Comes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Comes (Begriffsklärung) aufgeführt.

Comes, Plural Comites (lateinisch für „Begleiter“,"Gefährte" „Gefolge“, von cum „mit“ und ire „gehen“) ist im Ursprung ein römischer Amtstitel, der im Laufe der Zeit mehrere Bedeutungen hatte, sowohl im zivilen Bereich für Statthalter und Mitglieder des kaiserlichen Rats als auch für Militärs.

Definition[Bearbeiten]

Seit dem frühen Prinzipat wurden die engsten Freunde des Imperators als comes bezeichnet (comites principis). Kaiser Hadrian ernannte u. a. auch Senatoren als Begleiter für diverse Dienstreisen, um ihn bei den alltäglichen Regierungsgeschäften zu unterstützen. Diese Männer wurden bald zu einer Art Kronrat, und Hadrians Nachfolger betrauten die comites mit der Administration von Justiz- und Finanzwesen oder setzten sie in die höheren Kommandostellen beim Militär ein.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Comes entwickelte sich im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. von einem reinen Ehrentitel und zu einem der höchsten Offiziers- (Befehlshaber der Comitatenses) und Administratorentitel des spätrömischen Reiches. In der Spätantike bezeichnet comes dabei in der Regel die höchste Rangklasse des Hofes, während im Militär auch regionale Kommandeure den comes-Titel trugen (sie waren den duces übergeordnet; sie selbst unterstanden wiederum dem magister militum).

Beispiele für römische comites sind:

  • Comes domesticorum für den Kommandanten der kaiserlichen Garde
  • Comes rerum privatarum für den Verwalter des kaiserlichen Privatvermögens
  • Comes sacrarum largitionum für den Verwalter des kaiserlichen Finanzwesens

Nachfolger[Bearbeiten]

In Ostrom verschwand der comes im 7. Jahrhundert. Auch in den germanischen Nachfolgestaaten Westroms und darüber hinaus im Mittelalter taucht der Titel in verschiedenen Variationen auf. Die häufigste ist anfangs der comes als Vertreter der Königsmacht in den Verwaltungsbezirken entsprechend der karolingischen Gauverfassung (siehe: Gau), aus dem sich der comes als erblicher Besitzer dieses Bezirks entwickelte.

Während sich in der deutschen Sprache für den Titel die Bezeichnung Graf durchsetzte (und in anderen germanischen Sprachen ähnliches), wurde in den von der lateinischen Sprache geprägten Ländern der Begriff sprachlich weiterentwickelt:

  • Comte (Graf) und Comté (Grafschaft) im Französischen
  • Count (Graf) und County (Grafschaft) im Englischen, wobei der Titel für „ausländische“ Grafen vorgesehen ist, während die „inländischen“ Earl genannt werden, County hingegen sowohl in- als auch ausländische Grafschaften bezeichnet (die Bezeichnung Shire stammt aus dem Angelsächsischen und hat sich nur noch in den Namen selbst erhalten)
  • Conde (Graf) und Condado (Grafschaft) im Portugiesischen
  • Conde im Spanischen
  • Conte im Italienischen

Neben dem comes als regionalem Vertreter gab es den comes als Hofamt, zum Beispiel den

  • Comes stabuli für den Stallmeister, aus dem sich die Begriffe Connétable (zum Beispiel Connétable von Frankreich als höchster Anführer der französischen Armee) und Konstabler entwickelten.
  • Comes palatii für den Verwalter der (kaiserlichen) Pfalzen und Vertreter des Herzogs, woraus in der deutschen Übersetzung der Pfalzgraf wurde.

Lokaler Vertreter des comes wiederum war der vicecomes (Vizegraf), aus dem sich in Frankreich der Vicomte, in Großbritannien der Viscount und in Italien der Visconte entwickelte – letztere sogar bis in den Familiennamen der Visconti hinein. Vom 10. bis 13. Jahrhundert wurde in Ungarn der Titel in mehrfacher Bedeutung verwendet. Sowohl der Komitatsgraf und später der Obergespan als auch die Oberhäupter von Adelsgeschlechtern oder anderen Gruppen (z.B. der Gespan der Petschenegen) wurden als comes bezeichnet.[1]

Der Begriff des Markgrafen (Marquis, Marquess, Marques, Marchese) geht nicht auf den comes zurück: hier ist das aus dem germanischen stammende Wort marchio der Ursprung, mit dem der Inhaber der Staatsgewalt in einer Grenzmark bezeichnet wurde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urkundenbuch des Burgenland, 1. Band, Hrsg. Leo Santifaller, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Graz-Köln 1955, S. 13