Frank Deppe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frank Deppe 2008

Frank Deppe (* 23. September 1941 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Frank Deppe studierte seit 1961 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und ab 1964 an der Philipps-Universität Marburg Soziologie, Politikwissenschaft und Nationalökonomie. Der Wechsel der Universität erfolgt, weil Deppe sein Studium der Soziologie bei Heinz Maus fortführen wollte.[1] Deppe wurde in Marburg 1964 Mitglied des SDS sowie Mitglied im Zentralen Ausschuss der Kampagne für Demokratie und Abrüstung. In den Jahren 1965 bis 1967 war er im Bundesvorstand des SDS tätig. Über diese Tätigkeit kam Deppe in Kontakt zum Marburger Institut der Politikwissenschaft um Wolfgang Abendroth. Ab 1965 arbeitete er dort auch als wissenschaftliche Hilfskraft.[2]

1967 begründete er das Sozialistische Zentrum mit. 1968 wurde Deppe bei Wolfgang Abendroth in Marburg mit einer Arbeit über Louis-Auguste Blanqui promoviert; 1972 habilitierte er sich. Zwischen 1968 und 1971 war er Akademischer Rat am Institut für Soziologie der Universität Marburg. 1972 erhielt er einen Ruf auf den dortigen Lehrstuhl für Politikwissenschaft. Er war Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung und Leiter der Forschungsgruppe Europäische Gemeinschaften (FEG) beim Institut für Politikwissenschaft. Von 1983 bis 1989 gehörte er zum Wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Marxistische Studien und Forschungen. 2006 wurde er emeritiert. Am 15. Juli 2006 hielt er seine Abschiedsvorlesung zum Thema Krise und Erneuerung marxistischer Theorie. Er ist Mitglied der Partei Die Linke. Des Weiteren ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac.[3]

Am 1. Dezember 2012 wurde er in den Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung gewählt.

Politische Theorie, Geschichte und Politik der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung gehören zu den Schwerpunkten in Deppes Forschung sowie die Politische Soziologie der Gewerkschaften, die Europäische Integration und Internationale Politische Ökonomie.

Der Medizinsoziologe und Sozialmediziner Hans-Ulrich Deppe ist sein Bruder.[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Kritik der Mitbestimmung. Partnerschaft oder Klassenkampf. Gemeinsam mit Jutta von Freyberg, Christof Kievenheim, Regine Meyer, Frank Werkmeister. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969, ISBN 978-3-518-10358-6
  • Verschwörung, Aufstand und Revolution. Auguste Blanqui und das Problem der sozialen Revolution im 19. Jahrhundert. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1970
  • Das Bewußtsein der Arbeiter. Studien zur politischen Soziologie des Arbeiterbewußtseins. Mit einem Anhang von Helga Deppe-Wolfinger: Gewerkschaftliche Jugendbildung und politisches Bewußtsein. Pahl-Rugenstein, Köln 1971, ISBN 3-7609-0037-2
  • BRD – DDR. Vergleich der Gesellschaftssysteme. Gemeinsam mit Heinz Jung. 1971
  • Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Zur politischen Ökonomie der westeuropäischen Integration. Als Herausgeber. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1975, ISBN 3-499-21073-8
  • Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Als Herausgeber gemeinsam mit Georg Fülberth und Jürgen Harrer. Pahl-Rugenstein, Köln 1977, ISBN 3-7609-0290-1
  • Ende oder Zukunft der Arbeiterbewegung? Gewerkschaftspolitik nach der Wende. Eine kritische Bestandsaufnahme. Pahl-Rugenstein, Köln 1984, ISBN 3-7609-0892-6
  • Arbeiterklasse gibt´s die noch? Gemeinsam mit Peter Fleissner. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1985
  • Niccolò Machiavelli. Zur Kritik der reinen Politik. Pahl-Rugenstein, Köln 1987, ISBN 3-760-91126-9
  • 1992 − Projekt Europa, Politik und Ökonomie in der Europäischen Gemeinschaft. Als Herausgeber gemeinsam mit Jörg Huffschmid, Klaus-Peter Weiner. Pahl-Rugenstein, Köln 1989, ISBN 3-7609-1307-5
  • Jenseits der Systemkonkurrenz (1991)
  • Binnenmarkt 1992 – Zur Entwicklung der Arbeitsbeziehungen in Europa (1991)
  • Zur Post-Maastricht-Krise der Europäischen Gemeinschaft (1993)
  • Arbeitslosigkeit. Wohlfahrtsstaat und Gewerkschaften in der Europäischen Union (1995)
  • Fin de Siècle. Am Übergang ins 21. Jahrhundert (1997)
  • Politisches Denken am Anfang des 20 Jahrhunderts, Bd.I (1999)
  • Ein neuer Kapitalismus? (2001)
  • Politisches Denken zwischen den Weltkriegen, Bd. II (2003)
  • Der neue Imperialismus (2004)
  • Notstand der Demokratie (hgg. mit Horst Schmitthenner, Hans-Jürgen Urban) , Hamburg 2008
  • Politisches Denken im Übergang ins 21. Jahrhundert, Hamburg 2010
  • Imperialismus. Gemeinsam mit David Salomon, Ingar Solty. Köln 2011
  • Europa im Schlepptau der Finanzmärkte. Gemeinsam mit Joachim Bischoff, Richard Detje, Hans-Jürgen Urban. VSA, Hamburg 2011, ISBN 978-3-89965-482-0
  • Gewerkschaften in der Großen Transformation. Von den 1970er Jahren bis heute. Eine Einführung, Köln 2011.
  • Autoritärer Kapitalismus. Demokratie auf dem Prüfstand, Hamburg 2013.
  • imperialer realismus? über eliten, experten und journalisten und die »neue deutsche verantwortung<<, Hamburg 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Frank Deppe
  2. Interview mit Frank Deppe
  3. http://www.attac-netzwerk.de/das-netzwerk/wissenschaftlicher-beirat/mitglieder/ Mitglieder Wissenschaftlicher Beirat Attac (Stand Dezember 2009)
  4. Lothar Peter: Marx an die Uni. Die >>Marburger Schule. Geschichte, Probleme, Akteure, Köln 2014, S. 102, Fußnote 198.