Miesbach

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Dieser Artikel behandelt die Kreisstadt Miesbach in Bayern. Für den österreichischen Industriellen dieses Namens siehe Alois Miesbach.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Miesbach
Miesbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Miesbach hervorgehoben
47.78333333333311.833333333333697Koordinaten: 47° 47′ N, 11° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Miesbach
Höhe: 697 m ü. NHN
Fläche: 32,35 km²
Einwohner: 11.027 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 341 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83714
Vorwahl: 08025
Kfz-Kennzeichen: MB
Gemeindeschlüssel: 09 1 82 125
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadt Miesbach
Rathausplatz 1
83714 Miesbach
Webpräsenz: www.miesbach.de
Bürgermeisterin: Ingrid Pongratz (CSU)
Lage der Stadt Miesbach im Landkreis Miesbach
Österreich Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Ebersberg Landkreis München Rosenheim Landkreis Rosenheim Bad Wiessee Bayrischzell Fischbachau Gmund am Tegernsee Hausham Holzkirchen (Oberbayern) Irschenberg Kreuth Miesbach Otterfing Rottach-Egern Schliersee (Gemeinde) Tegernsee (Stadt) Valley Waakirchen Warngau WeyarnKarte
Über dieses Bild
Luftbild von Miesbach
Miesbach von Süden

Miesbach (bairisch: Miaschboch) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberbayern.

Geographie[Bearbeiten]

Miesbach liegt in der Region Oberland, direkt am Rand der Bayerischen Alpen. Miesbach befindet sich 45 km südöstlich von München, 30 km westlich von Rosenheim und 22 km östlich von Bad Tölz im Tal der Schlierach.

Höhenlage:

  • 688,85 m ü. NN (Höhenmarke Rathaus)
  • 687,34 m ü. NN (Höhenmarke Marktplatz)
  • 696,86 m ü. NN (Höhenmarke Stadtplatz)
  • 712,23 m ü. NN (Höhenmarke Amtsgericht)
  • 908,16 m ü. NN (Höhenmarke ehem. Stadlberghaus)
  • 924 m ü. NN Stadlberg
  • Höhendifferenz Rathaus/Stadlberg = 235,15 m

Es existieren folgende Gemarkungen auf dem Gemeindegebiet: Hausham, Miesbach, Niklasreuth, Parsberg, Wies, Wörnsmühl. Gemeindeteile sind Miesbach (mit den Ortsteilen Schweinthal, Kreuzberg, Haidmühl, Au, Schopfgraben, Berghalde), Parsberg, Bergham, Wies, Wachlehen und Müller am Baum.

Topographie[Bearbeiten]

Die Innenstadt Miesbachs gliedert sich auf drei unterschiedlich hoch gelegenen Flussterrassen des Schlierachtals. Auf der untersten Ebene befinden sich der historische Marktplatz, das Rathaus, Eissporthalle und der Bahnhof. Rund 9 bis 10 Meter höher liegen in östlicher Richtung der Stadtplatz, die Pfarrkirche und der älteste Teil der historischen Altstadt.

Die gesamte östlich angrenzende neuere Innenstadt mit dem Gewerbegebiet, der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 307, dem Polizeigebäude und der Stadthalle Waitzinger Keller liegen nochmals 10 bis 15 Meter höher auf der obersten, weitgehend ebenen Flussterrasse. Diese topographische Besonderheit führt zu einer reizvoll gegliederten Altstadt mit oberem Stadtplatz und unterem Marktplatz.

Geschichte[Bearbeiten]

1114 erfolgte die erste Erwähnung Miesbachs in einer Urkunde des Bischof Heinrich I. von Freising und Abt Aribo von Tegernsee. Vermutlich noch unter den Freisinger Bischöfen erhielt der Ort im 13. Jahrhundert das Marktrecht. 1312 gelang den Waldeckern mit der Zerstörung der Burg Miesbach der erste Schritt zur Ablösung des Gebietes vom Bistum Freising. "Das älteste Kirchlein zu Miesbach befand sich vermutlich innerhalb der Mauern der Burg Miesbach und wurde mit dieser im Jahr 1312 zerstört. Auch an der Stelle des heutigen Portiunkulakirchleins befand sich eine uralte Kapelle, und dass im 14. Jahrhundert dahier auf dem Rosenbüchel eine Kirche bestanden habe, ergibt sich aus Meßstiftungen dorthin", schreibt Prälat Heimbucher in seiner "Geschichte Miesbach´s 1882". [2]

Die endgültige Anerkennung als Reichslehen erfolgte 1476 durch Kaiser Friedrich III.. 1516 gelangte die Reichsherrschaft Waldeck an die Familie Maxlrain. 1527 wurde bei einem Stadtbrand die Kirche so stark zerstört, dass sie abgetragen werden musste. 1584 beendete der bayerische Herzog Wilhelm V. die von Wolf Dietrich von Maxlrain seit um 1560 geförderte Reformation mit einer Handelssperre. Im Januar 1637 erhob Kaiser Ferdinand II. Waldeck zur Grafschaft Hohenwaldeck. Nach dem Aussterben der Maxlrainer kam Hohenwaldeck an die Wittelsbacher, die es als gesonderten Teil in das Kurfürstentum integrierten. Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte der Ort eine Blütezeit durch die Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes und durch das Kunsthandwerk. 1783 wurde bei einem erneuten Stadtbrand fast der gesamte Markt zerstört. 1803 wurde die Grafschaft Hohenwaldeck aufgelöst und in ein Landgericht umgewandelt, dessen Nachfolger der heutige Landkreis Miesbach ist. Nachdem bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts Bürgermeister und Räte verbürgt sind, entstand die heutige Gemeinde mit dem Gemeindeedikt von 1818 im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern.

Die Trachtenbewegung hat ihre Wiege in Miesbach. Die Miesbacher Tracht wurde in der Folge zum Synonym für bayerische Tracht schlechthin. Am 4. April 1859 entstand der Vorläufer des heutigen Miesbacher Trachtenvereins, die "Gesellschaft Gemüthlichkeit". Den Forschungen des ehemaligen Miesbacher Bürgermeisters Dr. Gerhard Maier zufolge war sie die erste vereinsmäßige Organisation, die sich um den Erhalt der heimischen Tracht bemühte. Der erste Verein, der das Wort "Tracht" auch im Namen führte, entstand jedoch in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Bayrischzell. Miesbach ist Sitz des Oberlandler Gauverbandes im Bayerischen Trachtenverband mit rund 50 Trachtenvereinen.

Am 16. September 1882 war Miesbach Ausgangspunkt einer 57 Kilometer langen auf Holzmasten verlegten Gleichstromleitung nach München. Miesbach wurde als Ort der Übertragung ausgewählt, weil das (1911 aufgelassene) Bergwerk in technischer Hinsicht führend war. Mit Dampfmotor zum Antrieb wurde per Freileitung eine Gleichspannung von 1.343 Volt in den Münchner Glaspalast übertragen. Mittels elektrischer Pumpe wurde ein künstlicher Wasserfall erzeugt. Damit wurde gezeigt, dass elektrische Energie über große Distanzen übertragen werden kann. Diese von Oskar von Miller und Marcel Deprez präsentierte Neuerung war die weltweit erste Kraftstromübertragung über eine derart weite Strecke.

Bedeutung hat Miesbach seit alters her auch als ein wichtiges Zentrum der Viehzucht. Schon 1837 hatte der Gmunder Wirt Max Obermayr mit der Zucht des Miesbacher Fleckviehs begonnen. Als dann 1892 der Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh entstand, war er erst der zweite seiner Art. Noch heute sind die Viehmärkte in der 1910 erbauten Oberlandhalle von überregionaler Bedeutung.

1918 wurde Miesbach durch König Ludwig III. zur Stadt erhoben. Bekanntheit erlangte der Ort wenig später mit den nationalistischen Artikeln des Miesbacher Anzeigers.

Wie schon im Ersten Weltkrieg war Miesbach auch ab 1940 wiederum Garnisonstadt. Am 2. Mai 1945 wurde Miesbach kampflos an die Amerikaner übergeben. Noch am Vortag gab es Auseinandersetzungen couragierter Bürger mit der SS. Diese hatte vorgesehen, in einer sinnlosen Tat die zentrale Johannisbrücke über die Schlierach zu sprengen, was weite Teile der Innenstadt in Mitleidenschaft gezogen hätte.

Im Jahr 1997 wurde das lange umstrittene Kulturzentrum Waitzinger Keller eröffnet.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Religionen[Bearbeiten]

Anzahl Einwohner nach Religion 2009:

  • 7.163 römisch-katholisch
  • 1.478 evangelisch
  • 3.447 sonstige (u. ohne Religion)

In Miesbach gibt es folgende Religionsgemeinschaften:

Römisch-katholisch[Bearbeiten]

Miesbach besitzt eine überwiegend katholische Bevölkerung, die ihren Mittelpunkt in der Hauptkirche der Stadt, der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden Altbayerns verfügt es über eine wechselvolle Religionsgeschichte. So war Miesbach als Teil der Herrschaft Waldeck seit der Mitte des 16. Jahrhunderts unter Wolf Dietrich von Maxlrain ein Zentrum des Protestantismus im südlichen Bayern. 1584 zur Rekatholisierung gezwungen, musste der katholische Glaube noch bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts durch die Missionstätigkeit der Franziskaner (OFM) von Tölz gefestigt werden. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich Miesbach sogar zu einem überregional bekannten Wallfahrtsort zur Muttergottesfigur der Stadtpfarrkirche. Auf dem Höhepunkt dieser Zeit verehrte Papst Innozenz XIII. dem Gnadenbild den Titel "Mater dolorosa, miraculis gloriosa". Sein Nachfolger Benedikt XIII. schenkte zudem der Gemeinde die Gebeine des Hl. Maurus, die bis vor kurzem in der Kirche aufbewahrt wurden. Weitum bekannt wurde Miesbach in dieser Zeit auch durch die ungewöhnlich große (112 Abteilungen!) und prachtvolle Fronleichnamsprozession, deren Glanz von kaum einem anderen Ort im damaligen Bayern übertroffen wurde. Zeitweise fanden zudem auch Passionsspiele statt. Miesbach ist Dekanatssitz des Erzbistums München und Freising.

Von den ehemals in Miesbach vorhandenen vier klösterlichen Niederlassungen musste das Kloster der Armen Schulschwestern als letztes 2005 seine Pforten schließen. Bedeutsam war das im 18. Jahrhundert existierende, klosterähnliche Priesterhaus der sog. Petriner, einer Gemeinschaft von Priestern, die zur Betreuung der Wallfahrt eingesetzt worden waren.

Evangelisch-lutherisch[Bearbeiten]

Eine evangelische Gemeinde konnte sich erst wieder seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bilden und ist neben der Gemeinde in Tegernsee die älteste im Landkreis. Die evangelische Gemeinde in Miesbach besitzt die Apostelkirche mit einem Gemeindehaus im Stadtzentrum.

Sonstige Religionen[Bearbeiten]

Miesbach hat eine neuapostolische Gemeinde mit Kirche und eine islamische Gemeinschaft. In den Jahren 2005 bis 2007 wurde in Miesbach eine Moschee in osmanischem Baustil errichtet. Mit einer Rundkuppel bedeckt stellt sie das Zentrum des islamischen Glaubens in Miesbach und Umgebung dar. Im Anbau daran befindet sich das Kulturzentrum des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Miesbach, das eine offene Begegnungsstätte zwischen den Kulturen darstellt. Auch Jehovas Zeugen sind in Miesbach vertreten.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurden die bis dahin selbständige Gemeinde Wies und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Parsberg (Hauptteil) und Niklasreuth eingegliedert. Die Nachbargemeinde Hausham trat Gebietsteile mit etwa 500 Einwohnern an Miesbach ab.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden 1970 8944, 1987 dann 9571 und im Jahr 2002 11.187 Einwohner gezählt. Die Einwohnerzahl betrug am 1. Januar 2010 - 12.088 Einwohner (darunter 820 Zweitwohnsitze). Somit betrug das Bevölkerungswachstum in den letzten 20 Jahren etwa 27 %. Die Zahl der Einwohner setzt sich zusammen aus 5757 männlichen und 6331 weiblichen Einwohnern (mit Zweitwohnsitzen).

Politik[Bearbeiten]

Wahlbeteiligung: 51,3 %
 %
40
30
20
10
0
36,3 %
23,8 %
21,8 %
14,5 %
3,5 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Freie Wähler Miesbach-Parsberg-Wies
Rathaus Miesbach

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Miesbach hat 24 Mitglieder. Für die Wahlperiode von 2008 bis 2014 gilt folgende Sitzverteilung:[5]

CSU SPD FW GRÜNE
11 Sitze 6 Sitze 5 Sitze 2 Sitze

Am 16. März 2014 fanden Kommunalwahlen statt. Die vorläufigen Ergebnisse ergeben folgende Sitzverteilung:[6]

CSU SPD FW GRÜNE FDP
9 Sitze 6 Sitze 5 Sitze 3 Sitze 1 Sitz

Bürgermeisterin ist Ingrid Pongratz (CSU). Sie wurde am 13. Juli 2003 zum ersten Mal gewählt und am 7. Juni 2009 wiedergewählt. Ihre beiden Vorgänger waren Konrad Schweinsteiger (SPD) und Gerhard Maier (CSU). Weit über die Stadtgrenzen war Bürgermeister Rudolf Pikola (SPD) als Schriftsteller und Heimatforscher bekannt, der 1960–1970 das Amt innehatte.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot an einer von Silber und Blau schräglinks gebänderten Stange (Turnierlanze) eine Standarte mit zwei fliegenden blau-silbernen Bändern, das Tuch dreimal wellenförmig von Silber und Blau schräglinks geteilt und mit einer goldenen Borte eingefasst.“ - Der meist ovale Wappenschild wird von einem Lorbeer- und Palmenzweig umrahmt.

Wappenerklärung: Das Standartentuch (Wimpel, Lanzenlatz) leitet sich vom Stammwappen der Herren von Maxlrain ab, die einen dreimal wellenförmig von Silber und Schwarz schräglinks geteilten Schild führten. Sie übernahmen nach dem Aussterben der Waldecker 1483, an die die Turnierlanze erinnert, der nachfolgenden Höhenrainer (bis 1487) und Sandizeller 1516 die Reichsgrafschaft Hohenwaldeck mit dem Hauptort Miesbach. Die abgeänderte Tingierung in der Fahne gemäß den bayerischen Landesfarben Silber und Blau weist auf den Übergang Miesbachs mit Hohenwaldeck nach dem Aussterben der Maxlrainer im Jahre 1734 an das Haus Wittelsbach hin. Miesbach hatte vor der Wappenverleihung durch den bayerischen König Maximilian I. Joseph am 3. September 1812 kein eigenes Wappen. Aus dem Waldecker Wappen („In Silber ein unten gestümmelter roter Falke über zwei schräggekreuzten roten Stäben.“) sind die Stadtfarben Silber und Rot entnommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Miesbach

Miesbach ist ein Zentrum der bayerischen Brauchtumspflege und der Volkstracht (sehr bekannt durch die "Miesbacher Tracht"). Im 17. und 18. Jahrhundert erlangte der Ort Bedeutung durch die Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes und wegen seines Kunsthandwerks. Er ist ein früheres Zentrum des Haberer-Wesens.

Sehenswert[Bearbeiten]

Stadtpfarrkirche
Mariä Himmelfahrt
  • Die historische Altstadt mit Stadtplatz, Marienplatz und Marktplatz ist die Hauptsehenswürdigkeit Miesbachs und steht unter Ensembleschutz. Innerhalb dieses Ensemblesschutzbereichs befinden sich zahlreiche Baudenkmäler. Der obere Stadtplatz und der Marktplatz mit seinen angrenzenden kleinen Gassen und Plätzen bis zum Marienplatz stellt ein Altstadtensemble von hohem städtebaulichem Reiz und Wert dar. Hinzu kommen die exponierte Lage der Stadtpfarrkirche und die Ledererstraße mit zahlreichen Baudenkmälern. Die Blickbeziehungen von erhöhten Lagen auf die Altstadt, der Wasserlauf der Schlierach mit begleitendem Grün und der teilweise vorhandene wertvolle Baumbestand ergänzen das prächtige Stadtbild.
  • Der wichtigste Sakralbau ist die katholische Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (ehemals auch Wallfahrtskirche), die nach dem Stadtbrand von 1783 bis 1786 von Johann Baumgartner in frühem Klassizismus wiederaufgebaut wurde. Nach verschiedenen, teils glücklosen Umgestaltungen enthält sie heute eine spärliche Einrichtung aus dem alten Bestand, darunter die wertvolle lebensgroße Kreuzigungsgruppe mit der barocken Wallfahrtsmadonna aus dem Jahr 1665 von Johannes Millauer und dem bewegenden Corpus Christi von Roman Anton Boos. Unter dem Chor liegt die nicht zugängliche Gruft der Maxlrainer.
  • Über der Altstadt thronen im Osten das schlichte Schloss (1611, heute Vermessungsamt) und die katholische Kirche St. Franziskus (Portiunkulakirche), die 1659 als frühbarocker Zentralbau erbaut wurde. Im Inneren eine seltene nazarenische Innengestaltung von Alois Dirnberger, teilweise nach Entwürfen von Carl Theodor von Piloty. Neben der Kirche befindet sich das ehemalige Kloster der Armen Schulschwestern.
  • Im Stadtzentrum finden sich die evangelische Apostelkirche (1908–11) mit Jugendstilelementen und dem ehem. Altargemälde von Fritz Freund.
  • Die Plätze der Altstadt sind mit Brunnen geziert, darunter am Stadtplatz der monumentale Michaelsbrunnen von Bernhard Bleeker, der 1905 zum 200-jährigen Gedenken an die Sendlinger Mordweihnacht von 1705 aufgestellt wurde. Am Marktplatz erhebt sich der Maibaum mit bemalten Zunftzeichen (P. E. Rattelmüller).
  • An Baudenkmälern reich, seien erwähnt der stattliche Gasthof Waitzinger (Außenfresko Schmerzhafte Gottesmutter von Miesbach), das Kulturzentrum Waitzinger Keller (1876/77) mit Jugendstilsaal von 1906, das Vereinsheim des Heimat- und Volkstracht-Erhaltungsvereins (Trachtenhütte) mit Außenfresko von Kunstmaler Sepp Stallhofer, alten Gedenktafeln am Eingang, großem Feldkreuz im Außenbereich sowie die neu errichtete Freilichtbühne mit Theaterstadel im Waitzinger-Park, die Oberlandhalle (1910) mit bedeutenden Ross- und Viehmärkten, das Heimatmuseum (Waagstraße 2, z. Zt. nur für Gruppen zu besichtigen und in Umstrukturierung begriffen – hier wird unter anderem die berühmte Gotzinger Trommel verwahrt, eines der wenigen Erinnerungsstücke an die Sendlinger Mordweihnacht), die Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Miesbach (Carl-Feichtner-Ring), das ehemalige Städtische Krankenhaus (1912) mit altem Park und Grotte, das trotz guter Bausubstanz und Denkmalcharakter von Abbruch bedroht ist, und die Villa Fohr (um 1860), das Geburtshaus des Malers Christian Schad.
  • Außerhalb der Kernstadt ist Miesbach von einer malerischen bäuerlichen Haglandschaft in den Ortsteilen Wies und Parsberg umgeben. Sie erstreckt sich bis auf den Stadlberg, der mit 924 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist und einen weiten Ausblick in das Mangfallgebirge, ins Inntal und bis nach München bietet.
  • Im Ortsteil Parsberg ist die katholische Pfarrkirche St. Laurentius (1724) mit beeindruckenden Barockmalereien und schöner Einrichtung erwähnenswert. Sehenswert ist auch das Schloss Wallenburg, der ehemalige Sitz der Grafen von Hohenwaldeck, das sich heute als nobel-schlichter Bau aus dem 17. Jahrhundert darstellt. Seine Zufahrten durch alte Alleen und sein bisher noch ungestörtes Umfeld machen es zu einem sehenswerten Ausflugsziel. Im Inneren, das nur bei Veranstaltungen zugänglich ist, befindet sich der Hauptsaal mit Stuckaturen von Johann Baptist Zimmermann.

Kultureinrichtungen[Bearbeiten]

  • Kulturhaus zur Goldenen Parkbank[7] (Selbstverwaltetes Jugendzentrum)
  • Stadtbücherei
  • Stadtarchiv (größtes und bedeutendstes kommunales Archiv des Landkreises)
  • Zentralarchiv der Bayerischen Gebirgsschützen
  • Heimatmuseum

Sport[Bearbeiten]

Schon bald nach den Anfängen der Sportbewegung im 19. Jahrhundert entstanden die ersten Gruppen, die vereinsmäßig Sport betrieben. Der älteste Sportverein ist der TV Miesbach, gegründet im Jahr 1863. Heute finden sich in der Stadt Sportvereine aus fast allen Bereichen. Am bekanntesten sind die beiden Fußballvereine, der 1.FC Miesbach (1924 gegr.), der in der Bezirksoberliga spielt, und der ASV Miesbach (1912 gegründet als ATSV, A-Klasse). Im Wintersport sind am bedeutendsten der TEV Miesbach (gegr. 1928) in der Eishockey-Bayernliga, der SC Miesbach (gegr. 1949) und die Sparte Rennrodeln im ASV Miesbach.

Sportstätten

  • Eishalle
  • Warmbad mit medizinischen Bädern
  • Sportpark Schlierachtal
  • Schießstätte der Gebirgsschützen
  • Schießstätte der kgl. priv. Feuerschützengesellschaft
  • Sportplätze des FC Miesbach, ASV Miesbach und SV Parsberg
  • Turnhalle des TV Miesbach

Miesbach als Drehort[Bearbeiten]

Wegen seines kleinstädtischen Charakters und seines ländlichen Umfeldes ist Miesbach häufig Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen. Ein jüngeres Projekt entstand im September 2007, als hier der Vilsmaier-Film Die Geschichte vom Brandner Kaspar mit Franz Xaver Kroetz als Brandner Kaspar und Michael Bully Herbig als Boandlkramer gedreht wurde. Der Film kam im Oktober 2008 in die deutschen Kinos.[8] Frühere Produktionen sind die Serien Spannagl & Sohn (mit Walter Sedlmayr in der Hauptrolle), Der Gerichtsvollzieher (Hauptrolle Jörg Hube) und Ein Bayer auf Rügen (mit Wolfgang Fierek). Der Filmemacher Marcus H. Rosenmüller besuchte in Miesbach das Gymnasium.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wohnen und Arbeiten sind in Miesbach ausgeglichen. 1998 waren laut amtlicher Statistik 3.591 Einwohner sozialversicherungspflichtig beschäftigt, und gleichzeitig gab es in der Stadt 3.580 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Davon waren 152 in der Land- und Forstwirtschaft, 991 im produzierenden Gewerbe, 736 im Bereich Handel und Verkehr und 1.701 in sonstigen Wirtschaftsbereichen.

Einzelhandel[Bearbeiten]

Das Geschäftszentrum Miesbachs verteilt sich auf die drei Platzanlagen in der Altstadt, den Stadtplatz („Oberer Markt“) im Osten unweit der Stadtpfarrkirche, den tiefer gelegenen Marktplatz („Unterer Markt“) im Süden und den Bahnhofplatz am Westrand. Die drei Plätze sind untereinander verbunden durch ein kleinteiliges Netz enger und unübersichtlicher Gassen wie dem Heimbucherwinkl (sic!), dem Manhardtwinkl, dem Marktwinkl und dem Lebzelterberg. Im Oktober 2008 wurde nördlich des Bahnhofs das Einkaufszentrum Oberland Center eröffnet. Der Bahnhofplatz soll in den nächsten Jahren umgestaltet werden; dabei wurde im Jahre 2012 das 2002 faillitierte und architektonisch höchst umstrittene Kaufring-Kaufhaus Sundheimer abgebrochen.

Gewerbe und Industrie[Bearbeiten]

1998 gab es laut amtlicher Statistik 10 Betriebe im verarbeitenden und 22 im Bauhauptgewerbe. Bekannt ist unter anderem die Weißbierbrauerei Hopf. Auch Unternehmen der Flugzeug- und Pharmaindustrie sind im Ort angesiedelt.[9]

Im Ortsteil Müller am Baum liegen im Mangfalltal die großen Gebäude und Kamine der ehemaligen Papierfabrik PWA/SCA.[10] Das Gelände wurde nach der Schließung 1997 von der IDS Miesbach übernommen, seit 2004 Anlagenbauer für Maschinen der Papierindustrie.

Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Miesbach ist Mittelpunkt der alpenländischen Vieh- und Milchviehwirtschaft. Im Jahr 1999 bestanden 109 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 2348 ha, davon waren 2344 ha Dauergrünfläche. Entsprechend seiner Stellung in diesem Wirtschaftsbereich existiert seit vielen Jahrzehnten eine Land- und Almwirtschaftsschule in Miesbach. Der Unterricht im Bereich Almwirtschaft ist dabei eine ausgesprochene Besonderheit. Große Bedeutung hat der 1892 gegründete Zuchtverband, einer der ältesten seiner Art. Die regelmäßigen Ross- und Viehmärkte sind von überregionaler Bedeutung.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Miesbach liegt an der Bahnstrecke Holzkirchen–Schliersee und wird von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) im Stundentakt mit Zugläufen nach München und Bayrischzell bedient. Die Betriebsanlagen sind bis auf zwei Bahnsteiggleise zurückgebaut, auf dem Gelände des ehemaligen Ladebahnhofs steht seit 2008 ein Einkaufszentrum.

Durch Miesbach führen die Bundesstraßen 307 und 472. Letztere wird auf einer Umgehungsstraße östlich und südlich um die Stadt herumgeführt. Die Bundesstraße 307 beginnt am südlichen Stadtrand. Weiterhin sind die Staatsstraße 2073 Richtung Norden nach Holzkirchen und die Staatsstraße 2010 Richtung Osten ins Leitzachtal und nach Rosenheim von Bedeutung.

Die nächstgelegene Autobahn ist die rund sieben Kilometer nördlich der Stadt verlaufende A 8. Die B 472 führt zur Anschlussstelle Irschenberg (7,5 km) und die Staatsstraße 2073 zur Anschlussstelle Weyarn (10 km).

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2012):

  • Kindergärten: 5 mit 375 Kindergartenplätzen (davon 360 belegte)
  • Volksschulen: 3 mit 78 Lehrern und 1211 Schülern
  • Staatliche Realschule Miesbach: mit 72 Lehrern und über 1100 Schülern
  • Gymnasium: mit über 80 Lehrern und über 1100 Schülern
  • Staatliche Berufsschule
  • Staatliches Berufsbildungszentrum für Hauswirtschaft und Sozialwesen (BBZ)
  • Land- und Almwirtschaftsschule
  • Berufsfachschule für Altenpflege - Miesbach
  • Berufsfachschule für Altenpflegehilfe - Miesbach

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Miesbach

In der Stadt gelebt oder geboren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrelang, Franz: Landgericht Aibling und Reichsgrafschaft Hohenwaldeck. München 1967.
  • Gasteiger, Michael: Markt und Stadt Miesbach. Miesbach: Mayr, 1957.
  • Gloetzl, Fritz u.a.: Miesbach. Ein historischer Streifzug in Wort und Bild. Hausham: Fuchs, 1983.
  • Langheiter, Alexander: Miesbach. Ein Kulturführer. Miesbach: Maurus, 2006.
  • Langheiter, Alexander: 900 Jahre Miesbach. Chronik & Kulturführer. Miesbach: Maurus, 2013.
  • Obernberg, Joseph von: Denkwürdigkeiten der Burgen Miesbach und Waldenberg, so wie des alten Pfarrdorfes Pastberg im Isarkreise des Königreichs Bayern. München: Franz, 1831.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.erzbistum-muenchen.de/Pfarrei/Page004530.aspx
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 581.
  4. http://www.miesbach.de/fileadmin/Mediendatenbank/Miesbach/Rathaus_Buergerservice/Dokumente/VORL%C3%84UFIG%20STADTRAT.pdf
  5. Website der Stadt: Stadtrat
  6. Vorläufiges Ergebnis der Wahl des Stadtrats am 16.03.2014
  7. http://www.goldene-parkbank.de/
  8. http://www.brandnerkaspar-derfilm.de
  9. http://www.miesbach.de/wirtschaft-unternehmen/firmen.html
  10. http://www.ids-miesbach.de/de/historie.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Miesbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Miesbach – Reiseführer