Friedrich Dasbach

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Friedrich Dasbach
Gedenktafel für Dasbach in Trier

Georg Friedrich Dasbach (* 9. Dezember 1846 in Horhausen im Westerwald; † 11. Oktober 1907 in Bonn) war ein deutscher katholischer Priester, Publizist, Verleger und Politiker der Zentrumspartei.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Dasbach war Sohn eines Bäckers, Kaufmanns und Gastwirts. Er besuchte das Gymnasium in Brilon und das Jesuitengymnasium in Trier, wo er 1864 sein Abitur mit Bestnoten ablegte. Sein späteres Wirkungsfeld deutet sich hier bereits in seinem Abitur-Aufsatz im Fach Deutsch an, für den er den Titel Die Macht des Wortes wählte.[1] Anschließend studierte Dasbach Theologie und Philosophie am Priesterseminar in Trier und an der Gregorianischen Universität in Rom. Dort erlebte er das 1. Vatikanische Konzil, das unter anderem das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes in allen Glaubens- und Sittenfragen beschloss. Am 24. März 1871 wurde er in Trier zum römisch-katholischen Priester geweiht. Danach wurde ihm eine Stelle als Kaplan in der Pfarrei St. Gervasius in Trier zugewiesen; dies war und blieb seine einzige pastorale Stelle im Kirchendienst.

Georg Friedrich Dasbach starb am 11. Oktober 1907 an Magenkrebs. Er war an seinem Lebensende ein vermögender Mann. Den größten Anteil seines Vermögens vererbte er der Pfarrei St. Hedwig in Berlin für den Bau einer Kapelle und eines Studentenwohnheims.

Kulturkampf[Bearbeiten]

Nachdem Bismarck 1872 mit dem Jesuitengesetz dem Orden die Gründung und den Betrieb von Niederlassungen auf deutschem Boden verboten hatte, begann Dasbach, sich mit publizistischen Mitteln in dem seinerzeitigen Kulturkampf zu engagieren. In seinem Wirkungskreis Trier eskalierte der Kulturkampf zwischen dem katholischen Klerus und dem preußischen Staat derart, dass der amtierende Bischof Mathias Eberhard 1874 für 300 Tage in Einzelhaft im Trierer Stadtgefängnis festgesetzt wurde. Dasbach selbst wurde vom preußischen Staat im Jahr 1875 mit einer Amtssperre belegt und durfte auf Anordnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz keine geistlichen Handlungen mehr vornehmen und keinen Religionsunterricht erteilen. Damit war ihm auch eine innerkirchliche Karriere verbaut, er blieb daher zeitlebens Kaplan. Dasbach verlegte sich nun auf die außerkirchliche, aber dennoch von kirchlicher Ethik und Moral geprägte Arbeit und schrieb engagierte Artikel für die katholische Regionalpresse im Sinne der Deutschen Zentrumspartei.

Katholische Presse[Bearbeiten]

Im Jahr 1875 kaufte er eine Druckerei und gründete die „St. Paulinus-Druckerei von Friedrich Dasbach.“ Die Druckerei stellte das von Dasbach im selben Jahr gegründete Paulinusblatt als periodisch erscheinendes Zeitung her. Kurze Zeit später folgte die Gründung der Katholischen Volkszeitung. Diese wurde noch 1875 in Trierische Landeszeitung umbenannt. Programmatisch stand es ganz auf einer ultramontanen Linie und stand politisch klar auf Seiten des Zentrums. Daneben erschienen in dem Verlag eine Reihe weiterer Periodika mit ähnlicher politischer beziehungsweise konfessioneller Ausrichtung. Dazu zählte die Monatsschrift Pastor bonus. Hinzu kamen sechs Tageszeitungen im Bereich des Mittelrheins und angrenzender Gebiete und sogar eine in Berlin. Diese Zeitungen waren im Einzelnen:[2] [3]

Erscheinungsjahr Titel späterer Name
1879 Rhein- und Wiedzeitung, Linz
1887 Metzer Presse, Metz
1894 St. Johanner Volkszeitung, Saarbrücken-St. Johann St. Johann-Saarbrücker Volkszeitung
1888 Westpfälzische Zeitung, St. Ingbert
1896 Neunkirchener Zeitung, Neunkirchen (Saar)
1896 Märkische Zeitung, Berlin 1900: Germania

Dasbach war führend an der Gründung des Augustinus-Vereins beteiligt. Ziel der Organisation war die Unterstützung der katholischen Presse. Dasbach war in der ersten Zeit der Vereinsgeschichte die führende Persönlichkeit. Um die Politik der Zentrumspartei wirkungsvoller und gebündelt verbreiten zu können, gründete der Verein 1879 die Centrums-Parlaments-Correspondenz als einen zentralen Nachrichtendienst.

Vereinswesen[Bearbeiten]

Im Raum Trier spielte Dasbach eine führende Rolle in der Vereinbildung im katholischen Milieu. Er war 1884 Gründer und Präsident des Trierschen Bauernvereins, er beteiligte sich am örtlichen Genossenschaftsverband und am Winzerverein. Dasbach war aktiv im Versicherungsverband sowie der Rechtsschutzstelle zur Bekämpfung des Wuchers. Durch die Integration sozialer Institutionen in das katholische Vereinswesen trug er dazu bei, bestimmte Bevölkerungsgruppen wie die Arbeiter an das katholische Milieu zu binden. Das katholische Lager grenzte Dasbach rigoros gegen Andersdenkende ab. Der Historiker Olaf Blaschke hebt insbesondere seine antisemitischen Äußerungen hervor. In Dasbachs Paulinusblatt gab es seit 1879 eine eigene Rubrik, die den „Judenwucher“ anprangerte. In einer Debatte im preußischen Abgeordnetenhaus um jüdische Religionslehrbücher tat er sich durch antitalmudistische Redebeiträge hervor und rechtfertigte ein vom Kirchenrecht gefordertes Verbot des „Verkehr[s] mit den Juden in manchen Punkten“.[4]

Arbeiterbewegung[Bearbeiten]

Dasbach empfand sich zeitlebens Anwalt der kleinen Leute, für die er in seinen Blättern publizistisch kämpfte. In seinem Paulinus häuften sich Beamtenbeleidigungen und Angriffe gegen die Staatsregierung. Er schrieb in seinen Beiträgen Klartext, was ihm in der Folge staatliche Anzeigenboykotts, zahlreiche Prozesse und ebenso zahlreiche Verdächtigungen einbrachte. Seitens der Regierung brandmarkte man ihn mit dem seinerzeitigen Schimpfwort „Sozialdemokrat“.

Auch an der Saar engagierte sich Dasbach in der Arbeiterschaft, in erster Linie bei den Bergleuten. Große Unzufriedenheit mit den kargen Löhnen sowie mit der Willkür der Bergbeamten und deren Bestechlichkeit hatte 1889 zu einem Bergarbeiterstreik im Saar-Kohle-Revier geführt. Gemeinsam mit gleichgesinnten Geistlichen stand Dasbach den Bergleuten publizistisch wie auch mit praktischer Hilfe zur Seite. Auf seine Initiative hin gründeten die Bergleute unter der Führung des Bergmanns Nikolaus „Eckstein“ Warken den „Rechtsschutzverein für die bergmännische Bevölkerung im Oberbergamtsbezirk Bonn“, die erste gewerkschaftsähnliche Bewegung an der Saar.[5]

Politische Mandate[Bearbeiten]

Dasbach war, gegen nachhaltigen parteiinternen Widerstand, seit 1890 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. In einer Nachwahl wurde er 1889 als Abgeordneter des Wahlkreises Regierungsbezirk Kassel 11 (Hünfeld - Gersfeld) gewählt. Diesen Wahlkreis vertrat er bis 1898, als er im Wahlkreis Regierungsbezirk Trier 3 (Stadt- und Landkreis Trier) gewählt wurde und für diesen Wahlkreis bis zu seinem Tode Mitglied des Abgeordnetenhauses war.[6] Seit 1898 gehörte er auch dem Reichstag an, war dort von 1898 bis 1903 Abgeordneter des Wahlkreises Aachen 2 (Eupen - Aachen Land) und von 1903 bis 1907 des Wahlkreises Trier 1 (Daun - Prüm - Bitburg).[7] Im Reichstag setzte er sich für die Bauern, Winzer und Bergarbeiter aus seiner Herkunftsregion ein. Weil er dabei nicht selten eigene Wege ging, war Dasbach nicht immer einer Meinung mit der Fraktionsmehrheit.

Nachleben[Bearbeiten]

Logo der Wochenzeitschrift Paulinus

Der von Dasbach gegründete Paulinus erscheint heute noch als offizielles wöchentlich erscheinendes Bistumsblatt des Bistums Trier.

Dasbach existiert als literarische Figur in dem Theaterstück Eckstein ist Trumpf von Gerhard Bungert und Klaus-Michael Mallmann. Das Volksstück über die Anfänge der Gewerkschaften an der Saar wurde am 23. April 1977 im ehemaligen Saarländischen Landestheater uraufgeführt. Die Buchfassung erschien im September 1979, unter anderem mit einer Biografie zu Georg Friedrich Dasbach.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heimatkundler Werner Herrig beleuchte Leben und Wirken Dasbachs; in: Homepage Horhausen
  2. http://www.wochenzeitung.paulinus.de/archiv/5152/blickpkt.htm
  3. http://aps.sulb.uni-saarland.de/theologie.geschichte/inhalt/2007/53.html
  4. Des Bischofs Medienzar im Zwielicht sowie Katholizismus und Antisemitismus im deutschen Kaiserreich. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1999, S. 295
  5. Albert H. V. Kraus: Priester, Publizist, Politiker – Georg Friedrich Dasbach. In: Saarbrücker Zeitung vom 4./5. Februar 2012, S. G8
  6. Mann, Bernhard (Bearb. ): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867-1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 102 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3); zu den Wahlergebnissen siehe Kühne, Thomas : Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867 – 1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. Düsseldorf : Droste Verlag, 1994, S. 662-664 und S. 777-780 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 6)
  7. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1907. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnisse der gewählten Abgeordneten. 2., ergänzte Aufl. Berlin : Verlag Carl Heymann, 1908, S. 177 und 182

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Loth: Georg Friedrich Dasbach - Kulturkämpfer und Baumeister des Katholizismus. In: Universität des Saarlandes, Institut für Katholische Theologie (Hrsg.): Theologie. Geschichte; Saarbrücken, Jg. 2007, H.2
  • Edgar Schwer: Der Kulturkampf am Rande des Hochwaldes. In: Hochwälder Hefte zur Heimatgeschichte. Otzenhausen, 1999/H.38
  • Edgar Schwer: Georg Friedrich Dasbach. Priester, Publizist, Politiker und Antisemit? in: imprimatur vom 24. März 2012, S.93-96
  • Hubert Thoma: Georg Friedrich Dasbach - Priester, Publizist, Politiker. Trier: Paulinus-Verlag, 1975.
  • A. Plate: Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus. Ausgabe für die 20. Legislaturperiode. Berlin, 1904 S.301
  • Wilmont Haacke: Dasbach, Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 518 (Digitalisat).
  • Martin PerschDASBACH, Georg Friedrich. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 15, Bautz, Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8, Sp. 463–464.

Weblinks[Bearbeiten]