Gordevio

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Gordevio
Wappen von Gordevio
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Maggia
Gemeinde: Avegno-Gordevioi2
Postleitzahl: 6672
Koordinaten: 699903 / 11918046.216668.733334312Koordinaten: 46° 13′ 0″ N, 8° 44′ 0″ O; CH1903: 699903 / 119180
Höhe: 312 m ü. M.
Fläche: 19.25 km²
Einwohner: 832 (31. Dezember 2007)
Einwohnerdichte: 43 Einw. pro km²
Website: www.avegno.ch
Karte
Gordevio (Schweiz)
Gordevio
www
Gemeindestand vor der Fusion am 19. April 2008

Gordevio ist eine Fraktion der politische Gemeinde Avegno-Gordevio im Kreis Maggia, im Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin in der Schweiz.

Auf den 20. April 2008 fusionierten Gordevio und Avegno zur Gemeinde Avegno-Gordevio.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt im unteren Teil des Maggiatals am linken Ufer der Maggia, 10 km nordwestlich von Locarno. Er besteht aus den Ortsteilen Gordevio-Briee (312-343 m.ü.M.) nördlich und Gordevio-Villa (313-361  m.ü.M.) südlich des Baches Ri di Gei. Weiter gehören etliche Alpsiedlungen zur Gemeinde. Die bedeutendsten sind Malai (1141 m.ü.M.), Brunescio (1311 m.ü.M.) und Aiarlo di Dentro (1484 m.ü.M.). Der grösste Teil des Gemeindegebiets besteht aus Alpen, bewaldeten Hängen und Gebirgslandschaft. Die Nordgrenze von Gordevio führt in nordöstlicher Richtung von der Maggia über den Cima di Aiarlo (1904 m.ü.M.) und den Cros Pizzitt zum Cima di Nimi (2191 m.ü.M.). Im Osten grenzt die Gemeinde an den Distretto di Locarno (Bezirk Locarno). Der höchste Gipfel ist der Pizzo d'Orgnana (2219 m.ü.M.). Weitere Gipfel sind der Mött di Pegor (2169 m.ü.M.) und der Pizzo di Corbella (2066 m.ü.M.). Die Südgrenze führt von der Maggia in östlicher Richtung über den Pianosto (1338 m.ü.M.) zum Cima della Trosa (1869 m.ü.M.). Vom gesamten Gemeindeareal von 1925 ha sind nur 2,1 % Siedlungsfläche. Ganze 60,9 % des Gemeindegebiets sind von Wald und Gehölz bedeckt, weitere 21,0 % sind unproduktive Fläche. Bloss 15,9 % sind landwirtschaftliche Nutzfläche (einschliesslich der Alpen).

Gordevio grenzt im Südwesten, Westen und Norden an die Gemeinde Maggia, im Osten an Lavertezzo, Corippo und Mergoscia im Bezirk Locarno und im Süden an Avegno.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1591 1709 1765 1801 1850 1930 1950 1970 1990 2000 2004 2007
Einwohnerzahl 230 650 272 244 373 246 266 354 671 798 812 832

Die Einwohnerzahl wuchs im 17. Jahrhundert stark an (1591-1709: fast ein Verdreifachung). Danach konnte der knappe Boden die vielen Leute nicht mehr ernähren. Mehr als die Hälfte aller Bewohner verliessen den Ort und wanderte nach Norditalien, Rom und Palermo aus (1709-1801: - 62,5 %). Bis 1850 wuchs die Bevölkerung wieder an (1801-1850: + 52,9 %). Danach setzte bis 1930 eine Massenauswanderung Richtung Kalifornien ein. Viele Einwohner, die nicht nach Übersee wollten, wanderten in die Industriegebiete ab (vor allem nach Locarno). Ab 1950 setzte ein bis heute anhaltendes Bevölkerungswachstum ein. Gründe dafür sind die Motorisierung, die den Pendlerverkehr nach Locarno erleichterten, sowie das Bedürfnis vieler Locarneser Stadtbewohner, im Grünen zu wohnen (1950-2004: + 205,3 %).

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht eine lokale Variante des Italienischen. Trotz Zuwanderung aus dem deutschsprachigen Raum hat sich der Anteil der Italienischsprachigen von 1970 bis 2000 nur von 86,16 % auf 84,59 % verringert. Der Anteil der Deutschsprachigen sank trotz eines absoluten Wachstum von 45 auf 80 Personen im gleichen Zeitraum von 12,71 % auf 10,03 %. Dies ist ein für die Region Locarno/Valli untypischer Trend und hängt mit der starker Zuwanderung aus der Region zusammen. Im Jahr 2000 gaben ausserdem 3,63 % der Bewohner Französisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

In früheren Zeiten waren alle Bewohner Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sind 79,20 % römisch-katholische- und 6,52 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 10,03 % Konfessionslose. 3,76 % der Bevölkerung machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Ende 2004 waren von den 812 Bewohnern von Gordevio 732 (= 90,15 %) Schweizer Staatsangehörige und 80 Zugewanderte aus anderen Ländern. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 waren 93,23 % Schweizer Bürger, darunter 55 Doppelbürger. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Kroatien und Deutschland.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus fünf Personen. Dies sind:

  • Mario Laloli (Gemeindepräsident)
  • Luca Giovanettina (Vizepräsident)
  • Michele Donati
  • Pietro Zanoli
  • Stefano Zoppi

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft konnte stets nur eine geringe Zahl von Einwohnern ernähren. Deshalb spielte bis 1930 die Auswanderung (und die Überweisung von Geld der Ausgewanderten) eine wichtige Rolle. Heute sind bloss noch eine kleine Minderheit Bauern. In früheren Jahrzehnten spielten Industrie und Gewerbe eine bedeutende Rolle. Doch verdient ein Grossteil der Beschäftigten seinen Lebensunterhalt durch Arbeit in Dienstleistungsberufen. Während 1970 noch eine Mehrheit von 54,6 % der Erwerbstätigen in Gordevio selber arbeitete, sind heute über 71 % der Erwerbsbevölkerung Wegpendler (vor allem nach Locarno, Losone und Ascona). Dennoch sind von den 166 Personen, die im Dorf arbeiten, nur 92 Einheimische. 62 Zupendler aus der Region und zwölf aus Italien kommen hinzu. Der Tourismus spielt keine bedeutende Rolle.

Verkehr[Bearbeiten]

Von 1907 bis 1965 verkehrte die Maggiatalbahn. Seit ihrer Umstellung auf Busbetrieb wird Gordevio durch die Buslinie 10 der FART, Locarno-Bignasco-Cavergno erschlossen. Der Ort liegt an der Hauptstrasse von Locarno durchs Vallemaggia.

Geschichte[Bearbeiten]

Gordevio wird erstmals im Jahr 1200 unter dem Namen Gordauio erwähnt. Als die Walliser 1484 das Maggiatal erobern wollen, stellen die Bewohner von Gordevio 18 Mann des Verteidigungskontingents. Die Gemeinde gehört ab dem frühen 16. Jahrhundert bis 1798 zu den Ennetbirgischen Vogteien, danach bis 1803 zum Kanton Lugano. Seither bildet es als Teil des Bezirks Distretto di Vallemaggia einen Teil des Kantons Tessin. Der heutige Name Gordevio taucht erstmals in einem Dokument aus dem Jahr 1616 auf.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S.A., Bellinzona 1967, S. 366-367.
  • Guglielmo Buetti: Note Storiche Religiose delle Chiese e Parrocchie della Pieve di Locarno, (1902), e della Verzasca, Gambarogno, Valle Maggia e Ascona (1906). 2. Auflage, Pedrazzini Edizioni, Locarno 1969.
  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia, Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia, Tipografia Stazione SA, Locarno 1972.
  • Agostino Robertini et alii: Gordevio. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1978, S. 141-152.
  • Bernhard Anderes: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. Edizioni Trelingue, Porza-Lugano 1980, S. 173-175.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
  • Luciano Vaccaro, Giuseppe Chiesi, Fabrizio Panzera: Terre del Ticino. Diocesi di Lugano. Editrice La Scuola, Brescia 2003, S. 276.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gordevio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 240–241.
  2. Die Pfarrkirche Santi Giacomo und Filippo (Foto)
  3. Beinhaus mit Bogengang (Foto)
  4. Friedhofsäule (Foto)
  5. Betkapelle Immacolata (Foto)
  6. Oratorium Sant’Antonio Abate (Foto)
  7. Waschhaus im Ortsteil «Brié Sopra» (Foto)
  8. Kleine Waschanlage (Foto)
  9. Steinbrunnen (Foto)
  10. alte Mühle (Foto)