Locarno

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Locarno (Begriffsklärung) aufgeführt.
Locarno
Wappen von Locarno
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Locarnow
Kreis: Locarno
BFS-Nr.: 5113i1f3f4
Postleitzahl: 6600
UN/LOCODE: CH LON
Koordinaten: 705143 / 11371046.1666648.799998200Koordinaten: 46° 10′ 0″ N, 8° 48′ 0″ O; CH1903: 705143 / 113710
Höhe: 200 m ü. M.
Fläche: 19.4 km²
Einwohner: i15'303 (31. Dezember 2011)[1]
Einwohnerdichte: 789 Einw. pro km²
Website: www.locarno.ch
Karte
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Locarno ist eine politische Gemeinde im gleichnamigen Kreis (Circolo di Locarno) und Hauptort des gleichnamigen Bezirks des Kantons Tessin in der Schweiz. Der frühere deutsche Name Luggarus wird heute nicht mehr verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Locarno liegt am Nordufer des Lago Maggiore und am Ostrand des Maggia-Deltas. An den Hang oberhalb der Stadt schmiegen sich das Quartier Monti della Trinita und die Gemeinde Orselina.

Uferpromenade in Locarno

Das Stadtgebiet von Locarno ist zusammengewachsen mit den weiterhin selbstständigen Gemeinden Muralto (vgl. Abschnitt Verkehr) und Minusio.

Locarno gehört zusammen mit dem restlichen Südtessin und der Provinz Como zur vom Bundesamt für Statistik festgelegten Metropolregion Tessin.

Zum Territorium der Gemeinde Locarno gehört auch eine grosse, nicht mit dem Stadtgebiet zusammenhängende Fläche in der Magadinoebene, die Gerre di Sotto genannt wird.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Locarno

Locarno gilt als der wärmste Ort der Schweiz und als die nördlichste Ortschaft mit mediterranem Klima an einem See. Die Messstation Locarno-Monti in etwas erhöhter Lage verzeichnet ein Jahresmittel von 11.5 °C, während der Durchschnitt im Schweizer Mittelland bei etwa 7 bis 9 °C liegt.

In Locarno gedeihen daher viele südländische Pflanzen wie Palmen oder Zitronenbäume. Nicht zuletzt aufgrund des milden Klimas ist Locarno stark vom Tourismus geprägt.

Im Raume Locarno, in der Magadinoebene, wird erfolgreich Reis angepflanzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung der Stadt erfolgte im Jahre 807 als Leocarni zu einem lateinischen Leocarnum, was so viel wie „Löwenfleisch“ bedeutet. Im Deutschen führten Bezeichnungen wie Lucarius und Lucaris letzten Endes zu einer Form Luggarus, die mittlerweile selten verwendet wird.

Am 16. Oktober 1925 wurden die Verträge von Locarno zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Polen und der Tschechoslowakei geschlossen. In ihnen wurde der völkerrechtliche Status Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg neu geregelt.

1928 fusionierte die bis dahin selbstständige Gemeinde Solduno mit der Stadt Locarno.

Fusionsvorhaben[Bearbeiten]

2004/05 scheiterte eine Fusion der Exklave Gerre di Sotto mit Gerra Piano, einer Exklave von Gerra (Verzasca) und Cugnasco zur Gemeinde Cugnasco-Gerre. Auf den 20. April 2008 fusionierte Cugnasco mit Gerra (Verzasca) zur neuen Gemeinde Cugnasco-Gerra, wobei die Gerre di Sotto nicht mehr miteingeschlossen wurde.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Locarno
Schiffsanlegestelle
Flugplatz im Bezirk Locarno

Locarno gilt als Endpunkt zweier Eisenbahnstrecken, die allerdings genaugenommen nicht in Locarno, sondern in der Nachbargemeinde Muralto enden, wo sich der Bahnhof Locarno befindet. Die normalspurige SBB-Strecke von Bellinzona her erreicht ihren oberirdischen Kopfbahnhof von Osten her und tangiert Locarno gar nicht. Die schmalspurige Centovallibahn (FART/SSIF) aus Domodossola erreicht ihren Endpunkt von Westen her, durchfährt allerdings Locarno seit 1990 nicht mehr, sondern wird über eine Tunnelstrecke in ihren eigenen, unterirdischen Kopfbahnhof geführt. Dieser Tiefbahnhof liegt innerhalb des SBB-Areals in Muralto, nördlich der SBB-Anlagen, wo bis 1990 die Anlagen der FART standen.

Das Gebiet um den Bahnhof – wo im Übrigen auch die Gemeindegrenze zwischen Locarno und Muralto verläuft – ist auch der Ausgangspunkt der Buslinien der FART, welche die Nebentäler bedienen.

Um den Durchgangsverkehr auf der Strasse aus der Innenstadt zu verbannen, wurde Anfang der 90er Jahre der 5,5 Kilometer lange Strassentunnel Mappo-Morettina unter Locarno hindurch gebaut.

Die für die vier oberitialienischen Seen zuständige italienische Schifffahrtsgesellschaft Navigazione Laghi betreibt auch im Schweizer Teil des Lago Maggiore die Schifffahrt und verbindet Locarno mit den anderen Städten am See.[2]

6 Kilometer östlich von Locarno befindet sich der Aeroporto Cantonale di Locarno (LSZL), ein Flugplatz mit drei Start- und Landebahnen sowie einem Stützpunkt der Schweizer Luftwaffe.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Madonna del Sasso über Locarno
Festivalvorbereitung auf der Piazza Grande

Madonna del Sasso, Cardada und Cimetta[Bearbeiten]

Das Sanktuarium Madonna del Sasso in Orselina oberhalb der Stadt ist die Hauptsehenswürdigkeit Locarnos und zugleich der beliebteste Wallfahrtsort der italienischsprachigen Schweiz.

Die Gründung von Madonna del Sasso geht auf eine Muttergotteserscheinung zurück, die der Franziskanerbruder Bartolomeo d'Ivrea in der Nacht vom 14. auf den 15. August 1480 hatte. Die Wallfahrtskirche ist berühmt wegen ihrer bedeutenden Ausstattung. Ausserdem gibt es hier eine Aussichtsplattform, von der aus man einen imposanten Blick auf die Stadt hat.

Von Orselina aus führt eine Gondelbahn auf die Cardada (1'340 m ü. M.), und von deren Bergstation führt eine weitere Sesselbahn auf die Cimetta (1'670 m ü. M.). Von dort oben hat man einen beeindruckenden Ausblick.

In Locarno lässt Heinrich von Kleist eine seiner Novellen spielen, nämlich «Das Bettelweib von Locarno». Noch heute sollen in einem zerfallenem Schloss die Gebeine des verstorbenen Marchese liegen.

Piazza Grande[Bearbeiten]

Castello Visconteo
Kakteengarten in der Nähe des Seeufers

Das Zentrum der Stadt ist die langgezogene, gepflasterte Piazza Grande. Hier finden zahlreiche Open Air-Konzerte, seit 2004 im Juli jeweils das Musikfestival Moon and Stars und jährlich im August das Internationale Filmfestival von Locarno statt, eines der wichtigsten Filmfestivals weltweit. An der Piazza Grande finden sich viele Restaurants und Cafés. Sämtliche Gassen der Altstadt streben auf den Platz zu. Seit Mitte Juni 2007 ist die Piazza Grande autofrei.

Castello Visconteo[Bearbeiten]

Das Castello Visconteo am Rande der Altstadt entstand im 12. Jahrhundert, vermutlich als Wohnsitz der kaisertreuen Capitanei Orelli. 1260 fiel es in die Hände der Ghibellinen. 1342 griffen die Visconti von Mailand, denen das Bauwerk seinen heutigen Namen verdankt, die Burg von der Land- und Seeseite an und nahmen sie ein. In eidgenössischen Besitz kam sie erstmals 1503, endgültig 1513. Heute ist nur noch etwa ein Fünftel der ursprünglichen Burg erhalten. Der Grossteil der erhaltenen Strukturen stammt aus dem 15. und 16. Jahrhundert, aus der Gründungszeit der Burg existieren nur noch Grundmauern. Die neben der Burg liegenden Reste der Verteidigungsbastion Rivellino sollen von Leonardo da Vinci projektiert worden sein.[3]

Planetenweg «Astrovia Locarno»: beginnend am Maggia-Delta

Wanderweg: entlang des Lago-Maggiore-Ufers vom Zentrum von Locarno nach Tenero-Contra

Kultur[Bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Locarno – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter
  2. Navigazione Laghi - Lago Maggiore
  3. Das Rivellino von Locarno - Militärarchitektur von Leonardo da Vinci?
  4. Pierre Lepori: Teatro di Locarno, Locarno TI. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz – Dizionario Teatrale Svizzero. Band 3. Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1809–1811. (italienisch); siehe auch die Website des Theaters