Glen Coe

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Dieser Artikel behandelt das schottische Tal Glen Coe. Für die darin gelegene Ortschaft siehe Glencoe (Schottland).
Glen Coe
Berge am Taleingang

Berge am Taleingang

Lage Argyll, Schottland
Gebirge Glen Coe Mountains
Geographische Lage 56° 40′ 8,4″ N, 5° 1′ 33,6″ W56.669-5.02687Koordinaten: 56° 40′ 8,4″ N, 5° 1′ 33,6″ W
Glen Coe (Schottland)
Glen Coe
Typ Kerbtal
Gestein Vulkangestein
Höhe 87 m ASL
Länge etwa 16 km
Gewässer River Coe, Loch Achtriochtan
Besonderheiten Massaker von Glen Coe

Glen Coe (gälisch Gleann Comhann) ist ein Tal (glen) in den schottischen Highlands. Es liegt in den Unitary Authorities Highland und Argyll and Bute. Einziges Dorf am Talausgang ist Glencoe, das nächstgelegene Unterzentrum ist Ballachulish. Der Fluss Coe mündet hier in die Meeresbucht Loch Leven – ein Seitenarm des Loch Linnhe. Der Glen Coe ist ein beliebtes Wander- und Skigebiet für Touristen. Ausgangspunkt für Besuche ist oft das nahegelegene Fort William, verbunden durch die A 82.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Glen Coe entstand, wie der größte Teil der schottischen Berge durch vulkanische Aktivitäten. Die Vulkankegel wurden während mehrerer Eiszeiten durch Gletscher geschliffen und sind durch Witterungseinflüsse weiter erodiert. Das Tal liegt so zwischen hohen Bergrücken und wird vom River Coe durchflossen, in den viele kleine Bäche münden, die in Wasserfällen von den Bergen herabkommen. Der Talabschluss gegen Rannoch Moor wird von der Bergpyramide des Buachaille Etive Mòr beherrscht.

Geschichte[Bearbeiten]

Der schottische Schriftsteller James Macpherson schrieb in seiner angeblich von ihm entdeckten, in Wirklichkeit jedoch gefälschten Erzählung Ossian über die erfundene Figur Fingal, den er mit dem irischen Sagenhelden und Fianna-Anführer Fionn mac Cumhaill gleichsetzte. Der Schriftsteller nennt das Tal Glen Coe Fingals Heimat und dies ist in einer Reihe von Ortsnamen erhalten geblieben, so zum Beispiel „Sgor nam Fiannaidh“ (Fels der Fianna). An den Dichter Ossian, in der irischen Mythologie Oisín, bei Macpherson Fingals Sohn, nach dem der gefälschte Roman benannt ist, erinnert der Name der Höhle über dem Loch Achtriochtan. Fingal wird in Macphersons Fiktion der Sieg über die Wikinger unter König Erragon von Sora zugeschrieben. Der Einfluss der Wikinger nahm im elften Jahrhundert wieder zu, als Glen Coe in den Besitz des mächtigen Clan MacDougall überging. Dieser Clan beanspruchte das Tal bis 1308, als er vom späteren schottischen König Robert the Bruce geschlagen wurde.

Danach ging es inklusive der umliegenden Berge an Angus Og den Anführer des Clan MacDonald, welcher an der Seite von Robert gekämpft hatte. Angus überließ es anschließend seinem unehelichen Sohn Iain Fraoch, der den glücklosen Clan MacIain Abrach von Glencoe gegründet.[1]

Um 1500 begannen die ärmeren Highland-Clans wie die MacDonalds, sich als Viehdiebe gegen die reicheren Lowland-Clans zu verdingen. Dabei entstand auch eine Rivalität zwischen den MacDonalds und den Campbells, die ebenfalls unter Robert the Bruce gekämpft hatten, jedoch den Glen Lyon bei Perth in den Lowlands erhalten hatten. Durch ihre über Jahrzehnte durchgeführten Raubüberfälle wurde der Glen Coe-Clan schließlich bei seinen Nachbarn sehr unbeliebt.

Am 27. August 1691 begannen weitreichende Ereignisse, als König Wilhelm III in London eine Begnadigung für alle Highland-Clans anbot, die gegen ihn gekämpft oder ihre Nachbarn drangsaliert hatten. Bedingung war allerdings, dass sie bis zum 1. Januar 1692 ihm gegenüber den Treueeid vor einem Richter ablegen mussten. Wer sich weigerte, dem drohte die Todesstrafe. Der Clan MacDonald, hier vertreten durch den Chief aus dem Clan MacIain von Glencoe, stimmte nur widerwillig zu diesen Eid abzulegen. Er begab sich aber irrtümlich nach Inverlochy bei Fort William anstatt nach Inveraray am Loch Fyne. Daher erreichte er Inveraray erst am 6. Januar nach Ablauf der Frist. Somit war ihnen keine Begnadigung gewährt worden und 1692 richteten königliche Soldaten, unterstützt durch den Clan Campbell, das Massaker von Glencoe an, bei dem mindestens 38 Talbewohner ums Leben kamen.

Nach diesem Ereignis, das für viele Schotten den Tiefpunkt der Geschichte des Clans MacDonald darstellt, normalisierte sich das Verhältnis der überlebenden MacIans zu den anderen Clans wieder.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Mehrere bekannte Filme wurden im Glen Coe oder in der Nähe gedreht, unter anderem Highlander – Es kann nur einen geben[2], Braveheart, Rob Roy, James Bond 007: Skyfall und Harry Potter und der Gefangene von Askaban.[3]

Der überwiegende Teil von Glen Coe befindet sich nun im Besitz des National Trust for Scotland. Das Land wurde vom Bergsteiger und Philanthropen Percy Unna aufgekauft, der es dem Trust mit der Bedingung anvertraute, dass die wilde Natur des Landes geschützt und erhalten wird. Der Bau eines Besucherzentrums verursachte einige Kontroversen, weil manch einer darin einen Verstoß gegen diese Auflage sah. Das ursprüngliche Zentrum wurde daher später wieder geschlossen, und ein neues am Eingang des Tales errichtet. In diesem Besucherzentrum erhält man Auskünfte über die natürlichen Gegebenheiten, Wandermöglichkeiten und die historische Bedeutung der Schlucht.

Der letzte Bereich des Glen Coe, der sich im Besitz der MacDonalds befand, war die Gegend um Invercoe. Im Jahre 1894 kaufte Donald Alexander Smith, 1. Baron von Strathcona und Mount Royal dieses Gebiet und baute die stattliche Villa, Mount Royal. Im Jahr 2002 erwarb Alistair MacDonald von Glencoe bei einer Veräußerung in letzter Minute die restlichen Ländereien von den Nachfahren von Lord Strathcona. Alistair richtete daraufhin mit Geldern von sechs Spendern den Glencoe Heritage Trust, eine gemeinnützige Stiftung, um das Erbe von Glen Coe zu erhalten.[4]

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]

 Commons: Glen Coe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b History of Glen Coe auf glencoescotland.com (englisch, im Webarchiv)
  2. Highlander (1986) auf scotlandthemovie.com
  3. Schottland in Filmen auf alba-schottland.de
  4. Fundraising and Support auf glencoe-heritage-trust.com