriebe in der Schweiz erreichen sogar im Schnitt schon Leistungen gegen 10.000 kg Milch pro Kuh im Jahr[3].

Fleisch-Fleckvieh (Beef Simmentaler)[Bearbeiten]

Die Verwendung dieser Hausrindrasse als Zweinutzungsrasse ist nur für Mitteleuropa typisch. Weltweit hat diese Rinderrasse vor allem in der Fleischproduktion eine große Bedeutung. Der Milchreichtum der Mütter stellt eine sehr gute Basis für die Zucht als reine Fleischrasse dar. Das Erstkalbealter der Kühe liegt bei 30 Monaten.

Mastbullen nehmen täglich ca 1.300 Gramm zu. Die Schlachtausbeute liegt bei ca 63 Prozent.

Rassekennzeichen:

  • hoher Anteil wertvoller Fleischteile
  • gute Milchleistung
  • hohe Absetzgewichte

Genetisch hornloses Fleckvieh[Bearbeiten]

Derzeit hauptsächlich nur in der Fleischrinderhaltung von Bedeutung, sind erste genetisch hornlose Tiere auch im Zweinutzungstyp vorhanden. Sie eignen sich sehr gut für Laufstall- und Gruppenhaltung. Die Verletzungsgefahr untereinander und für den Menschen wird minimiert.

Ursprung[Bearbeiten]

Urheimat[Bearbeiten]

Die Urheimat dieser Rinderasse ist vermutlich das Berner Oberland (Simmental). Das Simmentaler Fleckvieh ist aus verschiedenen lokalen Schlägen entstanden. Wichtigste Schläge waren der große Saanenschlag und das leichtere Frutigvieh. Sicher ist, dass das Simmentaler Fleckvieh seit mindestens 1400 Jahren in der Westschweiz gezüchtet worden ist. Das Simmentaler Fleckvieh war ähnlich eng mit der heute ausgestorbenen Freiburgerrasse verwandt, wie die Red-Holstein und Holsteinrasse. Die rotbunte Simmentaler Kuh unterschied sich von der Freiburgerkuh durch den von beiden Eltern vererbten rezessiven Rotfaktor, der dadurch zum phänotypisch rotbunten Erscheinungsbild führte.

Anfänge der Zucht in Deutschland[Bearbeiten]

Ab 1835 wurde das Fleckvieh zielbewusst aus dem Simmental nach Deutschland importiert. Vier Stellen begannen etwa gleichzeitig mit der Reinzucht des Fleckviehs: Hohenheim und Meßkirch in Baden-Württemberg sowie Miesbach und Bayreuth in Bayern.

Anfänge der Zucht in Österreich[Bearbeiten]

Etwa um 1830 wurden die ersten Simmenthaler in Österreich sowohl zur Milchproduktion als auch Zugtiere eingesetzt. Diese Rasse wurde mit lokalen Rassen wie mit Weißkopfschecken, Rotscheckenvieh, Ennstaler Bergschecken, Welser Schecken, Innviertler Schecken und Pustertaler Schecken, Oberinntaler, Unterinntaler oder Zillertaler zum Fleckvieh eingekreuzt. In Österreich wurde das Fleckvieh in das Register der Traditionellen Lebensmittel aufgenommen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Fleckvieh (Simmental-Rasse) ist heute auf allen Kontinenten zuhause. Mit weltweit rund 41 Millionen Tieren ist sie eine der bedeutendsten Rinderpopulationen.

Fleckvieh - Doppelnutzung[Bearbeiten]

Land Anzahl
Tiere (1996)
Anteil am
Gesamtrinderbestand
Deutschland 4.400.000 28 %
Österreich 2.100.000 80 %
Schweiz 800.000 44 %
Frankreich 1.650.000 9 %
Italien 320.000 5 %
Tschechien 1.200.000 60 %
Slowakei 400.000 45 %
Slowenien 272.000 57 %
China 12.000.000 15 %
Russland und GUS 16.000.000 24 %
sonstige 125.000

Fleckvieh Fleischnutzung[Bearbeiten]

Eine Haltung dieser Hausrindrasse vor allem zur Fleischproduktion findet unter anderem in Großbritannien, Dänemark, Schweden, USA, Kanada, Argentinien, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Namibia, Simbabwe, Australien und Neuseeland statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schweizer Bauer vom 20. November 2007, Swiss Fleckvieh: Blutanteil wird auf 87% angehoben
  2. a b Wilfried Brade, Gerhard Flachowsky: Rinderzucht und Rindfleischerzeugung. Empfehlungen für die Praxis. In Landbauforschung Völkenrode, Sonderheft 313, Unterpunkt: 3.2.2 Zuchtziel Fleckvieh Doppelnutzung
  3. Schweizer Bauer vom 24. November 2006, Christens Simmentaler mit 15.000 Kilogramm Laktationsleistung

Literatur[Bearbeiten]

  • aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V.: Rinderrassen, ISBN 978-3-8308-0819-0.
  • Gottfried Averdunk, Alfons Gottschalk, Maximilian Putz, Ewald Rosenberger: Fleckvieh – Entwicklung zu einer Weltrasse. Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzucht- und Besamungsorganisationen e.V. (Hrsg.). BLV, München 2001, ISBN 3-405-16238-6.
  • Otto Kötteritzsch: Geschichte der Fleckviehzucht in Oberbaden 1887–1977. Verlag W. Hartung-Gorre, Konstanz 2001, ISBN 3-89649-706-5.
  • Fritz Vogt-Steiner: Eine Weltrasse: Das Simmentaler Fleckvieh . Verlag Züchter, Adelboden 1993, ISBN 978-3-722-56160-8.
  • Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter e.V.: ADR-Jahresbericht - Ausgabe 2009

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fleckvieh – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien