Giorgio Pasquali (Altphilologe)

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Giorgio Pasquali (* 29. April 1885 in Rom; † 9. Juli 1952 in Belluno) war ein italienischer Altphilologe.

Giorgio Pasquali

Nach einem Studium der Klassischen Philologie und seiner Promotion, die er 1907 mit einer Dissertation über Die mythologische Komödie und ihre Vorgänger in der griechischen Literatur erreichte, setzte er sein Studium 1908–09 in Göttingen fort. 1910 wurde er Privatdozent in Rom, 1911 außerordentlicher Professor für griechische und lateinische Literatur in Messina. Von 1912 bis 1915 lehrte er in derselben Funktion in Göttingen, von 1915 bis 1920 war er außerordentlicher Professor für griechische Literatur in Florenz.

1924 wurde er in Florenz zum ordentlichen Professor für griechische Literatur befördert und erhielt dort den Lehrstuhl für griechische und lateinische Literatur. 1925 war er unter den Unterzeichnern des Manifests der antifaschistischen Intellektuellen, das Benedetto Croce verfasst hatte. 1928 wurde er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Ab 1936 gehörte er der Accademia della Crusca an, von 1949 bis zu seinem Tod leitete er deren Centro di studi di filologia italiana.[1] Der Accademia dei Lincei gehörte er seit Juli 1927 als korrespondierendes Mitglied an, wurde aber im Januar 1946 ausgeschlossen.[2]

In den 1930er Jahren wurde er außerordentlicher Professor der klassischen Philologie an der Scuola Normale Superiore in Pisa. Die Abteilung der Altertumswissenschaften an der Universität Florenz wurde nach Pasquali benannt. Er starb am 9. Juli 1952 an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Das Werk Pasqualis ist von erheblicher Bedeutung für die Neudefinition des Bereichs und der Arbeitsmittel der Philologie: Mit dem grundlegenden Werk Storia della tradizione e critica del testo (1934) theoretisierte er eine neue Form der Textkritik, die die mechanischen Kriterien der textkritischen Methode Karl Lachmanns aufnahm, gleichzeitig aber Elemente aus den Betrachtungen Joseph Bédiers miteinbezog, die auf ein stärkeres Gewicht der Geschichte der handschriftlichen Tradition und auf Quellen als individuelle, historisch definierte Objekte zielte.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Procli Diadochi in Platonis Cratylum commentaria. Leipzig 1908
  • Lingua nuova e antica („Neue und antike Sprache“), Florenz, Le Monnier, 1985
  • Scritti filologici: letteratura greca, letteratura latina, cultura contemporanea, recensioni („Philologische Schriften: Griechische Literatur, Lateinische Literatur, Zeitgenössische Kultur, Rezensionen“) , Florenz, Olschki, 1986
  • Storia della tradizione e critica del testo („Überlieferungsgeschichte und Textkritik“), Firenze, Le Lettere, 1988 (erste Auflage 1934)
  • Pagine stravaganti di un filologo („Verschrobene [Buch-]Seiten eines Philologen“), Florenz, Le Lettere, 1994 (erste Auflage 1935)
  • Filologia e storia („Philologie und Geschichte“), Florenz, Le Monnier, 1998

Literatur[Bearbeiten]

  • Giorgio Pasquali e la filologia classica del Novecento. Bericht über das Symposium (Florenz-Pisa, 2. bis 3. Dezember 1985). Olschki, Florenz 1988 („Giorgio Pasquali und die Klassische Philologie des Zwanzigsten Jahrhunderts“).
  • Viktor Pöschl: Giorgio Pasquali (1885–1952). In: Eikasmós 4, 1993, S. 287–288.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in der Mitgliederliste der Crusca
  2. Annuario 2011, S. 487