Geschichte Eritreas

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Der Staat Eritrea seit 1993

Als Beginn der Geschichte des Staates Eritrea kann das italienische Dekret vom 1. Januar 1890 gesehen werden, mit dem verschiedene Volksgruppen am Roten Meer zu der italienischen Kolonie Eritrea vereinigt wurden. Als unabhängiger Staat besteht Eritrea seit 1993.

Aksumitisches Reich[Bearbeiten]

Um 500 v. Chr. entstand in der Region Eritreas und Nordäthiopiens das Aksumitische Reich mit seinem Haupthafen Adulis. Nach dem Aufstieg des islamischen Reichs und der Eroberung Ägyptens verlor das christliche Aksum jegliche Verbindung zu anderen christlichen Reichen. Die Aksumiten zogen sich nach Süden ins Hochland zurück und schließlich ging das Reich im 10. Jahrhundert n. Chr. unter (andere Datierungen sprechen vom 1. bis 7. Jahrhundert n. Chr.). Danach gehörten die verschiedenen Völker, die auf dem Gebiet des heutigen Eritrea lebten, zum Teil zum äthiopischen Kaiserreich (dem Nachfolgerreich von Aksum) und zum Teil waren sie von Ägypten bzw. dem Sultanat Adal unterworfen worden.

Osmanische Herrschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vilâyet Habeshistan

Auf die Zeiten nach der Herrschaft des aksumitischen Reiches folgten die Osmanen bzw. nochmals die Ägypter, die ihr Reich über die arabische Halbinsel, über das Rote Meer auf die Küste Eritreas ausdehnten. Sie selbst unterschieden sich in Bezug auf Lebensweise, Ökonomie, Sprache und Religion. Obwohl die Küste nicht mehr direkt von den äthiopischen Kaisern regiert wurde, hatte deren Statthalter in Mareb Malesh (alter Name der Region Eritreas) trotzdem noch den Titel Bahrä Nägasch oder Bahr Negus – „Regent des Meeres“ – inne.

Zeit als italienische Kolonie[Bearbeiten]

Palazzo del Governatore - Palast des italienischen Gouverneurs Eritreas im Kolonialstil
Hauptartikel: Italienisch-Eritrea

Am 15. November 1869, zwei Tage vor der Einweihung des Suezkanals, kaufte der italienische Entdecker Giuseppe Sapeto die Bucht von Assab. Dessen Gesellschaft Rubattino kaufte im März/April 1870 weiteres Gebiet beim nahegelegenen Beilul dazu, es handelt sich dabei um einen sechs Kilometer langen Streifen, einen militärisch geschützten Handelsstützpunkt. Rubattino beliefert dort Schiffe mit Kohle. Am 29. April 1870 wird der Küstenstreifen von der ägyptischen Flotte zurückerobert, die Gesellschaft zieht sich zurück, die italienische Regierung hatte es verpasst in der Zwischenzeit zur Absicherung einen Freundschaftsvertrag mit den Briten abzuschließen. Am 15. März 1880 kauft die Gesellschaft „Rubattino“ Assab zurück. Im Juli 1882 übernimmt der italienische Staat die Hafenstadt und ruft die Kolonie Assab aus.

1882 wird Ägypten von Großbritannien erobert, es droht keine Gefahr mehr für Assab, zumal sich ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Italien und Großbritannien entwickelt, da jene in Italien auch ein ihnen zugewandtes Gegengewicht zu Frankreich aufbauen wollen. Diverse Organisationen, zu denen auch die Società Geographica Italiana (gegründet 1867) und die Società di Esplorazione Commerciale (gegründet 1879) zählen, unternehmen immer wieder Expeditionen ins Landesinnere von Eritrea und Äthiopien. Ein Anstoß dafür sind auch die Berliner Verträge von 1885, in denen Italien quasi unbeachtet bleibt und keinerlei Ansprüche geltend machen kann.

Im Februar 1885 besetzen italienische Truppen mit Hilfe eines britischen Kanonenbootes die Hafenstadt Massaua, im Sommer erwirbt man den davor liegenden Dahlak-Archipel. In Asmara, der abessinischen Provinzhauptstadt, sieht man die italienische Ausbreitung mit Unbehagen, am 26. Januar 1887 überfallen abessinische Truppen in Dogali ins äthiopische Hochland vorrückende italienische Truppen, ein herber Rückschlag für das aufstrebende Italien. Das Wiedererlangen des nationalen Prestiges steht nunmehr im Zentrum italienischer Außenpolitik, die Regierung beschließt die Ausweitung des Einflusses auf das ganze Gebiet. Im August 1889 besetzten die Truppen Asmara und es erfolgte die Vereinigung und Erweiterung der Gebiete Assab und Massaua zur Kolonie Eritrea, die am 1. Januar 1890 offiziell ausgerufen wurde. Immer wieder gab es aber Probleme in den Grenzgebieten zum Sudan, vor allem um Cassala und Agordat.

Die Generale Menabrea-Brücke in Dògali

Die Besiedlung, insbesondere mit Bauern, wurde kontinuierlich vorangetrieben. So wurde ihnen jeweils 20 ha Land zugewiesen und 4.000 Lire für Reise und erste Niederlassung zur Verfügung gestellt. Das Land sollte in ihren privaten Besitz übergehen, wenn binnen fünf Jahren das Geld zurückbezahlt wird. Mit politischen Gegnern ging man indessen rigoros um, das Lager Nocra wurde installiert, insbesondere unter Gouverneur Baldissera wurde besonders hart gegen Rebellen vorgegangen. 1893 wurden 400.000 Hektar Land enteignet, man führte zahlreiche Pflichten und Verbote für die Bevölkerung ein, was 1894 zu einer Revolte führte, die blutig niedergeschlagen wurde. Ein Grund, für den besonders starken Widerstand im bald folgenden Krieg um Äthiopien, der in der Schlacht von Adua ein für die italienischen Truppen katastrophales Ende nahm.

Der 1897 als Gouverneur von Eritrea installierte Martini zeigt sich deutlich loyaler als sein Vorgänger, er kämpft gegen Korruption und führt Ordnung ein. Es konnte ein Übergang von einer Militär- zu einer Zivilregierung konstatiert werden. Positive Erscheinungen für die Kolonie waren ein Aufschwung der Wirtschaft, eine zunehmende Verstädterung (Schulen, Krankenhäuser, Straßen, Eisenbahn), ein Aufkommen neuer Sozialklassen und eine Modernisierung. Negativ hervorzuheben sind die Ausbeutung der Eritreer als billige Arbeitskräfte und Soldaten, die Leoparden- und Antilopenjagd zum Fellverkauf und dass Eritrea eigentlich nur als Aufmarschbasis für spätere Vorhaben in Äthiopien diente.

Italienisches Kolonialreich in Ostafrika nach der Besetzung Abessiniens, 1936 bis 1940

Eritrea im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg war Eritrea zunächst mit dem besetzten Kaiserreich Abessinien, der Kolonie Italienisch-Somaliland und dem Gebiet Oltre Giuba in das italienische Kolonialgebiet Italienisch-Ostafrika vereinigt.

Ab dem 2. April 1941 jedoch eroberte Großbritannien Eritrea, nachdem die Italiener sich am 1. April in Asmara geschlagen geben mussten. Großbritannien übernahm für den Rest des Krieges die Herrschaft in Person von General Platt als General Officer Commanding in Eritrea (G.O.C.E.).

Teilstaat Äthiopiens[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eritrea (Provinz)

Am 2. Dezember 1950 verlängerte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 390(V)A das britische Mandat über Eritrea, welches Italien im Vertrag von 1947 anerkannt hatte. Eritrea wurde am 15. September 1952 in die Obhut der kurz davor gegründeten Vereinten Nationen übergeben.

Flagge der autonomen Region Eritrea von 1950 bis 1962

1947 fanden Wahlen statt, bei denen christliche Pro-Einheits-Parteien (darunter auch die Neue Eritrea-Partei) gewannen. 1950 hatte die UNO unilateral auf eine so genannte Föderation mit dem Kaiserreich Abessinien bestanden, die später erzwungen wurde. Die Autonomie Eritreas wurde von Abessinien Stück für Stück aufgehoben, beispielsweise durch die Herabstufung der autonomen Regierung zu einer Verwaltungsbehörde am 20. Mai 1960, bis 1961 das Kaiserreich endgültig Eritrea besetzte und das Land annektierte, nachdem sich das Parlament selbst aufgelöst hatte.

1961 entstand die Eritreische Befreiungsfront (ELF). 1970 spaltete sich von dieser die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) ab. Die äthiopische Regierung erhielt zeitweise Unterstützung von sowjetischen, kubanischen, israelischen und amerikanischen Truppen und Militärberatern, konnte die Befreiungsbewegung aber nicht ausschalten. Weitere Unabhängigkeitsbewegungen entstanden, der Konflikt spitzte sich nach dem Sturz der Monarchie weiter zu.

1989 begann die Eritreische Volksbefreiungsfront mit einer großangelegten Offensive gegen die äthiopischen Truppen. 1991 besiegte die eritreische Volksbefreiungsfront zusammen mit äthiopischen Widerstandsgruppierungen die äthiopische Armee. Dann unterstützte sie die äthiopischen Rebellen, um die äthiopische Regierung in der Hauptstadt Addis Abeba zu übernehmen. Im April 1993 kam es zu einem Referendum, in dem 99,8 % für die Unabhängigkeit Eritreas stimmten und am 24. Mai 1993 wurde die Unabhängigkeit proklamiert.

Unabhängigkeit Eritreas[Bearbeiten]

Der eritreische Präsident Afewerki

Die Beziehungen zu Äthiopien blieben gespannt. 1998 erklärte Äthiopien Eritrea den Krieg, nachdem es zu einem Grenzzwischenfall gekommen war. Im Eritrea-Äthiopien-Krieg kam es zu schweren Kämpfen, insbesondere um das eigentlich bedeutungslose Grenzgebiet Yirga, das nach eritreischer Auffassung zur Region Gash-Barka, nach äthiopischer dagegen zu Tigre gehört.

Im Mai 2000 weigerte sich Äthiopien, an Friedensverhandlungen mit Eritrea teilzunehmen, und begann seine dritte Offensive. Nach deren teilweisem Scheitern kam es im Juni zu einem Waffenstillstandsabkommen und im Dezember wurde der algerische Friedensplan von beiden Seiten angenommen und unterschrieben, nachdem die äthiopische Armee rund ein Drittel Eritreas erobert hatte und dieses von der eritreischen Armee wieder zurückerobert wurde. Nach dem Friedensplan sollte eine Unabhängige Grenzkommission in Den Haag über den strittigen Grenzverlauf entscheiden. Im Oktober 2003 akzeptierte Äthiopien deren Schiedsspruch jedoch nicht.

2006 und 2007 wurde Eritrea beschuldigt, in Somalia die Äthiopien feindlich gegenüberstehende Union islamischer Gerichte zu unterstützen.[1] Es wurde befürchtet, der Bürgerkrieg in Somalia könnte sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea entwickeln.

Die Religionszugehörigkeit ist für Christen und Moslems identitätsstiftend und teilt die Bevölkerung in zwei Lager. Zu offenen Konflikten um den Glauben ist es in der eritreischen Geschichte aber bisher nicht gekommen, die meisten Bevölkerungsgruppen wurden bis zur Unabhängigkeit durch das verbindende Ziel eines eigenen Staates zusammengehalten. Streitigkeiten zwischen ihnen werden seither durch die Einparteienregierung unter Isayas Afewerki mit Machtmitteln, die die Freiheitsrechte einschränken, unterdrückt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eyassu Gayim: The Eritrean Question: The conflict between the right to self-determination and the interests of State. Iustus Verlag, Uppsala 1993.
  • Bocresion Haile Gebre Mussie: The Collusion on Eritrea. 2. Aufl. Asmara 2007.
  • Martin Zimmermann und Wolbert Smidt: Dokumentation des Grenzkonfliktes zwischen Äthiopien und Eritrea. Köln 1998.
  • Michela Wrong: I Didn't Do It for You. How the World Betrayed a Small African Nation. HarperCollins, New York 2005, ISBN 978-0-06-078092-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eritrea 'arming' Somali militia. BBC News, 27. Juli 2007