Fred Vargas

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Fred Vargas, 2009

Fred Vargas [fʀɛd vaʀ'ɡaz] ist der Künstlername der französischen Schriftstellerin, Historikerin, Mittelalterarchäologin und Archäozoologin Frédérique Audoin-Rouzeau (* 7. Juni 1957 in Paris).

Das Pseudonym entstand aus der Abkürzung ihres Vornamens und dem Nachnamen der Filmfigur „Maria Vargas“ (Ava Gardner im Film „Die barfüßige Gräfin“).

Leben[Bearbeiten]

Fred Vargas ist die Tochter des Kulturjournalisten Philippe Audoin, eines Mitglieds der Surrealisten, und eine Schwester des Historikers Stéphane Audoin-Rouzeau. Ihre Zwillingsschwester, die Malerin Joëlle Audoin-Rouzeau, benutzte unter dem Pseudonym Jo Vargas den fiktiven Nachnamen bereits vor ihr.

Fred Vargas lebt mit ihrem Sohn im Pariser Stadtteil Montparnasse und arbeitet als Archäologin (Spezialgebiet Archäozoologie mit Schwerpunkt Mittelalter) beim CNRS. Seit 1986 schreibt sie in ihrer Ferienzeit Kriminalromane, distanzierte sich dabei später von ihrem Erstlingswerk Les Jeux de l'amour et de la mort, nachdem sie mit ihrem zweiten Roman, L'homme aux cercles bleus, 1991 ihren eigenen Stil gefunden hatte.

2004 wandte sie sich mit ihrem Eintreten für den ehemaligen Terroristen und heutigen Schriftsteller Cesare Battisti einem (kultur-)politischen Thema zu. Hintergrund ist die drohende Auslieferung zahlreicher Ex-Politstraftäter und heutiger Kulturschaffender an Italien, nachdem sie viele Jahre lang aufgrund eines Erlasses von François Mitterrand in Frankreich geduldet waren.

Hauptfiguren ihrer Romane[Bearbeiten]

Typisch für ihre Romanfiguren sind Skurrilität und Liebenswürdigkeit. Zwei Serien von Romanen um jeweils eine Gruppe von Ermittlern lassen sich unterscheiden – diese sind aber untereinander bekannt. Die Handlung der Romane hat etwas Groteskes, wobei Bezüge zum Surrealismus (einem Teil des familiären Hintergrunds der Autorin) unübersehbar sind, bleibt dabei jedoch stets logisch.

Adamsberg, Danglard und Camille[Bearbeiten]

  • Jean-Baptiste Adamsberg: Kommissar im 13. Arrondissement in Paris, der mit augenfälliger äußerer Langsamkeit seine Fälle durch Intuition löst, andererseits nicht versteht, wie andere durch Nachdenken zu einem Ergebnis kommen können
  • Adrien Danglard: dessen Inspektor, der systematische und intellektuelle Gegenpol zu Adamsberg, der alleinerziehend fünf Kinder ernährt, dem Weißwein zugeneigt ist und den Gedanken seines Vorgesetzten oft nicht folgen kann
  • Camille Forestier: Adamsbergs ehemalige und immer wiederkehrende Geliebte, die abwechselnd als Musikerin und Klempnerin arbeitet und am liebsten Werkzeug-Kataloge liest, so wie Markaris Kommissar Charitos Wörterbücher
  • Mit Camille hat Adamsberg einen kleinen Sohn, Tom, um den er sich sporadisch kümmert

Kehlweiler und die Evangelisten[Bearbeiten]

  • Ludwig (Louis) Kehlweiler: Sohn einer Französin und eines deutschen Wehrmachtsoffiziers, ehemaliger Mitarbeiter des Innenministeriums, der über ein ausgedehntes Netzwerk von Informanten und ein ausführliches kriminalistisches Archiv verfügt, und ständig die Kröte Bufo mit sich führt; dessen Gehilfen sind:
  • Mathias Delamarre, genannt Heiliger Matthäus: Prähistoriker, wohnt im ersten Obergeschoss
  • Marc Vandoosler, genannt Heiliger Markus: führt tagsüber den Haushalt, arbeitet nachts als Mediävist, wohnt im zweiten Obergeschoss
  • Lucien Devernois, genannt Heiliger Lukas: Historiker mit Spezialgebiet Erster Weltkrieg (wie der Bruder der Autorin), wohnt im dritten Obergeschoss
    • Diese drei Personen, die Evangelisten, bewohnen die Baracke, ein vierstöckiges Haus, zusammen mit
  • Armand Vandoosler, genannt Vandoosler der Ältere, einem ehemaligen Polizisten und Onkel von Marc, der im vierten Obergeschoss wohnt
  • Das Erdgeschoss dient als Refektorium der vier Bewohner, die sich mit einem Klopfen unter die Decke desselben mit Hilfe eines Besenstiels rufen. 1x für Mathias, 2x für Marc, 3x für Lucien, 4x für den alten Vandoosler, 7x für alle.

(s. Fred Vargas "Die schöne Diva von Saint-Jaques")

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke, geordnet nach Hauptfiguren[Bearbeiten]

Adamsberg[Bearbeiten]

  • L'homme aux cercles bleus, 1991, deutsch: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord. Kriminalroman, Aufbau-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-7466-1516-X
  • L'homme à l'envers, 1999, deutsch: Bei Einbruch der Nacht. Kriminalroman, Aufbau-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-7466-2158-5
  • Pars vite et reviens tard, 2001, deutsch: Fliehe weit und schnell. Roman. Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-7466-2115-1
  • Coule la Seine. Nouvelles policières: Salut et liberté. La nuit des brutes. Cinq francs pièce. 2002, ISBN 2-87858-166-0 (im Reclam-Verlag Fremdsprachentexte, ISBN 3-15-009136-5), deutsch: Die schwarzen Wasser der Seine, Kriminalgeschichten: Salut et liberte´, Die Nacht der Barbaren, Fünf Francs das Stück, Aufbau-Verlag Berlin 2007, ISBN 978-3-7466-2350-4
  • Sous les vents de Neptune, 2004, deutsch: Der vierzehnte Stein. Roman, Aufbau-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-351-03030-4
  • Dans les bois éternels, 2006, ISBN 2-87858-233-0, deutsch: Die dritte Jungfrau, Aufbau-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-351-03205-0
  • Un Lieu Incertain, 2008, deutsch: Der verbotene Ort, Aufbau-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-351-03256-2
  • L'armée furieuse. 2011, deutsch: Die Nacht des Zorns. Aufbau-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3351033804.[1]

Die drei Evangelisten[Bearbeiten]

  • Debout les morts, 1995, deutsch: Die schöne Diva von Saint-Jacques. Kriminalroman, Aufbau-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7466-1519-4
  • Un peu plus loin sur la droite, 1996, deutsch: Das Orakel von Port Nicolas. Kriminalroman, Aufbau-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-7466-1514-3
  • Sans feu ni lieu, 1997, deutsch: Der untröstliche Witwer von Montparnasse. Kriminalroman, Aufbau-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-7466-1511-9 (Wird im Buch fälschlich als der zweite Krimi der drei Jungakademiker bezeichnet, vermutlich weil vor dem "Orakel" übersetzt: das deutsche Copyright datiert auf 1999, das des "Orakels" auf 2001.)

Sonstige[Bearbeiten]

  • Les jeux de l'amour et de la mort, 1986, ISBN 2-7024-7856-5.
  • Ceux qui vont mourir te saluent, 1994, deutsch: Im Schatten des Palazzo Farnese. Kriminalroman, Aufbau-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-7466-1515-1.
  • Les quatre fleuves, mit Illustrationen von Edmond Baudoin, 2000, Roman-Comic, ISBN 2-87858-134-2. Deutsch: Das Zeichen des Widders, Aufbau-Verlag 2008, ISBN 9783351032500
  • Petit traité de toutes vérités sur l'existence, 2001, deutsch: Vom Sinn des Lebens, der Liebe und dem Aufräumen von Schränken, Aufbau-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-351-02602-1.
  • Critique de l'anxiété pure, 2003
  • La vérité sur Cesare Battisti. Viviane Harny, Paris 2004, ISBN 2-87858-195-4.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • Pars vite et reviens tard („Fliehe weit und schnell“) wurde 2007 unter der Regie von Regis Wargnier verfilmt und unter dem Titel Saat des Todes in Deutschland auf DVD herausgegeben. Der englische Titel lautet Seeds of Death.
  • 2008 und 2009 entstanden unter der Regie von Josée Dayan mehrere Kriminalverfilmungen für das Fernsehen (Sous les vents de Neptune, L'homme à l'envers und L'homme aux cercles bleus), in denen jeweils Jean-Hugues Anglade in die Rolle von Fred Vargas’ Serienheld Jean-Baptiste Adamsberg schlüpfte.

Hörbücher (Auszug)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise, Quellen[Bearbeiten]

  1. hr-info Büchercheck vom 21. Juni 2012 "Die Nacht des Zorns", Rezension von Frank Statzner