Holger Strohm

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Holger Strohm auf einer Veranstaltung in Hamburg, 2012

Holger Strohm (* 7. August 1942 in Lübeck) ist ein deutscher Autor, der durch seine Sachbücher zu Gefahren der Atomenergie und zur Sicherheit von Kernkraftwerken bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Strohm studierte Fertigungstechnik in Berlin, Business Administration in Toronto und Göteborg sowie Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg. Er arbeitete als Berufsschullehrer und war in der Industrie als Angestellter und als Organisations- und Industrieberater tätig.

1971 schrieb er mit Friedlich in die Katastrophe sein erstes Buch über die Gefahren der Atomenergie, dem der Historiker Joachim Radkau bescheinigt, dass es einen „erheblichen Niveausprung in der bundesdeutschen Kernkraft-Kritik“ darstellte. Nachdem es von über 80 Verlagen abgelehnt wurde, veröffentlichte Strohm es zunächst im Privatdruck und dann im Kleinverlag Association. Von der 1981 bei Zweitausendeins erschienenen Neuausgabe wurden schnell 130.000 Exemplare verkauft. Die Gesamtauflage der bei Zweitausendeins verlegten Bücher von Strohm beläuft sich auf 640.000.[1][2]

Ursprünglich war Strohm Mitglied der SPD, aus der er 1978 ausgeschlossen wurde, da er als Spitzenkandidat der Bunten Liste - Wehrt Euch (BuLi) bei den Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft kandidierte. Auch von der BuLi schied er im Zorn, nachdem er sich mit seinem Vorschlag einer Europawahlteilnahme nicht gegen den die BuLi dominierenden Kommunistischen Bund hatte durchsetzen können.

Nach der Katastrophe von Tschernobyl lebte er mit seiner Familie zehn Jahre lang in Portugal.

Strohm studierte an der Universität Hamburg. Da der Erziehungswissenschaftler Peter Struck seine Promotion nicht betreuen wollte, ging Strohm 2002 an die Universität Bremen zu Johannes Beck, kurz vor dessen Emeritierung.[3] Seine 2007 erfolgte Promotion wurde nach Verfahrensunklarheiten 2012 gerichtlich bestätigt. Die Promotionsurkunde zum Dr. phil. erhielt er am 7. August 2012.

Strohm lebt in Mölln und Portugal.

Wirken[Bearbeiten]

Strohm ist Autor von rund 40 Büchern. Als Sachverständiger war er 1972 für den Innenausschuss des Deutschen Bundestages tätig.[4] Strohm ist Träger der Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens und Preisträger der internationalen Umweltschutzmedaille.

Strohm ist Anhänger von Chemtrails-Verschwörungstheorien.[5] Seine Schriften zu diesem Thema wurden von etablierten Verlagsanstalten abgelehnt oder ignoriert. Strohm gründete daraufhin den Eigenverlag Wider die Zensur.

Strohm recherchierte zu AIDS, das seiner Meinung aus amerikanischen Forschungslabors stammt. Auch hätten die Vereinigten Staaten das Wetter in Nordkorea manipuliert und seien damit für die dortige Hungersnot verantwortlich. Zudem behauptet Strohm, in Berlin bestehe seit 1985 eine „Reichsregierung“, die eigene Pässe ausstelle und dem amerikanischen Präsidenten unterstehe.[4][6]

Die esoterische Zeitschrift Raum & Zeit veröffentlichte 2007 einen Artikel Strohms zum Thema Lehrergewalt.[7] Umweltstaatssekretär Michael Müller schrieb 2008 das Vorwort zu Strohms Buch Gaia weint. Im Herbst 2010 erschien im Sokrates Verlag Das Wunder des Seins und seine Zerstörung, 2011 eine um ein Vorwort von Müller erweiterte Ausgabe von Friedlich in die Katastrophe in der Edition Nautilus und 2012 Neues von der Euro-Mafia bei Kai Homilius Verlag in der Edition Zeitgeschichte ebenfalls mit einem Vorwort von Müller. Letzterer schreibt über Strohm, er "gehört zu denen, die den eigenen Kopf benutzen" und damit "den anderen Blick" einnehmen, "den wir brauchen, um im Dickicht der Interessen und Ideologien bessere Einsichten zu bekommen."[8]

Im September 2012 wurde der von Strohm produzierte Dokumentarfilm Friedlich in die Katastrophe von Marcin El im Abaton-Kino Hamburg erstmals aufgeführt.[9] Der Film fand keinen Verleih, wurde im Nachhinein aber über das Internet veröffentlicht

Kontroversen[Bearbeiten]

Strohm versuchte eigenen Angaben zufolge 2011 nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima vergeblich bei den etablierten Medien durchzudringen, um auf die seiner Meinung nach bestehenden Missstände in der Berichterstattung hinzuweisen, und gab diesbezüglich der MLPD-Zeitung „Rote Fahne“ ein Interview.[10] 2012 behauptete Strohm in einem Interview mit dem NPD-nahen Magazin Umwelt & Aktiv, die Spitzen der Anti-AKW-Bewegung seien vom Verfassungsschutz und der Atomlobby „unterwandert“.[11] Sie würden versuchen, Aufführungen seines Films zu verhindern. Die Taz kritisierte das Gespräch mit „den Nazis“, er helfe dem Magazin bei der Etablierung über die Szenegrenze hinweg.[11]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Umweltsch(m)utz. Melzer, Darmstadt 1972; Verlag Association, Hamburg 1977, ISBN 3-88032-059-4.
  • Ökologie ganz einfach. Melzer, Darmstadt 1973, ISBN 3-7874-0010-9.
  • Friedlich in die Katastrophe. Eine Dokumentation über Atomkraftwerke. Edition Nautilus, Hamburg 2011. Aktuelles Vorwort von Michael Müller, ISBN 978-3-89401-748-4 Erstauflage: Verlag Association, Hamburg 1973, ISBN 3-88032-030-6; erweiterte neue Ausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt 1981,
  • (Hrsg.): Der Umweltschutzreport. Melzer, Darmstadt 1973, ISBN 3-7874-0002-8.
  • Materialiensammlung zur Gefährdung der Bevölkerung durch Atomkraftwerke. Verlag Association, Hamburg 1975, ISBN 3-88032-000-4.
  • (Hrsg.): Das Risiko Kernenergie. Verlag Association, Hamburg 1975, ISBN 3-88032-034-9.
  • (Hrsg.): Biologische Schäden durch Atomkraftwerke und energiereiche Strahlen. Verlag Association, Hamburg 1976, ISBN 3-88032-036-5.
  • (Hrsg.): Stadt- und Verkehrsprobleme. Zur Habitat-Konferenz der UNO. Verlag Association, Hamburg 1976, ISBN 3-88032-041-1.
  • (Hrsg.): Schnelle Brüter und Wiederaufbereitungsanlagen. Verlag Association, Hamburg 1977, ISBN 3-88032-048-9.
  • Erziehung zum Umweltschutz. Arbeitsmaterialien für Lehrer und Studenten. Verlag Association, Hamburg 1977, ISBN 3-88032-052-7.
  • (Hrsg.): Genmanipulation und Drogenmissbrauch. Verlag Association, Hamburg 1977, ISBN 3-88032-069-1.
  • (Hrsg.): Umweltschutz in der VR China. Verlag Association, Hamburg 1978, ISBN 3-88032-057-8.
  • (Hrsg.): Atomenergie und Arbeitsplätze. Verlag Association, Hamburg 1978, ISBN 3-88032-073-X.
  • Politische Ökologie. Arbeitsmaterialien und Lernmodelle für Unterricht und Aktion. Rowohlt, Reinbek 1979, ISBN 3-499-17085-X.
  • Natur kaputt? Ein Umwelt-Buch. Rowohlt, Reinbek 1980, ISBN 3-499-20256-5; vollständig überarbeitete und erweiterte Neuausgabe ebd. 1992, ISBN 3-499-20643-9.
  • Was Sie nach der Reaktorkatastrophe wissen müssen. Zweitausendeins, Frankfurt 1986.
  • (Hrsg.): Warum auch geringe Radioaktivität lebensgefährlich ist. Zweitausendeins, Frankfurt 1986.
  • Wie unsere Gene bestrahlt, beschädigt und manipuliert werden. Zweitausendeins, Frankfurt 1986.
  • mit Verena S. Rottmann: Was Sie gegen Mikrozensus und Volkszählung tun können. Zweitausendeins, Frankfurt 1986.
  • AIDS. Die Ansteckung. Was Sie alles über Aids wissen müssen. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-498-06221-2.
  • mit Jim Faulkner & Marilyn Grein-Clifford: Countdown? Grundkurse, Leistungskurse. 2 Bände. Langenscheidt-Longman, München 1987, ISBN 3-526-50352-4.
  • Die stille Katastrophe. Zweitausendeins, Frankfurt 1999, ISBN 3-86150-321-2.
  • Unmensch Mensch oder Die Philosophie des Seins und des Bösen. Wider die Zensur, Mölln 2003.
  • Interviews mit Holger Strohm in der portugiesischen Presse. Wider die Zensur, Mölln 2006.
  • Lehrergewalt – ein Tabuthema. In: raum&zeit. 146/2007 (PDF; 654 KB)
  • Gaia weint. Wider die Zensur, Mölln 2008.
  • Das Wunder des Seins und seine Zerstörung. Sokrates, München 2010, ISBN 978-3-9812912-0-9.
  • Bankenmafia. Schild Verlag, Elbingen 2012, ISBN 978-3-86994-026-7.
  • Neues von der Euro-Mafia. Kai Homilius Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-89706-825-4.
  • Lehrergewalt und strukturelle Gewalt an Schulen, Schild Verlag, Elbingen 2013, ISBN 978-3-86994-034-2.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Klaus Schramm: Rezension zu Holger Strohms „Die stille Katastrophe“. Website von Netzwerk Regenbogen
  2. Frank Lübberding: Kernkraftkritiker der ersten Stunde: Einer steht im Weg In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 2011.
  3. Gericht promoviert Querdenker, Taz, 29. Juni 2012.
  4. a b Frank Lübberding: Kernkraftkritiker der ersten Stunde: Einer steht im Weg. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. April 2011.
  5. Dominik Storr: Interview mit Holger Strohm über Klimaveränderungen und “Chemtrails”. Website Bürgeranwalt.com
  6. Homepage Holger Strohm (abgerufen am 6. Februar 2014).
  7. Vgl. Lehrergewalt – ein Tabuthema (PDF; 670 kB), Raum & Zeit 146/2007.
  8. Michael Müller: Vorwort. Die Krise des Spätkapitalismus. In: Holger Strohm: Neues von der Euro-Mafia. Eine Medien-Dokumentation, Berlin, 2012, S. 7–10, hier S. 10.
  9. Holger Strohm: „Friedlich in die Katastrophe“, der Freitag, 22. Oktober 2012.
  10. Der Anti-Atom Appell: Werner Altnickel & Holger Strohm im Gespräch über die Gefahren der Atomkraft, „Bewusst.tv“ auf YouTube, 26. März 2011, abgerufen am 24. Januar 2013.
  11. a b Andreas Speit: Grüner Pionier im Nazi-Sumpf Taz, 2. Dezember 2012.