Fußballschuh

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Fußballschuhe aus den 1920er Jahren, ausgestellt im Schalke 04-Museum
Moderne Fußballschuhe aus Kunststoff

Fußballschuhe sind Bestandteil der Ausrüstung von Fußballspielern. Bei den Schuhen für den Wettkampf- und Trainingsbetrieb wird heute zwischen Stollen-, Nocken- und Multinoppenschuhen unterschieden.

Beschaffenheit[Bearbeiten]

Mit Ausnahme von Hallenfußballschuhen weisen alle Fußballschuhe unter der Sohle Stollen, Nocken oder Noppen auf, die ausreichenden Halt gegen Wegrutschen sicherstellen. Als Stollen werden heute in der Regel nur noch auswechselbare Stollen bezeichnet, die unabhängig voneinander einzeln an der Sohle angebracht und aus Leder, Gummi, Keramik, Aluminium oder Kunststoff gefertigt sind. Bei Nockenschuhen sind die Gummi- oder Kunststoffstollen als fester Bestandteil der Sohle geprägt und nicht auswechselbar. Die Sohle muss mindestens zehn Nockenstollen aufweisen. Vor allem Kunstrasenschuhe weisen kleine Noppen in großer Zahl auf und werden daher auch als „Tausendfüßler“ bezeichnet. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren auch balken-, leisten- und hufeisenförmige Beschläge unter der Sohle üblich, die aus Leder oder Gummi hergestellt wurde, sich über die gesamte Sohlenbreite erstreckten und an den Ecken abgerundet waren.

Heutzutage werden eine Reihe von verschiedenen Stollen bzw. Nocken angeboten, die speziell auf ihren Einsatzbereich zugeschnitten sind. Sie unterscheiden sich nicht nur durch das Material der Nocken, sondern auch durch deren Größe, Länge, Anzahl und Anordnung:

AG - Artificial Ground / Kunstrasen / eher längliche Nocken
Diese Sohle wurde extra für den Gebrauch auf Kunstrasenplätzen hergestellt. Ein wesentlicher Vorteil liegt hier in der hohen Beanspruchbarkeit des Materials. Gerade auf Kunstrasenplätzen ist eine hohe Belastbarkeit und Materialstärke wichtig. Durch die entstehende Reibung zwischen Sohle und Untergrund (beides aus Synthetik) entsteht ein enormer Materialabrieb.
FG - Firm Ground / Naturrasen und Asche / breitere Nocken mit etwas weiterem Abstand, damit die Sohle nicht so leicht mit Rasen verklebt
Diese Sohle wurde extra für den Gebrauch auf natürlichen Rasenplätzen hergestellt. Nicht zu verwechseln mit Kunstrasen, da dieser kein natürlicher Untergrund ist, sondern synthetisch hergestellt wird. Die FG-Sohle ist für trockenen oder nassen Rasen geeignet.
HG - Hard Ground / Asche, Kunstrasen / kurze, harte Nocken
Der Allrounder unter den Fußballsohlen wurde extra für den Gebrauch auf Hart- und Aschenplätzen hergestellt. Ein wesentlicher Vorteil liegt hier in der hohen Beanspruchbarkeit des Materials. Gerade auf harten Untergründen ist eine hohe Belastbarkeit und Materialstärke wichtig.
IN - Indoor / Hallenboden / keine Nocken, sondern profilierte Sohle
Diese Sohle wurde extra für den Gebrauch in Sporthallen und auf gebohnerten Böden hergestellt. Gerade in der Halle ist es wichtig sich trotz glattem und ebenem Untergrund jederzeit auf den richtigen Grip verlassen zu können.
SG - Soft Ground / Naturrasen; meist für sehr feuchte , schlammige und tiefe Böden / die klassischen Stollen
Diese Sohle wurde extra für den Gebrauch auf weichem bis sehr weichem Naturrasen hergestellt. Meist können die geschraubten Stollen ausgewechselt und somit kurzfristig den Bedürfnissen angepasst. Die meisten Profispieler nutzen diesen Vorteil, um sich jederzeit optimal auf die unterschiedlichen Platzverhältnisse einzustellen.
TF - Turf (manchmal auch als Tausendfüßler interpretiert) / Multitalent für eher harte Böden wie Asche oder kurzer Kunstrasen / viele kleine Nocken
Der Allrounder unter den Fußballsohlen wurde extra für den Gebrauch auf Hart- und Aschenplätzen hergestellt, kann aber auch problemlos auf älteren (kurzen) Kunstrasenplätzen gespielt werden. Ein wesentlicher Vorteil liegt hier in der hohen Beanspruchbarkeit des Materials. Gerade auf harten Untergründen ist eine hohe Belastbarkeit und Materialstärke wichtig.

Geschichte[Bearbeiten]

Für komplette Mannschaften wurden auswechselbare Schraubstollen das erste Mal im Jahr 1949 eingesetzt. Der Blumenthaler SV wurde auch durch diese technische Hilfe dreimal in Folge Bremer Landesmeister. Diese Schuhe wurden von Alexander Salot entwickelt und wurden bald auch von Werder Bremen, vom Hamburger SV, vom Eimsbütteler TV, Rot-Weiss Essen, dem 1. FC Köln, Hannover 96 und dem FC Schalke 04 geordert.[1] Beim Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1954 zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Kaiserslautern, lief Hannover in Pumaschuhen mit Schraubstollen auf. Die Schuhe wurden von Rudolf Dassler, dem Gründer von Puma entwickelt.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz wurden von der deutschen Mannschaft Schuhe mit auswechselbaren Stollen von Adidas eingesetzt. Gerade auf dem regennassen Rasen im Endspiel im Berner Wankdorfstadion war dies ein großer Vorteil gegenüber den mit Leistenschuhen eines ungarischen Herstellers ausgerüsteten Ungarn. Diese Schuhe mit den Schraubstollen basierten auf einer Entwicklung von Rudolf Dasslers Bruder Adolf, dem Gründer von Adidas, und seinem Schwager Raimund Martz aus dem Jahr 1953.

Fußballschuhe mit Eisenstollen gelten vielfach als unerwünscht, da das Verletzungsrisiko nicht unerheblich ist. Am 14. August 1981 wurde dem Spieler Ewald Lienen vom Bremer Spieler Norbert Siegmann mit dem Stollen des Fußballschuhs der Oberschenkel auf einer Länge von 25 cm aufgeschlitzt.[2] In den Regeln heißt es dazu: Die Beschaffenheit der Stollen/Nocken bezüglich Material, Anzahl und Maße (Länge/Durchmesser) darf weder für den Träger noch für die anderen Spieler eine Verletzungsgefahr bedeuten. [3] Erst ab einer gewissen Altersklasse werden derartige Schuhe zugelassen [4]. Näheres wird oft in den Turnierregeln festgelegt [5].

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fußballschuhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Mit Gewinde, Der Spiegel. 2. März 1950.  Abgerufen am 17. Februar 2010
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlex Raack: Die Wunde der Nation. 14. August 2008, abgerufen am 18. Juni 2010.
  3. http://www.mrg-berlin.de/mrg_unterricht/cnt/spo/pdf/regeln_fb.pdf
  4. http://www.herviscup.com/broschuere2007.pdf.
  5. http://www.licher-business-cup.de/turnierregeln.html