Henkersknoten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Henkersknoten
Henkersknoten
Typ Schlinge
Anwendung Todesstrafe, Strangulation, Dekoration » Warnung
Ashley-Nr 366
Synonyme Henkerknoten, Galgenknoten,
Englisch Hangman's knot, Slipknot

Der Henkersknoten ist ein Knoten, der zum Erhängen verwendet wird. Der Knoten besteht aus einer frei laufenden Schlinge, die um den Hals des Opfers gelegt wird und sich beim Erhängen durch dessen Gewicht zuzieht.

Henkersknoten

Abwandlungen[Bearbeiten]

Die Anzahl der Rundtörns (Wicklungen) um die Schlinge wird je nach Quelle verschieden angegeben: Mal sind es neun, angeblich als Anspielung auf die Todsünden, von denen man früher neun kannte,[1] oder auf den Volksmund, der manchmal sagt, jemand habe das Leben von neun Katzen, mal sind es acht oder 13 (Unglückszahl). Das „Procedure for Military Executions“ der U.S. Armee vom Dezember 1947[2][3] schrieb in seiner Knotenanleitung für Hinrichtungen durch Erhängen ausdrücklich sechs Wicklungen vor. In Großbritannien wurde bis zur Abschaffung der Todesstrafe kein Knoten verwendet, sondern das Seil wurde durch ein in das Seilende eingespleißtes Messingauge (Kausch) geführt.

Aufschießen einer Leine
Schlinge des britischen Typs (Altes Gefängnis in Jerusalem, aus der Mandatszeit)

Beim Aufschießen einer Leine wird eine abgewandelte Version des Henkersknoten verwendet, indem das Seil als „Schlinge“ vielfach gelegt wird. Die Zahl der Rundtörns ist dabei beliebig, das lose Ende wird durchgesteckt, aber nur leicht festgezogen. Die offensichtliche Ähnlichkeit besteht auch bei einem Takling oder Wurfknoten.

Herstellen eines Taklings


Anwendung[Bearbeiten]

Herkömmlicherweise wird der Knoten unmittelbar unter und hinter dem linken Ohr angelegt. Durch das Zuziehen der Schlinge werden die Luftzufuhr zur Lunge und die Blutzufuhr zum Gehirn unterbunden, was zum – oft langsamen und qualvollen – Tod des Verurteilten führt (Strangulation). In Kombination mit dem Gebrauch einer Falltür und einem Sturz aus einer berechneten Höhe tritt der Tod durch Genickbruch ein (Long Drop). Ein Knoten der abgebildeten Art entspricht der US-amerikanischen Tradition. In dieser Methode wurden bei den Nürnberger Prozessen Kriegsverbrecher durch den Master Sergeant John C. Woods hingerichtet. Unterrichtet wurde er von Johann Reichhart, unter dessen Anleitung ist auch der Galgen für die Exekutionen in Nürnberg errichtet worden.

Alternativen[Bearbeiten]

Zweistrang-Bändselknoten.jpg
Der Zweistrang-Bändselknoten
Höhlenknoten.jpg
Der Höhlenknoten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Clifford W. Ashley: Das Ashley-Buch der Knoten. Über 3800 Knoten. Wie sie aussehen. Wozu sie gebraucht werden. Wie sie gemacht werden. Sonderausgabe. Hamburg: Edition Maritim, 2005, ISBN 3-89225-527-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hangman's noose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aus: Glaubensweg und Alltagsleben: "Das Enneagramm hat verschiedene Wurzeln, unter anderem auch christliche, die ins 4. Jahrhundert zu den sogenannten Wüstenvätern, den ersten christlichen Mönchen, zurückreichen. Einer der bekanntesten, Evagrius Ponticus, zählt z.T. sieben, z.T. acht, z.T. neun verschiedene 'Todsünden' auf, denen jeder Gott suchende Mensch auf seinem Weg begegnet. Daraus hat sich die katholische Lehre der sieben Todsünden und der sieben Kardinaltugenden entwickelt …"
  2. US Army Drucksache 27-4 vom Dezember 1947 (PDF; 912 kB)
  3. Am 12. Januar 1946, in der JVA Bruchsal waren es deutlich mehr als 6 Wicklungen Quelle: CRITICALPAST.com