Germania inferior

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Lage der Provinz
Legionslager und Orte der Germania inferior

Germania inferior („Niedergermanien“) war eine römische Provinz. Sie umfasste die westlich des Rheins gelegenen Teile der heutigen Niederlande und Deutschlands sowie Teile von Belgien. Ursprünglich, seit Augustus, war dieses Gebiet ein Heeresbezirk, der verwaltungstechnisch zu Gallien gehörte. Die Provinz wurde um 85 bis 90 n. Chr. eingerichtet. Ihre Hauptstadt war Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln.

Das römische Heer in der Provinz nannte sich Exercitus Germaniae Inferioris (etwa „Streitkräfte Niedergermaniens“ und auf Inschriften abgekürzt zu EXGERINF) und bestand aus mehreren (bis zu vier) Legionen und Auxiliartruppen.

Germania inferior war die nördliche Nachbarprovinz von Germania superior (Obergermanien) und Belgica.

Geschichte[Bearbeiten]

Zu ersten Begegnungen zwischen römischen Truppen und gallischen beziehungsweise germanischen Stämmen im Gebiet der späteren Provinz kam es um 50 v. Chr. während des Gallienfeldzuges von Gaius Iulius Caesar.

Römische Provinzen unter Trajan (117 n. Chr.)

Eine dauernde römische Militärpräsenz begann mit den Feldzügen des Drusus ab 12 v. Chr. Nachdem die Feldzüge im rechtsrheinischen Germanien, zuletzt unter Führung des Germanicus, eingestellt wurden, blieben vier Legionen in festen Lagern stationiert: zwei Legionen in Xanten/Vetera sowie jeweils eine Legion in Neuss und Bonn.

Im Jahr 69 wurde das spätere Germania inferior vom Aufstand der Bataver erschüttert. Dabei wurde unter anderem das Legionslager Vetera in der Nähe des heutigen Xantens vernichtet. Auch in der Folgezeit kam es zu Überfällen germanischer Stämme auf römische Militärlager und zivile Siedlungen in Germania inferior. So wurde die damals zweitwichtigste Stadt der Provinz, die Siedlung Colonia Ulpia Traiana (ebenfalls nahe dem heutigen Xanten), im Jahr 275 durch Germanen zu weiten Teilen zerstört, so wie auch das Kastell Vetera II, das als Ersatz für das zerstörte Vetera I errichtet worden war, vernichtet wurde. Um 400 brach die Provinz unter dem Ansturm germanischer Stämme im Zuge der Völkerwanderung zusammen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tilmann Bechert u. a. (Hrsg.): Die Provinzen des römischen Reiches. Einführung und Überblick. Orbis Provinciarum, von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2399-9, S 191–198.
  • Tilmann Bechert: Germania inferior. Eine Provinz an der Nordgrenze des Römischen Reiches. Orbis Provinciarum, Zabern, Mainz 2007, ISBN 978-3-8053-2400-7.
  • Tilmann Bechert: Römisches Germanien zwischen Rhein und Maas. Die Provinz Germania inferior. Hirmer, München 1982, ISBN 3-7774-3440-X.
  • Thomas Fischer: Die Römer in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1325-9.
  • Andreas Kakoschke: Ortsfremde in den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior. Eine Untersuchung zur Mobilität in den germanischen Provinzen anhand der Inschriften des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. Bibliopolis, Möhnesee 2002, ISBN 3-933925-26-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Germania Inferior – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.585.22Koordinaten: 51° N, 5° O