Großauheim

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50.1047222222228.9447222222222107Koordinaten: 50° 6′ 17″ N, 8° 56′ 41″ O

Großauheim
Stadt Hanau
Wappen der ehemaligen Gemeinde Großauheim
Höhe: 101–110 m
Einwohner: 12.479 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63457
Vorwahl: 06181
Mainufer von Großauheim
(Flusskilometer 60)
Gustav-Adolf-Kirche
Paulskirche
Jakobuskirche
Geburtshaus von August Gaul in der Haggasse
Altes Rathaus
Neues Rathaus, jetzt: Stadtteilladen, Sitz der Verwaltungsstelle

Großauheim ist ein am nördlichen Mainufer gelegener Stadtteil von Hanau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen und mit etwa 12.500 Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Zu Beginn des Mittelalters, aus der Zeit Karls des Großen, könnte die erste urkundliche Erwähnung Auheims stammen. Die Siedlung war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon einige Jahrhunderte alt, der Name -heim weist auf eine Gründung in der Zeit der fränkischen Landnahme, etwa im 6. Jahrhundert. "Im Namen Christi, am 3. Tag des April, im 38. Jahr der Herrschaft des Kaisers Karl ... schenke ich, Irminrat ... dem Kloster Lorsch ... unter Abt Adalungus ... in Rumpenheim, Bellingen und in Euuicheim ...". Dieser Text aus dem Jahr 806 ist uns, nach heutiger Zählung Urkunde 3424, im Lorscher Codex auf Folio 202 erhalten geblieben. [1] Der Ortsname Euuicheim dürfte sich von einem Personennamen Ewic ableiten und könnte sich in der Folgezeit zu Oweheim und schließlich zu Auheim entwickelt haben [2]. Die erste Unterscheidung zwischen Klein- und Großauheim findet sich in einer Aufstellung der Einkünfte der Eppsteiner Grafen aus dem Jahr 1270. (siehe Hain S. 290)

Großauheim lag im Amt Steinheim , das zunächst den Herren von Eppstein gehörte, von diesen mehrfach verpfändet wurde und dann 1425 an den Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, Konrad III. von Daun verkauft wurde. Für mehrere Jahrhundert verbleibt es unter der Mainzer Herrschaft (siehe Hain S. 292).

Neuzeit[Bearbeiten]

In den Jahren 1631-1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg, die mit ihm verbündet waren, damit aus.[3] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Großauheim wieder an Kurmainz, wo es bis 1803 verblieb, als es im Zuge der Säkularisation an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt fiel.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Großauheim noch ein Bauerndorf. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden Industrieniederlassungen wie die Marienhütte, BBC und die Rütgerswerke (heute RÜTGERS Basic Aromatics GmbH) sowie VDM.

Die Gemeinde hat seit 1912 elektrischen Strom. Dieser wurde im eigenen Kraftwerk produziert. Das Wasserleitungsnetz wurde 1913 in Betrieb genommen.

Der 1924 gebaute Hanauer Hafen liegt zu großen Teilen in der Auheimer Gemarkung. 1956 verlieh das Land Hessen an Großauheim die Stadtrechte. Am 31. Dezember 1971 wurde der Nachbarort Wolfgang eingemeindet. Am 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Gesetz die Eingliederung der Stadt Großauheim in die Stadt Hanau.[4] Für Großauheim/Wolfgang wurde ein gemeinsamer Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Kultur[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bekannteste Sehenswürdigkeit ist das im alten Elektrizitätswerk beheimatete Museum Großauheim,[5] das neben Exponaten der örtlichen Industrie-, Handwerks- und Agrargeschichte auch Skulpturen von August Gaul ausstellt. Im ersten Obergeschoss des im August 2010 wieder eingeweihten Museums befinden sich Exponate zum Schaffen des Großauheimer Malers und Glaskünstlers August Peukert. Ein Freilichtmuseum auf dem Außengelände des Museums befindet sich im Ausbau und soll in nächster Zeit Besuchern eine Ausstellung diverser von Dampf angetriebenen Maschinen bieten. Das Museum gehört zur Stadt Hanau, wird aber hauptsächlich vom Förderverein des Museums betreut, welcher auch für den Umbau des Freigeländes zuständig ist.

Die „Postkartenansicht“ von Großauheim ist die „Mainwiese“, eine breite, weitläufige Wiese, die sich gemeinsam mit einem Promenadenweg an Stelle des historischen Leinpfades entlang des gesamten Uferbereiches erstreckt.

Im Norden liegt die Bulau, ein Waldgebiet, das sich bis zur Nachbargemeinde Rodenbach erstreckt und durch das der Limes führt.

Auf einem ehemaligen Militärgelände, dem Campo Pond, wurde 2009 ein Refugium für Przewalski-Pferde geschaffen.

Brauchtum[Bearbeiten]

Zu Ehren des heiligen Rochus findet in Großauheim alljährlich eine Rochusprozession zum Rochusplatz statt, um die Dankbarkeit der Großauheimer nach der überstandenen Pest im 17. Jahrhundert zu bekunden. Der bekannte „Rochusmarkt“ als gewerbliches Markttreiben auf Initiative des Gewerbevereins Großauheim wird regelmäßig im September entlang der Hauptstraße und rund um den Rochusplatz veranstaltet.

Persönlichkeiten mit Bezug zu Großauheim[Bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Großauheim unterhält seit 1965 eine Städtepartnerschaft mit Conflans-Sainte-Honorine in Frankreich.

Religionen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bertold Picard: So alt wie die Bulau. Spazierwege durch die Geschichte Großauheims. CoCon-Verlag, Hanau 2007, ISBN 978-3-937774-42-8
  • Bertold Picard: Großauheim. Geschichte in Bildern und Dokumenten. 2. Aufl. Hanau 1986. Peters-Verlag, Hanau 1986, ISBN 3-87627-425-7
  • Großauheim. Heimatbuch zum 1150jährigen Bestehen, herausgegeben von Prof. Dr. Mathilde Hain. 2. Aufl. Frankfurt 1969. Kommissions-Verlag Kramer, Frankfurt 1956,
  • Mainzer Rad und Pilgermuscheln. Gesammelte Studien zur Grossauheimer Geschichte u. Volkskunde / von Heinrich u. Karl Kurzschenkel u. Alois Wilhelm Funk. Zusammengestellt von Winfried u. Wolfgang Kurzschenkel. Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Hanau, Kommissions-Verlag Kramer, Frankfurt 1981, ISBN 3-7829-0181-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großauheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eine Kopie der Schenkungsurkunde von Irminrat soll sich auch im Codex Eberhardi finden.Edmund E. Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 10, Bd. 1, Nr. 521, S. 503.
  2. Neuere Forschungen halten es jedoch für möglich, dass sich diese Urkunde und damit der ON Euuicheim nicht auf Auheim, sondern auf Frankfurt - (Bergen-)Enkheim bezieht: Peter Jüngling, Hanau-Kesselstadt. Zur Archäologie einer Pfarrkirche in Hanau = Hanauer Schriften zur Archäologie und Geschichte 1 (2004), S. 26f.
  3. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593f.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 345 und 366.
  5. Stadt Hanau, Museum Grossauheim