Gustav von Tempsky

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Gustav von Tempsky (um 1860)
Gustav von Tempsky (um 1865)
(bei den Forest Rangers)

Gustav(us) Ferdinand von Tempsky (* 15. Februar 1828 Braunsberg, Ostpreußen[1]; † 8. September 1868 bei Te Ngutu o te Manu, Taranaki, Neuseeland) war ein preußischer Abenteurer, Offizier und Maler.

Leben[Bearbeiten]

Er entstammte einem alten pommerellischen Adelsgeschlecht mit Sitz in Tempez (Landkreis Neustadt (Westpr.)), seit 1640 auch in Schlesien ansässig, und war der Sohn des königlich preußischen Oberstleutnants Julius Louis von Tempsky (1797–1868) und der Karoline Henriette Friederike Wilhelmine von Studnitz. Er war ein Cousin der Schriftstellerin Valeska von Gallwitz. Tempsky wuchs in Liegnitz (Niederschlesien) auf. Seine militärische Laufbahn begann er zunächst in der Kadettenanstalt in Potsdam, anschließend besuchte er die Preußische Kriegsakademie in Berlin. Im Jahr 1845 wurde er ins Regiment seines Vaters versetzt, dem Garde-Füsilier-Regiment, in dem auch sein Bruder Benno als Leutnant diente, verblieb dort aber nur neun Monate.[2]

Als 18-Jähriger zog Tempsky im Mai 1846 als preußischer Fähnrich voller Abenteuerlust an die Miskitoküste in Honduras, wo Preußen eine Siedlung gründen wollte.[3] Dort wurde er später sogar Instrukteur der Soldaten des Miskito-Königs.[4] Im Jahr 1852 kam er das erste Mal nach Nicaragua.

In den Jahren 1853 bis 1855 war er in Mexiko, Guatemala und El Salvador unterwegs. Eindrücke aus dieser Zeit veröffentlichte er 1858 in seinem Buch Mitla, a Narrative of Incidents and Personal Adventures .....[5]

Zurück in Nicaragua heiratete Tempsky in Greytown (Nicaragua) Emilie Ross Bell, die Tochter des britischen Residenten James Stanislaus Bell (1797–1858) in Greytown.[6] Mit ihr hatte er mindestens die beiden Söhne Randal (1856–1898) und Louis (1858–1922) sowie die Tochter Lina (1859–1935).[7] Den Geburtsorten seiner Kinder entsprechend, muss sich Temspky im Jahr 1856 in Bluefields (Nicaragua) und 1858/1859 in Glasgow (Schottland) aufgehalten haben.

Fast wäre ihm die Leitung der Expedition von Burke und Wills (1860/1861) übertragen worden.[8] Stattdessen ging er als Goldsucher nach Victoria (Australien) und Kalifornien (USA), schließlich nach Neuseeland in den Otago-Distrikt, den Hauraki-Distrikt und nach Coromandel.[9] Dort verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens.

In Neuseeland arbeitete er als Zeitungs-Korrespondent für die Zeitung „Southern Cross“. Doch bald wollte er nicht länger über die Kämpfe gegen die Māori nur schreiben (siehe: Neuseelandkriege), sondern kämpfte selbst im Waikato-Krieg sehr erfolgreich. Er ließ sich bei Kriegsausbruch 1863 von den Siedlern als Söldner bezahlen und kämpfte als königlich britischer Major mit selbst geworbenen Freiwilligen unter dem Oberbefehl von Thomas McDonnell (1831–1899) als 2. Kompanie der Forest Rangers (1. Regiment der Waikato-Truppen) gegen die Ureinwohner.[10] Im September 1868 fiel er im „Battle of the Beak“ im Kampf gegen die Soldaten des Māori-Häuptlings Riwha Titokowaru (1823–1888), die ihn anerkennend „Major Many Birds“ nannten; seine englischen Kameraden nannten ihn den „Preußen“.[11]

In Neuseeland betätigte sich Tempsky auch als Aquarellmaler; er malte Landschaften und Szenen von seinen Kämpfen gegen die Māoris.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Mitla, a Narrative of Incidents and Personal Adventures on a Journey in Mexico, Guatemala and Salvador in the Years 1853 to 1855, herausgegeben von James Stanislaus Bell, Verlag Longman, Brown, Green and Longman, London 1858

Literatur[Bearbeiten]

  • James Belich: The New Zealand Wars, Verlag Penguin Books, 1986
  • Michael King, Rose Young: G. F. von Tempsky, artist and adventurer, 1981
  • W. T. Parham: Von Tempsky: Adventurer, Verlag Hodder & Stoughton, London 1969, ISBN 0-340-10798-7
  • Richard Stowers: Forest Rangers, Selbstverlag, Hamilton, 1996
  • W. Walker: The War in Nicaragua, New York, 1860
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B Band V, Seite 411, Band 26 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1961

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angabe lt. GHdA von 1961; damit sind alle anderen Ortsangaben widerlegt.
  2. Sollte es sich um ein in Liegnitz stationiertes Regiment handeln, wo er aufwuchs und sein Vater wohl während dieser Jahre stationiert war, müsste es wohl das Infanterieregiment No. 43 von 1741/9 (Füsilierregiment von 1741) gewesen sein.
  3. Götz Dieter Freiherr von Houwald: Deutsches Leben in Nikaragua. Auswanderer-Schicksale, Seite 209, Nicaragua-Gesellschaft (Hg.), 1986, ISBN 3925290605 bzw. ISBN 9783925290602 (Auszug)
  4. Hartmut Fröschle: Die Deutschen in Lateinamerika, Band 15 der Buchreihe Deutsch-ausländische Beziehungen des Instituts für Auslandsbeziehungen, Verlag Erdmann, Stuttgart 1979, ISBN 3771102936 bzw. ISBN 9783771102937
  5. Henry Mills Alden (Hg.): Harper’s new monthly magazine, Band 17, Seite 170, 1858 (Digitalisat)
  6. Emilies Bruder Charles Napier Bell veröffentlichte im Jahr 1899 sein Buch Tangweera, in dem auch Tempsky erwähnt wird. (Digitalisat)
  7. Nachkommen beider Söhne leben auf Hawaii.
  8. Jürgen Tampke, Colin Doxford: Australia, Willkommen. A history of the Germans in Australia, Seite 52, Verlag New South Wales University Press, 1990, ISBN 0868403075 bzw. ISBN 9780868403076 (Auszug)
  9. Stevan Eldred-Grigg: Diggers, hatters, whores. The New Zealand gold rushes, Seite 350, Verlag Random House, 2008, ISBN 1869419251 bzw. ISBN 9781869419257 (Auszug)
  10. Christine Morton-Evans,Michael Morton-Evans: The Flower Hunter. The Remarkable Life of Ellis Rowan, Seite 297, Fußnote 7 (Auszug)
  11. William John Schafer: Mapping the Godzone. A primer on New Zealand literature and culture, Seite 108 (Digitalisat)