Franz Rottensteiner

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Franz Rottensteiner (* 18. Januar 1942 in Waidmannsfeld, Niederösterreich) ist ein österreichischer Publizist und Kritiker auf dem Gebiet der Science-Fiction und der Phantastik.

Er studierte Publizistik, Anglistik und Geschichte an der Universität Wien und promovierte 1969. Nach einem dreiviertel Jahr im Bundesheer war er rund 15 Jahre als Bibliothekar und Redakteur am Österreichischen Institut für Bauforschung in Wien tätig. Daneben betreute er die Edition verschiedener phantastischer Buchreihen. In der Buchreihe Science Fiction der Welt im Insel-Verlag publizierte er von 1971 bis 1975 Autoren wie Herbert W. Franke, Stanislaw Lem, Philip K. Dick, Kobo Abe, Cordwainer Smith, Brian W. Aldiss und Arkadi und Boris Strugazki, oft erstmals in deutscher Sprache.

1973 publizierte er in New York eine Anthologie mit europäischer Science-Fiction unter dem Titel View From Another Shore, mit der dem US-amerikanischen Leser Autoren wie Stanislaw Lem, Josef Nesvadba, Gerard Klein oder Jean-Pierre Andrevon erstmals vorgestellt wurden; diese Zusammenstellung erschien auf deutsch als Blick vom anderen Ufer.

Im Paul-Zsolnay-Verlag startete 1975 die Buchreihe Die phantastischen Romane, um Autoren wie Leo Perutz und Alexander Lernet-Holenia eine Wiederveröffentlichungsmöglichkeit zu bieten; Rottensteiner betreute diese Reihe bis 1982 und publizierte 27 Bände, darunter neben den genannten Autoren Nachdrucke von Anatole France, Karel Capek, Paul Busson und Otto F. Beer, aber auch Erstveröffentlichungen von Max Ehrlich, Guy Endore oder Peter Straub. Die achtzehnbändige H.-G.-Wells-Edition bei Zsolnay wurde ebenfalls von ihm betreut; von 1979 bis 1985 machte er in dieser Edition sechs bislang unübersetzte Romane des berühmten Briten zugänglich.

1980 bis 1998 betreute er als Berater die Phantastische Bibliothek im Suhrkamp-Verlag, die es auf rund dreihundertsechzig Taschenbücher brachte. Er ist Herausgeber von rund 50 Anthologien, verfasste zwei Bildbände, The Science Fiction Book (1975) und The Fantasy Book (1978) und arbeitete an zahlreichen Lexika der Science-Fiction und Fantasy mit. 1973 bis 1986 gab er die Buchreihe Polaris heraus, die in zehn Folgen phantastische Texte und Sekundärliteratur versammelte, und 1978 bis 1982 Sammlungen mit Gespenstergeschichten aus Polen, Österreich, England, Nordamerika und der Südsee. Von 1989 bis 1997 war er zusammen mit Michael Koseler Herausgeber des als Loseblattwerkausgabe erscheinenden Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur.

Ein intensiver, 1969 einsetzender Briefwechsel mit dem damals noch weithin unbekannten Stanislaw Lem führte zu einer langjährigen Freundschaft; Rottensteiner war in der Folge Lems literarischer Agent (außer für Deutschland) bis zum Jahre 1995, als der polnische Autor seinen Agenten verklagte (und den Prozess verlor).

Rottensteiner ist seit 1963 Herausgeber der Literaturzeitschrift Quarber Merkur, dem im deutschsprachigen Raum führenden Periodikum für die kritische und theoretische Auseinandersetzung mit der phantastischen Literatur. Anlässlich des Erscheinens der 100. Nummer wurde er 2004 mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet.

Anthologien (Auswahl)[Bearbeiten]

im Suhrkamp Verlag, wenn nicht anderes vermerkt
  • 1971 Die Ratte im Labyrinth (Insel Verlag)
  • 1971 Pfade ins Unendliche. Insel Almanach auf das Jahr 1972 (Insel Verlag)
  • 1977 Blick vom anderen Ufer
  • 1979 Das Mädchen am Abhang
  • 1982 Die andere Zukunft
  • 1982 Das große Buch der Märchen, Sagen und Gespenster (Fischer)
  • 1983 Phantastische Träume
  • 1984 Phantastische Welten
  • 1985 Die Ermordung des Drachen (Insel Verlag)
  • 1985 Phantastische Aussichten
  • 1986 Phantastische Zeiten
  • 1987 Seltsame Labyrinthe
  • 1987 Die dunkle Seite der Wirklichkeit
  • 1988 Der Eingang ins Paradies
  • 1989 Arche Noah
  • 1990 Phantastische Begegnungen
  • 1990 Die Sirene und andere phantastische Erzählungen
  • 1993 Verführung (Eichborn Verlag)
  • 1995 Phantastisches aus Österreich
  • 1999 Weltuntergänge en gros. Ablaufdatum 31.12.2000: Die Prophezeiungs-Falle. (Aarachne Verlag, Wien)
  • 1999 Weltuntergänge en detail. Ablaufdatum 31.12.2000: Die Prophezeiungs-Falle. (Aarachne Verlag, Wien)
  • 2003 Tolkiens Geschöpfe, zusammen mit Erik Simon (Heyne Verlag)

Sachbuch[Bearbeiten]

  • 1975 The Science Fiction Book
  • 1978 The Fantasy Book
  • 1979 Quarber Merkur (ausgewählte Aufsätze aus der gleichnamigen Literaturzeitschrift)
  • 1984 Über H. P. Lovecraft
  • 1992 Der Einsiedler von Providence (Aufsatzsammlung zum Thema H. P. Lovecraft)
  • 1997 H. P. Lovecrafts kosmisches Grauen
  • 2002 Beiträge in Klaus-Peter Walter (Hrsg.): Reclams Krimi-Lexikon. Autoren und Werke. Philipp Reclam Jun., Stuttgart 2002, ISBN 3-150-10509-9
  • 2013: Im Labor der Visionen. Anmerkungen zur phantastischen Literatur. 19 Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 2000–2012, Verlag Dieter van Reeken, Lüneburg 2013, ISBN 978-3-940679-72-7.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marco Frenschkowski: Franz Rottensteiner zum 70. Geburtstag, in: Zeitschrift für Fantastikforschung, Heft 1/2012, LIT Verlag Berlin, S. 1–4.

Weblinks[Bearbeiten]