Gleismesswagen

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Moderner Gleismesszug RAILab
Gleismesswagen EM 100 von Plasser & Theurer, eingesetzt in Ungarn

Gleismesswagen (oder Gleismesstriebwagen, kurz GMT) sind Bahndienstfahrzeuge. Sie dienen zur Erfassung des Gleises mit seiner Geometrie, wozu Spurweite, Überhöhung, Verwindung zählen, die Lage der beiden Schienen zueinander und dem Verschleiß der Schienenprofile. Vielfach sind die Gleismesswagen selbstfahrend oder werden durch Triebfahrzeuge bewegt. Mit dem zunehmend sensibleren Abweichungsspielraum durch Schnellfahrten wird dem genauen Ausmessen hohe Wichtigkeit zugesprochen, um die Sicherheit im Bahnbetrieb zu gewährleisten. Daher ist von der früher gegebenen Praxis des Umbaus vorhandener Fahrzeuge abgerückt worden zugunsten von spezialisierten, neu gebauten Messwagen.

Deutschland[Bearbeiten]

Bei der DB Netz werden verschiedene Gleismessfahrzeuge eingesetzt. Ursprünglich erfolgte die Kontrolle der Gleise hauptsächlich mit umgerüsteten Schienenbussen wie den Fahrzeugen der Baureihen 725 und 726. Mit fortschreitender Zeit und höheren zulässigen Geschwindigkeiten wurden jedoch auch modernere und präzisere Gleismesswagen benötigt. 1975 orderte die Deutsche Bundesbahn bei MBB einen als Baureihe 719 eingeordneten, zeitweise als Schienenprüf-Express bezeichneten Gleismesszug, auf den 1996 ein weiteres, bei Plasser & Theurer bestelltes Exemplar folgte, der eine Prüfgeschwindigkeit von 70 km/h erlaubt[1]. Die beiden letztgenannten Züge untersuchen die Schienen per Ultraschall und Wirbelstrom auf Materialfehler bzw Schäden durch Verschleiß und Materialermüdung.

Regelmäßige Fahrten zur Prüfung der Gleisgeometrie werden heute auch von zwei RAILab-Garnituren durchgeführt. Dabei handelt es sich um zwei umgebaute Interregio-Wagen, die mit moderner Lasertechnik ausgestattet sind und unter Zuhilfenahme eines Inertialsystems millimetergenaue Positionsbestimmungen durchführen können. Auch private Anbieter verfügen über Messfahrzeuge, ein Beispiel ist hier Eurailscout.

Schweiz[Bearbeiten]

Die Schweizerischen Bundesbahnen setzten landesweit einen von der Schweizer Firma MATISA hergestellten Gleismesswagen für die jährliche Überprüfung des Schienennetzes ein. Der Gleismesswagen hat die Immatrikulationsnummer X 60 85 99-73 105-6, ist 45 Tonnen schwer und hat einen Drehgestellabstand von 15.000 mm, seine Länge über Puffer beträgt 19.900 mm. Für die Messungen ist ein zweiachsiges Messfahrgestell in der Mitte des Wagens angebracht.

Österreich[Bearbeiten]

Auch die ÖBB setzen Gleismesswagen ein. Während nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch der frühere Salonwagen von Adolf Hitler umgebaut und als Gleismesswagen eingesetzt wurde, so sind heute meist umgebaute UIC-Wagen im Einsatz.

Bei den Wiener Linien sind seit 2003 zwei Messwagen im Betrieb. Ein System ist konventionell aufgebaut (Fa. Imagemap) und wird im Bereich der U-Bahn eingesetzt. Ein weiteres System wurde auf Basis eines vormaligen Regelfahrzeugs (System DUEWAG) für die Rillenschienengleise der Straßenbahn entwickelt.

Die Messungen basieren bei den Fahrzeugen der Wiener Linien auf den sogenannten Fußpunkt- und Lichtschnittverfahren. Bei Ersterem wird der unverschlissene Fuß der Vignolschiene als Basis der Messungen herangezogen. Der Ausrundungsradius vom Übergang des Fußes zum Steg dient dabei als Basis der Messungen; der errechnete Mittelpunkt als Referenzpunkt für die Überlagerung des unverschlissenen Profils. Bei der Lichtschnittmethode wird die Schiene von je 2 (Rillenschiene je 3) Lasern angestrahlt und so ein Umrissbild erzeugt. Dieses wird anschließend von hochempfindlichen Zeilenkameras abgefilmt und in einer Geometrieeinheit des Bordrechners in zweidimensionale Bilder umgewandelt. Auf Basis dieser Bilder werden die Geometrie- und Verschleißwerte des Gleises bzw. der Schiene ermittelt. Alle 25 cm kann die Geometrie gemessen werden, alle 50 cm je ein Schienenprofil. Die Messgeschwindigkeit ist prinzipiell nicht begrenzt und liegt unter Tage bei ungefähr 15 km/h.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Dostal: DB-Fahrzeuge: Lokomotiven und Triebwagen der DB AG. GeraMond-Verlag, München 2002, ISBN 3-7654-7175-5, S. 188