Gesellschaft für bedrohte Völker
| Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) |
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|---|---|
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| Zweck: | Menschenrechtsorganisation |
| Vorsitz: | Tilman Zülch (Generalsekretär) |
| Gründungsdatum: | 1970 |
| Sitz: | Göttingen |
| Website: | http://www.gfbv.de/ |
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine international tätige nichtstaatliche Organisation (NGO), die sich für Menschenrechte weltweit einsetzt insbesondere für die Rechte von religiösen, sprachlichen und ethnischen Minderheiten. Der Verein wendet sich gegen jeden Versuch, ein Volk, eine ethnische oder religiöse Gemeinschaft oder Minderheit, ihre Sicherheit, ihr Leben, ihr Recht auf Eigentum und Entwicklung, Religion sowie ihre sprachliche und kulturelle Identität zu zerstören. Die GfbV tritt für die Menschenrechte ein, indem sie Völkern, ethnischen und religiösen Gemeinschaften und Minderheiten, die in dieser Art – insbesondere von Genozid, Ethnozid und Vertreibung – bedroht sind, durch Beschaffung und Verbreitung zuverlässiger Informationen, durch Lobbyarbeit, politische Kampagnen, konfliktpräventive Initiativen sowie durch den Einsatz für Flüchtlinge bedrohter Völker hilft.
Die ursprünglich rein deutsche Organisation ist mit unabhängigen Sektionen in Österreich, der Schweiz, Südtirol/Italien, Bosnien-Herzegowina, sowie im Irak vertreten und hat einen Repräsentanten in London und in Luxemburg. Sie alle sind in der GfbV International mit Sitz in Berlin zusammengeschlossen.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte[Bearbeiten]
Die GfbV ging 1970 aus der Hamburger „Aktion Biafra-Hilfe“ hervor, die im Juni 1968 während des Biafra-Krieges von Tilman Zülch und Klaus Guerke gegründet wurde, um die Weltöffentlichkeit auf die Geschehnisse in Biafra aufmerksam zu machen und dem dortigen Völkermord Einhalt zu gebieten. In dieser Initiative wirkten unter anderem der spätere französische Außenminister Bernard Kouchner sowie der spätere Menschenrechtsbeauftragte des Europarates Thomas Hammarberg mit. 1978 wurde die GfbV-Zentrale von Hamburg nach Göttingen verlegt. Bis heute ist Zülch Präsident der GfbV International und Generalsekretär der GfbV Deutschland.
Seit 1993 hat die GfbV Beraterstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen. Die GfbV ist gleichzeitig Mitgliedsorganisation des Komitees für eine demokratische UNO. Seit Januar 2005 hat sie mitwirkenden Status beim Europarat.
Zu den prominenten Unterstützern der GfbV, die teilweise auch ihrem Beirat angehörten, zählten der Philosoph Ernst Bloch, der Zukunftsforscher Robert Jungk, der Theologe Helmut Gollwitzer, der Schriftsteller Günter Grass, die Schriftstellerin Luise Rinser, der Schriftsteller Carl Amery sowie der Menschenrechtler Rupert Neudeck, der Philosoph Ernst Tugendhat und der Politiker Freimut Duve.
Auch der Jurist und Journalist Claus Peter Volkmann alias Peter Grubbe gehörte dem Beirat der GfbV an, bis dessen NS-Vergangenheit publik wurde.[1]
Seit 2012 ermittelt die Göttinger Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung von Geld gegen Tilman Zülch,[2] den Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker. Dem Beschuldigten werde vorgeworfen, dass er sich zu Lasten des Vereinsvermögen um etwa 70 000 Euro pro Jahr bereichert habe, teilte Staatsanwalt Frank-Michael Laue mit. Zudem soll Tillman Zülch vereinseigenes Geld anderen Personen gegeben und damit den Verein geschädigt haben.[3] Die Organisation selbst wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass alle Kontobewegungen ständig von zwei unabhängigen Wirtschaftsprüfern kontrolliert würden, auch das Finanzamt habe keinerlei Beanstandungen gehabt.[4]
Die GfbV-Mitgliederversammlung entzog November 2011 den ehemaligen Vorstandsmitgliedern, die die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Gang gebracht hatten, ihre Mitgliedschaft[5]. Das Gericht in Göttingen erkannte die Rechtmäßigkeit der GfbV-Mitgliederversammlung zuerst nicht an, aber das Oberlandesgericht Braunschweig bestätigte später die Rechtmäßigkeit. Der 2011 neugewählte Vorstand wies in der GfbV-Mitgliederversammlung November 2012 die Vorwürfe gegen Zülch zurück.
Zwei Kassenprüfer der GfbV erklärten während der GfbV-Mitgliederversammlung die Vorwürfe gegen Tilman Zülch für unberechtigt. Einer der beiden Kassenprüfer welcher bestätigte das die Vorwürfe gegen Tilman Zülch unberechtigt seien war vor 12 Jahren der Geschäftsführer[6] der GfbV als eine Millionen DM verschwanden, und die GfbV vor dem Bankrott stand[7]
Die GfbV-Mitgliederversammlung schlossen zwei der ehemaligen Vorstandsmitglieder aus dem Verein aus [8] , und zog die Anzeige und Klage des vorherigen Vorstandes wegen Veruntreuung von Spendengeldern zurück[9]. Trotzdem läuft gegen die GfbV noch ein von drei Anwälten und ehemaligen Vorstandsmitgliedern angestrengtes Verfahren wegen Veruntreuung von Spendengeldern[10]. Die ehemaligen Vorstandsmitglieder wiesen immer wieder darauf hin, das rechtlichen Schritte gegen Zülch notwendig gewesen seien, da „das Wohl und die Zukunftsfähigkeit der GfbV das höchste Ziel waren“[11].
Februar 2013 wurde ein weiteres Strafverfahren durch eine Anzeige wegen Veruntreuung von Spendengeldern gegen die Gesellschaft für bedrohte Völker eröffnet, dieses Mal in der Schweiz[12]. Im Gegensatz zu der GfbV-Deutschland welche auch weiterhin das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen erteilte Spendensiegel benutzt[13]. verzichtet die GfbV-Schweiz freiwillig bis auf weiteres auf das Zewo-Gütesiegel. [14]
Organisation und Arbeitsgebiete[Bearbeiten]
Die GfbV ist eine der größten Minderheitenrechteorganisationen Europas. In Deutschland, wo die GfbV mit Abstand am meisten Mitglieder hat, verfügte sie im Januar 2013 über mehr als 2.000 Mitglieder und mehr als 700 Förderer. Die Aktivitäten der deutschen Organisation werden im Wesentlichen vom Bundesbüro in Göttingen aus koordiniert. Regionalgruppen in einigen deutschen Städten, darunter Berlin, Hamburg, München, Münster und Nürnberg, unterstützen die Arbeit. Die GfbV veröffentlicht Presseerklärungen, organisiert Demonstrationen und Kundgebungen, führt u. a. Spendenaufrufe ducrh Postkarten-Kampagnen durch.
Ein Schwerpunkt der Menschenrechtsarbeit liegt seit der Gründung der Menschenrechtsorganisation auf dem afrikanischen KontinentVorlage:Citation needed, auf dem die GfbV allerdings durch keine Sektion vertreten ist. Seit den Jugoslawien-Kriegen ist die GfbV in Bosnien-Herzegowina sowie im Kosovo überproportional aktiv. Im Kosovo bezahlt sie ein Team, das sich dort unter der Leitung des Menschenrechtlers Paul PolanskyVorlage:Citation needed für die Belange der Minderheit der Roma einsetztVorlage:Citation needed. In Bosnien und Herzegowina werden insbesondere die Überlebenden des Massakers von Srebrenica unterstütztVorlage:Citation needed. Einen weiteren Schwerpunkt bilden indigene Völker. So organisierte GfbV ehrenamtliche Menschenrechtlerin Renate Domnick 1977/78 die erste große Europarundreise indianischer Delegierter aus 16 amerikanischen Staaten. Im nahen Osten spielen für die GfbV insbesondere die Kurden eine wichtige Rolle; diese drückt sich in der 2010Vorlage:Citation needed gegründeten GfbV-Sektion im kurdischen nördlichen Teil des Irak ausVorlage:Citation needed. Israel und der Konflikt mit den Palästinensern erscheinen in den Aktivitäten der GfbV – gemessen an dem in der deutschen Öffentlichkeit üblichen – unterrepräsentiert.
Politische Ziele und Strategien[Bearbeiten]
Die GfbV stellt den Kampf gegen Völkermord,[15] Vertreibung,[16] Rassismus und alle Arten der Unterdrückung von Minderheiten wie auch die Abschiebung von Flüchtlingen in ihre Herkunftsländer[17] in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Ihr Thema sind neben kulturellen und religiösen Gruppierungen wie z. B. Falun Gong in China oder christliche Minoritäten im Iran im engeren Sinne Völker wie das der Roma oder das der Tschetschenen.
Die GfbV ist immer wieder dafür eingetreten, dass die Vertreibung von Menschen auch dann als Unrecht verurteilt wird, wenn die Opfer dem Volk angehören, von dem ein Krieg oder ein anderer schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht ausgegangen ist. In diesem Zusammenhang propagiert die GfbV ein „Recht auf Heimat“ und forderte im Jahre 2000 dessen Aufnahme in die Charta der Grundrechte der Europäischen Union.[18] Ebenso ist die GfbV für ein Zentrum gegen Vertreibungen eingetreten.[19][20] Deswegen wird sie von Teilen der politischen Linken scharf kritisiert.[21]
Im Unterschied zu anderen Menschenrechtsorganisationen hat die GfbV in besonderen Situationen militärische Interventionen und Eingriffe unterstützt. Viel Kritik hat ihr etwa das Eintreten für das Eingreifen der NATO im Kosovo-Krieg 1999 eingebracht. 2006 hat sie den Schutz der Wahlen im Kongo durch die deutsche Bundeswehr gefordert.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- 40 Jahre Gesellschaft für bedrohte Völker. Sonderheft der Zeitschrift „bedrohte Völker (ehemals pogrom)“, Nr. 251, 6/2008, ISSN 0720-5058 (Selbstdarstellung der GfbV)
- Tilman Zülch: „Wir wollen keine ideologischen Scheuklappen“ Die Gesellschaft für bedrohte Völker – durch den Geist der Jugendbewegung geprägt. in: Der Ring wird geschlossen der Abendwind weht. vvb, Berlin 2010, ISBN 978-3-942476-07-2
Weblinks[Bearbeiten]
- Website der GfbV Deutschland und International – Sektionen Österreich, Schweiz und Italien/Südtirol
- Matthias Brunner: Einmischung für Minderheiten in der ganzen Welt, Lausitzer Rundschau 6. Dezember 2008
- Rabea Willers: Die Mahnende. Artikel über die GfbV in der taz vom 2. September 2009
- Interview mit Tilman Zülch im Spiegel vom 1. Januar 1999
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ vergleiche die tageszeitung vom 29. September 1995, abgedruckt bei Matthias Weiß: Journalisten – Worte als Taten. In: Norbert Frei: Karrieren im Zwielicht. Frankfurt/M. 2001, S. 299.
- ↑ Ermittlungen und ein Gerichtsverfahren erschüttern die Gesellschaft für bedrohte Völker Artikel über Tilman Zülch in der TAZ vom 1. März 2012
- ↑ Ermittlung gegen GfbV-Vereinsgründer Tilman Zülch wegen Untreue. Artikel über Tilman Zülch in der hna vom 29. Februar 2012
- ↑ Matthias Heinzel: Ermittlungen gegen Zülch, Göttinger Tageblatt, 27. Februar 2012, überprüft am 15. März 2012
- ↑ Zülch-Sieg im Machtkampf. In: Göttinger Tageblatt, 2. November 2012, S. 7
- ↑ Einmal mehr gibt der Mitbegründer und Grand Old Man der Gesellschaft für bedrohe Völker Deutschland, Tilman Zülch, Anlass zu Hader und Zwist in der angesehenen Menschenrechts-Organisation. Zwei kritische Weggefährten wurden jetzt ausgeschlossen: onlinereports, 26. November 2012, überprüft am 2. April 2013.
- ↑ NEWS SUMMARY GfbV. In: STPIwatch, 26. Februar 2013, S. 1
- ↑ GfbV-Mitglieder schließen Zülch-Gegner aus. In: Hannoversche Allgemeine, 6. November 2012, S. 8
- ↑ Erneute Strafverfahren Anzeige wegen Veruntreuung bei der Gesellschaft für bedrohte Völker In: GfbV Watch, 24. Februarr 2012, S.2
- ↑ GfbV: Veruntreuung von Spendengeldern. In: Earth People, 25. Februar 2013, S. 1
- ↑ Vorwürfe und Gegenvorwürfe. In: onlinereports, 26. November 2012, S. 1
- ↑ branches of human rights NGO Society for Threatened Peoples International (STPI) charged with embezzling donations, in Germany and Switzerland Artikel über zwei Strafverfahren wegen Veruntreuung bei der Gesellschaft für bedrohte Völker in der Schweiz und in Deutschland auf der STPIwatch homepage vom 26. Februar 2013
- ↑ http://www.dzi.de/spenderberatung/datenbanksuchmaske/suchergebnisse/?7486
- ↑ Artikel über Strafverfahren Anzeige wegen Veruntreuung bei der Gesellschaft für bedrohte Völker in der Blick.ch vom 11. Februar 2013
- ↑ Matthias Brunner, Einmischung für Minderheiten in der ganzen Welt, Lausitzer Rundschau 6. Dezember 2008
- ↑ Beispiele: Die wirklich Vergessenen, DIE ZEIT, 18/1995 (Nuba in Nordsudan), Magazin für Kirche und Kultur, 28. November 2008 (christliche Assyrer in Syrien und Jordanien)
- ↑ Beispiel: Göttinger Tageblatt 1. Juli 2009. Göttingen: Familie mit vier Kindern soll nach 17 Jahren in den Kosovo abgeschoben werden
- ↑ Gesellschaft für bedrohte Völker: Für Minderheitenschutz in der EU-Grundrechtecharta. Bozen, 21. April 2000.
- ↑ Von Eck: Steinbach: Zentrum gegen Vertreibungen bis 2007. Die Welt, 6. August 2002.
- ↑ www.z-g-v.de: Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützt Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin (mit Presseerklärung der GfbV)
- ↑ Beispiel: Ralf Fischer: Deutsche Opfer – Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt auf völkische Ideologie. Informationszentrum 3. welt – iz3w, Nr. 274
