Tigray (Region)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
ትግራይ Təgray
Tigray
de-facto Kenia (mit Südsudan umstritten) Kenia Somalia Eritrea Dschibuti Jemen Südsudan Sudan Uganda Addis Abeba Harar (Region) Dire Dawa Gambela Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker Afar (Region) Tigray (Region) Benishangul-Gumuz Somali (Region) Amhara OromiaLage
Über dieses Bild
Symbole
Flagge
Flagge
Basisdaten
Staat Äthiopien
Hauptstadt Mek'eleVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges
Fläche 50.078,6 km²
Einwohner 4.314.456 (2007)
Dichte 86 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 ET-TI
Politik
Regierungschef Tsegay BerheVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges
Partei Volksbefreiungsfront von TigrayVorlage:Infobox Verwaltungseinheit/Wartung/Sonstiges

Tigray (äthiopische Schrift: ትግራይ Təgray) ist eine Verwaltungsregion Äthiopiens. Sie liegt im Norden des Landes und ist Teil des Hochlandes von Abessinien.

Die Hauptstadt der Region ist Mek'ele. Die Region wurde 1991 im Rahmen der neuen Verwaltungsgliederung Äthiopiens als eine von neun ethnisch definierten Regionen gebildet. Sie stimmt weitgehend, aber nicht vollständig mit dem Gebiet der früheren Provinz Tigray überein.

Tigrinya ist die Arbeitssprache der Region.[1]

Landschaft bei Yeha, Tigray

Bevölkerung[Bearbeiten]

Titularnation und größte Bevölkerungsgruppe sind die Tigray, die die äthio-semitische Sprache Tigrinya sprechen. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Tigrinya-Sprecher – die sich traditionell als Bewohner der jeweiligen geographischen Region, beispielsweise Agame, sowie als „Habesha“ identifizieren – hat sich erst in jüngerer Zeit herausgebildet, die Schaffung der ethnisch definierten Region Tigray hat diese Tendenz verstärkt.[2]

Laut Volkszählung 2007 sind von den 4.314.456 Einwohnern der Region 96,55 % (4.165.749) Tigray, 1,63 % (70.334) Amharen, 0,71 % (30.517) Irob und 0,29 % (12.309) Afar.[3] Zahlenmäßig kleinere Minderheiten sind die Rayya und Azebo, die als nördlichste Untergruppen der Oromo im Südosten von Tigray leben.

Laut Volkszählung 1994 sprachen 95,44 % der Bevölkerung Tigrinya als Muttersprache, 2,97 % Amharisch und 0,72 % Saho. 9,41 % sprachen eine Zweitsprache: 7,14 % sprachen zusätzlich Amharisch, 1,51 % Tigrinya.[4]

95,6 % der Einwohner Tigrays sind äthiopisch-orthodoxe Christen, 4 % sind Muslime. 19,5 % leben in Städten.[3]

2005 besuchten 50,6 % der Kinder in Tigray (48,6 % der Jungen, 52,7 % der Mädchen) eine Primarschule, was über dem landesweiten Durchschnitt liegt. 18,6 % (19,6 % Jungen, 17,6 % Mädchen) besuchen eine Schule auf Sekundarstufe.[5]

Politik[Bearbeiten]

Seit die aus Tigray stammende Rebellenbewegung Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) 1991 die marxistische Derg-Militärregierung stürzte, ist die politische Bedeutung der Region deutlich gewachsen, während früher traditionell die Amharen eine dominierende Rolle eingenommen hatten. Die von der TPLF geführte Parteienkoalition EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker) regiert seither das Land. Der seit 1991 amtierende Premierminister Äthiopiens, Meles Zenawi, sein Außenminister Seyoum Mesfin und viele wichtige Personen in der heutigen Regierung stammen aus Tigray.

Das Yirga-Dreieck ist ein umstrittenes Grenzgebiet zwischen Tigray und dem nördlich angrenzenden Eritrea. Seit 2004 betreibt das UNHCR in Shimelba ein Lager für Flüchtlinge aus Eritrea, hauptsächlich Tigrinya-Sprachige (die in Eritrea Tigrinya genannt werden) und Kunama[6].

Bei den Parlamentswahlen von 2005 gingen sämtliche 152 Sitze im regionalen Parlament von Tigray (Regional State Council) an die TPLF.[7] Arena-Tigray ist die wichtigste Oppositionspartei. Oppositionelle werfen der TPLF und der von ihr dominierten Verwaltung umfassende Kontrolle und Unterdrückung vor.[8]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte bis 1991 wird hauptsächlich im Artikel zur Provinz Tigray behandelt.

Zwei der wichtigsten historischen Städte Äthiopiens liegen in Tigray: Aksum, das für seine Stelen bekannt ist, war Hauptstadt des aksumitischen Reiches in der Spätantike; in Adwa besiegte die äthiopische Armee 1896 die Italiener und verhinderte damit die Kolonialisierung Äthiopiens. Des Weiteren findet sich hier das Kloster Debre Damo. Größte Stadt ist die Hauptstadt Mek'ele, eine weitere Stadt ist Adigrat.

Die Region Tigray in ihrer heutigen Form wurde nach der Machtübernahme der TPLF/EPRDF 1991 im Rahmen der neuen Verwaltungsgliederung Äthiopiens gebildet. Sie hieß zunächst Region 1. Der zur Afar-Tiefebene gehörende Ostteil der ehemaligen Provinz Tigray (der bereits 1987 als Teil der Autonomen Region Assab abgetrennt worden war[9]) wurde hierbei Teil der Afar-Region. Gegen Süden und Westen wurde die Region um die Tigrinya-sprachigen Gebiete Tsellemti und Wolqayt (Wolkait) erweitert, die die TPLF beanspruchte und die bislang zu den Provinzen Wollo und Begemder (Gondar) gehört hatten[2][10].

1998–2000 war Tigray vom Eritrea-Äthiopien-Krieg betroffen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Region Tigray, die traditionell neben Wollo zu den ärmeren Gebieten Äthiopiens gehörte,[11] erfährt seit der Machtübernahme der Volksbefreiungsfront von Tigray einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Wichtigster Erwerbszweig ist die Landwirtschaft, deren Hauptanbauprodukte Teff, Weizen und Hafer sind.[1] Weil die Region im Niederschlagsschatten des Hochlandes liegt, gehört sie zu den allgemein regenärmeren und stärker von Dürre bedrohten Gebieten Äthiopiens.[12]

Administrative Gliederung[Bearbeiten]

Tigray ist in die Zonen M'irabawi (West), Misraqawi (Ost), Mehakelegnaw (Zentral) und Debubawi (Süd) eingeteilt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Basisinformationen zur Region Tigray (englisch)
  2. a b Wolbert G.C. Smidt, in: Abdulkader Saleh, Nicole Hirt, Wolbert G.C. Smidt, Rainer Tetzlaff (Hrsg.): Friedensräume in Eritrea und Tigray unter Druck: Identitätskonstruktion, soziale Kohäsion und politische Stabilität, LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-1858-6 (S. 230)
  3. a b Zentrale Statistikagentur: Summary and Statistical Report of the 2007 Population and Housing Census Results (PDF; 4,7 MB), (S. 19, 86–88, 111)
  4. Zentrale Statistikagentur: 1994 Population and Housing Census of Ethiopia: Results for Tigray Region, Vol. 1 (PDF; 87,4 MB), 1995 (S. 79, 91)
  5. Zentrale Statistikagentur: Ethiopia Demographic and Health Survey, 2005, S. 20
  6. International Rescue Committee: Young Refugees Use Their Talents and Energy to Help Others, 22. Januar 2007. Abgerufen am 3. April 2010.
  7. African Elections Database: Ergebnisse der Wahlen in Tigray, abgerufen am 15. Juni 2010
  8. Human Rights Watch: „One Hundred Ways of Putting Pressure“, 24. März 2010
  9. Gebru Tareke: Ethiopia: Power and Protest. Peasant Revolts in the Twentieth Century, Red Sea Press 1996, ISBN 978-1-56902-019-7, S. 90f.
  10. zu den Gebietsansprüchen der TPLF vgl. Alex de Waal, Africa Watch: Evil Days. 30 Years of War and Famine in Ethiopia, 1991 (S. v, 33)
  11. Tareke 1996 (S. 215)
  12. de Waal 1991 (S. 30, 57)