Universität Freiburg (Schweiz)

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Université de Fribourg
Universität Freiburg
Logo
Motto Wissenschaft und Weisheit
Gründung 1889
Trägerschaft staatlich
Ort Freiburg, Schweiz
Rektor Guido Vergauwen
Studenten etwa 10'000
Mitarbeiter etwa 1'100
Netzwerke BeNeFri
Website www.unifr.ch
Studenten an der Universität Freiburg[1]
Studienjahr Studenten
1990/1991 6'327
1995/1996 8'746
2000/2001 8'849
2005/2006 9'936
2006/2007 9'912
2007/2008 9'952
2009/2010 9'617
2010/2011 9'651

Die Universität Freiburg (französisch Université de Fribourg, lateinisch Universitas Friburgensis) in Freiburg im Üechtland (französisch Fribourg [fʀibuʀ]) ist die sechstgrösste und einzige zweisprachige Universität der Schweiz.[2]

Übersicht[Bearbeiten]

An der Universität sind mit Stand 2012 rund 2'500 Personen (davon 141 Ordinarien, 96 assoziierte Professoren und 571 Lehrbeauftragte) beschäftigt, rund 10'000 Studenten (5806 Frauen und 4110 Männer) sind eingeschrieben[3]. Die Zahl der Studierenden hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt, 2003/04 wurde erstmals die 10'000er-Marke überschritten. Gut die Hälfte der Studierenden ist deutscher, 29 Prozent französischer und 8 Prozent italienischer Muttersprache. Die Universität befindet sich im Grenzgebiet zwischen Deutsch- und Westschweiz. Die meisten Studiengänge werden auf Deutsch und Französisch angeboten, was Studierende aus der ganzen Schweiz und der Welt anzieht: Der Anteil Studierender aus anderen Kantonen ist im Vergleich zu anderen Schweizer Hochschulen überdurchschnittlich hoch und rund 20 Prozent der eingeschriebenen Studierenden stammen aus dem Ausland. Die Universität Freiburg ist zusammen mit der Universität in Cluj, der Universität Luxemburg sowie der Freien Universität Bozen eine der mehrsprachigen Universitäten Europas.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstanden ist die Universität 1889: Am 4. Oktober desselben Jahres gab der Grosse Rat (Parlament) des Kantons Freiburg grünes Licht für die Gründung der ersten Universität der katholischen Schweiz. Für diese Hochschule hatte vor allem der Staatsrat Georges Python[4] hartnäckig gekämpft; es gelang ihm, die notwendigen finanziellen Mittel zu beschaffen und die Politiker von der Notwendigkeit einer Universität zu überzeugen.

Das 1582 gegründete Kollegium Sankt Michael uns insbesondere deren theologische Fakultät wird als erste Keimzelle der Universität angesehen. Eine weitere Vorläuferin der Universität war eine Rechtsakademie ("Rechtsschule") in Freiburg im Jahre 1763, die sich im Albertinum befand und die sich 1889 der neu gegründeten Universität als Juristische Fakultät angliederte.[5] [6] [7]. Der Gründung einer Universität in einer relativ kleinen Stadt lag der Wunsch der schweizerischen Katholiken zu Grunde, dass auch in einem katholischen Kanton eine Universität existieren sollte. Trotzdem war die Universität offiziell nie eine «katholische Universität».

1941 konnte an der Avenue de l’Europe in Freiburg das heute denkmalgeschützte Hauptgebäude Miséricorde (Barmherzigkeit), das Le Corbusier-Schüler Denis Honegger entworfen hatte, eingeweiht werden. Zudem verfügt die Universität Freiburg seit Oktober 2005 auf dem Plateau de Pérolles über ein neues Gebäude für 2'200 Studierende der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, in direkter Nachbarschaft zu bestehenden Universitätsgebäuden und der Fachhochschule.

Universität Freiburg, Hauptgebäude Miséricorde
Der 2005 eröffnete Campus von Pérolles 2 (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)

Fakultäten[Bearbeiten]

Die Universität Freiburg besteht aus fünf Fakultäten und verfügt über ein breites Angebot an Studiengängen:

  • Die Philosophische Fakultät ist die grösste Fakultät mit rund 4'000 Studierenden. Diese besuchen Vorlesungen und Seminare in den Bereichen Philosophie, historische Wissenschaften, Sprachen, Literatur, Pädagogik, Psychologie oder Sozialwissenschaften. Leitbilder der Ausbildung sind die Mehrsprachigkeit (deutsch-französisch) und das Studium der Kontakte und Beziehungen zwischen den Kulturen von einst und jetzt.
  • An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät studieren rund 1'900 Personen. Der Studienplan beinhaltet nationales und internationales Recht; diese Bereiche können zweisprachig studiert werden. Als Besonderheit ermöglicht die Rechtswissenschaftliche Fakultät sprachbegabten Studierenden das Ausbildungsprogramm «bilingue plus», das profunde Kenntnisse der deutschen und französischen Sprache und Kultur vermittelt.
  • Die Theologische Fakultät ist die grösste und internationalste der Schweiz und neben Luzern die einzige katholisch-theologische Fakultät an einer staatlichen Universität der Schweiz.
  • An der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sind rund 1'900 Studierende [8] für einen der fünf Bachelor- oder Masterstudiengänge eingeschrieben. Die Fakultät besteht aus folgenden vier Departementen: Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Informatics und Medien- und Kommunikationswissenschaften. An die Fakultät sind des Weiteren das International Institute of Management in Technology (iimt) und das Verbandsmanagement Institut (VMI) angegliedert.
  • Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät wurde 1896 gegründet und umfasst sieben Departemente und 14 Studienfächer: Biochemie, Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Human- und Zahnmedizin, Mathematik, Neurowissenschaft, Pharmazie, Physik, Biomedizinische Wissenschaften, Umweltwissenschaften, Erdwissenschaften (Geologie), Sport. Forschung und praktische Anwendungen nehmen an dieser Fakultät eine zentrale Rolle ein, was den überdurchschnittlich hohen Anteil an Doktorierenden erklärt.

Weitere akademische Einrichtungen und interfakultäre Institute[Bearbeiten]

  • Departement für Informatik (gehört zu der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät und der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät)
  • Institut für Sport
  • Umweltwissenschaften[9]

Bekannte ehemalige Studierende und Dozierende der Universität Freiburg[Bearbeiten]

Forschende und Lehrende[Bearbeiten]

Studierende[Bearbeiten]

Studierendenzentrum Centre Fries
  • Max Aebischer (1914–2009), Schweizer Politiker (CVP), Nationalratspräsident (1968/1969)
  • Jean-Christophe Ammann (* 1939), ehemaliger Direktor der Kunstmuseen in Luzern, Basel und Frankfurt am Main
  • Joseph Bech (1887–1975), Regierungspräsident des Grossherzogtum Luxemburg
  • Jean Bourgknecht (1902–1964), Alt-Bundesrat, Studium der Rechtswissenschaften
  • John Wolf Brennan (* 1954), Jazzmusiker und Komponist, Studium der Germanistik, Musikwissenschaften und Film
  • Markus Büchel (* 1949), Bischof von St. Gallen, Theologiestudium in Freiburg
  • Corina Casanova (* 1956), Bundeskanzlerin der Schweiz
  • Enrico Celio (1889–1980), Alt-Bundesrat, Studium der Rechtswissenschaften
  • Flavio Cotti (* 1939), Alt-Bundesrat, Studium der Rechtswissenschaften
  • Georges Marie Martin Cottier (* 1922), Kardinal seit 2003
  • Mary Daly (1928–2010), US-Feministin und Theologin, studierte katholische Theologie
  • Pierre Délèze (* 1958), Leichtathlet
  • Andrzej Maria Deskur (1924–2011), Kardinal
  • Wilhelm Egger OFMCap (1940–2008), Bischof der Diözese Bozen-Brixen
  • Matthias Erzberger (1875–1921), Finanzminister des Deutschen Reichs
  • Reto Fetz (* 1942), Theologe und Philosoph
  • Gerhard Fittkau (1912–2004), Theologe
  • Christian Frei (* 1959), Dokumentarfilmregisseur
  • Aurelia Frick (* 1975), Politikerin und Regierungsrätin des Fürstentums Liechtenstein
  • Kurt Furgler (1924–2008), Alt-Bundesrat, Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg, Zürich und Genf
  • Clemens August Graf von Galen (1878–1946), deutscher Kardinal, studierte Philosophie, Geschichte und Literatur
  • Felix Gmür (* 1966), schweizerischer Theologe und Bischof von Basel
  • Agnes Gutter (1917–1982), Märchen-, Kinder- und Jugendliteraturforscherin
  • Paul Hinder (* 1942), Apostolischer Vikar des Apostolischen Vikariats Arabien
  • Basil Kardinal Hume (1923–1999), Vorsitzender der Bischofskonferenz von England und Wales
  • Brigitte Hürlimann (* 1963), Journalistin und Schriftstellerin
  • Hans Hürlimann (1918–1994), Alt-Bundesrat
  • Andrea Jansen (* 1980), Moderatorin im Schweizer Fernsehen
  • Arnold Koller (* 1933), Alt-Bundesrat, studierte Rechtswissenschaften in Freiburg
  • Andreas Laun (* 1942), Weihbischof in Salzburg, studierte Theologie und Französisch
  • Elmar Ledergerber (* 1944), Präsident der Stadt Zürich (2002–2009), Lizenziat in Geschichte an der Universität Freiburg
  • Giuseppe Lepori (1902–1968), Alt-Bundesrat
  • Nikolaus Lobkowicz (* 1931), Philosoph
  • Pierre Maudet (* 1978), Politiker und Präsident der Stadt Genf (2011–2012)
  • Niklaus Meienberg (1940–1993), Schriftsteller und Journalist
  • Herbert Meier (* 1928), freier Schriftsteller, studierte Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte in Basel, Wien, Paris und Freiburg
  • Ruth Metzler-Arnold (* 1964), Alt-Bundesrätin, Studium der Rechtswissenschaften
  • Giuseppe Motta (1871–1940), Alt-Bundesrat
  • Aloysius Muench (1889–1962), Kardinal
  • Jean-Marie Musy (1876–1952), Alt-Bundesrat
  • Giusep Nay (* 1942), Alt-Bundesrichter, Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg und Zürich
  • Henri Rieben (1921–2006), Ökonom und Europaforscher, gilt als Schweizer Europapionier
  • Christa Rigozzi (* 1983), Miss Schweiz 2006, Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften (unterbrochen)
  • Martin Rosenberg (1908–1976), Journalist und CVP-Politstratege, gilt als Erfinder der so genannten Zauberformel
  • Léon Savary (1895–1968), Journalist und Schriftsteller
  • Antonin Scalia (* 1936), Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten
  • Klaus Schwab (* 1938), Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos
  • W. G. Sebald (1944–2001), Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
  • Bernhard Servatius (* 1932), Jurist
  • Raphael Urweider (* 1974), Schriftsteller und Musiker
  • Ludwig von Moos (1910–1990), Alt-Bundesrat, studierte Rechtswissenschaften
  • Hans Wehrmann (* 1964), Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer
  • Chaim Weizmann (1874–1952), Chemiker, erster israelischer Staatspräsident, schloss 1899 summa cum laude in Chemie ab
  • Susanne Wille (* 1974), Journalistin des Schweizer Fernsehens
  • Uwe Wolff (* 1955), Kulturwissenschaftler, Schriftsteller und Theologe

Literatur[Bearbeiten]

  • Altermatt, Urs: Die Universität Freiburg auf der Suche nach Identität. Essays zur Kultur- und Sozialgeschichte der Universität Freiburg im 19. und 20. Jahrhundert, Fribourg : Acad. Press, 2009, ISBN 978-3-7278-1600-0

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universität Freiburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Barbara Kunz, Stéphane Cappelli: Studierende an den universitären Hochschulen 2010/11. In: Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Statistik der Schweiz. Neuchâtel 2011, ISBN 978-3-303-15532-5 (http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/publikationen.Document.144355.pdf, abgerufen am 15. November 2011).
  2. Info zur Bilingualität (deutsch, französisch oder in beiden Sprachen) der Univ. Freiburg
  3. Jahresbericht 2012 (PDF; 4,3 MB)
  4. Pierre-Philippe Bugnard: Python, Georges im Historischen Lexikon der Schweiz
  5. 250 Jahre Recht in Freiburg (PDF; 1,2 MB)
  6. Freiburger Nachrichten vom 10. Juni 2013
  7. Kurze Geschichte der Universität auf www.unifr.ch
  8. Facts & Figures – SES – Unifr. In: Decanat SES. Abgerufen am 19. Januar 2011.
  9. Umweltwissenschaften an der Uni Freiburg, abgerufen am 18. November 2011

46.8060777.1531827Koordinaten: 46° 48′ 22″ N, 7° 9′ 11″ O; CH1903: 578211 / 183920