Geschichte Äthiopiens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Im geschichtlichen Abriss klaffen immer noch Lücken von zum Teil mehreren Hundert Jahren und auch danach findet man nur eine eher episodenhafte Darstellung der interessanten Geschichte dieses Landes. Ferner scheint mir die Gliederung der Abschnitte sehr willkürlich gewählt usw.

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Die Geschichte Äthiopiens reicht weit in die Vorgeschichte hinein.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Überreste Millionen Jahre alter Vor-Menschen (Australopithecus afarensis) wurden in Äthiopien gefunden, unter anderem 1974 das gut erhaltene Skelett von „Lucy“ (siehe Donald Johanson) in der Afar-Senke, dem Gebiet der Afar-Nomaden.

Das Land in der Antike[Bearbeiten]

Äthiopien ist der älteste durchgehend unabhängige und heute noch bestehende Staat Afrikas und einer der ältesten der Welt. Der heute wieder weit verbreitete Landesname geht auf eine antike griechische großräumige Regionenbezeichnung zurück, die neben dem eigentlichen Abessinien noch die historischen Regionen Nubien, Sudan und Teile Libyens einschloss: „Αιθιοπία“, von αίθαλο/aíthalo, „das sonnengebräunte“ und οψ/ops, „das Gesicht“.

Einwanderungen[Bearbeiten]

Das Alte Testament berichtet, wie die Königin von Saba die Stadt Jerusalem bereiste. Nach äthiopischer Überlieferung gründete Menelik I., angeblich Sohn von König Salomon und der Königin von Saba, das Äthiopische Reich. Tatsächlich wurde das äthiopische Reich von dem Stamm der bšt (habashat / habeshtew; Habescha), aus deren Name sich die Bezeichnung „Abessinien“ entwickelte, die im 1. Jahrtausend v. Chr. aus Südarabien auswanderten, gegründet. Ihre Hauptstadt Aksum wurde erstmals von Claudius Ptolemäus im 2. Jahrhundert n. Chr. erwähnt.

Reich von Aksum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Aksumitisches Reich

Gemäß der Apostelgeschichte der Bibel, Kapitel 8 Vers 26–39, wurde der damalige Schatzmeister der „äthiopischen“ Königin der erste „äthiopische“ Christ. Über den Ursprung der Kirche im heutigen Äthiopien berichtet der lateinische Geschichtsschreiber Rufinus von Aquileia: Die Brüder Frumentius und Aidesios wurden auf ihrer Heimreise nach Tyrus an der Küste des Roten Meeres überfallen und an den Hof des Königs von Aksum verkauft. Dank ihrer griechischen Bildung seien sie zu Erziehern der Prinzen aufgestiegen und hätten der Königsfamilie ihren christlichen Glauben vermittelt. Frumentius sei später zum Bischof von Alexandria, Athanasius, gereist und sei von ihm zum Bischof von Aksum geweiht worden. Der Übertritt des Königs Ezana zum Christentum ist durch Münzfunde archäologisch belegt. Unter Ezana wird das Christentum Staatsreligion. Das Reich von Axum, von Semiten begründet, gewinnt die Vorherrschaft über Südarabien. Mit der Ausdehnung des Islam im 7. Jahrhundert wird die äthiopische Christenheit weitgehend vom Einfluss der Weltkirche isoliert, behält jedoch durch ihre aus Ägypten entsandten Metropoliten Kontakt mit der koptischen Kirche (Siehe auch: Sultanat Adal).

Mittelalterliche Geschichte Äthiopiens[Bearbeiten]

Dynastie der Zagwe bis 1270[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zagwe-Dynastie

Nach dem Rückzug ins äthiopische Hochland wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts im südlichen Tigre und in Angot die Zagwe-Dynastie gegründet. Es handelte sich um eine Reaktion der kuschitischen Agau gegen die vorherrschende semitische Aristokratie.

Herrschaft der Salomoniden[Bearbeiten]

Kämpfer aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert
Hauptartikel: Kaiserreich Abessinien

Um 1270 kam es zur Restaurierung der Salomonischen Dynastie und damit zur Gründung des Königreich Shoa unter der Vorherrschaft der Amharen.

Neuzeitliche Geschichte Äthiopiens[Bearbeiten]

Frühe Kontakte zu Europa[Bearbeiten]

Äthiopien hatte bereits unter Kaiser David I. (1382-1411) Kontakt zu Europa, wenn auch die Reisen durch das muslimische Ägypten schwer waren. Es kam zum Gedankenaustausch mit den italienischen Handelsstädten, vor allem mit Venedig. Während der Herrschaft von Zara-Jakob (1434-1468) reiste eine äthiopische Delegation auf Wunsch von Papst Eugen IV. sogar zum Konzil von Florenz. Der Wunsch der Europäer mit den Äthiopiern gemeinsam gegen den Islam vorzugehen stieß dort jedoch auf wenig Gegenliebe. Äthiopien sah sich der muslimischen Streitmacht nicht gewachsen. 1493 erreichte der Portugiese Pedro de Covilhão den Hof des Negus. Er sollte für ein portugiesisch-äthiopisches Bündnis werben, da Portugal zu dieser Zeit begann seine Herrschaft im Indischen Ozean aufzubauen. Covilhão wurde zwar ehrenvoll behandelt und Na’od I. und David II. schenkten ihm Ländereien, aber sie hielten an der Tradition fest, dass kein Fremder das Land wieder verlassen durfte. Immerhin konnte Covilhão den Negus überreden, den Armenier Matthäus 1509 als Gesandten nach Lissabon zu entsenden.

Eingreifen der Portugiesen[Bearbeiten]

Erst 1520 wurde mit Rodrigo de Limas eine portugiesische Delegation an den Hof von Ankober entsandt, die angeblich Covilhão dort in bester Gesundheit und mit einer äthiopischen Adligen verheiratet antraf. 1543 unterstützten portugiesische Hilfstruppen unter dem Sohn von Vasco da Gama, Cristovão da Gama, die Äthiopier auf Hilferuf des Negus gegen Truppen Ahmed Graññ's, denen sie eine vernichtende Niederlage beibrachten. Der Versuch einer Bekehrung des gesamten Landes zum katholischen Glauben scheitert jedoch, da sich äthiopische Kleriker und Adlige gegen den bereits bekehrten Kaiser auflehnen, diesem die Herrschaft entreißen und die missionierenden Jesuiten für mehrere Jahrhunderte des Landes verweisen.

Zerfall des Reiches[Bearbeiten]

Das Land zerfällt in die Teilkönigreiche Amhara (mit der alten Hauptstadt Gonder), Tigray (mit Asmara und der antiken Hauptstadt Aksum) und Shewa (unter der alten Kaiserdynastie).

Reichseinigung im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Daraufhin findet die erste ernstzunehmende Konfrontation mit den europäischen Nationen im Zuge des Kolonialismus statt, zunächst unter Kaiser Theodor II. (Tewodros) mit den Engländern. Gewaltsam einigte dieser die verschiedenen unabhängigen Fürstentümer Äthiopiens bis 1855 unter seiner Herrschaft und widersetzte sich dem türkischen und englischen Kolonialismus. Aufgrund eines diplomatischen Konfliktes mit Großbritannien nahm er ab 1865 sukzessive alle Europäer in seinem Land als Geiseln gefangen, die zuvor meist als Handwerker für ihn gearbeitet hatten. Dies führte zur Befreiung der Gefangenen im Rahmen der Britischen Äthiopienexpedition von 1868. Nachdem im Dezember 1867 ein weit überlegenes indisch-britisches Expeditionsheer unter Robert Cornelis Napier gelandet war, beging der äthiopische Kaiser angesichts der aussichtslosen Situation während der Schlacht um Magdala 1868 Selbstmord.

Historische Karte mit Abessinien um 1891

Kaiser Yohannes IV. hatte die Briten und Ägypter bei der Evakuierung ihrer Garnisonen an der sudanesisch-äthiopischen Grenze während des Mahdi-Aufstandes unterstützt. Bereits 1885 war es deshalb zu Kämpfen mit den Mahdisten gekommen. 1887 begann der äthiopische Statthalter von Gonder Ras Adar einen Angriff auf das von den Mahdisten gehaltene Gallabat. Kalif Abdallahi ibn Muhammad, der Anführer der Mahdisten verstärkte daraufhin seine Truppen unter dem Kommando von Abu Anja. Dieser fiel mit 100.000 Mann in Äthiopien ein. Bei Debre Sina kam es zur Schlacht gegen 200.000 Äthiopier. Abu Anja siegte, konnte Gonder einnehmen und plündern. Kalif Abdullahi lehnte das darauf folgende Friedensangebot des Kaisers ab. Johannes IV. verkündete daraufhin, dass er gegen Khartum ziehen würde. Im März 1889 griffen die Äthiopier, unter Führung des Kaisers selbst, Sudan an. In der Nähe von Gallabat kam es am 9. März zur Schlacht von Metemma. 150.000 Äthiopier griffen 80.000 Mahdisten an. Als sich eine Niederlage der Mahdisten abzeichnete, wurde der Kaiser von einer verirrten Kugel tödlich getroffen. Die äthiopischen Truppen zogen sich zurück. Die Mahdisten nahmen die Verfolgung auf und es kam am Fluss Atbara zu einer zweiten Schlacht. Die Äthiopier wurden in die Flucht geschlagen und der Leichnam des Kaisers geriet in die Hände der Mahdisten. Der Krieg war damit beendet, da der Kalif nicht die militärische Stärke hatte, diesen Sieg auszunutzen. Ein Bündnisangebot Kaiser Meneliks II., des Nachfolgers von Yohannes, gegen die Europäer lehnte der Kalif ab.

Expansion unter Menelik II.[Bearbeiten]

Der eigentliche Begründer des modernen Äthiopien war Menelik II. (1889-1913). Durch seine Politik der Modernisierung, die im Sieg über die Italiener bei Adua 1896 gipfelte, bewahrte er das Land vor dem europäischen Kolonialismus.

Italienische Kolonialisierungsversuche 1887–1941[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Ende des 19. Jahrhunderts folgte die Expansion der italienischen Kolonialmacht, ausgehend von der Kolonie Eritrea. Ein bilaterales Abkommen der beiden Staaten sollte zunächst die Beziehungen auf friedliche Weise regeln. Doch im Gegensatz zu der amharischen Version kam die italienische Übersetzung einer außenpolitischen Entmündigung Äthiopiens gleich und deklarierte es damit de facto zum Protektorat. Trotz dieser Ambivalenzen erreichte die italienische Diplomatie, dass Äthiopien auf der Kongokonferenz 1885 Italien als Einflussgebiet zugeschrieben wurde. Unter dem Vorwand kleinerer Grenzzwischenfälle an der äthiopisch-eritreischen Grenze marschierte die italienische Armee schließlich in Äthiopien ein.

Italienische Niederlage in der Schlacht bei Dogali (1887)
Italienische Niederlage in der Schlacht von Adua (1896)

Ein erster Eroberungsversuch scheiterte 1887 in der Schlacht bei Dogali, 1896 scheiterten die italienischen Pläne vorerst erneut: Trotz der klaren Überlegenheit der modernen Waffen der Italiener ging die entscheidende Schlacht von Adua am 1. März 1896 zugunsten der äthiopischen Streitmacht aus. Im Vertrag von Addis Abeba musste Italien am 26. Oktober 1896 Kolonialträume aufgeben, die Unabhängigkeit des Kaiserreichs blieb bis zum erneuten Angriff des faschistischen Italiens im Jahr 1936 (s. u.) erhalten.

Auf die Sicherung der Unabhängigkeit folgte eine Phase der Konsolidierung der kaiserlichen Macht im Inneren, vor allem durch Eroberungen im Süden des heutigen Staatsgebietes. Diese neueroberten Gebiete fielen unter ein archaisch-feudales System der Landnahme, das bis zur sozialistischen Landreform in den 1970er Jahren bestehen blieb und die dort lebende Oromo-Bevölkerung den Eroberern nachhaltig entfremdete. Die Zustände in diesen Gebieten, die durch ein der Leibeigenschaft ähnliches Verhältnis zwischen Gutsbesitzern und der einheimischen Bevölkerung geprägt waren sowie das Anprangern dieser Verhältnisse durch die italienische Regierung verhinderten zunächst eine diplomatische Anerkennung des Reichs durch die europäischen Mächte. Erst nach der Abschaffung dieser Form der Sklaverei durfte es am 28. September 1923 dem Völkerbund beitreten. Allerdings lieferte dieser keine Garantie für die Souveränität des Staates.

Zeitgeschichtliche Entwicklungen[Bearbeiten]

Haile Selassie 1930–1974[Bearbeiten]

Nach dem Sturz des von Menelik II. als Nachfolger auserkorenen Iyasu V. wurde Haile Selassie 1916 zunächst Regent, 1930 dann Kaiser. 1931 wurde die erste Verfassung des Landes, offiziell die Verfassung des Kaiserreichs Abessinien von 1931, erlassen. Die Expansionspläne Benito Mussolinis mündeten 1935 jedoch in einem erneuten - nun erfolgreichen - Einmarsch. Die Invasion konnte durch die halbherzigen Sanktionen der Völkerbundmitglieder nicht verhindert werden, zumal das entscheidende Ölembargo ausblieb. Mittels der waffentechnischen Übermacht (Panzer, aber vor allem der Einsatz von Giftgas) und den Erfahrungen aus dem ersten Waffengang fiel Addis Abeba im Italienisch-Äthiopischen Krieg innerhalb kürzester Zeit. Anstelle des Negus übernahm der italienische König den äthiopischen Kaisertitel. Da die italienische Armee aber zu keinem Zeitpunkt das gesamte Land, d.h. inklusive der schwer zugänglichen Gebirgsregionen, kontrollierte, sieht die äthiopische Geschichtsschreibung die italienische Herrschaft nur als teilweise und vorübergehende Besetzung, Äthiopien aber weiterhin als das einzige afrikanische Land an, das niemals Kolonie war. Die dennoch real existierende italienische Kolonialverwaltung machte Äthiopien zum Teil Italienisch-Ostafrikas und teilte es innerhalb desselben auf (Ogaden an Italienisch-Somaliland, Tigray an Eritrea). Sie verübte massive Gräueltaten und richtete Konzentrationslager ein. Allein in der Hauptstadt fielen den Massakern 30.000 Menschen zum Opfer.

In den folgenden Jahren suchte Kaiser Haile Selassie ausländische Unterstützung für ein Modernisierungsprogramm des Landes, ohne jedoch die autokratischen Züge seiner Herrschaft oder die feudalistischen Gesellschaftsstruktur besonders im Süden zu revidieren.

Sozialistische Militärdiktatur 1974–1991[Bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre geriet das Kaiserreich in eine schwere Krise. Die verarmten Bauern litten unter den Abgaben an die Großgrundbesitzer, das aufstrebende Bürgertum Addis Abebas sieht sich in seinen politischen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Die Inflation in der Folge der Dürrekatastrophe von 1973 und der Ölkrise löste in Äthiopien Massendemonstrationen von Studenten und Streikwellen aus.

Die Studentenbewegung der Haile-Selassie-Universität (heute: Addis-Abeba-Universität) gilt als Hauptinitiator dieser Proteste. Beeinflusst von linkem Gedankengut aus Ost und West, aber auch aus anderen afrikanischen Staaten, die trotz Kolonialismus größere Fortschritte in politischer und ökonomischer Entwicklung vorzuweisen haben, entlud sich die Unzufriedenheit über Korruption und politische Repression. Schließlich revoltierten zu Beginn des Jahres 1974 ebenfalls Teile der äthiopischen Armee. Vor allem die unteren Dienstgrade waren größtenteils aus ländlichen Gebieten und kannten die Notlage der Landbevölkerung. Dies brachte die entscheidende Machtverschiebung.

Kaiser Haile Selassie wurde am 12. September 1974 gestürzt. Das Militär bemächtigte sich schnell der Revolution, die studentische Bewegung spaltete sich in eine ethnische und eine sozialistische Opposition, ging teilweise in den Untergrund und führt einen bewaffneten Widerstand. Innerhalb des Militärs konnten sich die gemäßigten Vertreter größtenteils höherer Dienstgrade nicht durchsetzen. Ein provisorischer Militärverwaltungsrat, Derg genannt, übernahm unter Führung des Majors Mengistu Haile Mariam die Macht. 1975 wurde die Monarchie abgeschafft und das ehemalige Kaiserreich sozialistische Volksrepublik. Dies führte zum Äthiopischen Bürgerkrieg.

Auf den „roten Terror“ (1975), der die sozialistische studentische Opposition fast völlig ausschaltete, folgten bald militärische Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten, von denen die meisten jedoch noch in die Kaiserzeit zurückreichen. So wurde 1977/1978 mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas eine Invasion des von den USA unterstützten Somalia in den hauptsächlich von ethnischen Somalis bewohnten Ogaden abgewehrt. Tatsächlich verfügte der Derg mit Unterstützung des Ostblocks bald über die nominal größte Armee des subsaharischen Afrikas – um die 300.000 Mann. Die Kampfkraft dieser Armee, die größtenteils aus zwangsrekrutierten Bauern bestand, war jedoch zu gering, um dem bewaffneten Widerstand im Inneren zu trotzen. Aufgrund der übermäßigen Repression gegen die Zivilbevölkerung erhielten eritreische Separatisten immer mehr Zuspruch. Eine Allianz mit regionalen Widerstandsgruppen vor allem aus der nördlichen Provinz Tigray wendete das Blatt allmählich zu Ungunsten des Derg.

1984 gelang Äthiopien durch eine Reportage des BBC-Fernsehens über die Hungersnot in Äthiopien 1984–1985 in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre ausbleibende Niederschläge in der Sahelzone führten in zwanzig afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Auch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges war Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen. Monatlich starben fast 20.000 Kinder an Unterernährung.

1987 wurde in Äthiopien die Derg-Herrschaft formal beendet und eine neue Verfassung eingeführt, die Verfassung der Demokratischen Volksrepublik Äthiopien. Das Land wurde somit in eine Volksrepublik unter der Einparteienherrschaft der Arbeiterpartei Äthiopiens umgewandelt, Leutnant Mengistu Haile Mariam wurde durch die Wahlen von 1987 von dem Parlament zum Präsidenten gewählt.

Demokratisierung ab 1991[Bearbeiten]

Soldaten der UNMEE in Eritrea

Siehe auch: Übergangsregierung Äthiopiens

1991 – ohne die Hilfe der Sowjetunion – kollabierte das Regime schließlich. Am 28. Mai nahmen Truppen der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker Addis Abeba ein[1] und Regierungschef (nun Oberst) Mengistu Haile Mariam floh nach Simbabwe. Unter der neuen Interimsregierung Meles Zenawis, die Übergangsregierung Äthiopiens, erlangte Eritrea im April 1993 nach fast dreißig Jahren Krieg die Unabhängigkeit.

1995 wurde das gesamte Staatssystem politisch neu geordnet. Es erfolgte eine Demokratisierung und zugleich eine Föderalisierung des Landes. Auch die Frage der Macht zwischen den einzelnen Völkern im Land wurde nun gerecht geregelt. Jedes größere Volk erhielt einen eigenen Bundesstaat mit eigener Arbeitssprache, eigenen Institutionen und Verfassungen. Eine politische Koalition, die Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker unter Führung der Volksbefreiungsfront von Tigray, übernahm die Regierungsführung.

Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch ökonomische Zwiste führten im Mai 1998 jedoch erneut zum Krieg Äthiopien gegen Eritrea, bei dem beide Länder zwei Jahre später unter großen Verlusten in etwa den Status quo ante erhalten konnten, obwohl es im selben Zeitraum erneut zu einer Dürre- und Hungerskatastrophe kam. Etwa 45.000 in Äthiopien lebende Eritreer wurden bis Ende 1998 nach Eritrea deportiert. Von 2000 bis 2008 überwachten Soldaten der „United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea“ (UNMEE) einen fragilen Frieden, während eine unabhängige Grenzkommission im Jahre 2002 die Streitigkeiten beilegen sollte. Das umstrittene Gebiet um Badme wurde Eritrea zugesprochen. Äthiopien weigert sich bislang die Entscheidung der Kommission zu akzeptieren; Eritrea wiederum behinderte regelmäßig die Aktivitäten der UNMEE.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Baum: Äthiopien und der Westen im Mittelalter. Die Selbstbehauptung der christlichen Kultur am oberen Nil zwischen dem islamischen Orient und dem europäischen Kolonialismus. Verlag Kitab, Klagenfurt 2001, ISBN 3-902005-06-8 (Einführungen in das orientalische Christentum; 2)
  • Paul B. Henze: Layers of Time. A History of Ethiopia. Hurst, London 2000, ISBN 1-85065-393-3.
  • Bahru Zewde: A History of Modern Ethiopia, 1855-1974. Addis Ababa University Press, Addis Ababa, 1991.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geschichte Äthiopiens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. University of Edinburgh/Center for African Studies, Sarah Vaughan: The Addis Ababa Transitional Conference of July 1991: Its Origins, History and Significance, 1994