Galba

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Galba (Begriffsklärung) aufgeführt.
Denarius des Galba
As des Galba

Lucius Livius Ocella Servius Sulpicius Galba (* 24. Dezember 3 v. Chr. bei Tarracina; † 15. Januar 69 n. Chr. in Rom) war vom 8. Juni 68 bis 15. Januar 69 n. Chr. römischer Kaiser. Er war einer der vier Kaiser des Vierkaiserjahres. Er war der erste römische Kaiser, der nicht aus der julisch-claudischen Familie stammte.

Leben[Bearbeiten]

Familie und Herkunft[Bearbeiten]

Galba wurde am 24. Dezember 3 v. Chr. in einer Villa bei Tarracina geboren.[1] Er stammte aus einer alten senatorischen Familie und galt charakterlich als untadelig. Sein Vater war Gaius Sulpicius Galba (Suffektkonsul 5 v. Chr.), seine Mutter Mummia Achaica.[2] Über seine Mutter hatte er verwandtschaftliche Verbindungen zu Quintus Lutatius Catulus (Konsul 78 v. Chr.), einem großen Politiker der späten Republik, der Galba ein Vorbild war.[3] Nach deren Tod adoptierte ihn Livia Ocellina, die zweite Frau seines Vaters, wodurch er deren großen Besitz bei Tarracina erbte. Fortan nannte er sich Lucius Livius Ocella Servius Sulpicius Galba, wodurch eine nähere Verbindung zu Livia entstand, der Frau des Augustus und Mutter des Tiberius, die ihn in seiner Karriere förderte.[4] Zudem vermachte Livia Ocellina ihm eine beachtliche Menge an Reichtum. Galba hatte einen älteren Bruder, Gaius, der 22 n.Chr. das Amt des Konsuls erreichte, jedoch sein Vermögen verschleuderte und sich aus Rom zurückzog. Nachdem er bei Tiberius in Ungnade gefallen war, beging Gaius 36 n. Chr. Selbstmord. Galba heiratete um 20 n. Chr. Aemilia Lepida, mit der er zwei Söhne hatte.[5] Sowohl seine Frau, als auch die beiden Kinder verstarben jedoch, woraufhin Galba als Witwer lebte.[6]

Karriere[Bearbeiten]

Galba begann die senatorische Ämterlaufbahn (cursus honorum) unter der Herrschaft des Tiberius.[7] Als Prätor ließ er bei den ludi florales, den Spielen zu Ehren der Göttin Flora, seiltanzende Elefanten auftreten.[8] Noch vor seinem ersten ordentlichen Consulat 33 n. Chr. war Galba für ein Jahr praetorischer Statthalter von Aquitanien.[9] Nachdem im Sommer 39 n. Chr. eine Verschwörung gegen Caligula aufgedeckt wurde, bei der Gnaeus Cornelius Lentulus Gaetulicus (Konsul 26), der Kommandant des obergermanischen Heeres, eine tragende Rolle spielte, wurde Galba dessen Nachfolger.[10] Mit harten Maßnahmen stellte er die Disziplin des Heeres wieder her.[11] Etwa um diese Zeit, vielleicht noch unter seinem Vorgänger, war ein Einfall der Chatten über den Rhein erfolgt, weshalb Galba 39/40 n. Chr. einen Vorstoß in deren Gebiet unternahm. Dieser Feldzug wurde im Frühjahr oder Sommer 40 n.Chr. unter dem Oberbefehl Caligulas auf rechtsrheinischem Gebiet fortgesetzt. Als jedoch Caligula im Spätsommer 40 n. Chr. nach Rom abreiste, kam es zu einem erneuten Vorstoß der Chatten. Dieser wurde im folgenden Jahr, unter der Herrschaft des Claudius, durch Galba zurückgeschlagen, wobei er auch in das Gebiet der Chatten eindrang. Die Siege Galbas sorgten dafür, dass in den folgenden zehn Jahren die Chatten den Frieden hielten.[12] 43 n. Chr.[13] begleitete er Claudius, der ihn sehr schätzte, als comes auf dessen Britannienreise und war von 44–46 Prokonsul von Africa.[14] Dort sollte Galba die Ordnung in der Provinz wiederherstellen, die sowohl durch innere Streitigkeiten als auch rebellierende Stämme bedroht war.[15] Hier besiegte er 45 n. Chr. die Musulamier.[16] Auch sein Beharren auf Disziplin und sein Gerechtigkeitssinn, gerade auch in unbedeutenden Angelegenheiten, halfen ihm bei der Ausführung seiner Aufgabe.[17] Für seine Dienste in Africa und Germanien bekam Galba die Auszeichnungen eines Triumphators und drei Priesterämter verliehen.[18] In der folgenden Zeit zog sich Galba ins Privatleben zurück, wobei wohl die Missgunst Agrippinas, der Schwester des Caligula und Mutter Neros, die Claudius 49 n. Chr. geheiratet hatte, eine Rolle spielte.[19] Nach deren Ermordung im März 59 n. Chr. wurde Galba 59/60 n. Chr. wieder rehabilitiert, da er immer noch als tüchtig und loyal galt..[20] Von Nero wurde Galba 60 n. Chr. als Statthalter in die Provinz Hispania Tarraconensis gesandt.[21]

Herrschaftsübernahme[Bearbeiten]

Bereits nach der Ermordung Caligulas durch die Prätorianer am 24. Januar 41 n. Chr. soll Galba ein erstes Mal von seinen Freuden dazu gedrängt worden sein, nach der Macht zu greifen, was er jedoch ablehnte.[22] Im Winter 67/68 n. Chr. begann nun unter der Initiative von Gaius Iulius Vindex, dem Statthalter der unbewaffneten Provinz Gallia Lugdunensis, eine Aufstandsbewegung gegen Nero. Galba verhielt sich auf dessen Briefe mit der Bitte um Unterstützung zuerst neutral, da er sich weder anschloss, noch die Nachricht von der Rebellion nach Rom übersandte, wie dies andere Kommandeure taten. Dies scheint daran gelegen zu haben, dass Galba den Briefen kein vertrauen schenkte. Erst Anfang April 68 n. Chr. schloss sich Galba der Aufstandsbewegung an[23] und wurde am 3. April[24] in Carthago Nova durch Soldaten und Provinziale zum Kaiser ausgerufen. Er nannte sich jedoch zunächst legatus Senatus Populique Romani, da die letztendliche Entscheidung über den Nachfolger Neros dem Senat überlassen werden sollte.[25] Galba sandte zudem Briefe an die anderen Provinzstatthalter, in denen er um ihre Unterstützung bat.[26] Diesen Bitten kamen Aulus Caecina Alienus, der Quaestor von Baetica, und Marcus Salvius Otho, der Statthalter von Lusitania, nach, die sich ihm anschlossen. Gerade die finanzielle Unterstützung, die Otho lieferte, brauchte Galba um seine Truppen zu bezahlen.[27] Zu Beginn verfügte er nur über eine Legion, die Legio VI Victrix, drei Auxiliarkohorten und zwei Reiterschwadronen. Galba ordnete deshalb Aushebungen an und stellte somit eine zweite Legion, die Legio VII Galbiana, und zwei weitere Auxiliarkohorten aus dem Gebiet der Vasconen auf, wodurch sich seine Streitkraft fast verdoppelte. Unterdessen hatte Vindex die Belagerung von Lugdunum aufgenommen, der Hauptstadt der Provinz Gallia Lugdunensis. Als Lucius Verginius Rufus, der Statthalter in Obergermanien, davon erfuhr, zog er los, um den Aufstand niederzuschlagen. Hierzu führte er seine zwei Legionen aus Mogontiacum, die Legio IV Macedonica und die Legio XXII Primigenia, sowie Teile weiterer vier Legionen aus Niedergermanien inklusive Auxiliartruppen ins Feld.[28] Vindex soll zu diesem Zeitpunkt etwa 100.000 Mann unter Waffen gehabt haben, die jedoch hauptsächlich schlecht ausgerüstet waren.[29] Als er davon erfuhr, dass Rufus Vesontio belagerte, das ihn nicht mit offenen Toren empfangen hatte, eilte Vindex der Stadt zur Hilfe und schlug sein Lager in der Nähe auf. Die beiden Befehlshaber schickten untereinander Nachrichten und trafen sich letztendlich sogar persönlich, wobei sie sich gegen Nero aussprachen.[30] Dennoch kam es danach unter ungeklärten Umständen zur Schlacht zwischen den beiden Heeren, die wohl durch die Initiative der Soldaten zustande kam und bei der Vindex, nach dem Verlust von 20.000 Soldaten, Selbstmord beging. Als die Legionäre Rufus nun zum Kaiser ausrufen wollten, lehnte dieser jedoch ab, weshalb seine Truppen weiterhin zu Nero standen.[31] Nachdem Galba die Nachricht von der Niederlage des Vindex bei Vesontio erhielt, schrieb er sofort an Rufus und bot eine Kooperation an, erhielt jedoch keine Antwort und zog sich daraufhin nach Clunia zurück.[32] Im Juni 68 n. Chr. änderte sich die Lage für Galba jedoch, da der Prätorianerpräfekt Gaius Nymphidius Sabinus die Prätorianer mit dem Versprechen eines gewaltigen Geldgeschenkes von 7.500 Denarii (30.000 Sesterzen) zum Abfall von Nero bewegte.[33] Daraufhin bestätigte der Senat am 8. Juni 69 n. Chr. Galba als neuen Kaiser[34] und erklärte Nero zum Staatsfeind, der am 9. Juni Selbstmord beging.[35]

Herrschaft[Bearbeiten]

Zunächst besaß Galba die Anerkennung aller Heere und Statthalter, doch er verlor diese durch seinen Konservativismus und seine Ungeschicklichkeit. Auf Grund der schlechten finanziellen Situation weigerte sich Galba nach seiner Inthronisation nicht nur, Geschenke an die Soldaten zu verteilen, sondern forderte sogar 2,2 Milliarden Sesterzen zurück, die Nero verschenkt hatte. Dies brachte, zusammen mit der Korruption mehrerer seiner neu eingesetzten Beamten, besonders seines Freigelassenen Icelus, Soldaten und Volk gegen ihn auf.

Da seine beiden Söhne wie seine Frau vor ihm gestorben waren, suchte der 71 Jahre alte Galba nach einem Nachfolger. Er entschied sich gegen Marcus Salvius Otho und für Lucius Calpurnius Piso Frugi Licinianus. Daraufhin organisierte Otho eine Verschwörung, rief sich selbst am 15. Januar 69 zum Kaiser aus, und ließ Galba und Piso, während diese sich auf dem Forum aufhielten, von der Prätorianergarde ermorden. Nach Tacitus wurde Galba neben dem Lacus Curtius erstochen. Er wurde in seinen Gärten an der Via Aurelia bestattet und die Damnatio Memoriae wurde über ihn verhängt. Im Jahr 70 wurde Galbas Ansehen durch Vespasian wiederhergestellt.

Quellen[Bearbeiten]

Die wichtigsten antiken Quellen für Leben und Herrschaft Galbas sind Suetons Kaiserviten, die Historien des Tacitus (1,1–49), die Galba-Biografie des Plutarch und das Geschichtswerk Cassius Dios (63,22–64,7). Vermutlich gab es auch von Cluvius Rufus, Fabius Rusticus and Plinius dem Älteren Werke über Galba, diese sind jedoch nicht erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Galba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Sueton, Galba 4, 1.
  2. Werner Eck: Galba. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 1998, Sp. 746.
  3. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 31.
  4. Werner Eck: Galba. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 1998, Sp. 746.
  5. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 32.
  6. Sueton, Galba 5, 1.
  7. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 32.
  8. Sueton, Galba 6, 1.
  9. Werner Eck: Galba. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 1998, Sp. 746.
  10. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 33.
  11. Sueton, Galba 6, 3.
  12. Ludwig Schmidt, Hans Zeiss: Die Westgermanen (Geschichte der deutschen Stämme bis zum Ausgang der Völkerwanderung, Band 2). 2. Auflage, C.H. Beck, München 1970, S. 350f.
  13. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 33.
  14. Werner Eck: Galba. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 1998, Sp. 746.
  15. Sueton, Galba 7, 1.
  16. Werner Huß: Musulamii. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 8, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 2000, Sp. 559.
  17. Sueton, Galba 7, 1.
  18. Sueton, Galba 8, 1.
  19. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 33.
  20. Charles L. Murison: Galba, Otho and Vitellius: Careers and Controversies Olms, Hildesheim u.a. 1993, S. 37f.
  21. Werner Eck: Galba. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 1998, Sp. 746.
  22. Charles L. Murison: Galba, Otho and Vitellius: Careers and Controversies Olms, Hildesheim u.a. 1993, S. 37
  23. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 19f. ; Plutarch Galba 4, 1.
  24. Charles L. Murison: Galba, Otho and Vitellius: Careers and Controversies Olms, Hildesheim u.a. 1993, S. 40
  25. Werner Eck: Galba. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 4, J.B.Metzler, Stuttgart u.a. 1998, Sp. 746.
  26. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 21.
  27. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 36f.
  28. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 22f.
  29. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 20 ; Plutarch Galba 4, 3.
  30. Cassius Dio, 63, 24.
  31. Plutarch Galba 6, 3.
  32. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 27.
  33. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 29.
  34. Stefan Pfeiffer: Die Zeit der Flavier. Vespasian - Titus - Domitian Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, S. 4.
  35. Gwyn Morgan: 69 A.D. The Year of Four Emperors. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 30.
Vorgänger Amt Nachfolger
Nero Römischer Kaiser
68–69
Otho