Peter Bichsel

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Peter Bichsel (* 24. März 1935 in Luzern) ist ein Schweizer Schriftsteller, bekannt insbesondere für seine Kurzgeschichten und Kolumnen.

Peter Bichsel (2012)
Peter Bichsel in Solothurn (2011)

Leben[Bearbeiten]

Peter Bichsel wuchs als Sohn eines Handwerkers zunächst in Luzern, ab 1941 in Olten auf. Am Lehrerseminar in Solothurn ließ er sich zum Primarlehrer ausbilden. 1956 heiratete er die Schauspielerin Therese Spörri († 2005); er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes. Im Jahre 1957 trat er der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS) bei, aus der er 1995 wieder austrat.[1] Er bezeichnet sich selber als Sozialist. Bis 1968 (und ein letztes Mal 1973) arbeitete er als Primarlehrer. Zwischen 1974 und 1981 war er als persönlicher Berater für Bundesrat Willi Ritschard tätig, mit dem er befreundet war. Mit dem Schriftsteller Max Frisch war er bis zu dessen Tod 1991 eng befreundet. Bichsel lebt in Bellach bei Solothurn.

Werk[Bearbeiten]

Autogramm

Nach kleineren Veröffentlichungen – vor allem Lyrik – in Zeitungen, erschien 1960 ein erster Prosaversuch als Privatdruck. Im Winter 1963/64 nahm er an einem Prosa-Schreibkurs in Berlin teil, geleitet von Walter Höllerer. Von diesem Kurs zeugen ein Dokumentationsband, Prosaschreiben (1964), und ein Gemeinschaftsroman der Teilnehmer (unter anderen: Hubert Fichte und Klaus Stiller), Das Gästehaus (1965), zu dem Bichsel das erste Kapitel beisteuerte.

1964 wurde er mit seinen Kürzestgeschichten in Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen auf einen Schlag bekannt; die Gruppe 47 nahm ihn begeistert auf und verlieh ihm 1965 ihren Literaturpreis.

1968 wurden in der Weltwoche seine ersten Kolumnen veröffentlicht, die seither (aktuell in der Schweizer Illustrierten) sozusagen sein Hauptwerk bilden. Er äusserte sich in diesen Kolumnen öfters zu politischen Fragen.

1970 trat er zusammen mit 21 weiteren bekannten Autoren aus dem Schweizerischen Schriftstellerverband aus und beteiligte sich an der Gründung der Gruppe Olten.

Peter Bichsel ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Sein Vorlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Versuche über Gino. Privatdruck 1960.
  • Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen. (21 Kurzgeschichten, darunter Die Tochter und San Salvador). Walter, Olten 1964.
  • Das Gästehaus. Gemeinschaftsroman, mit Walter Höllerer und Anderen. Walter, Olten 1965.
  • Die Jahreszeiten (Roman). Luchterhand, Neuwied 1967.
  • Kindergeschichten. (7 Kurzgeschichten). Luchterhand, Neuwied 1969.
  • Des Schweizers Schweiz. (Aufsätze). Arche, Zürich 1969; erweiterte Neuauflage: Arche, Zürich 1989.
  • Stockwerke. Prosa (Hrsg. Heinz F. Schafroth). Reclam, Stuttgart 1974 (UB 9719).
  • Geschichten zur falschen Zeit. Kolumnen 1975–1978. Luchterhand, Darmstadt 1979.
  • Der Leser. Das Erzählen. Frankfurter Poetik-Vorlesungen. Luchterhand, Darmstadt 1982 (SL 482).
  • Schulmeistereien. (Reden und Aufsätze). Luchterhand, Darmstadt 1985.
  • Der Busant. Von Trinkern, Polizisten und der schönen Magelone. Luchterhand, Darmstadt 1985.
  • Irgendwo anderswo. Kolumnen 1980–1985. Luchterhand, Darmstadt 1986 (SL 669).
  • Möchten Sie Mozart gewesen sein? Meditation zu Mozarts Credo-Messe KV 257 / Predigt für die andern. Eine Rede für Fernsehprediger. TVZ, Zürich 1990.
  • Im Gegenteil. Kolumnen 1986–1990. Luchterhand, Frankfurt am Main 1990 (SL 920).
  • Zur Stadt Paris. Geschichten. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993.
  • Cuny-Geschichten. (Hrsg. Tamara S. Evans). Pro Helvetia, New York 1994.
  • Gegen unseren Briefträger konnte man nichts machen. Kolumnen 1990–1994. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995.
  • Ein Tisch ist ein Tisch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995.
  • Die Totaldemokraten. Aufsätze über die Schweiz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998 (es 2087).
  • Cherubin Hammer und Cherubin Hammer. (Erzählung). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1999.
  • Am Ende der Revolution – Staaten ohne Citoyens. Liechtensteinische Akademische Gesellschaft, Vaduz 1999.
  • Alles von mir gelernt. Kolumnen 1995–1999. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000.
  • Eisenbahnfahren. (Hrsg. Rainer Weiss). Insel, Frankfurt am Main 2002 (IB 1227).
  • Doktor Schleyers isabellenfarbige Winterschule. Kolumnen 2000–2002. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003.
  • Das süße Gift der Buchstaben. Reden zur Literatur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004 (es 2353).
  • Wo wir wohnen. Geschichten (Hrsg. Rainer Weiss). Insel, Frankfurt am Main 2004 (IB 1253).
  • Von der Erfindung der heiligen Schriften. (Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde). Insel, Frankfurt am Main 2004.
  • Kolumnen, Kolumnen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005.
  • Geschichten. kommentiert von Rolf Jucker. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005 (sbb 64).
  • Dezembergeschichten. (Hrsg. Adrienne Schneider). Insel, Frankfurt am Main 2007 (IB 1295).
  • Heute kommt Johnson nicht. Kolumnen 2005–2008. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2008.
  • Über Gott und die Welt. Texte zur Religion (Hrsg. Andreas Mauz). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009 (st 4154).
  • Das ist schnell gesagt. Sätze aus dem Werk (Hrsg. Beat Mazenauer, Severin Perrig). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2011 (st 4294).
  • Im Hafen von Bern im Frühling. Kolumnen 2008–2011. Radius, Stuttgart 2012.

Hörspiele, Radiosendungen[Bearbeiten]

  • 1971: Inhaltsangabe der Langeweile. Hörspiel für das Schweizer Radio DRS
  • 1983–1997: zahlreiche Beiträge für die Sendung Zytlupe. bei Radio DRS

Plattenaufnahmen[Bearbeiten]

  • Kindergeschichten. Gelesen von Peter Bichsel. Deutsche Grammophon, Hamburg 1979.

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bänziger: Peter Bichsel. Weg und Werk. 2. rev. u. erg. Auflage. Benteli, Bern 1998, ISBN 3-7165-1169-2.
  • Herbert Hoven (Hrsg.): Peter Bichsel. Auskunft für Leser. Luchterhand, Darmstadt 1984, ISBN 3-472-61494-3.
  • Herbert Hoven (Hrsg.): Peter Bichsel. Texte, Daten, Bilder. Luchterhand, Hamburg 1991, ISBN 3-630-61997-5.
  • Rolf Jucker (Hrsg.): Peter Bichsel. University of Wales Press, Cardiff 1996, ISBN 0-7083-1380-9.
  • Herbert Hoven (Hrsg.): In Olten umsteigen. Über Peter Bichsel. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-39602-1.
  • Chalit Durongphan: Poetik und Praxis des Erzählens bei Peter Bichsel. Königshausen und Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3091-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Peter Bichsel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fredi Lerch: Zum Glück nie fluchttauglich. In: WOZ. Nr. 12, 24. März 2005.