Galerie Miethke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Galerie Miethke war eine Wiener Kunstgalerie und Zentrum der frühen österreichischen Moderne.

Die 1861 von Hugo Othmar Miethke (29. Juli 1834 in Potsdam – 11. November 1911 auf Gutenegg bei Cilli)[1] zusammen mit Carl Josef Wawra (19. November 1839 in Wien – 26. Mai 1905 in Wien) gegründete Firma Miethke & Wawra betrieb zunächst ein Antiquariat und einen Kunstverlag. Das Geschäft entwickelte sich rasch zu einer wichtigen Agentur für die Wiener Maler des Historismus, vor allem Hans Makart, und betätigte sich auch als Auktionshaus. Nach Standorten in der Plankengasse 6 und am Neuen Markt 13 erwarb Miethke 1895 das Palais Eskeles in Wien-Innere Stadt, Dorotheergasse 11.

Nach der Eröffnung am 29. Mai 1896 entwickelte sich die Galerie, die dort auf zwei Etagen betrieben wurde, zu einer der bedeutendsten Kunsthandlungen der Monarchie. Neben Ausstellungen wurden weiterhin Auktionen durchgeführt, so auch die der Verlassenschaften von Hans Makart, Emil Jakob Schindler, Viktor Tilgner, August von Pettenkofen, Charlotte Wolter oder Rudolf von Alt.

1904 kaufte der Juwelier Paul Bacher, ein Freund Gustav Klimts, die Galerie mit der Absicht, sie als Verkaufslokal der Wiener Secession zu nutzen und engagierte 1905 Arthur Roessler als Galerieleiter. Wegen dieser geplanten Kommerzialisierung kam es zu Unstimmigkeiten, die eine Gruppe von Künstlern um Gustav Klimt zum Austritt aus der Secession veranlassten. Emil Maria Steininger folgte bereits 1906 Roessler, der Maler Carl Moll übernahm die Leitung der Galerie, die sich nun zu einem Zentrum der modernen Kunst entwickelte. In zahlreichen Ausstellungen präsentierte sie neben den Künstlern des Jugendstils und der Wiener Werkstätte auch die internationale Moderne, darunter Aubrey Beardsley, Honoré Daumier, Henri de Toulouse-Lautrec, Claude Monet, Édouard Manet, Paul Cézanne, Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Pablo Picasso. Nach Ende des Ersten Weltkriegs führte der seit 1907 tätige künstlerische Leiter Hugo Haberfeld den Galeriebetrieb an anderer Adresse bis zu seiner Emigration 1938 weiter, während das Palais Eskeles als „Haus der jungen Künstlerschaft“ verwendet wurde und 1936 in den Besitz des Dorotheums kam. Es beherbergt heute das Jüdische Museum der Stadt Wien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, ISBN 3-901398-32-5.
  • Werner J. Schweiger: „Damit Wien einen ernsten Kunstsalon besitze.“ Die Galerie Miethke unter besonderer Berücksichtigung von Carl Moll als Organisator. In: Belvedere. Wien. Jg. 4, Heft 2, 1998, S. 64–85.
  • Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien. (Band 2). Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 451.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wladimir Aichelburg: Freunde und Mitarbeiter des Künstlerhauses (Abgerufen am 1. August 2012)