Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

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Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.
(Helmholtz-Gemeinschaft)
Logo der Helmholtz-Gemeinschaft
Zweck: Großforschung
Vorsitz: Jürgen Mlynek (Präsident)
Gründungsdatum: 2001
Sitz: Bonn
Website: www.helmholtz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. (auch Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren) ist eine deutsche Organisation zur Förderung und Finanzierung der Forschung.

Überblick[Bearbeiten]

Namenspatron Hermann von Helmholtz (1894)

Es handelt sich um einen Mitgliedsverbund aus 18 unabhängigen naturwissenschaftlich-technisch und biologisch-medizinisch ausgerichteten Forschungszentren mit zusammen rund 36.000 Beschäftigten, davon sind 12.269 Wissenschaftler (Stand 2012). Das Budget beträgt derzeit 3,76 Milliarden Euro (2013).[1] Erklärtes Ziel ist es, „große und drängende Fragen von Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft zu beantworten“.

Etwa 70 % des Budgets werden im Rahmen der Grundfinanzierung durch die öffentliche Hand finanziert, während der Rest von den Mitgliedern als Drittmittel eingeworben wird. Die Grundfinanzierung wird zu 90 % vom Bund und zu 10 % von den Ländern getragen. Planungssicherheit durch kontinuierliche Etatsteigerungen ist mit dem Pakt für Forschung und Innovation gegeben.

Grundstein der Wissenschaftsgemeinschaft war 1958 der „Arbeitsausschuss für Verwaltungs- und Betriebsfragen der deutschen Reaktorstationen“, gegründet von den Forschungszentren Karlsruhe (seit Oktober 2009 Karlsruher Institut für Technologie) und Jülich, der damaligen Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt (heute Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung) und von den Kernforschungsinstituten einiger Universitäten. In den folgenden Jahren kamen weitere Forschungszentren zu dem losen Verbund hinzu. 1970 entstand daraus die Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen (AGF).[2]

1995 bekam diese Arbeitsgemeinschaft ihren heutigen Namen: Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, nach dem deutschen Physiologen und Physiker Hermann von Helmholtz. 2001 folgte schließlich die Umwandlung in einen eingetragenen Verein rechtlich selbstständiger Mitglieder.

Seit 1. September 2005 ist Jürgen Mlynek Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Er trat die Nachfolge von Walter Kröll an.

Mitglieder[Bearbeiten]

Lage der Helmholtz-Zentren in Deutschland

Mitglieder der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren sind:

Helmholtz-Institute gemeinsam mit Universitäten[Bearbeiten]

Am 9. Juni 2009 wurde in Mainz die Gründung des ersten „Helmholtz-Instituts“ in Deutschland, des „Helmholtz-Instituts Mainz“, besiegelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen, Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, und Horst Stöcker, wissenschaftlicher Geschäftsführer des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung, unterzeichneten hierzu ein Memorandum.[3]

In dem am 25. Juni 2009 gegründeten Helmholtz-Institut Jena vereinigen sich die Kompetenzen der Friedrich-Schiller-Universität in Jena auf dem Gebiet der Hochleistungslaserphysik mit der Expertise in Beschleuniger-, Laser- und Röntgentechnologie des Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in der Helmholtz-Gemeinschaft und dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung.[4]

Das Helmholtz-Institut Saarbrücken wurde am 24. August 2009 unter Beteiligung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig (HZI) und der Universität des Saarlandes gegründet.[5] Am Helmholtz-Institut Saarbrücken sollen neue Wirkstoffe zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten identifiziert und für die pharmazeutische Anwendung weiterentwickelt werden.

2011 wurde das Helmholtz-Institut für Elektrochemische Energieforschung in Ulm gegründet. Es ist eine Außenstelle des Karlsruher Instituts für Technologie und befindet sich auf dem Campus der Universität Ulm.

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) wurde ebenfalls 2011 gegründet. Es wird in enger Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg aufgebaut und hat das Ziel, innovative Technologien für die Wirtschaft zu entwickeln, um mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitzustellen und zu nutzen sowie umweltfreundlich zu recyceln.

Im August 2013 wurde das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg (HI ERN) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gegründet.[6] Gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) und dem Forschungszentrum Jülich befasst sich das HI ERN mit der Erforschung druckbarer Photovoltaik und mit innovativen Methoden zur chemischen Energiespeicherung über Wasserstofftechnologien. Beides sind zentrale Fragestellungen, wenn es um die breite und kostengünstige Nutzbarmachung von erneuerbaren Energien und den Erfolg der Energiewende in Deutschland geht.

Programmstruktur[Bearbeiten]

Die Arbeiten der Zentren werden in Programmen kategorisiert, die in sechs Forschungsbereiche eingeteilt sind. Pro Forschungsbereich ist angegeben, welche Mitgliedszentren der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt sind:

Vergabe von Wissenschafts-Auszeichnungen[Bearbeiten]

Seit 1999 vergibt die Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Erwin-Schrödinger-Preis für herausragende interdisziplinäre Forschung.

Nobelpreise in der Helmholtz-Gemeinschaft[Bearbeiten]

Nobelpreis für Medizin 2008

Harald zur Hausen

Harald zur Hausen wurde im Jahr 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Zur Hausen hat am Deutschen Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft untersucht, wie Gebärmutterhalskrebs durch Virusinfektionen ausgelöst wird. Seine Forschung hat es ermöglicht, einen Impfstoff gegen die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen zu entwickeln. Zur Hausen erhielt die Hälfte des Nobelpreises, die andere Hälfte ging an Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des HI-Virus, der die AIDS-Erkrankung auslöst.

Nobelpreis für Physik 2007

Peter Grünberg

Der Nobelpreis für Physik ging im Jahr 2007 an den Festkörperphysiker Peter Grünberg vom Helmholtz-Forschungszentrum in Jülich. Grünberg erhielt die Auszeichnung zusammen mit seinem französischen Kollegen Albert Fert (Universität Paris-Süd) für die Entdeckung des Riesen-Magnetwiderstands. Beide Wissenschaftler hatten diesen Effekt unabhängig voneinander im Jahr 1988 entdeckt.

Friedensnobelpreis 2007

Das Nobelpreiskomitee hat im Jahr 2007 das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und Albert A. Gore mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Forscher erhielten den Preis für ihre Anstrengungen, die Öffentlichkeit über die Ursachen des globalen Klimawandels zu informieren. Unter den über 2000 Wissenschaftlern, die am IPCC-Report mitgearbeitet haben, sind zahlreiche Wissenschaftler aus der Helmholtz-Gemeinschaft. Als koordinierender Hauptautor verantwortete Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das Kapitel Beobachtete Änderungen in Schnee, Eis und Permafrost.

Andere deutsche außeruniversitäre Forschungsorganisationen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helmholtz-Gemeinschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Helmholtz-Gemeinschaft: Zahlen und Fakten
  2. Helmholtz-Gemeinschaft: In vier Jahrzehnten von einem losen Verbund zur Gemeinschaft
  3. Mainz wird erster Standort eines Helmholtz-Instituts Meldung auf bildungsklick.de
  4. „Helmholtz-Institut Jena“ kommt Gemeinsame Pressemitteilung von BMBF, DESY, Friedrich-Schiller Universität Jena, GSI, Helmholtz-Gemeinschaft vom 25. Juni 2009
  5. Saar-Universität erhält Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland Presseinformation des HZI vom 24. August 2009
  6. Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg offiziell eröffnet Meldung auf www.helmholtz.de