George Peabody

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George Peabody (ca. 1860)

George Peabody (* 18. Februar 1795 in Danvers, Massachusetts; † 4. November 1869 in London) war ein Geschäftsmann und Investmentbanker sowie der größte Philanthrop seiner Zeit in den Vereinigten Staaten und Großbritannien.

Leben[Bearbeiten]

Als Kind armer Leute erhielt Peabody nur eine kurze Schulausbildung, die endete, als er im Alter von 11 in die Lehre bei dem Besitzer eines Gemischtwarenladen ging. Dort machte er die Erfahrungen, die ihm im späteren Leben von Nutzen sein sollten - wie die Buchführung und den Umgang mit Menschen. Als mit 15 seine Lehre beendet war, zog der ehrgeizige, intelligente und frühreife junge Mann aus, um sein Glück zu suchen. Mit 17 Jahren betrieb er mit seinem Bruder einen Laden in Georgetown im District of Columbia, der jedoch abbrannte. Während des nächsten halben Jahrhunderts hat er in der besten Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Tradition ein Vermögen gemacht.

Im Britisch-Amerikanischen Krieg (1812–1814) diente er als Freiwilliger. 1816 zog er nach Baltimore und machte mit Elisha Riggs ein Großhandelsgeschäft mit Drygoods wie z. B. Getreide, Zucker und Tee auf. Ihr Büro hatten sie in der Old Congress Hall on Baltimore und Sharp Streets. Baltimore war für die kommenden 20 Jahre seine Heimatstadt. Bald eröffneten sie Filialen in Philadelphia und New York und verdienten ein kleines Vermögen. Auf der Suche nach weiteren Geschäftsmöglichkeiten reiste George Peabody 1827 nach England, um Waren zu kaufen und den Verkauf der amerikanischen Baumwolle in Lancashire zu verhandeln. Im Jahre 1847 zog er sich aus der Firma mit Riggs zurück und ließ sich endgültig in London nieder, wo er bis zu seinem Tode blieb.

Mit Hilfe von Brown Brothers[1] und Nathan Mayer Rothschild gründete Peabody 1835 sein Bankhaus George Peabody & Co. in England. 1854 nahm er Junius Morgan als Partner auf. Sie waren spezialisiert auf den Handel mit Devisen und amerikanischen Wertpapieren. John Pierpont Morgan machte hier später seine Lehrzeit.[2] Die Firma Duncan, Sherman & Co. waren ihre Repräsentanten in Amerika. Peabody war von 1861 an der weltweit größte Händler von amerikanischen Wertpapieren.

Während seiner Londoner Jahre finanzierte seine Bank Peabody & Company die Expansion der amerikanischen Eisenbahnen in Richtung Westen sowie die Verlegung der erste transatlantischen Kabel[3] und verdiente hiermit ein großes Vermögen. Weil Peabody selbst weder Familie noch Kinder hatte, erlaubte er Junius Morgan, als er 1864 in den Ruhestand ging, den Firmennamen in Junius S. Morgan Company zu ändern. Die Firma von Morgan wurde von London aus geleitet. John Pierpont Morgan verbrachte viel Zeit in dem wundervollen Haus in Prince’s Gate.

Wohltätigkeit[Bearbeiten]

Peabody kam für die Erziehung seines Neffen Othniel Charles Marsh auf,[4] der seinen Bachelor of Arts 1860 an der Yale University erhielt. Es geschah auf Marsh Drängen, dass 1866 Peabody 150.000 $ für die Errichtung des Yale Peabody Museum of Natural History spendete. Im selben Jahr gab Peabody die gleiche Summe an die Harvard University, wo das Peabody Museum of Archaeology and Ethnology gegründet wurde.

Nach dem Bürgerkrieg gründete er den Peabody Education Fund „zur Förderung der geistigen, moralischen,und handwerklichen Ausbildung der mittellosen Kinder der Südstaaten“. Er erklärte, dass von diesem Fonds die gesamte Bevölkerung profitieren solle „ohne weitere Unterscheidung als ihre Bedürfnisse und die Möglichkeiten des Nutzens für sie.“

Er ernannte einen Vorstand, um den Stiftungsfonds zu verwalten:

Die Treuhänder wählten als Generalvertreter Barnas Sears.

Peabody spendete mehr als 8 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke, insbesondere zur Verbesserung des Erziehungswesens. $1,250.000 gab er für die Gründung und den Unterhalt des Peabody Institute in Baltimore aus.

Für das Peabody Institute in Danvers als Bücherei und Vortragsraum waren $20.000 vorgesehen. Er erhöhte den Betrag auf $43.000. Die Gesamtsumme an das Institut soll $200.000 betragen haben. Zu Ehren von Peabody haben die Bürger der Stadt dem Stadtteil, wo er geboren wurde, den Namen Peabody gegeben.

Im Jahr 1857 gründete er ein Institut in Baltimore, das das kulturelle Leben der Stadt fördern sollte. Heute ist das Peabody Institute ein Musik-Konservatorium. Das Peabody Bibliotheks-Gebäude, das im Jahre 1878 eröffnet, wurde von dem in England gebürtigen Architekten Edmund George Lind[5] entwickelt, in Zusammenarbeit mit dem ersten Propst des Instituts, Nathaniel H. Morison.[6] Getragen von jeweils sechs Reihen prächtiger gusseiserner Säulen, über fünf Stockwerken mit dekorativen Gittern und klassischen Verzierungen mit vergoldeten Blättern, ist der Raum 18,5 m (61 ft) hoch vom schwarz-weißen Marmorfußboden bis zur lichtdurchlässigen Decke. Der Raum ist von exquisiter Symmetrie im Neogriechischen Stil. Die Schmiedearbeiten wurde von dem Unternehmen Bartlett-Robbins ausgeführt. Die Baukosten beliefen sich auf $400,000. Die Peabody Bibliothek blieb Teil des Peabody Institute bis 1966, als die Sammlung an die Stadt Baltimore übertragen und als Abteilung des Enoch Pratt Free Library verwaltet wurde. Die Sammlung wurde 1982 wieder übertragen, diesmal an die Johns Hopkins University. Die George Peabody Library ist jetzt ein Teil der Abteilung Sondersammlungen der Universitäts-Sheridan Libraries.

Er regte seine Baltimorer Freunde zur Gründung der Johns Hopkins University (Johns Hopkins), der Enoch Pratt Free Library[7] (Enoch Pratt) und der Walters Art Gallery (Henry Walters) an.

1867 spendete er $140.000, die zur Gründung des Peabody Essex Museums in Salem verwendet wurden.[8] Der Phillips Academy in Andover schenkte er den Betrag von $25.000 und der gleiche Betrag ging an das Kenyon College in Ohio; $13.000 erhielt die Newbury Public Library, $20.000 gingen jeweils an die Historischen Gesellschaften von Massachusetts und Maryland.

Die bedeutendste Spende aber waren die 1 Mio. Dollar für die Gründung einer koedukativen Schule für die Lehrerausbildung in Nashville, Tennessee.[9]

Der Kongress dankte Peabody am 15. März 1867 mit der Bestellung einer Goldmedaille. Sie wird in der Bücherei in dem Ortsteil Peabody aufbewahnt.

Weil der Kongress die Finanzierung von einer US-Beteiligung an diesem „Spekulationsgeschäft“ – der Londoner Weltausstellung – verweigert hatte, lagerten die amerikanischen Exponate, in Kisten verpackt, bereits in den Docks von London, während die britische Presse Hohn über die ehemaligen Kolonien ausschüttete. George Peabody, in Anerkennung der Bedeutung seines Landes, machte eine gute Figur, indem er kurzerhand £ 3.000 (ca. $ 15.000) aus eigenen Mitteln nahm, um die amerikanischen Exponate für die Weltausstellung im Crystal Palace auszustellen. Seine Investition hatte sich gelohnt. Das Interesse an der amerikanischen Ausstellung war immens, denn die Menschen strömten herbei, um Samuel Colt Revolver, Cyrus McCormick Mähmaschinen, feine Daguerreotypien und andere Wunder zu sehen.

Peabodys philanthropische Aktivität in Großbritannien begann nach der Weltausstellung. Ein Exponat auf der Weltausstellung, errichtet außerhalb des Geländes von Crystal Palace, war ein Modellhaus für die Arbeiterklasse. Komfortable Wohnungen für die rasch wachsende städtische Bevölkerung fanden das besondere Interesse von Prinz Albert, und das beeinflusste auch George Peabody. Er gründete den Peabody Donation Fund, der bis zum heutigen Tag weiterhin Wohnungsbauförderung an die Arbeiterklasse in London vergibt. Alle seine karitativen Aktivitäten zielten auf die Verbesserung der Gesellschaft. Er gab die Summe von £150.000 ($ 750,000) in die Hände der Verwalter und erhöhte später den Betrag auf £500.000 ($ 2.500.000) für seinen noblen Zweck. Der Fonds wuchs durch die Zinsen und ist über die Jahre um 3 % angewachsen. Lord Stanley, Mr. Curtis Miranda Lampson, Mr. Junius S. Morgan, Mr. Horatio G. Somerby waren die würdigen Verwalter. Ende 1906 hatte der Fonds Geld bereitgestellt für 12.328 Räume in 5.469 separaten Wohnungen an 20 Standorten.

Queen Victoria wollte ihm den Großen Bath Orden verleihen oder eine Baronet-Würde; beides lehnte Peabody ab. Er wurde gemalt mit dem Dankschreiben der Königin in seinen Händen. Von diesem Gemälde wurde eine Statue angefertigt, die im Londoner Finanzdistrikt stand, und in Baltimore befindet sich eine Replique.

Peabody starb in London am Abend des 4. November 1869. Auf Antrag des Dekans von Westminster und mit Zustimmung der Königin und des Volks von London wurde eine Begräbnisfeier in der Westminster Abbey abgehalten. Queen Victoria folgte dem Leichenwagen zur Westminster Abbey, wo Peabody mit allen Ehren (der erste Amerikaner, der so geehrt wurde) aufgebahrt wurde. Auf Anordnung von Premierminister Gladstone brachte das neueste Schiff der Flotte ihrer Majestät, die HMS Monarch, Peabodys sterbliche Überreste zu seiner letzten Ruhestätte in Salem, Massachusetts.

Der Ortsteil seiner Geburt wurde später in Peabody umbenannt.[10]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: George Peabody – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brown Brothers
  2. Carl Hovey: The life story of J. Pierpont Morgan; a biography.. Sturgis & Walton, New York 1911
  3. Transatlantikkabel
  4. Othniel Charles Marsh Biographie
  5. Edmund George Lind - Biography
  6. Memorial of Nathaniel Holmes Morison (1815–1890) first provost of the Peabody institute (1867–1890) Privately printed. 1892
  7. Enoch Pratt Free Library
  8. L. O. Howard: Biographical Memoir of Edward Sylvester Morse 1838-1925. In: National Academy of Sciences of the United States of America, Vol. XVII, S. 6.
  9. George Peabody college for teachers; its function, September, 1912
  10. City of Peabody official website