Trauerrede

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Grabrede)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Trauerrede oder die Grabrede, die ausschließlich am Grab gehalten wird, ist ein wichtiger Bestandteil der weltlichen Bestattung. Die Trauerrede steht im Gegensatz zur Traueransprache in der antiken Redetradition. Trauerreden können von den Hinterbliebenen selbst, deren Freunden oder Bekannten, die darum gebeten werden, verfasst und vorgetragen werden. In der Regel werden die Trauerreden jedoch von so genannten freien Rednern, den Trauerrednern, im Rahmen einer säkularen Trauerfeier gehalten.

Eine spezielle kirchliche Trauerrede war die Leichenpredigt. Zur Erinnerung wurden Grabreden auch gedruckt und verteilt.[1] Gedruckte Nachrufe werden als Nekrologe bezeichnet.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Trauerrede geht auf die kirchliche Tradition der Leichenrede zurück. Diese ist in der Spätantike vornehmlich hochgestellten Persönlichkeiten und ihren Verwandten vorbehalten gewesen. Ein wesentlicher Vorläufer der Leichenrede ist die Lobrede gewesen. Das Enkomion setzt in der Leichenrede ihre Tradition fort.[3] Die offiziellen Trauerreden in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lassen erkennen, dass bis heute die Anlässe zur Trauerrede und die Redner der gleichen gesellschaftlichen Schicht angehören. Erst nach der Reformation entwickelte sich die Leichenpredigt,[4] die zunächst als Standrede, dann als Grabrede vom Bürgertum nachgeahmt wurde.

Arten[Bearbeiten]

Die Trauerrede kann innerhalb der Trauerfeier oder ausschließlich am Grab gehalten werden. Sie ist nicht-konfessionell ausgerichtet, kann aber religiös, philosophisch oder weltanschaulich geprägt sein. Die Trauerrede ist in der Regel nicht kirchlich orientiert. Säkulare Reden beziehen sich vorwiegend auf die besonderen Lebensstationen des Verstorbenen und würdigen dessen Persönlichkeit. Es kann bei den nicht-kirchlichen Trauerfeiern durchaus erwünscht sein, dass ein Familienmitglied auch noch eine Rede hält oder ein Kollege des Arbeitsbetriebes, Unternehmens, Verbandes oder Vereins das tut.

Zu den Trauerreden gehören ebenfalls die Totenreden, die bei den offiziellen Gedenkveranstaltungen in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor oder nach der eigentlichen Bestattung gehalten werden. Beispielhaft sind: Die Trauerrede von Richard von Weizsäcker[5] auf dem Trauerstaatsakt Bundesminister a. D. Herbert Wehner[6] am 25. Januar 1990 in Bonn und für den Bundeskanzlers a. D. Willy Brandt am 17. Oktober 1992 im Deutschen Reichstag in Berlin und die Trauerrede Hans-Jochen Vogels für den Bundespräsidenten a. D. Johannes Rau am 7. Februar 2006 im Berliner Dom.[7] Die Totenrede Max Frischs auf Peter Noll am 18. Oktober 1982 im Großmünster in Zürich[8] sowie die Totenrede für ihn selbst am 9. April 1991 in der St. Petri Kirche in Zürich durch seine Freunde Michel Seigner und Peter Bichsel.[9] Oder die Totenreden Christa Wolfs[10] für Maxie Wander, Franz Fühmann, Wolfgang Heise, Erich Fried, Irmtraud Morgner, Max Frisch und Lew Kopelew.

Bei der Grabrede steht nicht die Trauerbewältigung der Hinterbliebenen im Vordergrund, vielmehr das zu ehrende Andenken, die Vorbildlichkeit des Verstorbenen oder die Würdigung seines Lebenswerkes.

Funktionen[Bearbeiten]

Die Trauerrede soll an den Verstorbenen und sein Wirken zu seinen Lebzeiten erinnern und vergegenwärtigt sie noch einmal in der Stunde des endgültigen Abschiedes. Für die Angehörigen bedeutet die Trauerrede eine wesentliche Hilfestellung bei der eigenen Bewältigung der Trauer. Durch das Nachvollziehen des Lebens des Verstorbenen haben die Angehörigen die Gelegenheit, sich in dem Verlust noch einmal seine Bedeutung bewusst zu machen. Die Trauerrede gibt den Hinterbliebenen die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Die Gemeinschaft mit anderen Trauernden wird für die eigene Trauerbewältigung als hilfreich empfunden. Das Teilen von Gefühlen kann emotionale Belastungen abbauen.

Vorbereitung[Bearbeiten]

Unabhängig von der unterschiedlichen Funktion der weltlichen Trauerfeier und der kirchlichen Bestattung führt der Trauerredner ebenso wie der Geistliche ein Vorgespräch mit den Angehörigen, bei dem die Lebensgeschichte des Verstorbenen inhaltlich bezogen auf die Trauerrede besprochen wird. Der Redner gewinnt in diesem Gespräch eine Vorstellung von der Persönlichkeit des Verstorbenen, er kann sich ein Bild machen.

Berühmte Trauerreden[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein Lied der Band Subway to Sally aus dem Album MCMXCV und dem LIVE-Album Schrei! (Subway-to-Sally-Album) heißt Grabrede.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Kazmaier: Die deutsche Grabrede im 19. Jahrhundert. Aspekte ihrer Funktion innerhalb der bürgerlichen Bestattungsfeierlichkeiten, Stuttgart 1977
  • Klaus Dirschauer: Das Leben wird durch das Sterben wachgehalten. Musterreden für den Trauerfall, Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes, Düsseldorf 2002, 3.Aufl 2013, ISBN 978-3936057089
  • Gert Otto: Tod und Trauer brauchen Sprache, Radius Verlag Stuttgart 2008, ISBN 978-3-87173-505-9
  • Bruno Kern: Die bedeutendsten Grabreden. Marixverlag, 1. Auflage, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-952-6
  • Johann Pock, Ulrich Feeser-Lichterfeld (Hrsg.): Trauerrede in postmoderner Trauerkultur. LIT-Verlag, Münster 2011, ISBN 978-3-643-50284-1
  • Klaus Dirschauer: Mit Worten begraben: Traueransprachen entwerfen und gestalten, Donat Verlag, Bremen 2012, ISBN 9783943425086
  • Birgit Aurelia Janetzky: TrauerReden. Leitfaden für Traueransprachen, Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes, Düsseldorf 2013, ISBN 978-3-936057-39-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reiner Sörries: Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Bd.1.: Volkskundlich-kulturgeschichtlicher Teil. Braunschweig 2002, ISBN 978-3-87815-173-9. Stichworte Grabrede, S. 128 und Leichenpredigt, S. 200 f.
  2. Karl Marx Friedrich Engels: Das Begräbnis von Karl Marx: MEW Bd. 19, Berlin 1972, S. 335-47
  3. Friedemann Merkel: Bestattung: Theologische Realenzyklopädie B. V,747ff., Berlin u. a. 1980
  4. Rudolf Lenz: Leichenpredigt: Theologische Realenzyklopädie Bd XX, 665-669
  5. Richard von Weizsäcker: Reden und Interviews. Bd. 9. Hg. v. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Bonn 1993, 112-116
  6. Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 15 vom 26. Januar 1990
  7. Klaus Dirschauer: Traueransprachen persönlich gestalten. Konzepte, Mustertexte, Formulierungshilfen, Claudius Verlag, München 2006, S. 125-131
  8. Peter Noll: Diktate über Sterben&Tod. Mit einer Totenrede von Max Frisch, Pendo Verlag, München und Zürich 1984, S. 279-284, ISBN 3-86612-067-2
  9. Vgl. Barbara Happe: Der Tod gehört mir. Die Vielfalt der heutigen Bestattungskultur und ihre Ursprünge, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2012, 6f., ISBN 9783496028567
  10. Christa Wolf: Werke 8, Essays/Gespräche/Reden/Briefe 1975–1986, Luchterhand Verlag, München 2000, Werke 12, Essays/Gespräche/Reden/Briefe 1987–2000,Luchterhand Verlag, München 2001, ISBN 3-630-87057-0
  11. a b c d e f g h Bruno Kern: Die bedeutendsten Grabreden. Marixverlag, 1. Auflage, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-86539-952-6. (s. Inhaltsverzeichnis und jeweiligen Abschnitt)
  12. William Shakespeare: Julius Caesar S. 48 Online-Text beim Projekt Gutenberg. Abgerufen am 19. Juli 2011
  13. Grabrede von Ossie Davis für Malcom X (engl.) Gehalten am 27. Februar 1965. Auf malcom-x.org. Abgerufen am 19. Juli 2011