Capri

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Capri (Begriffsklärung) aufgeführt.
Capri
Blick über die Stadt Capri mit dem Hafen Marina grande
Blick über die Stadt Capri mit dem Hafen Marina grande
Gewässer Golf von Neapel,
Tyrrhenisches Meer
Inselgruppe Kampanischer Archipel
Geographische Lage 40° 33′ 0″ N, 14° 14′ 0″ O40.5514.233333333333589Koordinaten: 40° 33′ 0″ N, 14° 14′ 0″ O
Capri (Italien)
Capri
Länge 6,3 km
Breite 2,7 km
Fläche 10,4 km²
Höchste Erhebung Monte Solaro
589 m
Einwohner 13.839 (2007)
1331 Einw./km²
Hauptort Capri
Karte mit Sehenswürdigkeiten
Karte mit Sehenswürdigkeiten

Capri ist eine italienische Felseninsel (Kalkstein) im Golf von Neapel. Sie ist 10,4 km2 groß und bekannt für die Höhlen am Meer. Die bekannteste Höhle ist die so genannte Blaue Grotte. Der höchste Punkt der Insel ist mit 589 m über dem Meer der Monte Solaro. Capri hat ein ausgeglichenes, mildes Klima. Die immergrüne Vegetation wird durch Terrassenkulturen mit Wein-, Öl- und Obstbäumen ergänzt. Haupterwerbszweig ist schon seit dem 19. Jahrhundert der ganzjährige Fremdenverkehr. Die Insel liegt nur rund fünf Kilometer vom Festland entfernt und gehört zur Provinz Neapel.

Die Lage Capris am Südrand des Golfes von Neapel
Die Faraglioni an der Südküste

Geografie[Bearbeiten]

Der Süden Capris wird von einem steil ins Tyrrhenische Meer abbrechenden Höhenzug gebildet. Der höchste Berg ist mit 589 m der Monte Solaro. Weitere Berge sind der Monte Capello (514 m) nördlich davon, der Monte Tiberio (335 m) an der Nordostspitze der Insel, der Monte Tuoro (266 m) im Südosten und der Monte Michele (262 m) am Nordrand von Capri-Stadt. Durch seinen steilen Ostabfall teilt das Massiv aus Monte Solaro und Monte Capello die Insel in einen westlichen und einen östlichen Teil.

Geologie[Bearbeiten]

Der oberflächennahe geologische Untergrund besteht überwiegend aus Kalkstein, der in der Kreidezeit gebildet wurde. Bedingt durch den Kalkstein ist Capri reich an Karstformen. Die Blaue Grotte, eine Meereshöhle, ist davon die bekannteste. Im Osten der Insel befindet sich ein Natursteinbogen.

Vegetation[Bearbeiten]

Die Vegetation der Insel Capri ist Macchie, die sich überwiegend aus Rosmarin und Mastixsträuchern zusammensetzt. Stellenweise sind Steineichenwäldchen erhalten geblieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Karte (um 1888)

Archäologische Funde aus der Grotta delle Felci (Farngrotte) sind der Nachweis für eine Besiedlung der Insel seit der Altsteinzeit. Kaiser Tiberius wählte im Jahr 26 n. Chr. Capri zu seinem Regierungssitz und verbrachte dort, bis zu seinem Tod im Jahre 37 n. Chr., einen Großteil seiner letzten Lebensjahre in der Villa Jovis, die über einem senkrecht abfallenden Felsen lag. Die Gründe für diesen Schritt sind unter Historikern umstritten. Die wichtigsten Quellen für die Biographie des Tiberius sind die antiken Schriftsteller Sueton und Tacitus. Sie behaupten, der Kaiser habe sich nach Capri zurückgezogen, um in der Abgeschiedenheit besser seinen Lüsten frönen zu können (die von Sueton ausgiebig beschrieben werden). Möglicherweise war Überdruss an den Regierungsgeschäften in Rom und Misstrauen gegenüber den politischen Kräften in der Hauptstadt sein Motiv. Jedenfalls war auf diese Weise die kleine Insel Capri für elf Jahre Regierungssitz des Römischen Weltreichs, und dies aufgrund einer bewussten Entscheidung des Kaisers. Insgesamt zwölf Villen soll Tiberius (nach Sueton) auf Capri besessen haben, neben der Villa Jovis gelten heute die Villa Damecuta und der so genannte Palazzo al mare als Tiberianische Villen. Aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. stammt eine aus großen Steinen errichtete Stadtmauer in Capri, die zum Schutz vor Sarazeneneinfällen errichtet wurde. Der Ort Capri wuchs um zwei mittelalterliche Stadtkerne. Im Norden entwickelte sich seit dem 11. Jahrhundert ein Stadtteil um die Kapelle Maria delle Grazie. Ein weiteres Stadtviertel entstand im 13. Jahrhundert um die Case Grandi, die großen Häuser.

Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Villa Jovis durch Grabungen des Österreichers Norbert Hadrawa ihrer Kostbarkeiten beraubt und die Objekte in alle Winde verstreut (berühmteste Stücke: der so genannte „Capri-Altar“ heute im Britischen Museum in London, und ein großer Mosaikfußboden im Museo di Capodimonte in Neapel). Heute ist die Villa Jovis die wichtigste archäologische Sehenswürdigkeit auf Capri. Sie liegt am östlichen Ende der Insel und ist in etwa einer Stunde Fußweg von der Piazzetta in Capri aus zu erreichen. Archäologische Spuren lassen vermuten, dass Tiberius auch die Blaue Grotte bereits gekannt und aufgesucht hat.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Capri beliebt als Winter- und Ferienquartier bei deutschen und anderen Künstlern, Schriftstellern und weiteren Berühmtheiten. Längere Zeit blieben u. a. Friedrich Alfred Krupp, Christian Wilhelm Allers, Rainer Maria Rilke, Maxim Gorki, Emil von Behring, Theodor Däubler, Karl Wilhelm Diefenbach, Curzio Malaparte, Norman Douglas und Axel Munthe. Ferdinand Gregorovius besuchte die Insel 1853 und verblieb einen Monat. Darüber berichtete er ausführlich[1]. Deutsche Besucher trafen sich damals oft im Hotel Pagano oder dem Lokal Zum Kater Hiddigeigei. 1899 errichteten sich die Deutschen sogar eine eigene Kirche, die bis heute existierende „Deutsche Evangelische Kirche“ auf Capri. Auch ein eigener Friedhof wurde von den Mitgliedern der Fremdenkolonie angelegt: der bis heute existierende „Cimitero acattolico“, auf dem über 200 Menschen nicht-katholischer Konfessionen beigesetzt wurden.

Gemeinden[Bearbeiten]

Capri[Bearbeiten]

Der Ort erstreckt sich an den Hängen im zentralen Ostteil der Insel Capri. Die Häuser gliedern sich an den zentralen Platz, die Piazzetta, von dem mit der Via Roma und der Via Camerella die Hauptgeschäftsstraßen ausgehen. Das Zentrum und der Süden des Ortes werden von großen Hotelanlagen geprägt. Zwei Straßen verbinden den Ort jeweils mit vielen Spitzkehren mit den beiden Häfen Marina Grande im Norden und Marina Piccola im Süden. Einen großen Teil des südlichen Zentrums nimmt auch das Kartäuserkloster ein (Certosa). Die Verbindungsstraße nach Anacapri windet sich im Norden um das zentrale Bergmassif (Monte Solaro). Capri hat 7285 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2007). Sehenswürdigkeiten im Gemeindegebiet sind:

  • Arco Naturale
  • Faraglioni
  • Giardini Augusto
  • Grotta Matermania
  • Via Krupp
  • Ruinen der Villa Jovis des Tiberius
  • Villa Malaparte
  • Villa Lysis des Baron Fersen
  • Certosa (Klosteranlage) mit Museo Diefenbach
  • Deutsche Evangelische Kirche
  • Kirche San Costanzo
  • Kirche Santo Stefano

Anacapri[Bearbeiten]

Anacapri ist der Hauptort der Westinsel. Hauptstraßen führen von dort zur Punta Carena mit dem Leuchtturm Faro di Carena an der Südwestecke und zur Blauen Grotte im Nordwesten der Insel. Anacapri hat 6554 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2007).

Sehenswürdigkeiten (Gemeindegebiet Anacapri):

Verkehr[Bearbeiten]

Auf der Insel ist zwischen Frühling und Spätherbst Autofahren nur für Capresen erlaubt. Man kann mit dem Taxi fahren, die Funicolare benutzen (eine Standseilbahn) oder einen der Omnibusse.[2]

Von Anacapri führt seit 1952 ein Sessellift auf den Monte Solaro.

Zwischen der Insel und dem Festland gibt es viele Schiffsverbindungen. Große Fähren sind preiswerter als kleine, schnelle Tragflügelboote. Nächstgelegener Hafen ist Sorrent, es gibt auch Fährverbindungen nach Neapel und Ischia sowie (seltener) an die Häfen der Amalfiküste. Nächster Flughafen ist der Flughafen Neapel.

Bilder[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

  • Nach der Insel Capri wurde ein Modell des Autoherstellers Ford benannt, siehe Ford Capri.
  • Nach der Insel Capri wurde der Vorspeisensalat Caprese benannt.
  • Torta Caprese ist in Italien der Name einer Schokoladentorte.
  • Der Markenname des Fruchtsaftgetränks Capri-Sonne entstand ebenfalls in Anlehnung an die Insel.
  • Der Speiseeis-Hersteller Langnese nutzt seit 1959 den Namen Capri für ein Fruchteis.
  • Der deutsche SchlagerCapri-Fischer“ war in den 1950er Jahren sehr beliebt.

Bekannte Capresen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Capri – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Capri – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Capri – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferdinand Gregorivus: Wanderjahre in Italien, Agrippina-Verlag, Köln 1953, S. 127–153.
  2. Wie man sich fortbewegt auf Capri (englisch)