Carl Zeiss (Unternehmen)

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Carl Zeiss AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 17. November 1846
Sitz Oberkochen

Leitung

Mitarbeiter 24.623 (30. September 2013)[2]
Umsatz 4,19 Mrd. Euro (2012/13)[2]
Branche Optik, Optoelektronik, Medizintechnik, Halbleitertechnologie, Messtechnik
Website www.zeiss.de

Die Carl Zeiss AG ist ein Unternehmen der feinmechanisch-optischen Industrie. Sitz der Konzernleitung ist heute Oberkochen. Weitere Standorte befinden sich in Jena, Aalen, Berlin, Göttingen, München, Bochingen und Wetzlar[3] sowie in den USA, Ungarn, der Schweiz, Mexiko, Weißrussland, Großbritannien, Frankreich, Israel, Indien und China.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründungszeit[Bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg erlebte das Unternehmen einen rasanten Aufstieg, der auch mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht nachließ. In beiden Weltkriegen gehörte das Unternehmen zu den wichtigsten deutschen Produzenten von rüstungs- und kriegsrelevanten Gütern. Noch bis Ende 2012 wurden entsprechende Produkte wie Zieloptiken, Wärmebild- und Tagsichtkameras, sowie Sicherheitssysteme weltweit angeboten.[4][5]

In Wien errichtete das Unternehmen im Jahr 1902 eine Niederlassung, im Jahr 1912 auch einen Erzeugungsbetrieb, der im Ersten Weltkrieg noch an Bedeutung gewann, sodass in den Kriegsjahren 1916 und 1917 durch den Architekten Robert Oerley ein viergeschossiger Neubau in Wien-Breitensee erfolgte. Das Zeiss-Werk Wien, das heute auf Grund seiner damals einzigartigen Bauweise unter Denkmalschutz steht, wurde von Zeiss nur bis 1926 genutzt. In der Folge erwarb Philips das Gebäude.[6]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Während des Dritten Reichs beschäftigte Carl Zeiss Hunderte von Zwangsarbeitern, etwa im Werk Göttingen (damals Winkel-Zeiss Göttingen) und am Zeiss-Hauptstandort Jena.[7][8]

Spaltung[Bearbeiten]

Carl Zeiss in Jena[Bearbeiten]

VEB Carl Zeiss Jena (1987)

In Jena übernahmen die sowjetischen Besatzer die Kontrolle über das Unternehmen und begannen mit der Entnahme von Reparationsleistungen. 1946 wurde die Teildemontage des Werkes beschlossen und bis 1947 durchgeführt. Am 1. Juni 1948 wurden die in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Unternehmen der Carl-Zeiss-Stiftung enteignet. Das Jenaer Werk wurde als VEB Carl Zeiss Jena in die neue DDR-Staatsindustrie integriert. Das Dresdner Werk der Tochterfirma Zeiss Ikon wurde ebenfalls enteignet und firmierte fortan als VEB Zeiss Ikon.

VEB Carl Zeiss Jena im Juli 1978

In dieser Zeit (1945–1966) stand es unter der Führung des ersten Werkleiters Hugo Schrade. 1965 wurde der VEB Carl Zeiss Jena zum Stammbetrieb des gleichnamigen Kombinates weiterentwickelt, dem nach und nach andere VEB der optisch-feinmechanischen und Elektronik-Industrie zugeordnet wurden. Zu dieser Gruppe gehörten beispielsweise der VEB Pentacon Dresden, in dem seinerseits bereits große Teile der sächsischen optisch-feinmechanischen Industrie aufgegangen waren (u. a. Meyer-Optik, Ihagee, Filmosto, Praktica). In den 1980er Jahren umfasste das Zeiss-Kombinat 25 Betriebe mit bis zu 70.000 Beschäftigten. Langjähriger Generaldirektor war von 1975 bis 1989 Wolfgang Biermann, Mitglied des ZK der SED.

1955 wurde bei Zeiss Jena mit dem OPREMA der erste in der DDR gebaute Computer fertiggestellt, von dem nur zwei Exemplare gebaut wurden. 1961 wurde mit dem Zeiss-Rechen-Automat (ZRA 1) ein weiterer Computer vorgestellt, der bis 1964 gefertigt wurde.

Im VEB Carl Zeiss Jena wurde die Multispektralkamera MKF 6 zur Fernerkundung vom Weltraum und aus Flugzeugen entwickelt und gebaut. Der erste Einsatz erfolgte im September 1976 an Bord des Raumschiffs Sojus 22. Auch Sigmund Jähn, der erste Deutsche im Kosmos, führte damit während seines Raumfluges Experimente zur Erdfernerkundung durch. Die weiterentwickelte Version MKF 6M kam u. a. auf der Raumstation Mir zum Einsatz.

Planetariumsprojektor von Carl Zeiss Jena

In Jena wurden weiterhin Planetariumsprojektoren entwickelt, gebaut und weltweit exportiert.

Der 1-Megabit-Chip U61000D

Für den 1-Megabit-Chip U61000 wurde dem Kombinat VEB Carl Zeiss Jena auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1989 die Goldmedaille verliehen.

Seit den siebziger Jahren gewann der VEB Carl Zeiss Jena, der im Volksmund auch „VEB Pulver und Blei“ genannt wurde, zunehmend eine herausragende Bedeutung als Rüstungsbetrieb: Sämtliche optische Militärgeräte wurden hier entwickelt und produziert, so etwa das Universalmessgerät UMGPi für Pioniere, das Stereonachtsichtgerät PM 1 für Pionierpanzer, der Zielsuchkopf der Luft-Luft-Rakete K 13 M, die Feuerleitanlage Wolna für den T-55 A und der Zielentfernungsmesser für den T-72, um nur einige Projekte zu nennen. In den Jahren 1976 bis 1980 belief sich der Anteil der militärischen Produktion auf 5,5 % der Gesamtproduktion, 1986 betrug er für das Kombinat Carl Zeiss 21,8 %. Bis 1990 war die weitere Erhöhung auf 28 % geplant.

Ab den 1960er Jahren übernahm ein betriebsinternes Designbüro, das durch den angesehenen Industriedesigner Gerd Böhnisch geleitet wurde, die Gestaltung aller neuentwickelten Produkte des VEB Carl Zeiss Jena.[9] Mikroskope, Theodoliten, Planetarien, Teleskope, Kinotechnik und andere Geräte zeigten eine einheitliche Designlinie. Zumindest auf dem Gebiet des Produktdesigns sorgten Gerd Böhnisch und sein Team im VEB Carl Zeiss Jena für das, was man heute als Corporate Design beziehungsweise Corporate Identity bezeichnet.

Logo Zeiss Germany

Carl Zeiss in Oberkochen[Bearbeiten]

Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Jena für kurze Zeit durch US-amerikanische Truppen besetzt. Mit dem Abzug der US-Streitkräfte aus Thüringen im Juni 1945 wurden auch zahlreiche Spezialisten sowie die amtierende Geschäftsführung gezwungen, Jena in Richtung Heidenheim (Württemberg) zu verlassen. Am 4. Oktober 1946 wurde in Oberkochen die Opton Optische Werke Oberkochen GmbH gegründet und ein neuer Produktionsstandort aufgebaut. Am 31. Juli 1947 wurde der Name in „Zeiss-Opton Optische Werke Oberkochen GmbH“ geändert. Am 1. Oktober wurde daraus das Unternehmen „Carl Zeiss“. In den 1950er Jahren wurde in Oberkochen eine umfassende Optikproduktion für Industrie- und Fotografieanwendungen aufgebaut. Der Sitz der Carl-Zeiss-Stiftung blieb in Heidenheim, ab 1954 als alleiniger Rechtsnachfolger der Carl-Zeiss-Stiftung der Vorkriegszeit. Die Carl-Zeiss-Stiftung beanspruchte die alleinigen Rechte am Namen „Carl Zeiss“, konnte diese jedoch nur außerhalb der RGW-Staaten durchsetzen. Für den Export in RGW-Staaten bestimmte Produkte führten den Namen „Opton“, umgekehrt führten Produkte aus Jena außerhalb des RGW-Bereichs den Namen „aus Jena“. Diese Abgrenzung der Namensrechte wurde am 1.Oktober 1971 im Londoner Abkommen festgeschrieben.

Die bei der ersten Mondlandemission Apollo 11 am 21. Juli 1969 verwendete Video- und Fotoausrüstung (Hasselblad-Kameras), mit der die weltbekannten Bilder und Videos entstanden, war mit Objektiven aus dem Hause Zeiss ausgestattet.

Ingenieure im Werk Göttingen

Carl Zeiss nach 1990[Bearbeiten]

Von 1990 bis 1991 wurde der VEB Carl Zeiss Jena in die Carl Zeiss Jena GmbH und die Jenoptik GmbH aufgespalten, wobei erstere das optische Kerngeschäft beinhaltete. Carl Zeiss Oberkochen und Jenoptik teilten sich die Gesellschafteranteile an der Carl Zeiss Jena GmbH, 1995 wurden die Anteile der Jenoptik von Carl Zeiss in Oberkochen übernommen. Bedingt durch die Unternehmenskrise des Gesamtkonzerns und die Folgen der Wiedervereinigung kam es in den 1990er Jahren an den Standorten Jena und Oberkochen zu mehreren Entlassungswellen.

Seit 2004 ist Carl Zeiss eine Aktiengesellschaft, deren alleinige Aktionärin die Carl-Zeiss-Stiftung ist.[10] Trotz der Krise konnte Zeiss gestärkt weiterproduzieren.

Konzernstruktur[Bearbeiten]

Eigentümerin[Bearbeiten]

Nach dem Tod von Carl Zeiss gründete Ernst Abbe 1889 die Carl-Zeiss-Stiftung, der er und die Nachfahren von Carl Zeiss ihre Firmenanteile übertrugen.[11] Auch das Jenaer Glaswerk, heute Schott AG, befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum der Carl-Zeiss-Stiftung.[12]

Im Stiftungsstatut von 1896 legte Abbe nicht nur die Ziele der Stiftung fest, sondern auch grundlegende Prinzipien der Unternehmensführung und einklagbare Rechte der Mitarbeiter.[13] In soweit ist die Stiftung eine Vorläuferin des modernen Arbeitsrechts.

Während der deutschen Teilung gab es zwei Carl-Zeiss-Stiftungen in der DDR[14] und in der Bundesrepublik Deutschland[15], die jeweils das Alleinvertretungsrecht beanspruchten. 1992 wurden diese beiden Stiftungen zusammengeführt. 2004 wurde das Stiftungsstatut grundlegend reformiert und die der Stiftung gehörenden Unternehmen in Aktiengesellschaften umgewandelt.[16]

Die Stiftungsverwaltung, die von den Wissenschaftsministern der Länder Baden-Württemberg und Thüringen gebildet wird, ernennt einen aus drei Personen bestehenden Stiftungsrat. Er übt die Eigentümerrechte und -pflichten der Stiftung gegenüber den Unternehmen aus. Die Vorstände der Unternehmen wiederum haben einen Sitz im Vorstandsbeirat und müssen in allen wichtigen Fragen der Carl-Zeiss-Stiftung gehört werden.[17]

Tochterunternehmen[Bearbeiten]

Konzernzentrale Carl Zeiss AG, Oberkochen (2008)
  • Die Carl Zeiss Industrielle Messtechnik GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Carl Zeiss AG, gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Koordinatenmessgeräten unterschiedlichster Bauart, Messvolumen und Messgenauigkeit.
  • Die Carl Zeiss Jena GmbH entwickelt und fertigt individuelle optische und mechanische Komponenten sowie Systeme für Auftraggeber innerhalb und außerhalb der Carl Zeiss Gruppe.
  • Die Carl Zeiss Microscopy GmbH bietet mikroskopische Lösungen und Systeme für den Forschungs- und Laborbereich in der Biologie und Medizin sowie für die Materialanalyse an, außerdem Spektralsensoren für den Analytik-Markt. Die mikroskopischen Systeme umfassen sowohl Weitfeld-Mikroskope und Laser-Scanning-Mikroskope wie auch Charged-Particle-Mikroskope.
  • Die börsennotierte Carl Zeiss Meditec AG, Mehrheitsaktionär ist Carl Zeiss, ist einer der weltweit führenden Anbieter von Systemlösungen für die Augenheilkunde.
  • Die Carl Zeiss SMT GmbH stellt mit ihren Tochtergesellschaften Carl Zeiss SMS GmbH und Carl Zeiss Laser Optics GmbH Produkte für die Halbleiterindustrie her.
  • Die Carl Zeiss SMS GmbH, eine Tochtergesellschaft der Carl Zeiss SMT GmbH (Semiconductor Manufacturing Technology), hat sich auf Geräte zur Inspektion und Reparatur photolithographischer Masken in der Halbleiterindustrie spezialisiert.
  • Die Carl Zeiss Vision International GmbH gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Brillenglasprodukten, augenoptischen Geräten und Dienstleistungen für Augenoptiker und Optometristen. Mit dem Zusammenschluss des Augenoptik-Bereiches der Carl Zeiss AG und dem US-amerikanischen Brillenglashersteller SOLA International Inc.[18] entstand 2005 die Carl Zeiss Vision als weltweit zweitgrößter Brillenglashersteller mit Hauptsitz in Aalen. An dem so entstandenen Unternehmen, an dem die Carl Zeiss AG und der EQT III Fonds zu je 50 Prozent beteiligt waren, übernahm Carl Zeiss im August 2010 wieder die Mehrheit. Seit dem 1. Oktober 2011 gehört die Carl Zeiss Vision wieder vollständig zum Carl Zeiss Konzern.

Produkte[Bearbeiten]

Neben den „klassischen“ optischen Erzeugnissen, wie Linsen, Objektive, Mikroskope, Brillengläser (Gleitsichtgläser und Spezialschliffe) gehören heute auch Geräte für die Halbleiterindustrie (Produktions- wie Kontrolltechnik), für die Medizintechnik (Operationsmikroskope, Augenoptiker-Arbeitsplätze), Mehrkoordinaten-Messtechnik für die Industrie, Planetarien sowie Geräte für den Unterhaltungsbereich (Videobrillen) zum Produktprogramm. Im Jahr 2012 wurde die neue Videobrille Cinemizer OLED vorgestellt, die sich zur Betrachtung von 2D- und 3D-Filmen und mit Zubehör auch für PC-Spiele eignet.[19]

Zielfernrohre, Ferngläser und Spektive werden von der Carl Zeiss Sports Optics GmbH (ehemals Hensoldt AG) produziert.

Große Bekanntheit erlangte das Unternehmen Carl Zeiss durch seine astronomischen Instrumente. Hierzu gehören Fernrohre, Spiegelteleskope und Ausrüstungen für Observatorien, aber auch Planetarien. Die bekannte Bauform des Planetariums, wegen des Aussehens oft Knochen genannt, ist einer weit schlichteren, Universarium genannten, Konstruktion gewichen, die im Wesentlichen nur noch aus einer Projektionskugel besteht. Im Bereich der astronomischen Instrumente stellt Carl Zeiss noch Spiegel u. a. für Spiegelteleskope (z. B. das GREGOR-Teleskop) und Satelliten her.

Der Produktkatalog umfasst aber auch andere Bereiche, zum Beispiel chemische Analysentechnik auf optischer Basis, Geräte zum Umweltschutz (Ermittlung von Luftverschmutzungen mittels reflektierten Laserlichtes) und vieles mehr.

Das traditionelle Geschäft mit optronischen Systemen für Wehrtechnik, Überwachung und Sicherheit - die frühere Carl Zeiss Optronics GmbH - wurde zum Ende des Geschäftsjahrs 2011/12 mehrheitlich von Cassidian, einer Division der EADS GmbH, übernommen.

Fototechnikproduktion[Bearbeiten]

Mit wenigen Ausnahmen beschränkte sich die Mutterfirma Carl Zeiss auf die Optikproduktion und -entwicklung und überließ die Produktion von Kameras den Tochterfirmen.

Bis 1945[Bearbeiten]

Carl Zeiss lieferte die Objektive für die Kameras der Tochterfirma Zeiss Ikon, die vor allem unter dem Namen Contax verkauft wurden.

VEB Carl Zeiss Jena[Bearbeiten]

Aufgrund unzureichender Eigenproduktion von Zeiss-Opton in Oberkochen lieferte der VEB Carl Zeiss Jena von 1948 bis 1953 Objektive an die Zeiss-Ikon AG in Stuttgart zu. Ab 1946 wurde in Jena und Saalfeld die Produktion von Contax-Messsucherkameras (und Objektiven dazu) der Vorkriegsbaureihen vorbereitet, nachdem die originalen Werkzeuge, die als Reparationsleistung für eine Produktionsaufnahme in Kiew bestimmt waren, verschollen waren. Nach Aufnahme einer Versuchsproduktion wurden die Anlagen nach Kiew gebracht und damit die Kameraproduktion in Jena wieder beendet. Der VEB Carl Zeiss Jena lieferte einen Teil der Objektive für die Spiegelreflexkameras des VEB Pentacon in Dresden zu, darunter die Contax, Praktina, Praktica, Praktisix und Pentacon Six bis zur Einstellung der Kameraproduktion bei Pentacon Anfang der 1990er Jahre. Von 1954 bis 1967 wurde im Werk Eisfeld die Kamera Werra hergestellt.[20] Exportprodukte für Länder außerhalb des RGW durften den Namen „Carl Zeiss“ nicht tragen und wurden daher mit „aus Jena“ bezeichnet.

Carl Zeiss (Oberkochen)[Bearbeiten]

Nach Aufbau einer eigenen Optikproduktion wurden von Carl Zeiss die Objektive für die Messsucherkameras Contax IIa und Contax IIIa sowie nachfolgend für die Spiegelreflexkameras Contaflex und Contarex gebaut, nach Übernahme von Voigtländer durch die Carl-Zeiss-Stiftung auch für deren Kameras. Später fertigte Carl Zeiss auch Objektive für Mittelformatkameras stiftungsfremder Hersteller, nämlich Hasselblad und Rollei. Nach Einstellung der Kameraproduktion bei Zeiss Ikon 1972 fungierte Carl Zeiss kurzzeitig selbst als Hersteller der Contarex-Kameras bis zu deren Einstellung. Ebenfalls 1972 wurde der Kooperationsvertrag mit dem japanischen Kamerahersteller Yashica unterzeichnet, der die Lieferung von Objektiven für neu zu entwickelnde Spiegelreflexkameras unter dem klassischen Namen Contax, der weiterhin im Besitz von Carl Zeiss blieb, vorsah. Realisiert wurde die Kooperation ab 1974, jedoch wurde schon bald die Herstellung der meisten Contax-Objektive als Lohnfertigung an Yashica übertragen. Diese Kooperation dauerte bis 2005 an und wurde bis dahin um Kompaktkameras, Mittelformatkameras und Digitalkameras des Herstellers Kyocera, der 1982 Yashica übernommen hatte, erweitert. Carl Zeiss war jedoch in allen Fällen für die optische Konstruktion und Qualitätsüberwachung verantwortlich. So wurde beispielsweise das Zeiss-Tessar-Objektiv in den Kompaktkameras der Serie Yashica (Kyocera) T2/T3/T4/T5 verwendet.

Nachdem schon vorher Hasselblad und Rollei übernahmebedingt ihre Objektive vorwiegend anderweitig bezogen, wurde nach Beendigung der Kooperation mit Kyocera das Betätigungsfeld verlagert. 2005 wurde unter der Marke Zeiss Ikon eine Messsucherkamera für 35-mm-Film vorgestellt, die unter Verantwortung von Carl Zeiss bei Cosina in Japan hergestellt wird. Die Objektive (Serie ZM) für diese werden teilweise in Oberkochen, teilweise bei Cosina gefertigt. Bei der Photokina 2006 hat Zeiss auch drei Objektive mit silberfarbener Fassung für Hasselblad-Kameras der V-Reihe vorgestellt, die unter der Bezeichnung „Classic“ von Zeiss vertrieben werden sollen. Der ukrainische Hersteller Hartblei bietet Shift-Objektive mit Zeiss-Optik für Kleinbildsysteme an.

Aktuell (2012) bietet Zeiss neben Objektiven für technische Anwendungen und zum Filmen Wechselobjektive von 15 bis 100 mm Brennweite für Spiegelreflexkameras verschiedener Marken an, die sämtlich in Ganzmetallbauweise und zur manuellen Fokussierung ausgeführt sind. Diese Objektive werden unter Aufsicht von Zeiss-Mitarbeitern ebenfalls bei Cosina in Japan gefertigt. Überdies ist Zeiss auch als Zulieferer von Objektiven für Smartphones und Kompaktkameras aktiv.

Kriktik[Bearbeiten]

Kartellabsprachen[Bearbeiten]

Im Juni 2010 hat das Bundeskartellamt gegen mehrere Brillenglashersteller und den Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) wegen Kartellabsprachen Bußgelder in Höhe von insgesamt 115 Millionen Euro verhängt.[21][22] Bußgeldadressat in der Carl Zeiss Gruppe war die Carl Zeiss Vision GmbH, die gegen den Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt hat. Das Verfahren läuft noch.

Trivia[Bearbeiten]

Historisierende Romane[Bearbeiten]

  • Gläserne Wunder. Drei Männer schaffen ein Werk. Zeiß, Abbe, Schott. (1938)
  • Made in Germany. Die dramatische Geschichte des Hauses Zeiss. (1957)
  • Die gläserne Fackel (1989)

Historisierende Filme[Bearbeiten]

Fußballclub FC Carl Zeiss Jena[Bearbeiten]

Nach dem Unternehmen ist der Fußballclub FC Carl Zeiss Jena benannt, der momentan in der Regionalliga Nordost spielt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Georgi, Tobias Mahl: 90 Jahre industrielle Messtechnik bei Carl Zeiss. August Dreesbach, München 2010, ISBN 978-3-940061-34-8.
  • Wolfgang Held: Die gläserne Fackel. Band 1. Mitteldeutscher Verlag, Halle, 1989, ISBN 3-354-00510-6.
  • Edith Hellmuth, Wolfgang Mühlfriedel: Zeiss 1846–1905. Vom Atelier für Mechanik zum führenden Unternehmen des optischen Gerätebaus (= Carl Zeiss. Bd. 1). Böhlau, Weimar u. a. 1996, ISBN 3-412-05696-0.
  • Armin Hermann: Nur der Name war geblieben. Die abenteuerliche Geschichte der Firma Carl Zeiss. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1989, ISBN 3-421-06515-2.
  • Armin Hermann: Jena und die Jenoptik. Vom Kombinat zum Global Player. ECON, Düsseldorf u. a. 1998, ISBN 3-430-14461-2.
  • Armin Hermann: Und trotzdem Brüder. Die deutsch-deutsche Geschichte der Firma Carl Zeiss (= Serie Piper 3821). Piper, München u. a. 2002, ISBN 3-492-23821-1.
  • Hans-Jürgen Kuc: Auf den Spuren der Contax. Band 2: Contax-Geschichte von 1945 bis heute, mit Contaflex, Contarex, Icarex und Kiev. 2. Auflage. Wittig Fachbuchverlag, Hückelhoven 2003, ISBN 3-930359-34-0.
  • Wolfgang Mühlfriedel, Edith Hellmuth: Carl Zeiss in Jena 1945–1990 (= Carl Zeiss. Bd. 3). Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-11196-1.
  • Armin Müller: Institutionelle Brüche und personelle Brücken. Werkleiter in Volkseigenen Betrieben der DDR in der Ära Ulbricht (= Wirtschafts- und sozialhistorische Studien. Bd. 15). Böhlau, Köln u. a. 2006, ISBN 3-412-31005-0 (zur Zeit 1945 bis 1975; zugleich: Konstanz, Universität, Dissertation, 2005).
  • Reinhard Neunhöffer: Jenaer Lasertechnik: zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Staatssicherheit. Stuttgart 2001 (Stuttgart, Universität, Dissertation, 2001).
  •  Bernd K. Otto: Carl Zeiss Kamera-Register 1902–2012. Beiträge zur Firmengeschichte. Kamera-Register-Index. Auflistung aller Kameramodelle. Rudolf Hillebrand, Neuss 2012, ISBN 978-3-9813746-4-3.
  • Fritz Scheffel: Gläserne Wunder. Drei Männer schaffen ein Werk. Zeiß, Abbe, Schott. Braun & Schneider, München 1938.
  • Heinz Sponsel: Made in Germany. Die dramatische Geschichte des Hauses Zeiss. Bertelsmann, Gütersloh 1957.
  • Rolf Walter: Zeiss 1905–1945 (= Carl Zeiss. Bd. 2). Böhlau, Köln u. a. 2000, ISBN 3-412-11096-5.
  • Ilse Wettig: Die Erziehung der Werktätigen zur sozialistischen Arbeitsdisziplin durch die Gewerkschaftsleitung auf der Grundlage der zehn Gebote der Ethik und Moral, untersucht im VEB Carl Zeiss Jena. Gewerkschaftshochschule, Bernau 1960 (Diplomarbeit).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Zeiss (Unternehmen) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorstand und Aufsichtsrat der Carl Zeiss AG. Carl Zeiss AG, abgerufen am 11. September 201.
  2. a b Wirtschaftsdaten der Carl Zeiss Gruppe. Carl Zeiss AG, abgerufen am 11. September 2013.
  3. Anfahrt zu Carl Zeiss in Deutschland. Carl Zeiss AG, abgerufen am 11. September 2013.
  4. Ralf Beste, Markus Dettmer, Dietmar Hawranek: Krisen sind ihr Geschäft. In: Der Spiegel, Ausgabe 28/2011 vom 11. Juli 2011. Online auf spiegel.de.
  5. Wie wichtig das Waffengeschäft für Deutschland ist. Studie der WIRTSCHAFTSWOCHE vom 12. Dezember 2012. Online auf wiwo.de.
  6. Robert Oerleys Zeiss-Fabrik in Wien-Breitensee (PDF; 7,5 MB) in Denkma(i)l der Initiative Denkmalschutz Ausgabe 07/2011 abgerufen am 29. August 2011
  7. Stadtarchiv Göttingen: R. Winkel GmbH (Zeiss-Winkel), Göttingen, Königsallee 19/21. Online auf zwangsarbeit-in-goettingen.de vom 30. November 2005, abgerufen am 18. Juli 2013.
  8.  Norbert Moczarski, Bernhard Post, Katrin Weiß (Hrsg.): Zwangsarbeit in Thüringen 1940–1945. In: Quellen aus den Staatsarchiven des Freistaates Thüringen. Erfurt 2002, ISBN 3-931426-67-X (PDF, 3,9 MB, online, abgerufen am 10. August 2013).
  9. Ingeborg de Roode: Bauhaus-Rezeption und DDR-Designpolitik: Vom Sozialismus über Stalinismus zum Kapitalismus. In Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen. Weimar 1992, Ausg. 38, S. 291–292. Online auf e-pub.uni-weimar.de (PDF; 6,0 MB)
  10. Pressemitteilung des Unternehmens vom 1. Juli 2004
  11. Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 47-58.
  12. Carl-Zeiss-Stiftung. Über uns.. Website der Carl-Zeiss-Stiftung. Abgerufen am 11. September 2014.
  13. Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S. 65-85.
  14. Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S.195 ff.
  15. Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S.239 ff.
  16. Werner Plumpe (Hrsg.): Eine Vision zwei Unternehmen. 125 Jahre Carl-Zeiss-Stiftung. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66285-0, S.293 ff.
  17. Carl-Zeiss-Stiftung. Organisation.. Website der Carl-Zeiss-Stiftung. Abgerufen am 11. September 2014.
  18. EQT, Carl Zeiss buy of Sola International cleared by EU. Englisch. Online auf finanznachrichten.de vom 3. März 2005 (abgerufen am 29. Dezember 2008).
  19. Christian Klaß: 3D-fähige Videobrille mit Headtracker auch für Spiele, online auf Golem.de vom 28. Februar 2012.
  20. Werra IV Seeing1, private Webseite, abgerufen am 27. November 2013.
  21. 115 Mio. Euro Geldbuße gegen Brillenglashersteller. Pressemeldung des Bundeskartellamtes vom 10. Juni 2010.
  22. 115 Millionen Euro Bußgeld für Brillengläserhersteller und Optikerverband. Online auf Telepolis, heise.de vom 12. Juni 2010.

48.78183333333310.099611111111Koordinaten: 48° 46′ 54,6″ N, 10° 5′ 58,6″ O