Grundwassertiere

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Grundwassertiere (auch stygobionte Tiere) nennt man Tierarten, die das Grundwasser, seine wassererfüllten Lücken in Kies, Sand und Festgestein besiedelt haben. Das Grundwasser ist wohl der größte und älteste kontinentale Lebensraum,[1] denn er konnte besiedelt werden, bevor das Leben imstande war trockene Biotope auf den Kontinenten zu besiedeln. Die Gesamtheit der Lebensformen im Grundwasser nennt man Stygobionta.

In Europa wurden bisher über 2.000 Tierarten gefunden, in Baden-Württemberg bisher (2014) 106 Arten. An Tierarten wurden gefunden unter 1 mm kleine Ruderfußkrebsen, Urringelwürmern, Grundwasserasseln und Schnecken bis zu einigen Millimetern großen Höhlenflohkrebsen, Hüpferlingen und Brunnenkrebsen.

Brunnenkrebse sind lebende Fossilien. Ihre ehemals auf der Erdoberfläche lebenden Vorfahren sind bereits vor 300 Millionen Jahren ausgestorben. Im Grundwasser konnten diese Tiere Klimaveränderungen auf der Erdoberfläche bis heute überleben.

Aus der Verbreitung mancher dieser Tiere leiten Wissenschaftler Hinweise ab auf uralte Flusssysteme, die heute ganz anders aussehen wie z.B. das alte Donaueinzugsgebiet.[2]

Form und Lebensweise[Bearbeiten]

Grundwassertiere sind meist pigmentlos, durchscheinend oder weiß und blind, da sie im Untergrund ohne Licht leben. Sie kriechen oder schwimmen durch die Hohlräume des Grundwassers und weiden die Bakterienfilme auf den Sedimentpartikeln ab.[3]

Die Lebensgemeinschaften im Grundwasser, Einzeller und Pilze, entziehen dem Wasser u.a. gelöste organische Stoffe indem sie diese als Nahrung verwerten. Die Tiere weiden die von den Bakterien gebildeten Biofilme ab und fressen das partikuläre Material. So halten sie auch das Lückensystem im Grundwasserleiter offen.[4]

verschiedene Teillebensräume[Bearbeiten]

Oberrheinebene[Bearbeiten]

Das Tiefland des nördlichen Oberrheins wird durch kiesigsandige Porenleiter geprägt. In Anpassung an das feinporige Lückensystem sind viele der hier vorkommenden Arten sind sehr klein, wie z.B. der Raupenhüpferling Parastenocaris nolli. Auch der Höhlenflohkrebs Niphargellus nolli, wie Nitocrella omega (Raupenhüpferling) eine typische Art des pliozänen Rheins, ist wesentlich kleiner als seine Verwandten anderswo.[5]

Karstgebiete[Bearbeiten]

In der Schwäbischen Alb mit ihren Karstgebieten, den ausgedehnten Kluft- und Höhlensystemen findet man dagegen häufig größere Tiere, wie etwa den Höhlenflohkrebs Niphargopsis casparyi oder die Assel Proasellus slavus. Beide Arten sind, genau wie der Hüpferling Acanthocyclops sensitivus, Vertreter der voreiszeitlichen, pliozänen Donau.[6]

Trinkwassernetze[Bearbeiten]

Grundwassertiere können auch vom Grundwasser, das zur Verwendung als Trinkwasser gefördert wurde, in Trinkwassernetze übergehen. Stygobionte Arten sind aber unschädlich.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/26659/
  2. http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/26659/
  3. http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/26659/
  4. Sven Berkoff, Hans Jürgen Hahn: Kleinsttiere im Trinkwasser in Zeitschrift für Kommunalwirtschaft vom Mai 2014, Seite 21
  5. LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Hrsg.), Andreas Fuchs, Hans Jürgen Hahn, Klaus-Peter Barufke: Grundwasser-Überwachungsprogramm. Erhebung und Beschreibung der Grundwasserfauna in Baden-Württemberg – Kurzbericht PDF-Datei
  6. LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Hrsg.), Andreas Fuchs, Hans Jürgen Hahn, Klaus-Peter Barufke: Grundwasser-Überwachungsprogramm. Erhebung und Beschreibung der Grundwasserfauna in Baden-Württemberg – Kurzbericht
  7. Sven Berkoff, Hans Jürgen Hahn: Kleinsttiere im Trinkwasser in Zeitschrift für Kommunalwirtschaft vom Mai 2014, Seite 21