William Ewart Gladstone

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
William Ewart Gladstone

William Ewart Gladstone (* 29. Dezember 1809 in Liverpool; † 19. Mai 1898 in Hawarden/Wales, seinem Landsitz) war ein viermaliger britischer Premierminister und einer der bedeutendsten britischen Politiker in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Gladstone begründete eine besondere Spielart des Liberalismus.

Leben[Bearbeiten]

William Ewart Gladstone im Jahr 1861

William Ewart Gladstone stammte aus einer reichen Kaufmannsfamilie. Er wurde im Eton College und am Christ Church College in Oxford ausgebildet. Zunächst wollte er anglikanischer Priester werden, wurde 1832 jedoch wie zuvor sein Vater konservativer Abgeordneter im Unterhaus.

Bereits 1834 übernahm Gladstone erstmals kleinere Ämter in der Regierung Peel. In Parlamentsdebatten fiel der junge Mann durch sein rhetorisches Talent auf. 1841 wurde er Vizepräsident des Handelsministeriums und 1843 Minister. In diesen Funktionen erreichte er die Vereinfachung des Zollsystems, die Absenkung der Zölle und eine allgemeine Veränderung des britischen Wirtschaftssystems hin zum Freihandel. 1845 trat Gladstone wegen religiöser Auseinandersetzungen zurück und wurde kurz darauf zum Kriegs- und Kolonialminister ernannt.

William Ewart Gladstone, Stahlstich

Im folgenden Jahr gab er sein Amt im Zusammenhang mit dem Sturz Peels zurück. In den folgenden Jahren der Spaltung der konservativen Partei blieb Gladstone zwar der Anführer einer größeren konservativen Gruppe aus Peel-Anhängern, die jedoch vor allem nach Peels Tod 1850 zunehmend an Bedeutung verlor. In dieser Zeit bemühte er sich, das von der Finanzkrise von 1847 bedrohte Vermögen seiner Frau zu retten, war 1852 bis 1855 Schatzkanzler unter Aberdeen und veröffentlichte 1858 ein dreibändiges Werk über Homer und dessen Epoche. Darüber hinaus näherte Gladstone sich in dieser Zeit den liberalen Whigs an, lehnte jedoch 1852 und 1858 Angebote eines Ministerpostens durch den Earl of Derby ab.

Die Hochphase seiner politischen Aktivität, nun eindeutig liberal geprägt, begann, als Gladstone am 6. Juni 1859 in die Whig-Regierung Palmerston als Schatzkanzler eintrat. In seiner bis 1866 währenden Amtszeit trieb er den Freihandel voran, vereinfachte die Haushaltsgesetzgebung und unterstützte den Cobden-Vertrag, der ab 1861 den Handel mit Frankreich massiv vorantrieb. Außenpolitisch setzte Gladstone sich für die Bildung eines italienischen Nationalstaats ein.

Ende 1867 wurde Gladstone zum Vorsitzenden der Liberal Party gewählt, wie sich die Whigs inzwischen nannten. Damit wurde er zum wichtigsten Gegenspieler von Benjamin Disraeli, der die Konservativen im Februar 1868 wieder an die Regierung gebracht hatte, aber nicht zuletzt auf Gladstones Betreiben bereits im Dezember wieder gestürzt wurde. Darauf übernahm Gladstone das Amt des Premierministers. Schwerpunkte seiner Politik waren die Entschärfung der Auseinandersetzungen in Irland, die Einführung der allgemeinen Schulpflicht mitsamt einer grundlegenden Reform des Bildungswesens sowie die Reform des Wahlrechts, des Gerichtswesens und der Beamtenrekrutierung. Zudem unterband er den Kauf von Offiziersstellen in der britischen Armee. Außenpolitisch wurde die erste Regierung Gladstone dagegen kaum aktiv.

Als die Liberalen 1874 die Wahl verloren, zog Gladstone sich vorübergehend aus der Politik zurück, um sich der Theologie und seinen Homer-Forschungen zu widmen. Das brutale Vorgehen des Osmanischen Reiches gegen die bulgarische Nationalbewegung im Aprilaufstand und das Stillschweigen der zweiten Regierung Disraeli in dieser Sache brachte Gladstone 1876 in die aktive Politik zurück. Mit diesem außenpolitischen Thema gewann Gladstone 1880 die Wahl. Seine zweite Regierung erlangte dementsprechend ein außenpolitisch schärferes und den Nationalbewegungen gegenüber wohlwollendes Profil. Dies brachte das Vereinigte Königreich nicht nur in Konflikt mit dem Osmanischen Reich, sondern auch mit Österreich-Ungarn. Mit einem neuen Wahlgesetz verdoppelte Gladstone 1884 die Wählerschaft.

Während der Urabi-Bewegung in Ägypten verhielt Gladstone sich anfänglich, trotz der umfangreichen britischen finanziellen Verbindung mit dem Land, eher zögerlich. Erst als Ahmad Urabi Pascha eine eigene Armee aufgestellt, das ganze Land unter seine Kontrolle gebracht und die Verbindung nach Britisch-Indien über den Suezkanal bedroht hatte, änderte er seine Politik und ließ Ägypten besetzen. Auf Grund der desolaten Lage der ägyptischen Truppen in Sudan wies er im Dezember 1883 Ägypten an, Sudan, wo der Mahdi-Aufstand ausgebrochen war, aufzugeben. Die Ernennung von General Gordon zum Gouverneur im Sudan billigte er nur notgedrungen. Gordon hatte den Auftrag, die ägyptischen Truppen und das englische Personal aus dem Sudan zurückzuziehen. Als Gordon in Khartum belagert wurde, sandte Gladstone, da er Sudan ohnehin aufgeben wollte, keine Entsatztruppen. Andererseits konnte er Gordon, der in der Heimat als Nationalheld gefeiert wurde, nicht opfern und forderte ihn auf, sich zu retten. Dieser Forderung kam Gordon aber nicht nach. Im Sommer 1884 weitete sich die Diskussion um die Rettung Gordons bis zu einem Antrag auf ein Misstrauensvotum gegen die Regierung aus. Gladstone gab schließlich nach und sandte eine Armee unter Garnet Joseph Wolseley, die so genannte Gordon Relief Expedition, aus, die aber zu spät in Khartum eintraf.

Als Gladstone 1886 mit dem ersten Home Rule-Gesetz zahlreiche Forderungen der irischen Nationalbewegung erfüllen wollte, führte dies zur Spaltung der Liberalen Partei und zum Sturz seiner Regierung, auf die eine Phase der konservativen Dominanz folgte.

1892 bis 1894 war Gladstone im hohen Alter noch einmal kurz Premierminister, zog sich dann aber fast blind und schwerhörig endgültig aus der aktiven Politik zurück.

Insgesamt war Gladstone 63 Jahre Mitglied des Unterhauses, 27 Jahre Kabinettsmitglied und 12 Jahre Premierminister.

Zitate[Bearbeiten]

Das Grab Gladstones in Westminster Abbey
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
  • "The politician thinks of the next election; the statesman thinks of the next generation" (Der Politiker denkt an die nächsten Wahlen, der Staatsmann an die nächste Generation.)

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

1966: im britischen Film Khartoum wird Gladstone durch Ralph Richardson dargestellt.

Literatur[Bearbeiten]

englischsprachig[Bearbeiten]

  • David W. Bebbington: William Ewart Gladstone. Wm. B. Eerdmans Publishing Co., Grand Rapids, MI 1993, ISBN 0-8028-0152-8.
  • Edgar J. Feuchtwanger: Gladstone. Allen Lane, London 1975, ISBN 0-7139-0828-9. (2. Auflage: Macmillan, 1989, ISBN 0-333-47271-3)
  • Roy Jenkins: Gladstone. Macmillan, London 1995, ISBN 0-333-60216-1. (Whitbread-Preis für Biographie 1995)
  • John MacGilchrist: The Life of Benjamin Disraeli. London 1868.
  • Philip Magnus: Gladstone. A Biography. John Murray, London 1954.
  • Colin Matthew: Gladstone. 1809–98. Clarendon Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820696-8. (2 Bände: 1809–1874 und 1875–1898, Wolfson-Preis für Geschichte 1995)
  • John Morley: The Life of William Ewart Gladstone. Macmillan, London/ New York 1903.
  • Michael Partridge: Gladstone. Routledge, London 2003, ISBN 0-415-21626-5
  • Richard Shannon: Gladstone. Peel’s Inheritor, 1809–65. Methuen, London 1984, ISBN 0-416-36870-0. (Neuauflage: Penguin Paperback, 1999, ISBN 0-14-027594-0)
  • Richard Shannon: Gladstone. Heroic Minister, 1865-98. University of North Carolina Press, Chapel Hill 1999, ISBN 0-8078-2486-0.

deutschsprachig[Bearbeiten]

  • Erich Eyck: Gladstone. Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich, Leipzig 1938.
  • Detlev Mares: Die visuelle Inszenierung des modernen Politikers. William Ewart Gladstone in der "Illustrated London News". In: Lutz Raphael, Ute Schneider, Sonja Hillerich (Hrsg.): Dimensionen der Moderne. Festschrift für Christof Dipper. Frankfurt a.M. u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57298-6, S. 309–330.
  • Alois Winbauer: William Ewart Gladstone. Der Durchbruch von der Aristokratie zur Demokratie. Phönix-Verlag, Hamburg 1948.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: William Ewart Gladstone – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Author:William Ewart Gladstone – Quellen und Volltexte (englisch)