Celje

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Celje
Wappen von Celje Karte von Slowenien, Position von Celje hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Slowenien
Historische Region: Untersteiermark (Štajerska)
Statistische Region: Savinjska (Sanngebiet)
Koordinaten: 46° 14′ N, 15° 16′ O46.23583333333315.2675Koordinaten: 46° 14′ 9″ N, 15° 16′ 3″ O
Fläche: 94,9 km²
Einwohner: 48.773 (2013-12-31)
Bevölkerungsdichte: 514 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+386) 03
Postleitzahl: 3000 (bis 1991: 63000)
Kfz-Kennzeichen: CE
Struktur und Verwaltung
Webpräsenz:

Celje (deutsch Cilli, lateinisch Celeia) ist die drittgrößte Stadt Sloweniens. Sie bildet eine der elf Stadtgemeinden des Landes mit 48.773 Einwohnern (siehe Verwaltungsgliederung). Als Siedlung hat Celje 37.490 Einwohner (2013) auf einer Fläche von 22,7 km².[1]

Celje

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt Celje liegt an der Savinja (Sann) im südöstlichen Teil des Celje-Beckens – rund 70 km nordöstlich der Landeshauptstadt Ljubljana (Laibach). Sie ist das wirtschaftliche Zentrum der Region und ein Verkehrsknotenpunkt zwischen Ljubljana im Westen, Maribor (Marburg an der Drau) im Norden, Zidani Most (Steinbrück) im Süden, Velenje (Wöllan) und Slovenj Gradec (Windischgrätz) im Nordwesten sowie Rogaška Slatina (Rohitsch-Sauerbrunn) im Osten. Außerdem ist Celje die Nachbarstadt der Stadt Laško.

Geschichte[Bearbeiten]

Cilli, Georg Matthäus Vischer, Topographia Ducatus Stiriae, Graz 1681
Cilli, 1750
Celje, 1830 – Lith. Kaiser, Graz

Die erste nachweisbare Siedlung entstand in der Hallstatt-Zeit. Unter den Kelten (nach 400 v. Chr.) wurde der Ort Kelea genannt. Nach der Eroberung durch die Römer erhielt er während der Herrschaft des Kaisers Claudius (41-54) im Jahre 46 n. Chr. als Celeia lateinisches Stadtrecht. Die Stadt wird als reich und dicht besiedelt mit mehrgeschossigen Marmorpalästen und breiten Plätzen und Straßen beschrieben, befestigt mit Mauern und Türmen. Sie lag an einer Römerstraße von Aquileia nach Pannonien. Der Mars-Tempel von Celeia soll im ganzen Römerreich bekannt gewesen sein. Unter Konstantin I. (272-337) wurde Celeia um 320 Aquileia zugeordnet. Von der Mitte des 4. Jahrhunderts bis um 800 war es Bischofssitz.

Ob Celeia im 7. bis 9. Jahrhundert zum Slawenreich Karantanien gehörte, ist unklar, da unter den Historikern keine Einigkeit über dessen Südgrenze besteht. 976 kam Celeia zum neu gegründeten Herzogtum Kärnten des Ostfränkischen bzw. Heiligen Römischen Reiches. Dann wurde es Zentrum der davon abgetrennten Sanner Mark (Saunien), die 1311 in der Steiermark aufging, seit 1180 Herzogtum. Wolfhold von Admont erwähnt die Stadt in seinen zwischen 1122 und 1137 verfassten Chroniken unter dem Namen Cylie, woraus später im Deutschen Cilli, im Slowenischen Celje wurde.

In den Jahren 1341–1456 war Cilli Sitz der reichsunmittelbaren Grafschaft Cilli. Es erhielt in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Marktrechte und am 11. April 1451 unter Graf Friedrich II. von Cilli Stadtrecht. Nach der Ermordung des letzten männlichen Grafen von Cilli Ulrich II. von Cilli 1456 fiel die Stadt an die Habsburger, die damals schon über die Steiermark herrschten.

Narodni dom, Rathaus der Stadt Celje (Architekt: Jan Vladimir Hrásky, erbaut 1895–1896)
Celjski dom (ehemals Deutsches Haus, Architekt: Peter Paul Brang, erbaut 1905–1906)
Burg Cilli, Obercilli, Sitz der Grafen von Cilli
Stara grofija, Celje

Die sprachliche Situation in der ehemaligen Grafschaft Cilli beschreibt Hartmann Schedel in seiner Chronik (Nürnberg 1493) folgendermaßen: „Das volck in den stetten ist gewohnlich Teutsch. Vnd das pawrvuolck herdisshalb windisch. Hier innen ist ein altes Stettlein das ettlich Cili nennen.“

Im 16. Jahrhundert fand die Reformation insbesondere beim Adel und Bürgertum von Cilli, Sachsenfeld und Tüffer (alle drei im Sanntal) Anhänger, wobei in Cilli etwa 99 % der Stadtbevölkerung evangelisch wurden. Da der Erzherzog von Österreich keine protestantischen Kirchen in den Städten duldete, errichteten die Protestanten in Scharfenau bei Sachsenfeld eine prächtige Kirche, deren Bau zwölf Jahre dauerte. Im Zuge der Gegenreformation ließ der spätere Kaiser, der österreichische Erzherzog Ferdinand, diese Kirche 1598 sprengen und stattdessen ein Kapuzinerkloster in Cilli errichten. 1600 war die Kirche Scharfenau bereits dem Erdboden gleichgemacht und nicht mehr auffindbar; trotzdem blieb die Erinnerung an die Protestanten bis ins 20. Jahrhundert lebendig.[2]

Am 27. April 1846 bekam Cilli durch die Eröffnung der Österreichischen Südbahn (WienTriest) Anschluss ans Eisenbahnnetz.

Ende 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war Cilli ein Zentrum nationalistischer Konflikte zwischen Deutschen und Slowenen. 1895 wurde erstmals an einer Sekundarschule in Cilli auf Slowenisch unterrichtet. Die Volkszählung 1910 wies 66,8 % der Cillier Bevölkerung als Deutsche aus. Am 15. Mai 1907 wurde das 1906 errichtete Deutsche Haus eröffnet, in dem deutsche Vereine und Firmen ihren Sitz hatten. Die Stadt erhielt 1902 Anschluss ans Telefonnetz und 1913 ans Elektrizitätsnetz.

1918 kam Celje wie die gesamte überwiegend von Slowenen bewohnte Untersteiermark zum neu gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, seit 1929 Jugoslawien. Das Deutsche Haus wurde 1919 enteignet und erhielt den Namen Celjski dom („Cillier Haus“). In der Zeit nach 1919 schritt die Industrialisierung weiter voran, und die Bevölkerung wuchs von 7.750 im Jahre 1924 auf ca. 20.000 vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Die Wehrmacht besetzte Celje zu Beginn ihres Einmarsches in Jugoslawien im April 1941. Die Gestapo kam 16. April 1941 und übernahm das Gefängnis Stari pisker, das drei Tage später vom Reichsführer SS Heinrich Himmler inspiziert wurde. Insgesamt wurden hier von der Besatzungsmacht 374 Geiseln erschossen. 1944 gelang es Partisanen, über 300 Gefangene aus diesem Gefängnis zu befreien. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Cilli mehrfach von den Alliierten bombardiert, wobei das 1896 errichtete Narodni dom, das heutige Rathaus der Stadt, schwer beschädigt wurde. Die Gesamtkriegsverluste werden mit 575 angegeben. Mehr als 1500 Stadtbewohner wurden nach Serbien oder ins Deutsche Reich deportiert. Etwa 300 Personen wurden interniert und ungefähr 1000 Menschen in Gefängnissen inhaftiert. Etwa 600 Kinder wurden ihren Eltern weggenommen und nach Deutschland verschleppt. Ein Denkmal des Bildhauers Jakob Savinšek (Vojna in mir, Krieg und Frieden) erinnert an diese Zeit.

Nach Kriegsende wurde in den Jahren 1945 und 1946 im Vorort Teharje (Tüchern) das gleichnamige Internierungslager betrieben, in dem slowenische Domobranzen und Volksdeutsche festgehalten wurden, von denen etwa 5000 umkamen. Die nicht geflohene deutsche Bevölkerung wurde aus der Stadt vertrieben.

Da Jugoslawien sich nach dem Zweiten Weltkrieg als föderative Republik konstituierte, lag Celje seit 1945 in der jugoslawischen Teilrepublik Slowenien. Slowenien wurde 1991 unabhängig und trat am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei. Im Jahr 2006 wurde wieder ein Bistum Celje eingerichtet, als Suffraganbistum der Erzdiözese Maribor.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Ruinen eines Hercules-Tempels
  • Burg Cilli (Celjski grad, auch Obercilli, Sitz der Grafen von Cilli, oberhalb der Stadt: erste Hälfte des 13. Jahrhunderts)
  • Fürstenhof der Grafen von Cilli (Spodnji Celjski grad, innerhalb der Stadt: 14. Jahrhundert)
  • Stadtmauer (1473)
  • Wasserturm (15. Jahrhundert)
  • Grafei (auch Graffei, Celjska stara grofija, Renaissanceschloss, zwischen 1580 und 1603, heute Sitz des Regionalmuseums, Pokrajinski muzej Celje)
  • Prothasi-Palais (ca. 1770)
  • Mariensäule (1776)
  • Magistrat (1830)
  • Eisenhof (Železni dvor)
  • Bahnhof Celje (1846)
  • Slowenisches Volkstheater Celje (Slovensko ljudsko gledališče Celje, 1885)
  • Narodni dom (Nationalhaus, heute Rathaus, Jan Vladimir Hrásky 1895–1896)
  • Celjski dom (bis 1919 Deutsches Haus, Peter Paul Brang 1905–1906)
  • Volkssparkasse (Jože Plečnik, 1928–1929)
  • ehemaliges Gefängnis Stari pisker
  • Denkmal Krieg und Frieden (Vojna in mir, Jakob Savinšek)
  • Denkmal für den Reformator Primož Trubar (Primus Truber)
  • Celjska koča (Skigebiet, 7 km von Celje)
  • Martinska Jezera (Stadtgebiet Celje,etwa 3,5 Km vom Bahnhof Celje-Lava entfernt)

Kirchen[Bearbeiten]

  • Taufbecken (Ende 4. oder Anfang 5. Jahrhundert)
  • Marienkirche (Minoritenkloster, Mitte 13. Jahrhundert)
  • Kathedrale St. Daniel (seit 2006 Bischofssitz) mit Marienkapelle (Mater dolorosa, Anfang 14. Jahrhundert)
  • St. Nikolaus (14. Jahrhundert)
  • St. Elisabeth (Anfang 15. Jahrhundert)
  • St. Maximilian (15. Jahrhundert)
  • Kapuzinerkloster mit Cäcilienkirche (1609–1615)
  • St. Josef (1680)
  • Heiliggeistkirche (20. Jahrhundert)

Verwaltung[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 33 Mitgliedern, die von Mitgliedern von acht Parteien und politischen Gruppierungen besetzt sind. Bürgermeister ist Bojan Šrot (2006 gewählt).

Verkehr[Bearbeiten]

Celje liegt an der Bahnstrecke Spielfeld-Straß–Triest. Die Autobahn Maribor–Ljubljana führt nördlich am Stadtgebiet vorbei, welche an der österreichischen Grenze in die Pyhrn Autobahn übergeht.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Celje ist städtepartnerschaftlich mit den deutschen Städten Grevenbroich und Singen (seit 1989) verbunden.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

(Folgende Persönlichkeiten sind in Celje geboren. Die Auflistung erfolgt chronologisch nach Geburtsjahr. Ob sie ihren späteren Wirkungskreis in Celje hatten oder nicht, ist dabei unerheblich.)

Sport[Bearbeiten]

  • Sportliches Aushängeschild ist der Handballverein RK Celje, welcher sich in den Jahren seit der Unabhängigkeit Sloweniens zu einer der Top-Adressen im europäischen Handball gemausert hat und im Jahr 2004 die EHF Champions League gewinnen konnte.
  • Der KK Lanteks (früher Miroteks) Celje ist mehrfacher Champions League und Europapokalsieger der Frauen im Sportkegeln
  • In der ersten Fußballliga Sloweniens spielt NK Celje.
  • Jedes Jahr am ersten Samstag im September findet in Celje der 75 km-Ultramarathon statt. Dieser Lauf ist ein Bestandteil des Europacup der Ultramarathons.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Pertassek: Cilli, Die alte steirische Stadt an der Sann; Edition Strahalm, Graz, 1996. ISBN 3-900526-91-5
  • Andreas Gubo: Geschichte der Stadt Cilli, vom Ursprung bis auf die Gegenwart, Graz, 1909.
  • Fritz Zangger: Das ewige Feuer im fernen Land, Celje, 1937.
  • Ivan Stopar: Celje, Bildband in deutscher Sprache, Motovun o.J. ca. 1987. ISBN 86-7255-004-8
  • Orožen, Janko: Zgodovina Celja in okolice, Celjski zbornik, Celje, 1971.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daten der Siedlung Celje
  2. K. Rozman: Govče mejnik protestantstva, Utrip Savinjske doline za Občino Žalec, 26. november 2008 (slowenisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Celje – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien