Haus der Elektroindustrie

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Haus der Elektroindustrie
Blick auf das Gebäude von Nordwesten, 2005

Blick auf das Gebäude von Nordwesten, 2005

Daten
Ort Berlin-Mitte
Architekt Heinz Mehlan, Emil Leibold, Peter Skujin
Bauherr Regierung der DDR
Baujahr 1967–1969
Höhe 38 m
Grundfläche 5300 m²+ Ostflügel 1150 m²+
ZBG 2500 m²
Koordinaten 52° 31′ 25″ N, 13° 24′ 55″ O52.52361111111113.415277777778Koordinaten: 52° 31′ 25″ N, 13° 24′ 55″ O

Das Haus der Elektroindustrie (seltener: Haus der Elektrotechnik) (HdE) ist ein Gebäude am Berliner Alexanderplatz mit den Adressen Alexanderstraße 1, 3 und 5. Bis Juni 2006 hatte das gesamte Gebäude die Adresse Alexanderplatz 6. Es beherbergte das Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik der DDR von 1969 bis 1990 und weitere Teile angegliederter Betriebe. In den 1990er Jahren hatte die Treuhandanstalt hier ihren Hauptsitz. Von 1999 bis 2011 war das ehemalige HdE Sitz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, von 1999 bis 2009 beherbergte es zudem das Bundesfamilienministerium.

Geschichte[Bearbeiten]

Haus der Elektroindustrie (linkes Gebäude), 1972

Gebaut wurde das 220 Meter lange und 38 Meter hohe, zehngeschossige Haus der Elektroindustrie von 1967 bis 1969 nach Plänen der Berliner Architekten Heinz Mehlan, Emil Leibold und Peter Skujin. Die Bauausführung erfolgte durch schwedische Spezialisten in Stahlskelett-Konstruktion. Nötige Wände wurden mit Ziegelsteinen ausgemauert. Das Haus erhielt eine Klimaanlage und zahlreiche damals üblich gewordene Großraumbüros.

Im Erdgeschossbereich waren vier öffentlich zugängige Handelseinrichtungen untergebracht: Schallplatten, Rundfunk und Fernsehen, Uhren sowie Foto-Kino-Optik (Zeiss-Industrieladen) (von links nach rechts). Auf dem Dach drehten sich beidseitig Werbewürfel, die für die Elektronikindustrie der DDR Reklame machten. Dem HdE zugehörig war auch die Zentrale Betriebsgaststätte (ZBG) auf der nördlichen Hofseite mit direktem Zugang von der ersten Etage des HdE sowie der Anbau auf der rechten Seite, gegenüber dem Haus des Reisens, wo einige besondere Dienste des MfS der DDR untergebracht waren.[1]

Nach der Fertigstellung bezogen das Ministerium für Elektrotechnik/Elektronik der DDR (MEE), die VVB Bauelemente und Vakuumtechnik (VVB BuV) und einige fachspezifische Außenhandelsbetriebe den Komplex und verblieben hier. 1978 wurde die VVB BuV infolge der Gründung des VEB Kombinat Mikroelektronik Erfurt (VEB KME) und des VEB Kombinat Elektronische Bauelemente Teltow (VEB KEBT) aufgelöst und ihre Abteilungen zogen aus dem HdE aus.

Nach der deutschen Wiedervereinigung ging das Gebäude in die Verwaltung der Treuhandanstalt über, die hier zunächst ihren Hauptsitz hatte. Umbaupläne des Alexanderplatzes, die von Hans Kollhoff und Helga Timmermann 1993 stammen, sahen den Abriss des Hauses vor. An seiner Stelle sollten zwei Hochhaustürme errichtet werden. Bisher (Stand 2013) fanden sich für diesen Bebauungsplan weder Investoren noch Nutzer, so dass das HdE stehen blieb und anderweitig genutzt wird. Als Nachfolgeeinrichtung der Treuhandanstalt trat 1995 die Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) in die Verwaltung ein. Sie ließ das Gebäude zwischen 1998 und 2000 für 120 Millionen Mark sanieren.

Am 23. August 1999 bezog das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit das Haus der Elektrotechnik, zunächst mit einem auf drei Jahre begrenzten Mietvertrag. Zwischen 2000 und 2001 wurde die Fassade des Gebäudes durch den Architekten Sergei Tchoban[2] erneuert und mit einem Zitat aus dem Roman Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin aus dem Jahr 1929 großflächig gestaltet:

„Eine Handvoll Menschen um den Alex. Am Alexanderplatz reissen sie den Damm auf für die Untergrundbahn. Man geht auf Brettern. Die Elektrischen fahren über den Platz die Alexanderstraße herauf durch die Münzstraße zum Rosenthaler Tor. Rechts und links sind Straßen. In den Straßen steht Haus bei Haus. Die sind vom Keller bis zum Boden mit Menschen voll. Unten sind die Läden. Destillen, Restaurationen, Obst- und Gemüsehandel, Kolonialwaren und Feinkost, Fuhrgeschäft, Dekorationsmalerei, Anfertigung von Damenkonfektion, Mehl und Mühlenfabrikate, Autogarage, Feuersozietät. Wiedersehen auf dem Alex, Hundekälte. Nächstes Jahr, 1929, wirds noch kälter.“

Weitere Mieter des Objektes sind Banken, Versicherungen und kleine Ladengeschäfte. Das Bundesfamilienministerium bezog im Februar 2010 einen Neubau in der Glinkastraße,[3] das Bundesumweltministerium ist im Juni 2011 in einen Neubau in der Stresemannstraße 128 /Ecke Erna-Berger-Straße gezogen.[4]

Pläne für neue Nutzungen oder neue Mieter des HdE sind noch nicht bekannt geworden (Stand: 2014).

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Wagner: Regierungsbauten in Berlin – Geschichte, Politik, Architektur. be-bra Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-930863-94-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus der Elektroindustrie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Haus der Elektroindustrie mit weiteren Detailinformationen
  2. Homepage von Robert Voigt mit Foto und Text zum HdE; abgerufen am 9. September 2009
  3. Bundesfamilienministerium zieht um – ab 22. Februar 2010 gilt neue Adresse: Glinkastraße 24, 10117 Berlin; Pressemitteilung zum Umzug des Ministeriums vom 15. Februar 2010
  4. Stresemannstraße – Berliner Dienstsitz des BMU ab 2011