Hans Flesch-Brunningen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Flesch-Brunningen (eigentlich Johannes Evangelista Luitpold Flesch Edler von Brunningen; Pseudonyme: Johannes von Bruning, Vincent Brun, Flesch-Brun; * 5. Februar 1895 in Brünn; † 1. August 1981 in Bad Ischl, Oberösterreich) war ein österreichischer Schriftsteller und Übersetzer.

Leben[Bearbeiten]

Flesch entstammte der 1530 aus Prag nach Frankfurt eingewanderten jüdischen Familie Flesch, sein Onkel war der Wiener Architekt Gustav Flesch-Brunningen, der 1904 das Schwarzspanierhaus erbaute, seine Tante die Malerin Luma Flesch-Brunningen, sein Cousin war der Regisseur und Bühnenbildner Gustav Manker.

Der junge Hans Flesch Edler von Brunningen wuchs in Abbazia (Opatija; heute Kroatien) und in Wien auf. Er besuchte das Hietzinger Gymnasium, und gab als Gymnasiast zusammen mit Hans Kaltneker und Paul Zsolnay die hektographierte literarische Zeitschrift „Das neue Land“ heraus. Nach dem Gymnasium begann er ein Jurastudium, das durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen wurde. Er diente als Einjährig Freiwilliger in Wolhynien und Italien. Anschließend studierte er zu Ende, promovierte 1919 und heiratete im selben Jahr zum ersten Mal. Bis 1923 arbeitete er als Bankangestellter, dann als Rechtsanwaltsanwärter in Wien. Doch solche bürgerliche Beschäftigung war wohl nicht seine wahre Berufung: 1925 verließ er seine Familie, ging nach Italien und lebte auf Capri. In Paris machte er die Bekanntschaft des berühmten Autors James Joyce.

1928 übersiedelte Flesch-Brunningen als freier Schriftsteller nach Berlin. Zugleich unternahm er Reisen nach Frankreich und Italien. Aber nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten war kein Bleiben mehr in Deutschland.

Hans Flesch-Brunningen emigrierte 1933 über die Niederlande nach Großbritannien; Anfang 1934 erreichte er völlig mittellos London, wo er sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten musste. Erst mit der Publikation seiner Texte in englischer Sprache besserte sich seine finanzielle Situation. 1939 heiratete er Sophie Glücksmann († 1947) und wurde Präsident des Freien Deutschen Kulturbundes.[1] 1940-1958 war er Sprecher der österreichischen Abteilung der BBC; 1953-1958 war er Präsident des P.E.N.-Zentrums deutscher Autoren im Ausland; und lebte ab 1963 wieder in Wien, ab 1972 war er verheiratet mit der Schriftstellerin Hilde Spiel.

Der Schriftsteller und Freund Hermann Kesten porträtierte Flesch zum 80. Geburtstag:

„Hans Flesch ist ein wunderlicher Mensch voll wunderlichen Geschichten. Er ist lang und kahlköpfig, lässig und witzig, ein Kritischer Schwärmer, von einem beiläufigen Charme und einer boshaften Jovialität, ein schlaksiger Hypochonder, blasiert und jungenhaft, ein Melancholiker, der aus lauter Zerstreutheit den Heiteren spielt, ein Österreicher, der in der Welt herumgekommen ist, ein amüsanter und spannender Erzähler, der nur einen Bruchteil seiner Erzählungen drucken läßt.“[2]

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Bad Ischl,[3] wo 1990 auch Hilde Spiel beigesetzt wurde.

Literarisches Leben[Bearbeiten]

Mit 17 Jahren publizierte Flesch sein erstes Gedicht in der Zeitschrift Pan, mit 19 schrieb er in Franz Pfemferts Die Aktion, 1914 erschien eine Sondernummer Flesch-Brunningen in der Aktion mit einem Porträt Egon Schieles. Mit 22 Jahren veröffentlichte Flesch 1917 Das zerstörte Idyll, expressionistische Novellen, bei Kurt Wolff. Flesch-Brunningen wurde durch expressionistische Erzähltexte bekannt und wandte sich dann vor allem dem historischen Roman zu. Die phantastischen Romane und Erzählungen, die er vor seinem Exil veröffentlichte, zählen zu den wenigen qualitätsvollen spät-expressionistischen Texten, die während der Ersten Republik entstanden. Die Erfahrung des Exils schlägt sich in mehreren Werken nieder, so die beiden in London veröffentlichten Romane in Masquerade. The Blond Spider (1938/39) und Untimely Ulysses (1940), die nie ins Deutsche übersetzt wurden.

Heimito von Doderer schrieb 1956, zum 60. Geburtstag von Flesch-Brunningen:

„Er sieht so aus, wie er schreibt, Immer in Fahrt, immer den Bug in die Fahrt gehoben, immer Schaum drum herum, und immer wird nach neuen Inseln ausgespäht. Der Expressionismus glaubt an neue Inseln. Mehr als das: er weiß, daß man auch die alten, und seien sie noch so schön, nicht mehr sieht, wenn man die neuen nicht sucht, nicht an sie glaubt. Der Expressionismus, in spezifischer Form seiner Euphorie, ist ein allerletzter Nachklag des Zeitalters der Entdeckungen. Flesch stellt diesen Nachklang als konkreten Menschentypus dar, und da er Künstler ist, auch als solchen.“[4]

Werke[Bearbeiten]

Romane

  • Das zerstörte Idyll (Novellen). Leipzig: Kurt Wolf Verlag, 1917.
  • Baltasar Tipho, eine Geschichte vom Stern Karina. Wien & Leipzig: Ernst Peter Tal Verlag, 1919.
  • Gegenspiel. Wien: Edmund Strache Verlag, 1920.
  • Die beiden Wege. Ein Buch der Jugend (Nachwort: Albert Ehrenstein). Baden-Baden: Merlin Verlag, 1929.
  • Herz-Weg zur Mitte. Baden-Baden: Merlin Verlag, 1929.
  • Auszug und Wiederkehr (Roman). Berlin: Verlag Kunstkammer M. Wasservogel, 1929.
  • Die Amazone (Revolutionsroman). Berlin: Propyläen Verlag, 1930.
  • Vertriebene. Von Ovid bis Gorguloff (Essays). Wien & Leipzig: Verlag Elbmühl, 1933.
  • Die Herzogin von Ragusa. Roman aus dem Baden-Baden der Befreiungskriege. Salzburg: Bergland Verlag, 1935.
  • Alcibiades Beloved of Gods and Men (Roman). New Yorh & London: Putman & Jonathan Cape, 1935.
  • Perlen und schwarze Tränen (Roman). Hamburg: Kröger Verlag, 1948. Neuausgabe: Nymphenburger Verlag, München 1980.
  • Die Teile und das Ganze (Roman). Wien & Hamburg: Paul Zsolnay Verlag, 1969.
  • Zwischen Central und Museum. Wien & München: Verlag Jugend und Volk, 1970.
  • Die Frumm. München: Nymphenburger Verlag, 1979.
  • Das Forum Romanum. Frankfurt am Main: Ullstein Verlag, 1981.
  • Die verführte Zeit. Lebenserinnerungen; herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Manfred Meixner. Wien & München:Verlag Christian Brandstätter, 1988. ISBN 3-85447-261-7.

Literatur[Bearbeiten]

  • M. Lukasser: Die Exilerfahrung im Werk von H. Flesch-Brunningen, Diplomarbeit, Wien 1989.
  • S. Garger: H. Flesch-Brunningen. Eine Einführung zu Leben und Werk, Diplomarbeit, Wien 1995.
  • Siglinde Bolbecher & Konstantin Kaiser (Hg.): Hans Flesch (-Brunningen); in: Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Deuticke Verlagsgesellschaft, Wien & München 2000; S. 201–202. ISBN 3-216-30548-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Kuczynski: Memoiren. Köln 1983, S. 300f
  2. Hermann Kesten: Wunderlicher Mensch, wunderliche Geschichten; Süddeutsche Zeitung 2. Februar 1975
  3. Gruft auf dem Friedhof Bad Ischl
  4. Heimito von Doderer in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Februar 1965

Weblinks[Bearbeiten]