Fogo

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Dieser Artikel beschreibt eine Insel der Kapverdischen Inseln, für die Insel gleichen Namens vor Neufundland siehe Fogo Island.
Fogo
Fogo von See aus gesehen
Fogo von See aus gesehen
Gewässer Atlantischer Ozean
Inselgruppe Ilhas de Sotavento
Geographische Lage 14° 57′ N, 24° 23′ W14.942194444444-24.3801861111112829Koordinaten: 14° 57′ N, 24° 23′ W
Lage von Fogo
Länge 26,1 km
Breite 26,2 km
Fläche 476 km²
Höchste Erhebung Pico do Fogo
2829 m
Einwohner 38.600
81 Einw./km²
Hauptort São Filipe
Karte der Insel
Karte der Insel

Fogo (dt.: „Feuer“) ist eine der Kapverdischen Inseln im Atlantik. Sie gehört zur kapverdischen Inselgruppe Ilhas de Sotavento (dt.: „Inseln unter dem Wind“) und liegt östlich von Brava und westlich von Santiago. Der Pico do Fogo ist der höchste Berg und einzige aktive Vulkan des Archipels.

Geographie[Bearbeiten]

Die Distriktstadt ist São Filipe mit 8.300 Einwohnern. Zweitgrößter Ort ist Mosteiros mit rund 5000 Einwohnern.

Die Insel hat die Gestalt eines völlig ebenmäßigen Vulkankegels (Stratovulkan) mit einer riesigen Caldera, in der sich ein kleinerer Konus aufgebaut hat und heute den Gipfel Pico do Fogo (dt.: „Gipfel des Feuers“) bildet. Der Pico do Fogo ist mit einer Höhe von ca. 2.829 m über dem Meer die höchste Erhebung der Kapverdischen Inseln und nach dem Pico del Teide und dem Pico Viejo die dritthöchste im Atlantik.

Fogo sitzt zusammen mit der Insel Brava und dem Seamount Cadamosto auf einem gemeinsamen Sockel der Kapverdenschwelle, durch tiefes Wasser getrennt von der nächsten Insel Santiago. Der Boden des Atlantiks liegt hier 5.300 m unter Meeresspiegel.

Nur die Höhen und Hänge an der Nord-Ost Seite sind ganzjährig grün, während sonst wüsten- und steppenhafte Trockenregionen überwiegen. Als südlichste und gebirgige Insel erhält Fogo den meisten Niederschlag auf den Kapverdischen Inseln, wodurch unregelmäßig Trockenfeldbau möglich wird. Dennoch gibt es keine ganzjährig Wasser führenden Flüsse. Auf einigen Farmen wird - z.B. im Süden der Insel in Salto - mit Hilfe künstlicher Bewässerung Gemüse (vor allem Kohl und Paprika) angebaut. Auch Papayas und Tamarinden gedeihen hier gut. Die Berghänge im Nordosten der Insel werden zum Kaffeeanbau genutzt. Die Lava dient den Einheimischen als Baustoff.

Hauptstadt ist das mit klassisch portugiesischer Kolonialarchitektur ausgeführte Städtchen São Filipe im Südwesten. Ein zweites wichtiges Siedlungszentrum ist Mosteiros im Nordosten.

1680 erfolgte eine so heftige Eruption, dass der Berg nachts über Hunderte von Kilometern sichtbar war und auf lange Jahre der Schifffahrt als natürlicher Leuchtturm diente. Dies gab der Insel einen neuen Namen Ilha do Fogo.

Geologie[Bearbeiten]

Fogo ist die einzige Insel der Kapverden mit historischem Vulkanismus. Mit ungefähr 30 Eruptionen seit ihrer Entdeckung im 15. Jahrhundert ist sie eine der aktivsten Vulkaninseln der Erde.[1] Ihre geologische Entwicklung lässt sich gemäß Foeken u. a. in vier Stadien unterteilen (von jung nach alt)[2]:

Das Seamountstadium besteht aus angehobenen Alkalibasalten und Karbonatiten, die zirka 1000 Meter mächtige, vorvulkanische Sedimente in 4000 Meter Wassertiefe überlagern. Die Sedimente liegen ihrerseits auf ozeanischer Kruste der Unterkreide, die hier von 5300 Meter bis in eine Tiefe von 13 Kilometer reicht.[3] Das Seamountstadium wurde mit rund 4,5 Millionen Jahren BP ins frühe Pliozän (Zancleum) datiert. Diskordant auf die Ablagerungen des Seamountstadiums folgen an der Oberfläche ausgetretene Laven der Monte-Barro-Gruppe, für die bisher noch keine Altersangabe verfügbar ist. Die überlagernde, 2000 bis 3000 Meter mächtige Monte-Amarelo-Gruppe bildet den Höhepunkt der vulkanischen Aktivitäten Fogos mit dem Aufbau desAmarelo-Vulkans (Schildstadium). Gefördert wurden vorwiegend untersättigte, hochalkalische, basische bis intermediäre Laven. Der Gruppe wird ein quartäres Alter zugewiesen. Sie endete im Zeitraum 123000 bis 62000 Jahre BP mit einem nach Osten gerichteten, gigantischen, spätpleistozänen Flankeneinsturz, dem der Gipfelaufbau zum Opfer fiel. Der Einsturzverlauf wird heute von dem 1000 Meter hohen Bordeira-Abbruch markiert. In der zurückgebliebenen Caldera sammelten sich dann ab 62000 Jahren BP die rund 2000 Meter mächtigen Ablagerungen der Chã-das-Caldeiras-Gruppe, hauptsächlich Gesteine der alkalischen Differentiationsreihe Basanit/Tephrit. Hierauf errichtete sich der Stratovulkan Pico do Fogo, dessen historische Eruptionen ebenfalls aus Basaniten, Tephriten, Foiditen und Phonotephriten aufgebaut werden.[4] Die Eruptionen am Pico do Fogo konzentrierten sich bis 1769 auf den Zentralschlot, seit 1785 erfolgten jedoch Flankeneruptionen. Zur Chã-das-Caldeiras-Gruppe werden auch noch kleinere, diskontinierliche Lavaflüsse und Schlackenkegel auf der Außenseite des ehemaligen Amarelo-Vulkans gerechnet.

Gemäß Madeira unter anderem war es vor dem katastrophalen Flankenabriß doch zu einem klassischen Caldereneinsturz gekommen, der zwei ineinander verzahnte Krater hinterließ. Überdies stellt der folgende Flankenabriß ihrer Meinung zwei separate Ereignisse dar.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Fogo wurde 1460 durch den italienischen Kapitän Antonio da Noli entdeckt und zunächst São Filipe genannt. Um 1500 bereits siedelten sich freie, adlige Portugiesen als Lehnsherren an und errichteten ein klassisches "sklavenhaltendes Pflanzersystem". Am transkontinentalen Sklavenhandel nahmen sie als Lieferanten und Verkäufer von Versorgungsgütern für die Sklavenschiffe teil. Die rassistische Schichtung der Gesellschaft war stärker ausgeprägt als auf den anderen Inseln, wo das Zusammenleben zwischen Freien und Sklavinnen in kreolischen Familien zum Ursprung der kreolischen Kultur geworden war. Erst die bürgerliche Revolution in Portugal 1910 nahm dem Adel und den Großgrundbesitzern ihre absolute Vorherrschaft und ließ Bürgerliche, die schon ab 1850 in der Emigration nach Nordamerika ihr Glück gefunden hatten, als ebenbürtige Konkurrenten auftreten. Ein kleines Museum in São Filipe erleichtert das Verständnis der Zusammenhänge in anschaulicher Weise.

Sprache[Bearbeiten]

Kapverdisches Kreol, Portugiesisch

Artisten:

  • Ana Procópio (Portugiesische Seite)

Autoren:

  • Henrique Teixeira de Sousa
  • Pedro Monteiro Cardoso

Literatur:

  • Folk-Lore from the Cape Verde Islands (Parsons, Elsie Clews – 1923: Kapverdische Fabeln und Geschichten; Buch 1: in Englisch, Buch 2: im Kreol von Fogo)

Flora[Bearbeiten]

Endemische Pflanzen im Innenhof des Museums in São Filipe.
Strand Praia Casa im Osten der Insel.
Losma, eine endemische Heilpflanze.

Auf Fogo kommen verschiedene endemische Pflanzen vor[6]:

  • Crabo bravo (Erysimum caboverdiana)
  • Língua de vaca (Echium vulcanorum)
  • Losma (Artemisia gorgonum), ein bitter schmeckende Heilpflanze
  • Totolho (Euphorbia tuckeyana).

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Der einzige größere Hafen der Insel Fogo, der Porto do Vale de Cavaleiros, liegt 3 km nördlich der Inselhauptstadt São Filipe. Nachdem die atlantischen Stürme die Kaimauer zu großen Teilen zerstört hatten, erfolgte 1999 eine Erneuerung. Ein weiterer Hafen befindet sich in São Jorge, er kann allerdings nur von kleinen Booten angelaufen werden.

Landwirtschaft, darunter auch der Anbau von sehr hochwertigem Kaffee im Nordosten der Insel und etwas schwerem Wein, und handwerklicher Fischfang sind die einzig nennenswerten Produktionszweige. 2006 wurden 35 t Kaffee geerntet und 2007 45 t.[7] Im Dürrejahr 2008 betrug die geerntete Kaffeemenge 21 t. Durch die außergewöhnlichen geologisch-klimatischen Bedingungen entsteht ein unter Kaffeekenneren geschätzter Kaffee. Der Anbau erfolgt auf kleinen Familien-Parzellen auf einem mineralreichen vulkanischen Boden in Höhen bis 2.000 m in extensiven Landbau. Dabei vielfach in einer Mischkultur zusammen mit Papaya, Bohnen, Maniok u.a. Anbaugebiete liegen in der Caldera und im Nordosten der Insel in der Nähe von Mosteiros.

Im 19.  Jahrhundert war der Anbau der Purgiernuss, aus deren Samen ein Maschinenöl hergestellt wurde, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor - noch heute findet man an vielen Stellen auf Fogo die verwilderten Sträucher.[8] Handel, Gewerbe und Privathaushalte leben im Wesentlichen von Einnahmen aus der Emigration. Teilweise senden die u.a. in die USA, nach Kanada, Venezuela oder Brasilien ausgewanderten Familienangehörigen auch nach mehreren Generationen noch regelmäßig Geld nach Hause, selbst wenn sich Absender und Empfänger nicht mehr persönlich kennen. Der Tourismus hat langsam und qualifiziert begonnen, da die Insel sich hauptsächlich für Wander- und kulturell-historisch orientierten Tourismus eignet und nicht für Strandtourismus. Nur an wenigen Stellen auf Fogo ist Baden im Meer möglich, z.B. an dem Strand Ponta da Salina bei São Jorge sowie an dem Strand Praia Casa bei Cova Matinho an der Ostküste.

Touristisch interessant ist neben dem historischen Stadtkern der Distriktstadt São Filipe das Dorf Chã das Caldeiras im Hauptkrater mit einer Weinbaukooperative und Übernachtungsmöglichkeiten vor dem Aufstieg zum Pico do Fogo, der Hauptattraktion der Insel. Im Ortsteil Bangaeira sind fast alle Gebäude aus schwarzem Lavagestein errichtet, auch die Hauptstraße ist mit Lavablöcken gepflastert. Der Pico do Fogo ist von São Filipe aus über eine gute Straße über Salto und Monte Largo leicht zu erreichen. Besonders hübsche Wanderwege ziehen sich durch die bewaldeten Hänge im Nordosten der Insel in der Nähe der kleinen Stadt Mosteiros. Der Tourismus ist anders als auf den bekannten Kap Verdischen Inseln Boa Vista und Sal gering entwickelt, auch weil es keine Direktflüge gibt, sondern die Insel ist ausschließlich über Santiago erreichbar. Große Tourismus-Konzerne haben hier kein Geschäft entdeckt. Daher finden sich auf Fogo praktisch ausnahmslos kleine Pensionen und Hotels unter Eigentümer-Führung. Andere Einnahmequellen neben dem Betrieb von Unterkünften finden sich in unabhängig agierenden Touristenführern. Gute Informationen über Fogo insgesamt und São Filpe im Besonderen finden sich hier.

Bildgalerie[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1.  Torres, P. u. a., Réffega, A. u. a. Ministério da Ciencia e da Tecnologia, Instituto de Investigação Científica Tropical (Hrsg.): Carta geológica das erupções históricas da Ilha do Fogo: revisão e actualização. Lissabon 1997, S. 119-132.
  2.  Foeken, J., Day, S. und Stuart, F.: Cosmogenic 3He exposure dating of the Quaternary basalts from Fogo, Cape Verdes: implications for rift zone and magmatic reorganisation. In: Quaternary Geochronology. 4, 2009, S. 37-49.
  3.  Pim, J. u. a.: Crustal structure and origin of the Cape Verde rise. In: Earth Planet. Sci. Lett.. 272, 2008, S. 422-428.
  4.  Kokfelt, T.: A geochemical and isotopic study of the Island of Fogo, the Cape Verde Islands. In: PhD thesis. University of Copenhagen. 1998, S. 164.
  5.  Madeira, J.: The role of mass movements on the geomorphologic evolution of island volcanoes: examples from Fogo and Brava in the Cape Verde archipelago. In: Comunicações Geológicas. 95, 2008, S. 93-106.
  6. Reitmaier, Pitt: Cabo Verde, S.385. Bielefeld 2009.
  7. Lipps, Susanne: Kapverdische Inseln, S.262. Ostfildern 2009.
  8. Reitmaier, Pitt: Cabo Verde, S.108. Bielefeld 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Insel Fogo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien